Audi R8 5.2 FSI quattro Gezähmte Urgewalt

20.04.2009

Die Leistungsdaten des Audi R8 mit V10-Motor und 525 PS sprechen für sich. Doch der schnellste Serien-Audi aller Zeiten ist kein ungehobelter Krawalltyp – der 316 km/h schnelle Renner taugt für edle Auftritte

Eckdaten
PS-kW525 PS (386 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 6-Gang, automatisiert
0-100 km/h3.9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit316 km/h
Preis149.800,00€

Mehr als 10 000 R8 hat Audi seit 2007 gebaut. Jetzt kommt der von vielen Kunden lang ersehnte
Top-R8 mit V10-Triebwerk. Bisher konnten nur die S6-und S8-Kunden das Potenzial des Saugmotors erleben. Und auch Audi-Konzerntochter Lamborghini nutzt den V10 im Gallardo LP 560-4. Die Motoren im fl achen Italiener und dem jüngsten R8 trennen nur eine modifi zierte elektronische Abstimmung und damit auch ein Leistungsunterschied. Statt 560 PS wie der Lamborghini stellt der Audi „nur“ 525 PS bereit. Der gleiche Verwandtschaftsgrad trifft auf das optionale R tronic-Getriebe zu, eine automatisierte Sechsgang-Box. Kostenpunkt beim R8: 7400 Euro.

Erstmals LED-Scheinwerfer serienmäßig

Die weiter ausgestellten seitlichen Lufteinlässe des V10-R8 nimmt nur das Kennerauge wahr. Sie sind aufgrund des größeren Bedarfs an Verbrennungsluft eine Notwendigkeit. Auch serienmäßige LED-Scheinwerfer – hier dienen sparsame Dioden selbst für den Blinker als Lichtquelle – besitzt nur dieser R8. Dazu kommen glänzend schwarz lackierte Flächen an Front und Heck, ein geänderter Kühlergrill mit grimmiger Optik und neu gestaltete 19-Zoll-Räder. Innen gehören unter anderem eine Nappa-Leder- Ausstattung, eine Bildschirm-Navigation und ein Bose-Soundsystem zum Rundum-Sorglos-Paket.

Doch Vorsicht, auch die verbleibenden Optionen können schnell zur persönlichen Finanzkrise führen. Spitzenreiter ist die im Testwagen eingebaute Keramikbremse für 8820 Euro. Ein Extra, das allerdings wichtiger ist als das 5600 Euro teure Leder-Kofferset in exklusiven Farben.

Das Faszinierendste bleibt aber der 5,2 Liter große V10 mit Benzin- Direkteinspritzung. Er wiegt mmit 258 Kilo nur 31 kg mehr als der bisher ausschließlich angebotene 420-PS-V8. Mehr Daten: Die Literleistung liegt bei 100,9 PS pro Liter Hubraum, die Maximal-Drehzahl beträgt 8700 Umdrehungen. Bei dieser Drehzahl
legen die zehn Kolben in jeder Sekunde eine Strecke von 26,9 Metern zurück. Der V10 soll auch bei Querbeschleunigungen von über 1,2 g sicher mit Öl versorgt werden. Audi verwendet daher eine Trockensumpfschmierung, die nebenbei auch noch eine sehr tiefe Einbaulage erlaubt. Das Öl wird nicht in einer großen Ölwanne unter dem Motor gesammelt, sondern in einem separaten Tank.

Bummeln oder Hetzen

Der V10 unter der Glaskuppel im Heck startet mit einem Grummeln, das keineswegs aufdringlich
wirkt. Der Fahrer genießt im Bummeltempo auf der Landstraße die Aussicht, sitzt an einem perfekten
Arbeitsplatz und wird nicht durch ungehobelte Fahrwerksmanieren gestört. Der R8 rollt zurückhaltend wie ein A4 über die Straßen und stellt keine besonderen Ansprüche. Die R tronic wechselt im Automatik-Modus kaum spürbar die Gänge, die Verbrauchsanzeige nähert sich von oben herab der Zehn-Liter-Marke.

Dass es auch anders geht, zeigt ein Ausflug auf die Rennstrecke. Das serienmäßige adaptive Dämpfersystem „magnetic ride“ lässt sich auf Knopfdruck nachschärfen, eine Sporttaste für das Getriebe verkürzt die Schaltzeiten.

Variabler Allradantrieb

Ein Ziehen an der Lenkradwippe beantwortet der R8 in Bruchteilen einer Sekunde mit einem sanften Schaltruck. Auch die Tonlage des klappengesteuerten Auspuffs ändert sich, der V10 trompetet wie ein ganzes Orchester. In 3,9 Sekunden soll er aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen – ein Verdienst der Schnellstart-Automatik. Dank des damit optimierten Anfahrverhaltens soll der R8 Tempo 200 in nur zwölf
Sekunden erreichen. Mit manuellem Getriebe gibt Audi 12,3 Sekunden an.

Weiterer Vorteil der R tronic: Der werksseitige EUVerbrauch fällt im Vergleich zum R8 mit Serien-Getriebe um einen Liter Super Plus niedriger aus. Die im Sport-Modus spontanen Fahrwerksreaktionen des Mittelmotor- Allradlers sollte man zunächst mit eingeschaltetem ESP ertasten. Maximal 35 Prozent der Antriebskraft gelangen bei Bedarf an die Vorderachse. Der R8 bleibt unter Last neutral bis zaghaft untersteuernd. Plötzliche Lastwechsel oder ein kurzer Gaslupfer am Kurveneingang haben gut einschätzbare Heckschwenks zur Folge. Diese Eigenart wie auch die präzise Lenkung helfen dem Audi, noch agiler in enge Biegungen einzulenken.

Drifteinlagen sind ohne ESP ebenfalls kein Problem. Die Keramikbremse hat einen geringen Verschleiß und verdaut standfest extremste Bremsmanöver, lohnt sich fahrdynamisch aber nur bei regelmäßigen Rennstrecken-Ausflügen. Ab April wird der R8 5.2 FSI quattro bei ausgewählten Händlern stehen – für mindestens 142 400 Euro.
Holger Eckhardt

Fazit

Technische Daten
Motor 
ZylinderV10-Zylinder, 4-Ventiler, Benzin-Direkteinspritzer
Hubraum5204
Leistung
kW/PS
1/Min

386/525
8000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
530
6500 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6-Gang, automatisiert
AntriebAllradantrieb, permanent
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete Keramik-Scheiben
h: innenbelüftete Keramik-Scheiben
Bereifungv: 235/35 ZR 19
h: 295/30 ZR 19
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1625
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)3.9
Höchstgeschwindigkeit (km/h)316
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch13.7l/100km (Super Plus)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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