Audi R8 V10 plus/Mercedes-AMG GT R: Test Der AMG GT R fletscht seine Zähne

von Marcel Kühler 04.07.2017
Inhalt
  1. Motor/Getriebe: Beide Aggregate mit irrem Punch
  2. Test: Audi R8 V10 plus gegen Mercedes-AMG GT R
  3. Fahrkomfort: Der GT R liegt etwas ruhiger als der R8
  4. Karosserie: Beide Boliden fast mit Serienausstattung
  5. Hohe Anschaffungs- und Unterhaltskosten

Leistungsgesteigerter Antrieb, aktive Aerodynamik, Allradlenkung: Mit dem AMG GT R bläst Mercedes zur Attacke auf das Supersportler-Establishment. Als erster Test-Gegner wartet der Audi R8 V10 plus zum Gipfeltreffen auf dem Nürburgring.

Mercedes-AMG hat keinerlei Kosten und Mühen gescheut, um aus dem GT einen reinrassigen Supersportwagen zu machen. Offensichtliche Rennsport-Anleihen wie die aktive Aerodynamik, das einstellbare Gewindefahrwerk samt versteifenden Uniball-Lagern hinten oder die justierbare Traktionskontrolle sollen den 585-PS-Dampfhammer zu einem echten Siegertypen reifen lassen. Doch kann der vielleicht martialischste Mercedes aller Zeiten dem 610 PS starken Mittelmotor- Projektil Audi R8 V10 plus wirklich die Stirn bieten?

Video Mercedes-AMG GT R (2017)
Mercedes-AMG GT R (2016) Fahrbericht: Video  

Erste Fahrt im AMG GT R

 

Motor/Getriebe: Beide Aggregate mit irrem Punch

Die Frage ist durchaus berechtigt, denn der Extrem-R8 zählt zu den leistungsstärksten Supersportwagen unserer Zeit. Sein frei saugender, blitzartig ansprechender Zehnzylinder ist weniger eine Antriebseinheit im klassischen Sinn. Vielmehr ist er eine Naturgewalt, die untermalt von ekstatischem Kreischen für raketengleichen Schub sorgt. Das zulässige Landstraßentempo erreicht der allradgetriebene Audi,der wie der Mercedes ab Werk über ein ultraschnell schaltendes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verfügt, nach nur 3,0 Sekunden. Nach wahnwitzigen 9,2 Sekunden ist die 200-km/h-Marke bereits Geschichte. Doch der AMG beschleunigt kaum weniger unerbittlich. Begleitet von wildem V8-Gestampfe wütet der GT R gen Horizont. Das Mess-Equipment zeigt gleichfalls Fabelwerte: null bis 100 km/h in 3,6 Sekunden. Tempo 200 erreicht der giftig grüne Daimler nach 9,8 Sekunden – womit der Hecktriebler auch seine hervorragende Traktion unter Beweis stellt. Doch dazu später mehr. Vom Charakter her sind beide Triebwerke sehr eigenständig. Während der GT R wegen seines Drehmoments von maximal 700 Newtonmetern, das bereits ab 1900 Umdrehungen anliegt, quasi jederzeit zu Höchstleistungen fähig ist, erreicht der R8 seinen Drehmoment-Zenit erst bei 6500 Touren und muss somit höher gedreht werden, um seinen schwindelerregenden Punch in Gänze zu demonstrieren. Allerdings wollen beide Traum-Motoren mit reichlich Super Plus gefüttert werden. Durchschnittlich genehmigt sich der V10 des Audi 15,7 Liter. Und auch der Testverbrauch des GT R von 14,5 Litern ist keineswegs ein Fall für eine Öko-Ehrenmedaille.

Der Mercedes-AMG GT R im Video:

 
 

Test: Audi R8 V10 plus gegen Mercedes-AMG GT R

Die süddeutschen Supersportler bestreiten den Test mit Michelin-Sportreifen, die hinsichtlich des Einsatzes auf der Rennstrecke optimiert wurden. Sie müssen zunächst behutsam auf Temperatur gebracht und dann mit dem richtigen Luftdruck befüllt werden, bevor die Boliden ihr volles Potenzial auf der Strecke entfalten können. Mit aufgeheizten Pneus offenbart der AMG auf der Kurzanbindung des Nürburgring-GP-Kurses sein ganzes Faszinationspotenzial. Jede winzige Bewegung am Lenkrad pariert der GT R mit gierigem Einlenken. Die erreichbaren Kurvengeschwindigkeiten sind lediglich mit einem Attribut treffend umschrieben: atemberaubend. Doch vor allem vermittelt der Affalterbacher bereits nach wenigen Kilometern aufgrund seiner verlässlichen Reaktionen im Grenzbereich ein ungeahntes Maß an Vertrauen. Ein wichtiger Baustein dazu ist die aus dem Rennsport entliehene Traktionskontrolle. Sie kann in neun Stufen justiert werden und lässt je nach Einstellung mehr oder weniger Schlupf an der Hinterachse zu. Für eine extrem hohe Stabilität in schnellen Kurven sorgt auch die serienmäßige Allradlenkung. Bis 100 km/h lenken die Hinterräder gegenläufig zu den Vorderrädern und bewirken eine virtuelle Verkürzung des Radstands. Dadurch wirkt der GT R bei niedrigeren Geschwindigkeiten sehr handlich. Oberhalb von 100 km/h drehen sie dann in dieselbe Richtung wie die Vorderräder. Dies stabilisiert das Fahrverhalten – wie bei einem Fahrzeug mit längerem Radstand. In Summe ergibt sich aus der famosen Vorstellung des AMG eine Rundenzeit von 1:35,2 min. Der Audi umrundet die Sprintstrecke des Nürburgrings ebenfalls mit einem irren Speed, ist mit einer Zeit von 1:36,4 min jedoch 1,2 Sekunden langsamer als sein Rivale. Bei deaktivierten Fahrhilfen benötigt der R8 zudem eine kundige Hand am Steuer. Dann nämlich offenbart der Mittelmotor-Allradler ein recht launisches Naturell, was sich etwa durch zickige Lastwechselreaktionen sowie ein ausgeprägtes Tänzeln um die Hochachse bei harten Bremsmanövern aus hohen Geschwindigkeiten äußert. Deshalb gilt: Bremsungen sollten vor dem Einlenken komplett abgeschlossen sein, will man einen zeitraubenden Quersteher vermeiden. Erschwerend hinzu kommt, dass die sehr spitz ansprechende, variable Lenkung des R8 nicht so viel Gefühl vermittelt wie die nahezu perfekte Lenkung des AMG.

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Fahrkomfort: Der GT R liegt etwas ruhiger als der R8

Dass von Supersportwagen dieses Kalibers keine Wunderdinge in Sachen Federungskomfort erwartet werden dürfen, liegt auf der Hand. Einige Nehmerqualitäten seitens der Passagiere vorausgesetzt, ist es aber dennoch möglich, mit beiden Boliden lange Strecken zurückzulegen. Der Mercedes ist serienmäßig mit elektronisch geregelten Dämpfern ausgestattet. Damit liegt der GT R insgesamt etwas ruhiger auf der Straße, während der Audi trotz konventioneller Dämpfer sensibler anfedert. Außerdem geht es im Ingolstädter Flachmann leiser zu als im GT R. Derweil sitzt man in der grünen Bestie angenehmer. Ihre werksseitig installierten Leichtbau-Vollschalensitze bieten trotz des schraubstockartigen Seitenhalts ein hohes Maß an Langstreckenkomfort. Letzterer wird zudem von der perfekten Sitzposition unterstützt. Die hoch montierten Schalensitze der Audi-Flunder sind hingegen für breitere Staturen zu eng geschnitten.

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Karosserie: Beide Boliden fast mit Serienausstattung

Trotz aller Sportlichkeit haben wir es hier keineswegs mit kargen Rennautos zu tun. Die Ausstattungsumfänge der Sportler ähneln denen der jeweiligen Großserienmodelle der Premium-Hersteller. So sind in beiden Fällen eine Klimaautomatik und edle Leder-/Alcantara-Polster enthalten. Sogar auf Online-Funktionen muss der Hightech-Fan in keinem der beiden Boliden verzichten. Moderne Assistenzsysteme sind im R8 hingegen Mangelware, während für den GT R zumindest auf Wunsch Spurhalte- und Spurwechsel-Hilfen, eine Precrash-Sensorik und ein Abstandsregler erhältlich sind. Eine kleine Überraschung angesichts der monströs breiten Mittelkonsole ist derweil das Platzangebot im AMG. Fahrer und Beifahrer fühlen sich perfekt ins Fahrzeug integriert und verfügen dennoch über mehr Bewegungsfreiheit als im Audi. Auch beim Kofferraumvolumen hat der Mercedes die Nase – beziehungsweise den Panamericana-Grill – vorn. Dafür ist der R8 noch eine Spur besser verarbeitet. Einzig störende Knack-Geräusche aus den Untiefen des Fahrersitzes trüben den ansonsten perfekten Qualitätseindruck des Bajuwaren.

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Hohe Anschaffungs- und Unterhaltskosten

Den exorbitanten Fahrleistungen entsprechend sind allerdings auch die Preise, die für die zwei Hochleistungscoupés aufgerufen werden. Der Audi kostet in der "Basis" 190.000 Euro, ist aber dafür fast komplett ausgestattet. Teuer können aber die vielen Individualisierungsmöglichkeiten werden, mit denen die Preisliste lockt. Der Mercedes beginnt bei 165.410 Euro. Features wie Navi, Einparkhilfe, Karbon-Keramik-Bremse oder Metalliclack kosten im Gegensatz zum Kontrahenten jedoch Aufpreis. Über die Unterhaltskosten sollte man in beiden Fällen diskret das Mäntelchen des Schweigens legen, wie unter anderem die immens hohen Typklasseneinstufungen zeigen.

(Achtung: Tabellen in der mobilen Ansicht >> bitte im Querformat)

Technische DatenAudi R8 V10 plusMercedes-AMG GT R
MotorV10/4V8/4, Biturbo
Hubraum5204 ccm3982 ccm
Leistung610 PS585 PS
Maximales Drehmoment560 Nm700 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung7-Gang, Doppelkupplung
AntriebAllrad, permanentHinterrad
0-100 km/h3,0 s3,6 s
Höchstgeschwindigkeit330 km/h318 km/h
Leergewicht1580 kg1555 kg
L/B/H in mm4426/1940/12404551/2007/1284
Kofferraum112 l285 l
Testverbrauch15,7 l SP14,5 l SP
Grundpreis190.000 Euro165.410 Euro
Bewerteter Preis197.800 Euro173.681 Euro
Platzierung21

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Mercedes-AMG hat an den richtigen Stellschrauben gedreht und mithilfe einiger Motorsport-Tools aus seinem eleganten Sport-Coupé ein ernsthaftes Werkzeug für den Einsatz auf der Rennstrecke gezaubert. Der Mercedes-AMG GT R begeistert mit gnadenloser Performance bei gleichzeitig absolut berechenbarem Charakter im Grenzbereich. Damit gewinnt er diesen hochoktanigen Test – und die Herzen sportlich ambitionierter Fahrer. Doch der Audi R8 V10 plus ist deswegen noch lange kein Verlierertyp. Im Gegenteil: Dank seines famosen Zehnzylinder-Triebwerks ist er immer noch einer der faszinierendsten aktuellen Supersportwagen, der für sich genommen mit extremer Performance glänzt. Bei deaktiverten Fahrhilfen sind aber ein kühler Kopf und fahrerisches Können gefragt.

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