Audi S3 Sportback/BMW M140i/Seat Leon Cupra 300: Test Seat Leon jagt BMW M140i und Audi S3

von Elmar Siepen 21.07.2017
Inhalt
  1. Test: BMW M140i, Seat Leon Cupra 300 & Audi S3
  2. Seat mit fantastischen Traktionswerten
  3. Fahrkomfort: Langstrecken am besten mit Audi
  4. Beste Sicherheitsausstattung im Audi
  5. Umwelt/Kosten: Seat mit Abstand am günstigsten

Test dreier Kompaktsportler auf der iberischen Halbinsel: Seat hat den facegelifteten Leon Cupra mit 300 PS von der Leine gelassen. Und der macht sich prompt auf zur Jagd auf die deutsche Konkurrenz. Willkommen zur höchst unterhaltsamen Kraftmeierei!

Die meisten Menschen fahren fünftürige Kompaktwagen aus Vernunftsgründen. Doch was ist schon ein ausschließlich auf Vernunft basierendes Dasein? Richtig: langweilig! Wer möchte schon sein Leben hauptsächlich mit Knäckebrot und kohlensäurearmen Mineralwasser verbringen. Niemand! Entsprechende Mittel vorausgesetzt, lässt sich aber auch das Eine tun, ohne das Andere zu lassen – etwa die praktischen Vorzüge eines Kompaktwagens im Alltag nutzen und spaßeshalber zugleich die überbordende Leistung der Top-Modelle der jeweiligen Baureihen genießen. Audi hat hier mit dem 310 PS starken, allradgetriebenen S3 Sportback ein sicheres Paket für gehobene Fahrdynamik im Programm, von dem sich BMW mit dem ebenfalls vierradgetriebenen, aber 340 PS starken M140i xDrive leistungsmäßig deutlich nach oben absetzt. Seat will hier mit dem neuen, "nur" 300 PS starken Leon Cupra und Frontantrieb gegenhalten – ob das reicht?

Der Seat Leon Cupra im Video:

 
 

Test: BMW M140i, Seat Leon Cupra 300 & Audi S3

Mit ihrem turbogeladenen 3,0-Liter-Reihensechszylinder fahren die Weiß-Blauen im stärksten 1er ein schweres Geschütz auf, das mit seiner Vorstellung jeden Kenner begeistern dürfte. Die turbinenhafte Drehfreude, die seidige Laufkultur und der unvergleichliche Ton sind seit jeher Kennzeichen des Münchner Motoren-Monuments. Als überaus faszinierend hinzu kommt der Druck, den seine maximal 500 Nm Drehmoment selbst noch in höheren Geschwindigkeitsregionen entwickeln. Nicht nur mit dem Standardsprint auf 100 km/h in gerade mal 4,3 Sekunden setzt er sich von der Konkurrenz ab, auch bis zur 200-km/h- Marke nimmt er dem Audi 1,5 und dem Seat 1,8 Sekunden ab, während die Achtstufen- Automatik die Gänge blitzschnell und zielsicher auf die passende Anschluss-Drehzahl platziert. Mit einem Testverbrauch von 9,7 Liter Super Plus pro 100 Kilometern verbraucht der Bayer aber auch am meisten Kraftstoff. Übrigens: In der Betriebsanleitung findet sich nirgends ein Hinweis darauf, dass Super Plus die verbrauchsgünstigste Kraftstoffsorte ist. Mit dem Audi A3-Facelift stieg die Leistung im S3 auf 310 PS. Das ist die derzeit höchste Ausbaustufe des bekannten 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziners aus dem VW-Konzern, der den Audi mit sportlichem Ton in 4,6 Sekunden kaum langsamer auf Landstraßenhöchsttempo katapultiert. Wie die Rivalen ist auch der Ingolstädter bei 250 km/h abgeregelt. Herrlich ist das kurze Sprotzeln aus dem Auspuff, hervorgerufen durch die Zylinderausblendung beim Hochschalten mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Die kürzere Gesamtübersetzung verursacht gegenüber der des BMW ein höheres Drehzahlniveau: Bei 180 km/h auf dem Tacho liegt der Audi im höchsten Gang bei 3200 /min, der BMW bei nur 2750 /min, doch ist das Drehvermögen des S3-Motors etwas geringer ausgeprägt als das des M140i xDrive, der locker knapp über 7000 Touren erreicht. Der Seat, nominell der Schwächste des Trios, nimmt sich bis zur 100-km/h-Marke 5,5 Sekunden Zeit, muss allerdings seine gesamte Kraft über die Vorderräder auf die Straße bringen. Dafür spricht sein Motor im anwählbaren Cupra-Modus genauso bissig an wie das S3-Aggregat in der dynamic-Einstellung. Das Doppelkupplungsgetriebe des Leon muss sich mit nur sechs Gängen begnügen, die aber ähnlich zackig gewechselt werden wie bei der Konkurrenz. Ausnahme: der Kickdown am Kurvenscheitelpunkt, wo der Gangwechsel auf sich warten lässt. Mit nur 9,3 Liter Super Plus fährt der Seat beim Verbrauch vornweg: Er unterbietet gar noch den Audi um 0,2 Liter – und das, obwohl er mit noch höheren Drehzahlen unterwegs ist (180 km/h: 4100 /min).

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Seat mit fantastischen Traktionswerten

Auf dem Handling-Kurs ist der Audi unscheinbar schnell, bleibt auf seinen 19-Zöllern lange neutral, bevor er zum Untersteuern tendiert. Er wirkt etwas kopflastig, bleibt im Grenzbereich aber gutmütig. Leichte, sanft einsetzende Lastwechselreaktionen lassen sich auch oberhalb der Autobahnrichtgeschwindigkeit noch gut parieren. Seine serienmäßige Progressiv-Lenkung erfordert relativ hohe Haltekräfte, und die Dosierbarkeit der Bremse könnte bei starker Belastung besser sein. Hier vermittelt der BMW ein besseres Pedalgefühl. Die Verzögerungsleistung der serienmäßigen M-Sportbremse liegt ungefähr auf einem Niveau mit der des Audi. Ansonsten fühlt er sich deutlich handlicher an als sein bayerischer Konkurrent, folgt mit seiner (aufpreisfreien) variablen Sportlenkung Richtungsbefehlen spontaner und bleibt stets auf der neutralen Seite. Sein Allradantrieb ist spürbar hecklastiger ausgelegt und lässt ihn bei Bedarf mit Fahrspaß fördernden leichten Leistungsübersteuern aus der Kurve beschleunigen. In der Summe nimmt er dem S3 Sportback im Handling 1,6 Sekunden ab. Die pure Überraschung ist allerdings der Seat, der auf optionaler, extrem haftfähiger 19-Zoll-Bereifung vom Typ Michelin Pilot Sport Cup 2 vorfährt. Noch zackiger als der BMW jagt der Cupra 300 durch Kurven jeglicher Radien und glänzt mit einer für einen Fronttriebler nicht für möglich gehaltenen Traktion. Die serienmäßige Progressivlenkung kann zwar nicht verhehlen, dass 300 PS an den Vorderrädern zerren, lässt aber bezüglich ihrer Präzision keine Wünsche offen. Gaslupfen in Kurven an der Reifenhaftgrenze beantwortet der Seat mit spürbarem, aber gut kontrollierbarem Eindrehen des Hecks. Gewöhnungsbedürftig ist nur das leicht schwänzelnde Heck bei starken Bremsungen aus hohen Tempi. Die kürzesten Bremswege versöhnen den Fahrer jedoch mit dieser Eigenheit. Den Besitzerstolz dürfte zudem die Rundenzeit des Leon fördern, die 0,6 Sekunden unter der des BMW und satte 2,2 Sekunden unter der des Audi liegt. Mehr zum Thema: Das kostet der Seat Leon Cupra als Kombi

 

Fahrkomfort: Langstrecken am besten mit Audi

Zwar federt der BMW auf Asphalt-Narben sensibler an als der Audi, verschenkt diesen Vorsprung allerdings auf mit Bodenwellen gespickten Landstraßen und Autobahnen, wo schon kleine Wellen den Aufbau stets in Bewegung halten, was auf Langstrecken spürbar den Komfort mindert. An der Zuladungsgrenze federt der 1er allerdings eine Spur komfortabler als der S3. Auch der Cupra 300, wie die Test-Konkurrenz mit adaptiven Dämpfern bestückt, federt und dämpft ordentlich, doch an das Niveau der anderen beiden reicht er nicht ganz heran. Nicht zuletzt, weil er voll beladen merklich an Souveränität verliert. Langstrecken lassen sich am besten auf den Audi-Sitzen aushalten, Kontur und Polsterung passen perfekt. Das gilt auch für die Seat- Schalensitze, die jedoch eine etwas dünnere Polsterung aufweisen. Die BMW-Sportsitze könnten für beleibtere Zeitgenossen ein wenig schmal geschnitten sein. Und im Fond des Münchners geht es für größere Mitfahrer in Sachen Sitzkomfort deutlich unbequemer zu als in den Rivalen. Als Ausgleich für die Komforteinbußen punktet der 1er mit der besten Ergonomie: Schöne, gut ablesbare Analoganzeigen erfreuen das Auge, eine elektronische Ölstandskontrolle erspart ebenso schmutzige Finger wie der zweimalige Zug am Haubenöffner zur Entriegelung der Motorhaube, und der Dreh-Drück-Steller für das iDrive-System ist griffgünstig platziert. Im Gegensatz dazu dürfte die Menü-Ansteuerung per Wippschalter auf der Audi-Mittelkonsole nicht jedem gefallen. Im Seat liegt der Kofferraumboden Bandscheiben-unfreundlich etwas zu tief, was speziell Rückengeschädigte stört. Unterwegs wartet übrigens der Audi im Komfort-Modus mit dem nervenschonendsten Klangbild auf.

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Beste Sicherheitsausstattung im Audi

Die BMW-Karosserie ist deutlich knapper geschnitten als die seiner Testgegner. Auch die Übersichtlichkeit fällt bei ihm etwas schlechter als im Audi aus. Top dagegen ist die Bedienung: Die intuitive Menü-Führung des iDrive dient einmal mehr als Vorbild. Durchaus nachahmenswert sind auch die Drucktasten für z. B. abgespeicherte Radiosender. Um einen anderen Sender einzustellen, sind bei A3 und Leon mehrere Bedienschritte durch die Anwahl der passenden Menüs nötig. Auf Reisen freut man sich im Seat über den größten Kofferraum (380 bis 1210 Liter) und im Audi über die höchste Zuladung (492 Kilogramm). Der BMW bietet dafür nach Umklappen der Rücksitzlehne als einziger eine durchgängig ebene Ladefläche. Mit einer umfangreicheren Sicherheitsausstattung hält der S3 seinen Konzernkollegen Cupra 300 auf Distanz: So bietet der Spanier weder Kurvenlicht noch Spurwechsel- oder Parklenkassistenten. Bezüglich der Qualität liegen alle drei recht nah beieinander, doch würde man sich beim 1er angesichts des hohen Preisniveaus eine spielfrei montierte Rückfahrkamera in der Heckschürze wünschen. Mehr zum Thema: BMW M140i startet ab 42.200 Euro

 

Umwelt/Kosten: Seat mit Abstand am günstigsten

Wenn es ums Geld geht, liegt der Seat uneinholbar vorn. Das hängt schon beim Grundpreis an, der beispielsweise fast 8000 Euro unter dem des Audi liegt. Selbst mit der Summe der testrelevanten Ausstattung, die letztendlich bewertet wird, unterbietet er seine Rivalen immer noch mit 7420 (BMW) respektive 5985 Euro (Audi). Zudem verursacht der Spanier den niedrigsten Wertverlust und sammelt mit den günstigsten Einstufungen für die Haftpflicht- und Vollkasko-Versicherung weiter fleißig Punkte. Die Kraftstoffkosten – alle drei benötigen Super Plus – sind beim Cupra 300 ebenfalls die niedrigsten. So gesellt sich zum Fahrspaß der Sparspaß, wenngleich auch auf gehobenem Niveau.

Technische DatenBMW M140i xDrive
MotorR6/4, Turbo
Hubraum2998 ccm
Leistung340 PS
Maximales Drehmoment500 Nm
Getriebe8-Stufenautomatik
AntriebAllrad, permanent
0-100 km/h4,3 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Leergewicht1540 kg
L/B/H in mm4324/1765/1411
Kofferraum360-1200 l
Testverbrauch9,7 l SP
Grundpreis43.250 Euro
Bewerteter Preis48.160 Euro
Platzierung3
Technische DatenSeat Leon Cupra 300
Motor4/4, Turbo
Hubraum1994 ccm
Leistung300 PS
Maximales Drehmoment380 Nm
Getriebe6-Gang, Doppelkupplung, Diff.-sperre
AntriebVorderrad
0-100 km/h5,5 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Leergewicht1346 kg
L/B/H in mm4281/1816/1435
Kofferraum380-1210 l
Testverbrauch9,3 l SP
Grundpreis34.320 Euro
Bewerteter Preis40.740 Euro
Platzierung2
Technische DatenAudi S3 Sportback
Motor4/4, Turbo
Hubraum1984 ccm
Leistung310 PS
Maximales Drehmoment400 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung
AntriebAllrad, permanent
0-100 km/h4,6 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Leergewicht1465 kg
L/B/H in mm4322/1785/1404
Kofferraum340-1180 l
Testverbrauch9,5 l SP
Grundpreis41.900 Euro
Bewerteter Preis46.725 Euro
Platzierung1

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Wenn es um die Fahrdynamik geht, ist der neue Seat Leon Cupra 300 die erste Wahl. Auch sonst haben die Spanier ein gelungenes Paket geschnürt, das vor allem preislich überzeugt. Dass der Seat dennoch nur hauchdünn hinter dem Testsieger Audi S3 Sportback landet, ist hauptsächlich dessen besseren Komforteigenschaften und umfangreicherer Sicherheitsausstattung geschuldet. Für diejenigen, die darauf weniger Wert legen, wird der Kauf zur Geschmacksfrage. Der BMW M140i xDrive entscheidet dank seines famosen Sechszylinders die Antriebswertung für sich. Mit seiner straffen Feder-Dämpfer-Abstimmung verschenkt er aber wertvolle Punkte. Doch es sind die hohen Kosten, die eine bessere Platzierung verhindern, was eingefleischte BMW-Fans aber kaum stören dürfte.

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