Audi RS Q3 vs. Mercedes GLA 45 AMG: Kompakt-SUV Vergleich Duell mit 670 PS

11.06.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Über 300 PS im kompakten SUV-Format: Audi RS Q3 und Mercedes GLA 45 AMG faszinieren mit dem scheinbaren Gegensatz aus rassiger Dynamik und schickem Offroad-Kleid. Vergleichtest

Nein, aus Vernunftgründen wollen der neue Mercedes GLA 45 AMG und der ebenfalls noch sehr junge Audi RS Q3 ganz sicher nicht gekauft werden. Während die zivileren Versionen dieser Kompakt-SUV vornehmlich wegen ihrer Qualitäten – wie die erhöhte Sitzposition, die bessere Traktion durch den Allradantrieb oder die gebotenen Transporttalente – gekauft werden, steht bei diesen 310 PS (RS Q3) bzw. 360 PS (GLA 45 AMG) starken Kraftpaketen zweifellos vor allem die Freude an der Fortbewegung im Vordergrund.

 

KAROSSERIE

Der Audi spielt seinen Größenvorteil aus

Ein deutliches Indiz dafür, dass der Fahrspaß deutlich über der Alltagstauglichkeit steht, liefert der Mercedes GLA 45 AMG. Denn da für das schicke SUV keine Anhängelasten vorgesehen sind, kann es nicht als Zugfahrzeug eingesetzt werden. Immerhin bietet es aber mit 421 Litern das größere Standard-Ladevolumen als der Audi (356 bis 1261 Liter). Bei umgeklappter Rückbank wartet das dann 1235 Liter große Gepäckabteil des Mercedes zudem mit einem fast ebenen Boden auf, während der des Audi stärker ansteigt.

Anders als das Gepäck haben die Passagiere im GLA hingegen nur wenig Platz. Im Fond müssen Mitreisende den Kopf stärker einziehen und die Knie mehr anwinkeln als im RS Q3. Hinzu kommt das im Mercedes durch die hohe Gürtellinie und die schmalen Fensterausschnitte auf allen Plätzen spürbar eingeschränkte Raumgefühl.

Auch der Einstieg in den GLA 45 AMG gelingt nicht so bequem, wie mancher Kunde das von einem Kompakt-SUV erwarten würde. Das sportliche Topmodell liegt 1,5 Zentimeter tiefer als die zivileren GLA-Versionen und ist damit nicht einmal mehr fünf Zentimeter höher als eine A-Klasse.

MERCEDES GLA 45
AMG 4MATIC
Audi RS Q3
360 PS 310 PS
0-100 km/h in 4,7 s 0-100 km/h in 5,0 s
Allradantrieb Allradantrieb
Spitze 250 km/h* Spitze 250 km/h*
Grundpreis: 55.871 Euro
Grundpreis: 54.600 Euro
*elektr. abgeregelt

 

FAHRKOMFORT

Deutliche Unterschiede beim Federungsverhalten

In puncto Fahrkomfort kann der GLA 45 AMG seine konsequent sportliche Ausrichtung nicht verbergen. Während der Audi RS Q3 trotz seines sehr straff abgestimmten Fahrwerks und der 20-Zoll-Bereifung (850 Euro) seine Insassen zumindest mit einer Spur Federungskomfort verwöhnt, macht sich der ebenfalls mit optionalen 20-Zoll-Rädern (714 Euro) ausgestattete Mercedes diese Mühe nicht. Er rollt sehr steifbeinig über den Asphalt und gibt sämtliche Fahrbahnunebenheiten ziemlich humorlos und praktisch ungefiltert weiter. 

Der Audi sammelt derweil weitere Pluspunkte, weil seine Passagiere die Motor-, Wind- und Abrollgeräusche deutlich stärker gedämmt wahrnehmen. Außerdem genießen sie den besseren Sitzkomfort. Besonders Fahrer mit kräftigerer Statur könnten dagegen die AMG Performance-Sitze (2142 Euro) des Mercedes trotz der einstellbaren Seitenwangen als einengend empfinden.

 

MOTOR/GETRIEBE

Kraftvoller und effizienter AMG-Vierzylinder-Turbo

360 PS aus einem nur zwei Liter großen Vierzylinder-Motor sind eine Ansage. Und dieser lässt der GLA 45 AMG auf der Straße auch eindrucksvolle Taten folgen. Nach dem Aktivieren der serienmäßigen Launch Control katapultiert sich das 1,6 Tonnen schwere SUV in nur 4,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h.

50 PS schwächer und rund 100 Kilogramm schwerer, benötigt der RS Q3 für die gleiche Übung drei Zehntelsekunden mehr. In puncto Kapitelsieg entscheidend ins Hin-tertreffen gerät der Audi aber beim Thema  Kraftstoffkonsum. 

Mit 12,3 Litern genehmigt sich sein 2,5-Liter-Fünfzylinder  1,2  Liter mehr als das Mercedes-Aggregat. Immerhin begnügt sich das Audi-Triebwerk mit Super, wohingegen der Tank des GLA mit Super Plus befüllt werden muss.

Sympathiepunkte verdienen sich beide Kandidaten mit den Akustik-Eigenschaften ihrer Motoren. Der Audi verwöhnt mit Fünfzylinder-typischem markanten Röhren, der Mercedes begeistert mit dem vernehmlichen Pfeifen des Turbolader-Bypassventils (Wastegate) bei der Gaswegnahme.

 

FAHRDYNAMIK

Der GLA toppt sogar das hohe Niveau des RS Q3

Auch in den fahrdynamischen Disziplinen lässt der GLA 45 AMG dem RS Q3 keine Chance. Mehr als drei Sekunden nimmt der Mercedes seinem Rivalen auf dem Handlingkurs ab, den Slalomparcours durcheilt er immerhin fast zwei km/h schneller. Das soll keinesfalls bedeuten, dass der Audi langsam ist. Der Ingolstädter lenkt schlicht nicht so präzise und direkt ein, rutscht zudem früher und stärker über die Vorderräder.

Auch in puncto Traktion kommt der Audi nicht ganz an den Mercedes heran, der  druckvoller aus den Ecken herausbeschleunigt. Die Verzögerungswerte beider Probanden liegen auf sehr gutem Niveau – besonders der Warm-Bremsweg des GLA aus Tempo 100 von 33,8 Metern sticht hier heraus.

 

UMWELT/KOSTEN

Der tolle Fahrspaß hat einen ebensolchen Preis

Dass das Vergnügen mit diesen beiden Power-SUV kein ganz günstiges ist, dürfte niemanden überraschen. Rund 55.000 Euro rufen beide Hersteller mindestens
für ihre kompakten Sportler auf. Der Gegenwert ist dank der in beiden Fällen ziemlich umfangreichen Serienausstattung aber recht  ansehnlich. Hier wie dort gibt es beispielsweise ab Werk bereits Bi-Xenon-Scheinwerfer, und der Audi RS Q3 hat standardmäßig nicht nur eine Klimaanlage, sondern sogar eine -automatik an Bord.

Trotzdem bereitet es wegen der vielen Komfort, Individualität und Dynamik steigernden Optionen nur wenig Mühe, den Kaufpreis deutlich nach oben zu treiben. An den prognostizierten Wertverlust mag mal da lieber gar nicht erst denken.

 

FAZIT

In der Endabrechnung trennen die beiden Kandidaten nur drei Punkte – mit dem Vorteil auf Seiten des Audi. Den hauchdünnen Sieg verdankt der RS Q3 seinem vielseitigeren Charakter. Ihm gelingt ein alltagstauglicherer Kompromiss aus Dynamik und Komfort.

Der Mercedes GLA 45 AMG dagegen verfolgt mit seinem bärenstarken, sparsamen Antrieb und den herausragenden fahrdynamischen Talenten einen radikaleren Ansatz, er ist eher ein verkappter Sportwagen als ein SUV im eigentlichen Sinne. Dazu passen auch das deutlich knappere Raumangebot und der kaum vorhandene Federungskomfort. Eine eingebaute Fahrspaßgarantie bieten beide Power-SUV.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Carsten van Zanten

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