Alfa Romeo Giulia QV/BMW M3 Competition: Test Neue Giulia QV trifft BMW M3

26.09.2017
Inhalt
  1. Giulia QV wird BMWs M3 Competition gefährlich
  2. Der M3 ist deutlich teurer – und im Test schwächer
  3. Die Giulia QV steckt mit ihrem Pragmatismus an
  4. Im Test setzt sich die Giulia QV vor den M3
  5. Technische Daten

Ihre Vorfahren haben das klassische Sport-Limousinenformat ohne Frage definiert. Jetzt trifft die neue Alfa Romeo Giulia QV auf den BMW M3 Competition. Welcher Top-Sportler kann sich im Vergleichstest durchsetzen?

In unserem Vergleichstest treffen die beiden Sport-Limousinen Alfa Romeo Giulia QV auf den BMW M3 Competition jetzt aufeinander, um dem Ruf ihrer Vorfahren gerecht zu werden. Denn die 1960er-Jahre gehören der Alfa Romeo Giulia: Sie ist schnell, praktisch und emotional. Mitte der 1970er-Jahre schlägt BMW mit dem Dreier konzeptionell in dieselbe Kerbe, und während sich Alfa Romeo immer weiter vom Ideal der Giulia entfernt, baut BMW an einer Legende: Eine Generation nach der anderen wird zum Topseller, der Dreier macht ganze Dienstwagen-Flotten mobil, er spielt klaglos die Familienkutsche – und das trotz der 50:50-Balance, längs eingebautem Frontmotor und Heckantrieb. Bereits 1986 gibt es mit dem M3 einen Über-Dreier, der die Jäger-Gene des kompakten Bayern ultimativ anschärft. Jede Ausgabe des M3 setzt noch einen drauf: schneller, stärker, kompetenter.

Alfa Romeo Giulia QV auf der Rennstrecke:

 
 

Giulia QV wird BMWs M3 Competition gefährlich

Jetzt tun wir einfach so, als wäre die Entwicklung der Giulia weiter gegangen, als hätte es immer diese stürmische Mittelklasse-Limousine aus Italien gegeben. Vermutlich wäre die Giulia dann genau so, wie sie jetzt vor uns steht und im Quadrifoglio-Verde-Trimm dem BMW M3 in unserem Vergleich das Leben schwer macht: Ein Dreiliter-Biturbo-V6 mit 90 Grad Zylinderwinkel haut hier 510 PS an die Hinterachse raus – kein Wunder, dass ein normaler M3 mit seinen 431 PS da nicht mithalten kann und wir wenigstens das 7300 Euro teure M-Competition-Paket dazulegen müssen. Übrigens sind diese 7300 Euro reine Theorie, denn ohne ein Soundsystem ist das M-Competition-Paket nicht bestellbar, und das kostet weitere 390 Euro. Macht also reale 7690 Euro. Wenigstens sind nicht nur 19 PS mehr und eine Zehntelsekunde weniger von null auf hundert drin, sondern auch ein adaptives Sportfahrwerk, Stoff-/Leder-Schalensitze, Hinterachssperre, 20-Zoll-Räder und optische Feinheiten. Um aber annähernd an die mächtigen 307 km/h Topspeed der Giulia QV heranzukommen, muss für weitere 2450 Euro das sogenannte "M Driver’s Package" erworben werden – das dann auch nur bis 280 km/h geht.

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Neue Alfa Romeo Giulia QV (2016): Erste Testfahrt  

Vollgas mit der neuen Giulia QV

 

Der M3 ist deutlich teurer – und im Test schwächer

Am Ende kostet so ein M3 Competition deftige 82.740 Euro – und damit fast 11.000 Euro mehr. Da nun eh alles Weißwurscht ist, nehmen wir für den Vergleichstest auch noch das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (3900 €) und die Karbon-Keramik-Bremsen (7300 €) dazu und rüsten mit Ledersitzen (1850 €) sowie einem großen Navi (2390 €) auf. Ein paar Kreuzchen auf der Preisliste weiter ist von der ehemals drahtigen Sport-Limousine nur noch eine Idee übrig, Parkassistent mit Rundum-Kamera plus Concierge-Service-Internet-Blabla machen den sündhaft teuren M3 zum Luxus-Cruiser mit tollem Namen. Und das Sichtkarbon-Dach stellt klar, wohin die Reise geht: Edel, teuer, wichtig – dieses Auto soll heute auf der Showmeile ebenso viel Eindruck schinden wie früher auf der Rennstrecke – und jetzt im Vergleich. Die Giulia zeigt dem M3 ganz schnell, wie man es auch machen kann: Kohlefaser gibt es hier ebenfalls, das prominente Leichtbaumaterial wird am Dach aber überlackiert statt präsentiert. Lediglich die Karbon-Motorhaube lässt es verschämt blitzen – von unten. Sein statt scheinen. Irgendwie sympathisch.

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Die Giulia QV steckt mit ihrem Pragmatismus an

Die Optionsliste des schnellen Alfa ist ebenfalls deutlich kürzer als bei BMW: Die Giulia kommt als modernes Auto mit einem soliden Paket an Sicherheits- und Assistenztechnik, aufpreispflichtig sind nur ein paar wenige Brocken: Karbon-Keramik-Bremsen gibt es wie im Vergleichs-M3 für 7300 Euro, Navigation kostet extra (2500 €), ein bleischweres Panorama-Glasdach (1650 €) braucht in so einem Auto kein Mensch. In Versuchung bringen uns höchstens die Sparco-Sportschalensitze mit einem Rückteil aus Kohlefaser (3490 €). Ein Doppelkupplungsgetriebe soll für die Giulia QV erst später zu haben sein. Bis dahin müssen wir uns im Vergleichstets mit dem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe begnügen – und das ist ganz fantastisch: Präzise klackend folgt hier eine Gangstufe auf die nächste. Im Dynamic-Modus gibt der Motor beim Herunterschalten automatisch Zwischengas, beim Hochschalten können die Gänge voll auf dem Stempel stehend durchgerissen werden. Auch hier nimmt der V6 für die Dauer des Schaltvorgangs automatisch Gas weg. Und wie es dann vorangeht! Fauchend orgelt der italienische Biturbo-V6 los, schiebt die 1655 Kilo schwere Giulia in jedem Gang heftig vorwärts: Von ganz unten mächtig drückend bis obenraus infernalisch lodernd sorgt der Motor für die reine Fahrfreude.

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Im Test setzt sich die Giulia QV vor den M3

Subjektiv ist aber auch der nominell 60 PS schwächere M3 kaum langsamer. Er profitiert im Vergleich von den wahnwitzigen Schaltgeschwindigkeiten des DKG und wirkt noch ein wenig kompromissloser ins Netz der Fahrdynamik-Regelsysteme eingebunden. Das M-Competition-Paket hat aber einen Nachteil: Die großen 20-Zoll-Räder rollen laut rumpelnd ab, auf schlechter Fahrbahn kann selbst die Adaptivdämpfung das trockene Ansprechverhalten nicht ganz ausbügeln. Insgesamt wirkt der M3 im Competition-Trimm wie ein für die Rennstrecke zugefeiltes Kraftinstrument, die schiere Vielfalt an Einstellungsmodi überfordert regelrecht. Immer wieder wünscht man sich, der M3 könnte einfacher, aus sich heraus homogen und authentischer sein: weniger Computer, mehr Auto. Ungefähr so wie die Giulia. Die ist mit ihrer direkten Lenkung und dem ausgewogenen Fahrwerk auch abseits der Rennstrecke souverän unterwegs, sie wirkt anspruchsvoll, ohne zu überfordern. Sie ist vielseitig, pflegt aber einen ganz eigenen, starken Charakter.

 

Technische Daten

Alfra Romeo Giulia QVBMW M3 Competition
Zylinder/Ventile p.Z.V6/4; BiturboR6/4; Biturbo
Hubraum2891 cm³2979 cm³
Leistung
bei
375 kW/510 PS
bei 6500 /min
331 kW/450 PS
bei 7000 /min
Getriebe6-Gang-Getriebe,
manuell
7-Gang-Doppelkupplungs
getriebe
AntriebHinterradantriebHinterradantrieb
0 - 100 km/h3,9 s4,0 s
Höchstgeschw.307 km/h280 km/h
EU-Verbrauch8,5 l S/100 km8,3 l S/100 km
Radstand2820 mm2812 mm
Grundpreis71.800 Euro86.640 Euro
Testwagenpreis82.590 Euro89.190 Euro

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