Volvo XC90 D4/Mercedes GLE 250 d: Test Volvo XC90 fordert Mercedes GLE

26.09.2016

Weniger Gewicht, kleine Motoren und eine klare Architektur: Mit dem Volvo XC 90 haben die Schweden einen Volltreffer gelandet. Aber wie schlägt er sich im Vergleichstest mit dem Mercedes GLE?

Unter den bulligen Hauben von Oberklasse-SUV wie Volvo XC90 und Mercedes GLE erwarten viele Menschen hubraumstarke Dreiliter-Turbodiesel, die ihr wuchtiges Drehmoment per Allradantrieb auf alle vier Räder verteilen. Doch der Volvo XC90 bricht nicht nur in diesem Vergleich konsequent mit dieser Tradition und setzt ausschließlich auf aufgeladene Vierzylinder. Da rücken auch die vernachlässigten Einstiegsvarianten der Konkurrenz in den Fokus der Kundschaft. Zeit für einen Vergleichstest zwischen Volvo XC90 D4 mit 190 PS und Frontantrieb gegen den 204 PS starken Mercedes GLE 250 d mit Heckantrieb. Effizienz, oder besser: Zurückhaltung kommt bei den beiden Oberklasse-SUV allerdings nur beim Antriebsstrang zum Tragen. Innen herrscht opulenter Luxus. Es mangelt weder im Schwaben noch im Schweden an einem üppigen Platzangebot. Auch hinten herrscht Einigkeit. Dass im Volvo XC90 darüber hinaus noch genügend Raum für zwei weitere Sitze (1500 Euro) im kantigen Heck zur Verfügung steht, unterstreicht wieder einmal die schwedische Kunst, Raum bestmöglich auszunutzen. Allerdings darf der Schwede mit 638 Kilogramm Zuladung für sieben Personen nicht mehr Gewicht auf seine Achsen packen als der nur fünfsitzige Mercedes. Obendrein kann der Basis-GLE einen 2,5-Tonnen-Anhänger an den Haken nehmen, während beim XC90 bei 1800 kg Schluss ist. Erst dem Allradmodell D5 mit 225 PS und Allradantrieb erlaubt Volvo eine Anhängelast von 2,7 Tonnen.

Video: So funktioniert der Volvo XC90 mit Plug-in-Hybrid-Antrieb

 

Im Test: Volvo XC90 und Mercedes GLE

Deutlich enger beieinander liegen Volvo XC90 und Mercedes GLE bei der Sicherheitsausstattung. Den Unterschied macht hier lediglich die Preisgestaltung: Beim Volvo gehören der Abstandsregeltempomat und der Spurhalteassistent bereits zur Serienausstattung, während diese Details beim GLE extra in Rechnung gestellt werden. Grundsolide verarbeitet präsentieren sich Innenraum und Karosserie des Deutschen. Der mit edlen Materialien ausstaffierte Skandinavier zittert und klappert hingegen gelegentlich etwas auf schlechten Wegen. Der Mercedes heimst zudem ein paar Zähler mehr bei der Bedienung ein. Diese ist zwar nicht sonderlich intuitiv, geht aber im täglichen Umgang lockerer von der Hand als die teilweise umständliche Logik der Menüpfade, die man im Schweden über den zentralen Touchscreen zurücklegen muss.

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XC90 und GLE bieten dank Luftfahrwerk viel Komfort

Obwohl der Volvo XC90 wie der Mercedes GLE mit einem einstellbaren Luftfahrwerk und Dämpfungssystem aufwartet, hat ihm Volvo eine ganz eigene Charakteristik in die Kennlinien programmiert. Wo der Mercedes genüsslich über Bodenwellen und wechselnde Fahrbahnbeläge wogt, agiert der Volvo trotz feinen Ansprechverhaltens bereits spürbar kerniger. Vor allem die mächtigen 20-Zoll-Räder verhindern, dass die Luftfederung ihr ganzes Potenzial ausspielen kann. Was ihn ihr steckt, wird aber auf unserer Marterstrecke deutlich: Üble Bodenwellen, harte Kanten und wüste Asphaltverwerfungen bringen Fahrwerke gnadenlos an ihre Grenzen. Der Volvo demonstriert gerade hier echte Nehmerqualitäten. Im Gegensatz zum Mercedes passt die Abstimmung zwischen Vorder- und Hinterachse. Der GLE sackt vorn extrem tief in die Luftfedern und rollt deutlich mehr um die Längsachse als der XC 90. Im Gegensatz zu den Sechszylinder-Modellen aus Stuttgart ist die aktive Wankstabilisierung für den Einstiegs-GLE nicht erhältlich. Mercedes verzichtet bei diesem Testwagen auf sonst so übliche Extras wie etwa die Komfortsitze. Die Sportsitze des AMG-Interieur Pakets unseres GLE 250 d bieten nur wenig Schenkelauflage und fallen für ein Oberklasse-SUV erstaunlich klein und eng aus. Der Volvo XC90 verwöhnt dagegen mit umfangreich einstellbaren, großen und dank Massagefunktion sehr bequemen Fauteuils.

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Dass es im Innenraum des Volvo XC90 D4 nicht ganz so leise zugeht wie im Stuttgarter SUV, liegt in erster Linie an den stärkeren Wind- und Abrollgeräuschen. Der Motor allerdings arbeitet ausgesprochen kultiviert. Beim Antriebsstrang des D4 passt fast alles: Der Zweiliter-Turbodiesel hängt gut am Gas, dreht locker bis an den Drehzahlbegrenzer und schiebt mit dem nötigen Punch von 400 Newtonmetern die Zweitonnen-Fuhre schon aus niedrigen Drehzahlen nach vorn. Erst oberhalb von 180 km/h geht ihm die Puste aus. Das kann selbst die schnell und sanft schaltende Achtstufen-Automatik nicht ausgleichen. Der etwas größere Mercedes-Motor holt satte 80 Newtonmeter und 14 PS mehr aus seinen Brennräumen. Dank des Heckantriebs bringt der Mercedes GLE 250 d die Mehrleistung schon aus dem Stand deutlich besser auf die Piste als der frontgetriebene Skandinavier und stürmt im direkten Vergleich vehement in Richtung Topspeed. Unterstützt von neun Fahrstufen, genehmigt sich der 2,2-Liter-Turbodiesel auch beim Verbrauch mit 7,8 zu 7,9 Litern einen kleinen Schluck weniger Diesel als der Volvo.

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Im Fahrdynamik-Kapitel hängt der XC90 den GLE ab

Einmal in Schwung, ist der Volvo XC90 aber kaum zu halten. Der Volvo liegt sicher in der Spur, die Vorderachse setzt Richtungswünsche des Fahrers präzise und unmittelbar um und verwöhnt im Grenzbereich mit einer der besten ESP-Abstimmungen, die es derzeit gibt. Vor allem schnelle Richtungswechsel im Slalom, die ein Ausweichen vor plötzlich auftretenden Hindernissen – etwa spielenden Kindern – simulieren, deklassiert er den Mercedes GLE. Während der Stuttgarter beim Einlenken träge über die Vorderachse drückt, erst verzögert den Lenkbefehl umsetzt und dann energisch vom ESP eingebremst wird, bleibt der Volvo stoisch in der vom Fahrer vorgegebenen Linie. Das schafft wichtigen Raum, um Kollisionen zu vermeiden. Auch auf dem Handlingparcours wird der schwerfälige Schwabe von seinem Gewicht stärker aus der Spur gezogen als der wieselflinke und wie auf Schienen fahrende, deutlich leichtere Schwede. Dabei fällt selbst in engen Kehren kaum auf, dass der Volvo seine Kraft nur über die Vorderräder auf die Straße bringt. Die Fahrsicherheit und damit der enorme Fahrspaß werden von erstklassigen Verzögerungswerten abgerundet. Mit kalten Bremsen kommt er vier Meter früher und mit warmen Stoppern gut 2,50 Meter eher zum Stillstand als der ebenfalls spurstabil und ordentlich bremsende Mercedes GLE. Im Kosten-Kapitel verspielt der Volvo XC90 seinen Basispreis-Vorteil durch teure, an höhere Ausstattungen gebundene Extras. Der Mercedes GLE ist in der Schlussabrechnung mit allen testrelevanten Extras fast 3000 Euro günstiger. Er bietet zudem die besseren Garantiebedingungen und eine üppigere Multimedia-Ausstattung. Unser Gesamt-Fazit lesen Sie unterhalb der Tabelle mit den technischen Daten und Messwerten.

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Technische Daten Mercedes GLE
250 d
Volvo XC90
D4
Zylinder/Ventile p.Z. R4/4; Biturbo R4/4; Biturbo
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 2143 cm³ 1969 cm³
Leistung
bei
150 kW/204 PS
3800 /min
140 kW/190 PS
4250 /min
Max. Drehmoment
bei
480 Nm
1600 - 1800 /min
400 Nm
1750 – 2500 /min
Getriebe 9-Gang-
Automatik
8-Gang-
Automatik
Antrieb Hinterrad Vorderrad
L/B/H in mm 4819/1935/1796 4950/1958/1776
Gepäckraum 690 – 2010 l 721 – 1886 l
0-100 km/h 9,5 s 10,1 s
Höchstgeschw. 210 km/h 205 km/h
100-0 km/h
kalt/warm
36,3 / 35,6 m 32,4 / 33,0 m
Handling 1:57,1 min 1:55,5 min
Testverbrauch 7,8 l D/100 km 7,9 l D/100 km
Grundpreis 54.205 Euro 50.100 Euro
Platzierung 2 1

Unser Fazit

Das Basismodell Volvo XC 90 D4 geht als Gewinner aus diesem Vergleichstest hervor. Den entscheidenden Vorteil erfährt sich der Schwede in der Fahrdynamik: Seine stoische Ruhe, die beeindruckende Präzision, seine sensationellen Bremsen, die tolle ESP-Abstimmung sowie die damit verbundene Fahrfreude und vor allem die Fahrsicherheit bescheren ihm den Sieg. Der Mercedes GLE 250 d muss sich hier geschlagen geben, obwohl seine Verarbeitung top ist, er das Kostenkapitel gewinnt und der kräftige Vierzylinder bestens zu seinem Charakter passt.

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