Opel Meriva 1.7 CDTI ecoFLEX im Dauertest: Fazit, Bilder, technische Daten Schöne Aussichten

09.10.2013

Der Opel Meriva 1.7 CDTI ecoFLEX hat unseren anstrengenden 100.000-Kilometer-Dauertest gemeistert. Doch einige Ärgernisse und eine defekte Klimaanlage gegen Ende des Tests trüben die Bilanz

Viel Auto für überschaubares Geld – mit diesem simplen wie bewährten Rezept geht der Opel Meriva seit jeher auf Kundenfang. Und das durchaus mit Erfolg, wie die Zulassungszahlen beweisen. Längst hat sich der Praktiker als wichtiges, ertragreiches Mitglied der Opel-Modellpalette etabliert. Die erste Generation des Minivans kam bereits 2003, also vor genau einem Jahrzehnt auf den Markt und entwickelte sich umgehend zum Kassenschlager. Seine clevere Raumausnutzung bei kompakten äußeren Abmessungen (4,05 Meter Länge, 1,69 Meter Breite) und nicht zuletzt auch die fairen Grundpreise machten den Meriva A, der noch auf dem Corsa C basierte, auch für junge Familien interessant. Dazu erwies sich der in Spanien produzierte Opel als zuverlässiger Weggefährte. Das dokumentiert auch das Abschneiden des Meriva im Gebrauchtwagenreport der GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung.

Große Fußstapfen also, in die der 2010 eingeführte Meriva B treten musste. Die zweite Generation des weiterhin im spanischen Saragossa gebauten Familienfreundes ist gegenüber dem Urmodell deutlich gewachsen. Mit 4,28 Meter Länge und 1,81 Meter Breite stößt er bereits in das Kompaktvan-Segment vor. Das spürt man vor allem im Innenraum, wo sich vier ausgewachsene Personen durchaus wohl fühlen. Dementsprechend lautete einer der ersten Einträge ins Fahrtenbuch unseres Dauertestwagens, der am 20.05.2011 zur Langstreckenprüfung antrat. So notierte Klaus Uckrow, stellvertretender Chefredakteur: „Der Meriva bietet ausreichend Platz – ein guter Familienwagen.“

 

Ungewöhnliches Türkonzept ohne erkennbare Vorteile

Auf wenig Gegenliebe stieß indes das Türkonzept des Opel, dessen Fond-Portale hinten angeschlagen sind. Fotografin Daniela Loof fasste zusammen, was viele Kollegen über die so genannten „Selbstmörder“-Türen zu sagen hatten: „Das Konzept ist unpraktisch. Es ist zwei Personen kaum möglich, gleichzeitig auf einer Seite einzusteigen. Man muss warten, da man sich sonst gegenseitig behindert.“ Rustikaler brachte es Klaus Uckrow auf den Punkt: „Das mit den hinteren Türen ist Quatsch!“ Der Beliebtheit des Meriva in der Redaktion tat dies keinen Abbruch. Dank der großzügigen Platzverhältnisse avancierte er schnell zum gefragten Langstrecken-Fahrzeug. Einen großen Anteil daran hatten auch die vielen Komfort-Extras, mit denen unser Dauertester vom Werk bestückt worden war. In unserem Exemplar fanden sich Annehmlichkeiten wie Zweizonen-Klimaautomatik, Wärmeschutzverglasung, Panorama-Sonnendach und ein Navigationssystem. Kehrseite der Medaille: Den Grundpreis trieben diese Optionen deutlich in die Höhe. Insgesamt hatten die Extras einen Gesamtwert von 9295 Euro – das entspricht beinahe 45 Prozent des Grundpreises des Meriva 1.7 CDTI ecoFLEX (20.945 Euro, Stand 2011). Jeden Cent wert sind die Ergonomie-Sitze, die für den Fahrer 390 und für den Beifahrer 295 Euro kosten. Sie tragen das Gütesiegel der „Aktion Gesunder Rücken e.V.“ völlig zu Recht, wie Objektleiter Roman Trunz urteilte: „Der Sitzkomfort auf langen Strecken ist toll.“

Derselben Meinung war auch Chefreporter Stefan Miete, der festhielt, dass „die straffe Polsterung sehr angenehm ist“. Daran hat sich nach 100.000 km Dauereinsatz nichts geändert. Die Sitze sind nach wie vor straff gepolstert, und auch die Stoffbezüge weisen keinerlei Verschleißspuren auf. Ganz im Gegensatz zum Zuziehgriff in der Türverkleidung auf der Beifahrerseite, der beim Anfassen unschöne Knarzgeräusche von sich gibt. Als wenig standfest erwies sich während der Testphase ferner die Gummiauflage des Bremspedals, die sich mehrfach ablöste und per Hand wieder aufgesteckt werden musste. Ansonsten wirkt der Innenraum inklusive neuralgischer Stellen wie Lenkrad oder Schaltknauf auch nach 100.000 km immer noch fast neuwertig – die Langzeitqualität der verwendeten Materialien stimmt im Opel also grundsätzlich.

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Einen weiteren dicken Bonuspunkt auf der innerredaktionellen Beliebtheitsskala erarbeitete sich der Meriva durch seine Fahreigenschaften. Vor allem die Power des 130 PS starken Motors gefi el durch die Bank. Klaus Uckrow attestierte dem Meriva gar einen gewissen Überraschungseffekt: „Der Opel ist sparsam und schnell – da wundern sich einige andere Autofahrer.“ Das sah Karsten Rehmann, geschäftsführender Redakteur, ganz ähnlich: „Der Meriva ist ein schnelles Auto und läuft bergab laut Tacho 220 km/h. Der Motor zieht sehr gut an, dreht aber nicht gern über 3500/min.“  Dank des strammen Drehmoments von 300 Newtonmetern ist es indes nicht wirklich nötig, den Motor permanent auf hohe Drehzahlen zu treiben. Vielmehr lässt sich der Direkteinspritzer niedertourig und schaltfaul bewegen – was aufgrund der etwas schwammigen Schaltung eher von Vorteil ist, wie Redakteur Gerrit Reichel feststellte: „Die Schaltung dürfte gern exakter funktionieren. Zudem sind die Schaltwege des Sechsgang-Getriebes recht lang.“

 

Kräftiger Motor mit schlechten Manieren beim Kaltstart

Daneben hat auch der Motor selbst eine weniger schöne Eigenart. „Das Kaltstartverhalten ist alles andere als kultiviert“, bemerkte der geschäftsführende Redakteur Jürgen Voigt. Testredakteur Paul Englert dachte zeitweilig gar an einen Defekt: „Bei Temperaturen unter null nagelt der Diesel so brutal, dass man zunächst an einen unmittelbar bevorstehenden Motorschaden glaubt.“ Ähnliches befürchtete Roman Trunz: „Die Motorgeräusche bei Minusgraden sind ja angsteinflößend! Ist da wirklich alles in Ordnung?“ Zur Beruhigung aller sensiblen Naturen sei an dieser Stelle erwähnt, dass der Vierzylinder, sobald er erst einmal auf Betriebstemperatur ist, deutlich kultivierter und leiser seiner Arbeit nachgeht. Und auch der Durst blieb noch im Rahmen. Trotz häufiger Vollgasfahrten auf der Autobahn notieren wir über die gesamte Testdauer einen Durchschnittsverbrauch von 7,3 l/100 km.

Allerdings offenbart der Opel Meriva grundsätzlich eine gewisse Anfahrschwäche, die anfänglich zum gelegentlichen Abwürgen des Motors beim Anfahren führen kann. Wenig zu kritisieren gibt es in puncto Fahrkomfort und Kurvenverhalten. Das Fahrwerk kommt auch mit schlechteren Wegen gut klar und federt die meisten Straßenschäden gekonnt weg. Die Lenkung ist ausreichend direkt, fühlt sich aber etwas synthetisch an. Karsten Rehmann notierte dazu: „Die Lenkung bietet wenig Rückmeldung und fühlt sich insgesamt eher teigig an.“ Ebenfalls leicht gewöhnungsbedürf-tig: Die Bremse ist nicht besonders gut dosierbar und spricht relativ giftig an. Kommen wir zum wesentlichen Aspekt, den ein 100.000-Kilometer-Dauertest beleuchten soll: die Zuverlässigkeit. Der Meriva machte dem klassischen Marken-Slogan „Opel – der Zuverlässige“ bedingt Ehre. Denn der wirklich teure Defekt, der ab km-Stand 94.770 die Gemüter sprichwörtlich erhitzte, wog schwer: Die Klimaanlage gab ihren Geist auf. Die Reparatur inklusive eines neuen Kältekompressors belief sich auf happige 1770,72 Euro. Zuvor verweigerte die Entriegelungstaste an der  Heckklappe bei 89.831 km jede weitere Funktion – ein Fall für die Garantie.

Ansonsten marschierte der Meriva unaufthaltsam voran. Neben den planmäßig vorgeschrieben Servicemaßnahmen und dem ein oder anderen nachgefüllten Schluck Motoröl leistete sich der Dauerläufer keine weiteren Verhaltensauffälligkeiten. Apropos Servicearbeiten: Die Inspektionskosten hielten sich mit rund 220 Euro für einen Ölwechsel absolut im Rahmen. Für eine große Durchsicht mit neuen Bremsbelägen vorn waren rund 600 Euro fällig. Dass der Zahnriemen erst bei 150.000 Kilometer hätte gewechselt werden müssen, schonte das Budget obendrein. Allerdings verliert der Meriva nach dem Langstreckentest einen Großteil seines ursprünglichen Wertes. Laut DAT-Schätzung liegt der Händler-Einkaufspreis für unser Exemplar bei rund 9600 Euro, während der Händlerverkaufspreis mit 11.350 Euro zu veranschlagen ist. Gemessen am einstigen Neupreis von 28.905 Euro muss also ein Wertverlust von satten 67 Prozent in Kauf genommen werden.

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Oft offenbaren sich kleinere Schwachpunkte eines Autos erst bei längerer Nutzung. Offensichtlichere Schwachstellen sind dagegen meist auf Anhieb erkennbar. So auch in diesem Fall. Von Anfang an eher schlechte Noten bekam die Bedienung des Infotainment-Systems des Merivas. Online-Redakteur Benny Hiltscher dazu: „Die Bedienung des Navisystems ist alles, aber ganz bestimmt nicht intuitiv. Es dauert ewig, bis man herausfindet, dass man den äußeren Ring des zentralen Reglers drücken muss und nicht etwa den mittigen Knopf, der einfach nur ein Blende und somit funktionslos ist.“ Zudem kann die nahe Positionierung und formale Ähnlichkeit des Navi-Reglers zum Lautstärkeregler zu Trommelfell schädigenden Verwechslungen führen.


Fahrrad, Schmutz und Licht – was sonst noch auffiel


Ein wesentlich wichtigerer Mangel im Dauertest war jedoch das schwache Abblendlicht des Opel Meriva. Paul Englert erlebte es folgendermaßen: „Die Scheinwerfer sind unzumutbar. Man hat das Gefühl, buchstäblich im Dunkeln zu sitzen.“ Onliner Benny Hiltscher sah das genauso: „Das Licht ist auch für Halogen-Verhältnisse  unterdurchschnittlich. Das nächtliche Fahren auf einer leeren Autobahn ohne die Hilfe von Fernlicht ist gruselig.“

Xenon-Scheinwerfer sind übrigens bis heute nicht für den Opel Meriva verfügbar. Auf geteiltes Echo stieß auch der herausziehbare FlexFix-Fahrradträger (590 Euro). Während die Idee an sich als gut bewertet wurde, erschien der Nutzwert des Systems noch nicht ganz ausgereift. Selbst Technik-Redakteur Holger Ippen hatte seine liebe Not damit: „All meine Bemühungen, den Radträger zu benutzen, scheiterten. Sämtliche beweglichen Teile sind durch den Schmutz, der sich durch die ungeschützte Unterbringung unter dem Fahrzeugboden auf dem System ablegt, extrem schwergängig. Dazu ist die Radbefestigung ziemlich wackelig.“ Deshalb empfiehlt sich das FlexFix-System nach unseren Erfahrungen eher für jene, die nur gelegentlich einen Radträger brauchen. Hobby-Radler, die häufiger mit dem Velo in den Urlaub fahren und dabei längere Strecken zurücklegen, sind mit einem hochwertigen Träger aus dem Zubehör sicherlich besser bedient.

Gleichwohl sollten die erwähnten Kritikpunkte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Opel Meriva ein weitgehend zuverlässiges und angenehmes Familienauto ist, das mit viel Platz, Komfort, ordentlicher Variabilität und dem kräftigen Motor reichlich Sympathiepunkte sammelt. Und die wenigen echten Schwachstellen, wie beispielsweise das fehlende Xenon-Licht, der raue Motorlauf im kalten Zustand oder die umständliche Bedienung, sollten mit dem Facelift, das Ende des Jahres zu erwarten ist, endgültig aus der Welt geschaffen sein. Das jedenfalls ließ Opel im Nachgespräch durchblicken

TECHNIK
 

OPEL MERIVA 1.7CDTI ecoFlex
Motor R4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel, Partikelfilter
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
Hubraum 1686 cm³
Leistung
bei
96kW / 130 PS
4000 /min
Max. Drehmoment
bei
300 Nm
2000 – 2500 /min
Getriebe 6-Gang, manuell
Antrieb Vorderrad
Fahrwerk v.: McPerson-Federbeine, Querlenker, Stabi.; h.: Verbundlenkerachse, Federn, Dämpfer; ESP
Bremsen vorn: innenbelüftete Scheiben; hinten: Scheiber; ABS, Bremsassistent
Bereifung rundum: 225/45 R 17 V
Felgen rundum: 7 x 17
L / B / H 4288 / 1812 / 1615 mm
Radstand 2644 mm
Leergewicht / Zuladung² 1573/447 kg
Kofferraumvol. 400-1500 Liter
Abgasnorm Euro 5
Typklassen 18 HP / 21 VK/ 17 TK
FAHRLEISTUNG /
VERBRAUCH
 
0-100 km/h² 9,9 s
Höchstgeschwindigkeit¹ 196 km/h
EU-Verbrauch¹ 4,7 l D / 100 km
AZ-Normrunde² 7,1 l D / 100 km
Dauertest-Verbrauch² 7,3 l D / 100 km
KOSTEN  
Grundpreis 20.945 Euro
¹ Werksangaben; ² Messwert

PREISE / UNTERHALT
 

NEUPREIS / RESTWERT
Neupreis Testwagen ¹ 28.905 Euro
Schätzpreis nach 100.000 km ² 9600 Euro
Neuwagenpreis heute 30.240 Euro
  FIXKOSTEN PRO JAHR
Steuer 189 Euro
Haftpflichtversicherung TK 18 405 Euro
Vollkasko VK 21 641 Euro
Teilkasko HP 17 113 Euro
  TESTBETRIEBSKOSTEN
Kraftstoff: 7335,63 Liter Diesel
Preis:  1,47 Euro / Liter
10.783,38Euro
Ölverbrauch 2,25Liter
(Preis ca: 25,50 €/l)
57,38 Euro
Wartung, Ölservice,
Verschleißteile
1895,63 Euro
Reparaturen 2566,81
Wertverlust 20.640 Euro
Kosten pro km ohne Wertverlust 0,17 Euro
Kosten pro km mit Wertverlust 0,37 Euro
¹ inkl. Sonderausstattung; ² Händler-Einkaufspreis nach DAT-Schätzung

Unser Fazit

Der Opel Meriva 1.7 CDTI ecoFLEX hat sich im Rahmen unseres strapaziösen Dauertests als zuverlässiges und spritziges Reiseauto bewährt und ist auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt sehr gefragt. Der kräftige, sparsame Motor und der variable Innenraum mit den bequemen Vordersitze sind seine größten Stärken. Dem stehen jedoch auch einige Schattenseiten gegenüber, etwa die Detailschwächen in der Materialgüte, der raue Kaltstartlauf des Motors sowie das zu dunkle Abblendlicht. Und die defekte Klimaanlage, die mit fast 1800 Euro zu Buche schlug, ist auch kein Kavaliersdelikt.

Marcel Kühler

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