Oldsmobile F-85 Cutlass im Fahrbericht Der Bodybuilder

01.08.2015

Fahrbericht: Dank erstarktem V8 avancierte der Oldsmobile F-85 Cutlass Mitte der 1960er-Jahre zur eleganten Alternative zu den Muscle-Cars

Begleitet von tiefem Blubbern massiert das im Überfluss vorhandene Drehmoment des 90-Grad-V-Achtzylinders die beiden Hinterreifen, und jedes Öffnen der Drosselklappen lässt dem Fahrer dabei einen wohligen Schauer über den Rücken laufen. Sänftengleich cruist der Pilot des Oldsmobile F-85 Cutlass so dahin, und dank geöffneter Seitenscheiben und fehlender B-Säulen durchströmt dabei reichlich frische Luft den Innenraum. Holiday Hardtop Coupé nannte Oldsmobile diese Version des F-85, der als luxuriöser Mittelklassewagen Mitte der 60er-Jahre einen wichtigen Platz in der US-amerikanischen Automobilwelt einnahm. Auch andere Firmen verwendeten den Begriff Hardtop-Coupé für diese feste Form des Dachaufbaus ohne B-Säulen.

 

Fahrbericht Oldsmobile F-85 Cutlass: Der Bodybuilder

Die Geschichte des Cutlass begann schon früher: Im Jahr 1961 rundete Oldsmobile seine Modellpalette nach unten durch einen sogenannten Kompaktwagen namens F-85 ab. In puncto Preis und Abmessungen nochmals unter dem Einstiegsmodell „88“ positioniert, lehnte sich der F-85 formensprachlich durchaus an die größeren Modelle an und verfügte so unter anderem auch über Doppelscheinwerfer und die typisch gestreckte Designlinie jener Tage. Ob viertürige Limousine, fünf-, sechs- und sogar neunsitziger Station Wagon (bei uns Kombi genannt) oder zweitüriges Coupé – wie bei den US-Autobauern damals üblich, fehlte es nicht an Karosserie- und auch Ausstattungsvarianten. So trug das Deluxe-Sportcoupé etwa den Beinamen Cutlass. Bereits ein Jahr später folgte schließlich auch ein Cabriolet, das komfortablen Frischluftspaß für die ganze amerikanische Familie garantierte.

Als Motorisierungen kamen zunächst bewährte GM-V8-Triebwerke mit 3523 Kubikzentimetern Hubraum und 155 PS Leistung zum Einsatz, die übrigens ab Mitte der 60er auch von Rover eingesetzt wurden. Der Cutlass-Version spendierte man 1962 eine auf 185 PS erstarkte Version, und ein dezentes Facelift verhalf dem amerikanischen Mittelklässler in diesem Jahr zu einem Kühlergrill, den ein breiter, über den gesamten Bereich zwischen den Scheinwerfern gezogener „Oldsmobile“-Schriftzug zierte.

Im Jahr darauf präsentierte Oldsmobile den F-85 schließlich stark überarbeitet. Er legte beim Radstand sowie den Abmessungen zu und rangierte nun klar positioniert in der automobilen Mittelklasse. Wie bisher existierten die drei Ausstattungslinien „Standard“, „Deluxe“ und „Cutlass“. Während die beiden erstgenannten Varianten als Coupé, als viertürige Limousine sowie als Kombi zu haben waren, gab es die „Cutlass“-Version als Cabriolet, Coupé sowie als Hardtop-Coupé namens Holiday.

Dabei standen übergreifend zwei Motorisierungen zur Verfügung: ein Sechszylinder mit 3687 Kubikzentimetern und 155 PS sowie ein 5408 Kubikzentimeter großer, 210 PS kräftiger V8, wie er auch im Oldsmobile Jetstar 88 zum Einsatz kam. Wer wollte, konnte in der Optionsliste zudem Extras wie einen Vierfach-Vergaser, ein Viergang-Getriebe sowie eine zweiflutige Auspuffanlage mit zwei Endrohren ordern. Das nannte sich dann 4-4-2-Package.

Oldsmobile F-85 Cutlass: Endgültiges Aus 1972

Mit dem Jahr 1965 kam eine neuerliche Überarbeitung des F-85, der nun einen Kühlergrill in „Knochenform“ erhielt, der im Scheinwerferbereich nach oben beziehungsweise unten aufgeweitet war. Zugelegt hatte der F-85 auch bei der Power. So hatte der V8 nunmehr 319 PS – wie nominell auch in unserem Fotoauto vorhanden – vorzuweisen. Besonders Leistungshungrige stellte schließlich ein 6555 Kubikzentimeter großer und satte 345 PS starker V8 mehr als zufrieden.

Der verwindungssteife Rahmen des F-85 Cutlass sorgt für ein ausgesprochen direktes Fahrgefühl, und mit insgesamt vier Querversteifungen versprach er seinerzeit zudem eine erhöhte Aufprallsicherheit. Ein besonders kultiviertes Fahrerlebnis beschert darüber hinaus das Konstruktionsprinzip, die aufgesetzte Karosserie durch spezielle Gummielemente an den insgesamt zwölf Verbindungspunkten wirkungsvoll vom Rahmen zu entkoppeln.

Im Jahr 1966 wurde der Basis-Sechszylinder durch einen gleich starken 4,0-Liter-Reihensechszylinder von Chevrolet ersetzt. Die Karosserie erhielt in diesem Jahr zudem einen leichten Hüftschwung. Im Jahr 1967 wurde die „Cutlass“-Variante des F-85 schließlich zugunsten einer 1968 vorgestellten eigenen Cutlass-Modellreihe gestrichen. Dies führte schließlich dazu, dass dem F-85 mehr und mehr die Käuferschaft fehlte, da der Cutlass das sehr viel attraktivere Angebot darstellte.

Nach und nach wurden immer mehr Modellvarianten des F-85 eingestellt. Im Jahr 1972 kam schließlich das endgültige Aus für den F-85, der damals im neuen Oldsmobile-Einstiegsmodell Omega einen Nachfolger fand. Der Oldsmobile Cutlass wiederum wurde bis 1981 gebaut, und zu Beginn des Jahres 1997 fand der Name für das Nachfolgemodell des Ciera schließlich erneut Verwendung.

Unser Fazit

Der Oldsmobile F-85 Cutlass ist ein herrliches Stück US-amerikanischer Automobilgeschichte der 1960er-Jahre. Kräftig motorisiert, komfortabel zu fahren, dazu wunderschön anzusehen dank der typischen Hardtop-Coupé-Linie ohne B-Säulen. Hinzu kommt, dass dieser F-85 Cutlass über ein hauseigenes Oldsmobile-Triebwerk verfügt, was ihm auch technisch eine hohe Eigenständigkeit verleiht. Hierzulande zählt er zu den vergleichsweise seltenen amerikanischen Autos aus jenen Tagen, was ihn noch ein Stück begehrenswerter macht. Mit dem optionalen 4-4-2-Package wird er sogar zur ernst zu nehmenden Muscle-Car-Alternative zum Pontiac GTO.

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