Mercedes CLS und Jaguar XFR im Vergeichstest Mercedes CLS und Jaguar XFR

05.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Heavy Metal-V8-Gewitter: Wenn ultrastarke Power-Limousinen vom Schlag eines Jaguar XFR oder Mercedes CLS 63 AMG ausrücken, ist sofort Leben in der Bude

Zack, der Fahrer des Audi S5 ist seit eben runde 400 Euro ärmer: An der Einfahrt im Kreisverkehr zu lange dem quecksilbergrauen Mercedes CLS 63 AMG hinterhergestarrt, Bordsteinkontakt, und schon ziert die filigrane 20-Zoll-Felge vorn rechts eine üble Schramme. Das viertürige Power-Coupé mit dem großen Stern an der Front scheint derartige Reaktionen allerdings regelrecht abonniert zu haben: An Ampeln und auf der Autobahn wird aus Handys geknipst und gefilmt, was das Zeug hält, bei jedem Stopp zieht der große AMG wahre Menschentrauben an.

Irgendwie klar, der Testwagen gehört wohl zu den ersten neuen CLS, die in freier Wildbahn unterwegs sind. Und mit dem tiefbassig rumpelnden V8-Motor kündigt er sich ja auch offensiv an. Dieser Show muss etwas entgegengesetzt werden, und deshalb macht sich ein bewährter Spezial-Abfangjäger bereit, um den CLS in die Schranken zu weisen: Mit einer ähnlich coupéhaften Linienführung, 510 PS starkem Kompressor- V8 und anerkannt sportlichem Handling zieht der Jaguar XFR gegen den wilden Daimler los.

 

Karosserie

Bereits im ersten Kapitel scheinen den schicken Benz seine sexy Linien einzuholen: Der Einstieg in den Fond ist relativ eng, und durch die kleinen Fensterflächen fühlen sich die Passagiere regelrecht eingemauert. Im Vergleich mit dem Jaguar relativiert sich diese subjektive Beurteilung jedoch – de facto sitzen auch Mitfahrer im Mercedes CLS 63 AMG dann recht ordentlich, solange sie nicht größer als 1,80 Meter sind. Der XFR hat dagegen etwas mehr Kopffreiheit zu bieten, seine Fondsitzbank ist mit kürzerer Beinauflage, wenig Kontur und leicht rutschigem Leder aber nicht ganz so komfortabel wie die Einzelsitzanlage des Mercedes.

Vorn besteht kein Grund zur Beschwerde. Dass der Jaguar XFR etwas enger geschnitten ist, fällt im Alltag kaum ins Gewicht. Hier dürften sich die Vorlieben für einen bestimmten Stil sympathieentscheidend auswirken: Der Jaguar wirkt mit seinen großen Flächen in – nicht immer echter – Metall-Optik und den klaren Linien ruhiger und klassischer, der CLS eindeutig sportlicher. Die Entscheidung über den Kapitelsieg fällt im Punkt Bedienung und Funktion, hier kann sich der Mercedes CLS signifikant vom Jaguar XFR absetzen.

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Das Touchscreen-System des Jaguar ist spürbar langsamer und weniger logisch aufgebaut als das narrensichere Comand-System im CLS, und dessen Direktzugriff auf einzelne Funktionen, die gute Sitzeinstellungs-Logik und Ablesbarkeit von Uhren sowie Instrumenten sorgen zusätzlich für einen hohen Entstressungsfaktor. Wirklich negativ fallen im Jaguar XFR die Ablesbarkeit der Instrumente und die Beschriftung von Knöpfen auf – auf dem großzügig verteilten Silberton gehen die hellblau hinterleuchteten Informationen teilweise in völliger Kontrastarmut unter.

Hier sollte Jaguar bei der kommenden Modellpfl ege dringend nachbessern. Bei so viel Tadel sei aber auch angemerkt, dass der Jaguar definitiv durch kleine Spezialitäten wie zum Beispiel die annährungssensitiven Innenlichtschalter beeindrucken kann – im CLS muss da weiter im Dunkeln nach dem Innenlichtschalter am Dachhimmel getastet werden. Dass der CLS 63 AMG ein echter Mercedes ist, beweist er durch eine Flut von sicherheitsrelevanten Features. Allein das Studium der Funktionen und Abkürzungen sorgt für abendfüllendes Programm – hier kann der Jaguar nicht mithalten.

KarosserieMax. PunkteMercedes CLS 63 AMGJaguar XFR
Raumangebot vorn1008478
Raumangebot hinten1007571
Übersichtlichkeit705048
Bedienung/ Funktion1008068
Kofferraumvolumen1004346
Variabilität1001520
Zuladung/ Anhängelast802332
Sicherheit15012987
Qualität/ Verarbeitung200186180
Kapitelbewertung1000685630

 

Fahrkomfort

Heimspiel für Mercedes-Benz, das Fahrkomfort-Kapitel sollte mit Pauken und Trompeten nach Stuttgart gehen. Sollte. Dass der Jaguar XFR hier eine reelle Chance auf einen Kapitelsieg haben könnte, wírd spätestens dann klar, wenn drei Kilometer nach der Autobahnabfahrt diese kleine Landstraße auftaucht und der Mercedes CLS 63 AMG mit deutlicher Härte über all die Schlaglöcher und Frostbeulen rumpelt. Bis hin zur Qualität des Asphalts ist der CLS by AMG deutlich auskunftsfreudiger als sein englischer Widerpart – da ist heute einmal nicht James Bond geschüttelt und gerührt, sondern sein schwäbischer Gegner.

Dass der Jaguar spürbar komfortabler kann, stellt er aber nicht nur auf schlechten Straßen klar, sondern als Ganzes: Samtiges Abrollen, eine für das Fahrzeugkonzept verblüffende Schluckfreudigkeit, gedämpft summende Maschine im Langstreckeneinsatz. Es mag wie Ketzerei klingen, aber der Jaguar fühlt sich an wie ein echter Mercedes … Da hilft auch nicht, dass der CLS 63 den tendenziell besseren Sitzkomfort bietet und die gelungenere Ergonomie. AMG hat bei der Abstimmung des CLS 63 deutliche Komforteinbußen in Kauf genommen. Das Auto wird zwar niemals unangenehm und ist für sich gesehen immer noch ein souveräner GT, findet im Jaguar aber seinen Meister.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes CLS 63 AMGJaguar XFR
Sitzkomfort vorn150143134
Sitzkomfort hinten1007873
Ergonomie150118109
Innengeräusche504250
Geräuscheindruck1007681
Klimatisierung504745
Federung leer200130144
Federung beladen200125139
Kapitelbewertung1000759775

 

Motor und Getriebe

Das dumpfe Hämmern und voluminöse Donnern der großvolumigen V8-Motoren deutet es schon die ganze Zeit an: Mit dem Motorenkapitel beginnt die eigentliche Paradedisziplin dieser strotzenden Saft-und-Kraft-Automobile. Fünfl iter-Kompressor-Motor im Jaguar, 5,5-Liter-Biturbo- Maschine im AMG. Fight! Die Kontrahenten finden sich an der Startampel ein, leicht erhöhte Leerlaufdrehzahl, dann springt die Ampel um auf Grün: Viereinhalb Sekunden später knackt der AMG die 100-km/h-Marke, eine halbe Sekunde später fliegt der Jaguar XFR vorüber. Und dann legt sich der seidig arbeitende britische Kompressor-V8 richtig ins Zeug.

Die 200-km/h-Schallmauer schafft er um Zehntel schneller als der CLS, erst darüber kann der schwäbische Biturbo wieder gleich ziehen und dank seiner kostenpflichtigen 300er-Entdrosselung den XFR an der 250- km/h-Marke zurücklassen. Was für eine Show! So saftig wie diese Prachtstücke antreten, wünscht man sich ja einen 500-PS-V8 auf Rezept gegen Depressionen und Liebeskummer. Das Geheimnis liegt jedoch nicht einmal in den lässig hingeschlenzten Längsdynamikwerten, sondern in der unglaublichen Souveränität im Alltag.

Mit kraftvollem Drehmoment erledigen die aufgeladenen Big-Blocks nahezu jede Verkehrssituation mit wenig mehr als gefühltem Standgas, die wesentlichen Unterschiede liegen dabei in der Art und Weise, wie hier 510 PS und 625 Nm (Jaguar) respektive 525 PS und 700 Nm (CLS) vorgetragen werden: Der Jaguar XFR beeindruckt durch hohe Laufkultur, läuft bei sanfter Gangart schmeichelzart sowie akustisch dezent und bewahrt selbst unter kompromisslosestem Vorwärts-Brass stets die Contenance. Dagegen wirkt der AMG-Motor fast ungehobelt, er vibriert mehr und klingt, wie ein richtiger Dragster eben klingen muss: tief grollend im Drehzahlkeller, heiser raspelnd durch die Mitte und hart donnernd obenheraus. Ganz kompromisslos unterstützen die dazu kombinierten Getriebe den jeweiligen Charakter.

Der Jaguar überzeugt mit einer ebenso sanft wie schnell schaltenden Sechsgang-Automatik, der Mercedes CLS 63 kommt mit einer AMG-Spezialität namens Siebengang-MCT Speedshift: Nasse Anfahrkupplung statt Drehmoment-Wandler – das Ganze soll den Schaltkomfort einer Automatik mit den Schaltgeschwindigkeiten eines Doppelkupplungsgetriebes verbinden. In der Realität funktioniert das ausgezeichnet, lediglich im Stop-and-go-Verkehr oder beim Heranrollen an Ampeln tut sich das System gelegentlich durch sanftes Ruckeln hervor.

Das Zünglein an der Kapitel-Waage neigt sich allerdings immer weiter zugunsten des AMG-Triebwerks, weil es neben roher Kraft auch hohe Effizienz zu bieten hat. Den Testverbrauch von 13 Litern kann der Jaguar C-X75(14,4 l) nicht mitgehen, hier zeigt der AMG das Potenzial von Benzin-Direkteinspritzung, Start-Stopp-Automatik und einem auf Verbrauchsreduktion getrimmten Schaltprogramm: anfahren im zweiten Gang, frühes Hochschalten und drehzahlsenkende Schaltpunkte.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes CLS 63 AMGJaguar XFR
Beschleunigung150143139
Elastizität10000
Höchstgeschwindigkeit15010990
Getriebeabstufung1009996
Kraftentfaltung505048
Laufkultur1008489
Verbrauch325134108
Reichweite25137
Kapitelbewertung1000632577

 

Fahrdynamik

Dieser Modus wird für die Rundstrecke selbstverständlich deaktiviert, alle Systeme auf Sport Plus, und auch im Jaguar in Shanghai 2011wird der Fahrdynamik-Modus scharf gestellt. Was sich allerdings im Komfort-Kapitel bereits abgezeichnet hat, wird nun auf der Handlingstrecke zementiert: Den Fahrkomfort-Kompromiss haben die AMG-Entwickler deshalb so ungerührt hingenommen, weil ihnen so ein Spitzenplatz in der Kategorie Fahrdynamik sicher ist. Über drei Sekunden legt der Mercedes CLS 63 AMG zwischen sich und den Jaguar XFR – und schon der ist beileibe kein Kind von Traurigkeit. Mit feinfühliger Lenkung und hellwachem Handling räubert der Power-Jaguar um den Kurs, lediglich das im Grenzbereich etwas zu lebendige Übergehen aus sanftem Unter- in energisches Übersteuern verhindert noch schnellere Rundenzeiten.

Diesen Moment nutzt der AMG eiskalt aus, er ist ebenso neutral und stabil wie mit guter Handlichkeit und besserer Traktion unterwegs. Dazu eine Lenkung, die gekonnt den Spagat zwischen Highspeed-Ruhe und Einlenkpräzision meistert. Kritik trifft lediglich die optionale Keramik-Bremse des Mercedes. Der XFR ist besonders zu Beginn der Rennstreckensitzung hervorragend bei der Musik, erst nach einigen Runden muss sich die bis dahin gut zu dosierende und bissige Bremse eine Pause gönnen. Und erst jetzt kann die sündhaft teure (11.424 Euro) Karbon-Keramik-Bremse des AMG ihren eigentlich Vorteil ausspielen – sie ist deutlich standfester. Wer allerdings auf bessere Bremswirkung oder Dosierung hofft, tut das vergebens.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes CLS 63 AMGJaguar XFR
Handling150115102
Slalom1007369
Lenkung1009090
Geradeauslauf504540
Bremsdosierung301920
Bremsweg kalt1509797
Bremsweg warm150109108
Traktion1005544
Fahrsicherheit150133123
Wendekreis20147
Kapitelbewertung1000750700

 

Umwelt und Kosten

Wie immer im Leben kommt die Rechnung zuletzt – der Testsieger von Mercedes ist deutlich teurer als sein starker Konkurrent aus Großbritannien. Einstiegspreis, Versicherung und Options-Kosten lassen das Punktepolster des CLS schwinden. Erholung ist erst wieder angesagt, wenn die – für diese Klasse – guten Emissions- und Verbrauchswerte ins Kalkül gezogen werden. Ein teures Vergnügen sind jedoch beide Gegner in diesem Vergleich.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes CLS 63 AMGJaguar XFR
Bewerteter Preis6753050
Wertverlust5034
Ausstattung251425
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502722
Werkstattkosten201011
Steuer1076
Versicherung40413
Kraftstoff552119
Emissionswerte258581
Kapitelbewertung1000201231

 

Fazit

Ein überraschendes Ergebnis: Der Jaguar XFR ist laufruhig, kultiviert, komfortabel – diese Eigenschaften waren noch vor wenigen Jahren typisch für einen Mercedes. Und sie stehen dem kraftvollen Business-Hammer aus England hervorragend. Ein wenig Modellpflege in Sachen Bedienung und Verbrauch täten dem XFR jedoch gut. Den Vogel schießt aber der Mercedes CLS 63 AMG ab: Kantig und kompromisslos, hat er hoch gepokert und dann effi zient sowie sportlich gewonnen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes CLS 63 AMGJaguar XFR
Summe500030272913
Platzierung12

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