Vergleichstest: Mercedes C 180 vs. Opel Insignia und Skoda Superb Eine Frage des Geldes

28.10.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. MULTIMEDIA & CONNECTIVITY
  7. SO TESTET DIE AUTO ZEITUNG
  8. FAZIT
  9. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Premium oder Pragmatismus? Ganz klar eine Frage des Geldes. Aber ist teuer auch besser? Im Vergleichstest die neue Mercedes C-Klasse gegen Opel Insignia und Skoda Superb. Vergleichstest

Mercedes setzt das mittlere Segment unter Druck und stellt die neue C-Klasse mit modernen Sicherheits-Assistenten und beinahe allem, was in Sachen Multimedia und Konnektivität möglich ist, auf eine neue Stufe – auch als Basisbenziner C 180 mit 156 PS starkem 1,6-Liter-Turbo-Vierzylinder. Gut ein Jahr ist die technische Renovierung des seit 2008 gebauten Opel Insignia her, der hier als Fünftürer mit dem 1.6 ECOTEC Turbo und 170 Pferdestärken antritt. Ebenfalls sechs Jahre alt ist der Skoda Superb, der in der Mittelklasse als Preis-Leistungs-Star gilt und in diesem Test den 1,8 Liter großen Turbobenziner mit 160 PS unter der Haube hat.

 

KAROSSERIE

Die Stärken des Tschechen sind die sehr üppige Beinfreiheit im Fond, der große Kofferraum (595 bis 1700 Liter) und die variable Karosserie. Außerdem ist der Superb Fließ- und Stufenheck in einem. Je nachdem, welchen Knopf man über dem Nummernschild am Heck drückt, öffnet sich der Kofferraumdeckel entweder auf Brusthöhe wie bei einer Limousine oder inklusive der Heckscheibe mit den Scharnieren an der Dachkante.

Für den Insignia bietet Opel diese Auswahl nicht, ihn kann man als Viertürer (Stufenheck) oder Fünftürer (Fließheck) bestellen. In diesem Test haben wir uns für das Fließheck mit großer Heckklappe und 530 bis 1470 Litern Gepäckraumvolumen entschieden. Im Gegenteil zum Tschechen offeriert der Rüsselsheimer im Fond nur wenig Platz. Kniefreiheit und Innenbreite passen zwar, doch mit dem Scheitel steht man ständig in Kontakt zum Textil über dem Kopf. Das liegt auf den äußeren Sitzplätzen vor allem an der zur Seite hin stark abfallenden  Dachhimmel-Verkleidung. Optional gibt es für den Opel auch eine Durchlade-Luke zwischen Rückbank und Kofferraum.

Den Skoda kann man auf diese Art bereits ab Werk zum Beispiel mit Skiern beladen, der Ladeboden mit zwei Ebenen kostet 165 Euro extra. Vorn bleibt in der C-Klasse viel Platz überm Scheitel, weil man den Sitz angenehm tief stellen kann, die Ellenbogen- und Beinfreiheit ist aufgrund des etwas wuchtiger ausfallenden Mitteltunnels jedoch nicht optimal. Im Mercedes-Fond hat man ausreichend Platz nach allen Seiten, fürs Gepäck bleiben 480 Liter Volumen unter der kleinen Klappe des Stufenhecks.

Viele Punkte sammelt der moderne Daimler mit seiner sehr umfangreichen Sicherheitsausstattung. Eine aktive Motorhaube (FußgängerSchutz), integrierte Kindersitze im Fond, Head-up-Display, Rundumsicht-Kameras oder die Unfall-Früherkennung Presafe (393 Euro) stehen nicht in den Preislisten von Opel und Skoda. Serienmäßig hat der Daimler sogar eine automatische Notfall-Anbremsfunktion sowie ein System an Bord, das erkennt, wenn die Konzentration des Fahrers nachlässt und ihn darauf aufmerksam macht. Diese Funktion ist beim Superb ab Ausstattung Ambition (2000 € Aufpreis zu Active) für 50 Euro erhältlich.

Doch die großen Ausstattungs-Möglichkeiten im Mercedes haben auch ihre Kehrseite. Je mehr Sicherheits- und Multimedia-Features an Bord sind, desto komplizierter wird auch die Bedienung der vielen Funktionen, denn diese finden sich oft in verschachtelten Untermenüs, auf dem großen Bildschirm oder im Zentraldisplay zwischen Tacho und Drehzahlmesser. Einfacher aufgebaut sind die Systeme von Opel und Skoda, wobei beide auch weniger Funktionen bieten.

Vom optionalen Touchpad des Insignia, dessen Handhabung während der Fahrt zu viel Aufmerksamkeit fordert, raten wir ab. Einfacher ist die herkömmliche Bedienung über den Touchscreen, wobei man diesen nur mit ausgestrecktem Arm erreicht. Aufmerksamkeit fordert auch die Telefon-Kopplung via Bluetooth im Superb – deshalb ist diese nur im Stand möglich. Ansonsten sind sämtliche Funktionen im Tschechen einfach verständlich und klappen fast intuitiv.

Qualitativ spielt der teure Daimler in seiner eigenen Klasse. Materialqualität und Verar-beitung im Detail liegen ein paar Level höher als bei Skoda und Opel. Klapper- und Knarzgeräusche bemerkten wir während des Tests in keinem der Testwagen, doch die Einsparung bei Verkleidungsteilen sowie die nicht ganz passgenaue Arretierung dieser Teile im Opel verdeutlicht die Trennung zwischen Premium und Pragmatismus. Obwohl der Skoda besonders günstig ist, zeigt er in Sachen Qualität keine großen Schwächen – allerdings ist der Testwagen mit Leder ausgekleidet (2390 Euro) und fuhr mit der höheren Ausstattung „Elegance“ (4100 Euro Aufpreis im Vergleich zur Einstiegsvariante „Active“) zum Test vor.

 

FAHRKOMFORT

„Airmatic“ heißt das Zauberwort von Mercedes, das den C-Klasse-Testwagen mit adaptiven Dämpfern und Luftfederung zur souverän rollenden Limousine macht. Jegliche Art von Unebenheit – egal ob mit einer Person besetzt oder 1960 Kilo schwer – pariert der Stuttgarter souverän und wirkt erst dann etwas bockig, wenn es über ausgeprägte Querkanten geht, wie zum Beispiel an Brücken. Ansonsten sind Karosserie sowie Fahrwerk sehr gut entkoppelt, und der Aufbau gerät nie in starke Bewegung.

Auch in Sachen Geräuschkomfort hat Mercedes nichts dem Zufall überlassen und 238 Euro teures Akustikglas verbaut. Doch dieser Vorteil verblasst im Vergleich, denn auch der Skoda wirkt selbst bei hohem Tempo nicht nur leise, er ist es auch – wie die gemessenen Werte bestätigen. Im Opel sind Wind-, Abroll- und Motorgeräusche immer ein wenig präsenter.

Die Insignia-Sitze – mit ausziehbarer Schenkelauflage und einstellbarer Lordosen- sowie Kopfstütze – sind vorn gut konturiert, aber etwas eng geschnitten. Hinten sitzt man angenehm aufrecht, hat eine große Beinauflage, die dritte Kopfstütze kostet allerdings 50 Euro extra. Die Komfortsitze des Skoda sind kompromissbereiter und passen für jede Statur. Allerdings gibt es diese erst ab Ambition und dann auch nur in Kombination mit Lederbezügen (2390 Euro). Hinten reist man ebenfalls angenehm  aufrecht, die Kopfstützen sind weit ausziehbar und die Sitzflächen groß.

Wie für den Opel gibt es auch für den Mercedes in Höhe und Tiefe einstellbare Kopfstützen vorn, der Seitenhalt im Schenkelbereich ist allerdings bescheiden. Etwas wenig Beinauflage bieten die Fondplätze, außerdem ist die Lehnenposition zu stark nach hinten geneigt und die Armauflage in den Türen zu weit vorn platziert.

Ergonomisch ist der Daimler ansonsten spitze – dank vieler praktischer Ablagen und der besten Erreichbarkeit von Tasten und Hebeln. Einzig der Ölmessstab ist so weit hinten im Motorraum platziert (nahe der Windschutzscheibe), dass man sich zwangsläufig schmutzig macht, wenn man den Füllstand überprüft. Besser wäre eine über das Display steuerbare elektronische Messung, wie sie teilweise schon in der Kompaktklasse zum Standard gehört.

Klimaanlagen sind in allen drei Fahrzeugen Standard, die Automatik-Funktion mit zwei-Zonen-Regelung  kostet extra. Für den Mercedes sind optional sogar separate Fond-Regler erhältlich. Ebenfalls aufpreispflichtig sind Sitzlüftungen (Mercedes, Skoda) und beheizbare Features wie Sitze vorn (alle), im Fond (Skoda), für Lenkrad (Opel) und Frontscheibe (Skoda).

 

MOTOR/GETRIEBE

Dass alle Testwagen in einem Vergleich exakt so schnell beschleunigen wie vom Werk versprochen, kommt selten vor. Ein guter Sprinter ist die leichte C-Klasse mit Hinterradantrieb. Doch eigentlich ist der kleine Euro-6-Direkteinspritzer ein ruhiger Vertreter mit guter Laufkultur, gemächlichem Antritt, bei hohen Drehzahlen jedoch mit metallisch kernigem Klang. Diese Eigenschaft geht aber auch auf das Konto des etwas hakelig zu schaltenden sowie lang  übersetzten Sechsgang-Getriebes, mit dem der Vierventiler bei Tempo 100 nur 1600 und bei 130 km/h lediglich 2200 Touren dreht. Unterstützt von der Start-Stopp-Automatik braucht der Mercedes lediglich 7,2 Liter auf 100 km und übertrifft damit die Werksangabe um 2,2 Liter.

Auch der Opel hat ein Start-Stopp-System an Bord, dreht aber bei denselben Geschwindigkeiten knapp 400 Touren höher und bringt obendrein 135 Kilo mehr auf die Waage als der Schwabe. Deshalb fließen im Test über drei Liter mehr Superbenzin in die Brennräume als versprochen (5,9 Liter/100 km). Mit kräftigem Antritt und kurzer Übersetzung ist der manchmal etwas brummige Insignia-Motor besonders durchzugsstark, läuft aber nicht so kultiviert wie die Aggregate der Rivalen. Beim Sprint mangelt es den beiden Fronttrieblern Opel und Skoda an Traktion.

Der 1,8 Liter große Vierzylinder im Superb stellt sich im Test als erstaunlich effizient heraus – trotz höchsten EU-Normverbrauchs. 7,4 Liter benötigt der Vierventiler im Test, um 100 Kilometer weit zu fahren – das ergibt eine Reichweite von 811 Kilometern. Weiter kommt nur der Mercedes, wenn man für 60 Euro den größeren 66-Liter-Tank bestellt (917 Kilometer). Ab Werk muss die C-Klasse allerdings mit mickrigen 41 Liter Fassungsvermögen auskommen.

70 Liter Sprit kann der Insignia an Bord nehmen und kommt damit rein rechnerisch 778 Kilometer weit. Allerdings sollte man sich an der Tankstelle etwas mehr Zeit nehmen. Denn wenn die Abschaltautomatik der Zapfpistole zum ersten Mal knackt, passen noch weitere 14 Liter ins Opel-Kraftstoffreservoir – eine Reichweitenverlängerung von 156 Kilometern.

 

FAHRDYNAMIK

3796 Euro muss man investieren, damit der C 180 so dynamisch wird wie unser Testwagen. Dann wären etwa die sensationell haftende Mischbereifung von Conti sowie das bereits im Komfort-Kapitel angesprochene Airmatic-System mit Agilitäts-Paket und parametergesteuerter Komfort-Direktlenkung (238 Euro) an Bord. In diesem Ornat geht der Mercedes nicht nur um die Ecken wie ein Sportler, sondern er verzögert auch mit 33,5 Metern kalt/warm aus Tempo 100 bis zum Stand sehr gut.

So ist die Limousine sogar im Grenzbereich fahrsicher und bietet enorm viel Rückmeldung am Lenkrad sowie auf dem Bremspedal. Insignia und Superb wirken dagegen geradezu träge, wobei auch sie zügig unterwegs sind – der Skoda ebenfalls mit Options-Reifen. Zu guter Letzt schlägt die Premium-Limo – bedingt durch den Hinterrad-Antrieb – die Konkurrenten auch mit den kleinsten Wendekreisen.

 

UMWELT/KOSTEN

Der hier gezeigte Mercedes C 180-Testwagen kostet über 55.000 Euro. Schon mit dem Grundpreis von 33.558 Euro setzt sich die Premium-Mittelklasse-Limousine von Opel (26.870 Euro) und Skoda (26.390 Euro) deutlich ab. Besonders attraktiv ist das Angebot für den Insignia, den es als Business Edition (ohne Aufpreis!) schon mit reichhaltiger Ausstattung  gibt. Auch der Superb ist im Vergleich zum Stuttgarter ein Schnäppchen – allerdings ohne die testrelevanten Extras.

Für 17-Zöller muss man 800 Euro auf den Tisch legen, die Komfortsitze gibt es erst ab der höheren Ausstattung „Ambition“ (2000 Euro Aufpreis) und dann auch nur in Verbindung mit einem der Leder-Pakete (2390 Euro). So ist der tschechische Testwagen unterm Strich teurer als der in puncto Sitze, Fahrwerk und Lenkung serienmäßig gut ausgestattete Insignia.

Beim Wertverlust in Euro liegen sie allerdings auf einem Niveau. Multimedial fährt die C-Klasse ganz vorn. Der Schwabe ist – wie auch Skoda und Opel – ab Werk nur mit Stahlrädern ausgerüstet, die Metallic-Lackierung kostet rund 350 Euro mehr als bei den Rivalen aus Rüsselsheim und Mladá Boleslav.

Der Insignia verliert wichtige Zähler mit nur einem Jahr Mobilitätsgarantie und hohen Kraftstoff- sowie Werkstattkosten (Schätzwert), die Versicherungsprämien sind im Vergleich aber günstiger als bei den Konkurrenten. Auch für die Mercedes-Wartung muss man etwas tiefer in die Tasche greifen. Dafür  halten sich die Kosten für Fiskus und Kraftstoff in Grenzen. Kosten-Sieger wird der Superb hier zwar nicht, Werkstattpreise  und  Garantiebedingungen sind aber top.

 

MULTIMEDIA & CONNECTIVITY

Mercedes: topmodern, aber nicht immer intuitiv
Serienmäßig an Bord sind in der C-Klasse 7-Zoll-Display, Radio, zwei  USB-Anschlüsse, SD-Karten-Eingang, Bluetooth-Schnittstelle und eine Online-Funktion via Smartphone. CD-Spieler und Touchpad-Bedienung kosten 238 Euro. Navigieren kann man ab 893 Euro mit einem mobilen Gerät, die integrierte Variante „Comand Online“ kostet 3511 Euro, u.a. mit WLAN,  Internet-Browser, Apps und 10-GB-Festplatte. Multimedial fährt die C-Klasse also ganz vorn. Einige Funktionen sind aber in Untermenüs versteckt, die Bedienung, wie etwa das Speichern von Radiosendern, gelingt nicht intuitiv.

Opel: übersichtlich, aber kompliziertes Touchpad
4,2-Zoll-Display, AUX- sowie USB-Anschluss, Bluetooth-Schnittstelle zum Freisprechen oder Musikhören: All das ist Serie im Insignia, in der günstigeren  Business Edition sogar das „Navi  900  IntelliLink“ (inkl. SD-Karten-Eingang), das sonst 1335 Euro für andere Ausstattungen kostet. Die Menüs sind logisch aufgebaut, die Touchpad-Bedienung (120 Euro) ist jedoch sehr umständlich und fordert viel Aufmerksamkeit, weil man den Cursor auf dem Display nicht frei  bewegen kann. So springt der Pfeil oft dorthin, wo man ihn nicht haben will. Besser: Die Bedienung über den Touch-Bildschirm.

Skoda: nur mit den Basics, dafür einfache Bedienung
Das CD-Radio mit AUX-Anschluss ist im Superb immer an Bord, mehr aber auch nicht. Für 290 Euro gibt es den Touchscreen mit SD-Karten-Eingang und CD-Wechsler. Digitalradio kann man hören, wenn man das Navi „Amundsen+“ für 890 ordert, das Navi  „Columbus“ (1980 euro) kommt mit großem Display,  30-GB-Festplatte sowie DVD-Spieler. Die Bluetooth-Funktion kostet 930 Euro. Wer 2780 Euro investiert, kann im Superb sogar Fernsehen. Zwar ist die Bedienung einfach, allerdings fehlen etwa ein USB-Anschluss und die Möglichkeit der Telefonkopplung via Bluetooth während der Fahrt.

 

SO TESTET DIE AUTO ZEITUNG

Das Fahrgeräusch im Innenraum ermitteln wir mit einem geeichten Messgerät auf der Ohrhöhe des Fahrers. Nach mehreren 100 Testkilometern beurteilen wir subjektiv den Geräuscheindruck.

 

FAZIT

Klarer Punkt-Sieg für den Mercedes C 180 – dank modernster Sicherheitsfeatures, großer Multimedia-Ausstattung, tollem Komfort, effizientem Antrieb und sehr sicheren, dynamischen Fahreigenschaften.

Beachtlich aber ist, wie nah ihm  der alte Skoda Superb 1.8 TSI in der Endabrechnung kommt. Seine Stärken sind die große Karosserie, die immer noch überzeugende  Motor-Getriebe-Einheit und der angenehme Reisekomfort.

Rang drei für den Opel Insignia 1.6 DI Turbo, der im Fond wenig Kopffreiheit bietet, viel Sprit verbraucht und dessen Touch-Bedienkonzept nicht ausgereift ist. Die mögliche Sicherheits- und Multimedia-Ausstattung jedoch ist gut, die Kosten sind überschaubar.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Paul Englert

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