Porsche 911 Carrera 2/Porsche 944 Turbo: Vergleich Porsche-Ikonen im Bruder-Duell

25.08.2015

Porsche-typische Langzeitqualität, begeisternde Fahrdynamik und einen ausgeprägten Charakter bieten 911 Carrera 2 und 944 Turbo auf jeweils völlig eigene Art.

Papier ist bekanntermaßen geduldig, und Zahlen sind Schall und Rauch, heißt es ja mitunter gern. Auf kaum eine Vergleichspaarung treffen diese rhetorischen Allgemeinplätze derart zu wie auf Porsche 911 (964) Carrera 2 und 944 Turbo. Studieren wir die Zahlen der beiden jeweils aus dem Jahr 1991 stammenden Testexemplare, finden wir in den charakteristischen Eckdaten zunächst so gut wie keine Unterschiede: Beide Sportler treten mit 250 PS Leistung an, beschleunigen laut Werksangaben in 5,7 (964) respektive 5,9 Sekunden (944) von null auf 100 Stundenkilometer und rennen 260 km/h schnell. Dazu treten sie mit Werten von 5,4 (964) respektive 5,6 Kilogramm pro PS auch noch mit sehr ähnlichem Leistungsgewicht an. Und doch könnte Porsche fahren unterschiedlicher kaum sein als bei der Ausfahrt mit diesen beiden Modellen des renommierten Sportwagenbauers aus Zuffenhausen.

Porsche 911 Carrera 2 vs. 944 Turbo: Sauger contra Turbo

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Setzt der 964 ganz auf das angestammte Elfer-Prinzip des luftgekühlten Sechszylinder-Boxermotors im Heck, so wird der 944 Turbo von einem vorn implantierten 2,5-Liter-Reihenvierzylinder mit Turbo-Aufladung befeuert. Aus seinen exakt 3600 Kubikzentimeter Hubraum generiert der Elfer seine 250 PS bei 6100 Touren, flankiert von einem maximalen Drehmoment von 310 Newtonmetern bei 4800 Umdrehungen. Hubraum sei bekanntlich durch nichts zu ersetzen, mag man angesichts von gut 1100 Kubikzentimetern weniger Hubvolumen beim 944 Turbo denken, doch da ist die Rechnung ohne den Lader gemacht. Er sorgt dafür, dass stramme 250 PS bereits bei 6000 Touren anliegen und schon bei 4000 Umdrehungen ein Drehmomentgipfel von beachtlichen 350 Newtonmetern erklommen wird. Rein zahlenspielerisch ergibt das also einen Punkt für den aufgeladenen Vierzylinder-Porsche, dessen Fahrer sich von unbeleckten Zeitgenossen noch heute gern die Bezeichnung „Hausfrauen-Porsche“ anhören dürfen, obgleich damit doch der genetisch eng verwandte Bruder 924 gemeint war.

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Innerhalb der eingefleischten Porsche-Gemeinde hat sich die 944-Baureihe freilich längst einen festen Platz in den Herzen der Fans erobert. Sind die Preise der luftgekühlten 911-Modelle innerhalb der letzten drei, vier Jahre förmlich explodiert, ziehen nun langsam, aber stetig Typen wie 924, 944, 968 oder 928 nach. Wer hier mit einem Kauf liebäugelt, sollte sich möglicherweise beeilen, denn vermutlich wird auch die Preisspirale dieser Modelle zukünftig nur eine Richtung kennen: steil nach oben! Hinzu kommt, dass Porsche mit einer neuen Palette an Vierzylindermotoren bereits in den Startlöchern steht, was dem Thema Wertzuwachs auch bei diesen historischen Fahrzeugen eine zusätzliche Dynamik verleihen dürfte. Stichwort Dynamik. Unterwegs auf schnellen Geraden, eintauchend in enges, kurviges Geläuf, gespickt mit Haken, die vehemente Bremsmanöver mit brachialem Beschleunigen aus den Ecken heraus kombinieren, ist der Elfer ganz und gar in seinem Element. Ankert der Fahrer im 1350 Kilogramm schweren 964 beherzt, krallt sich die im 64er erstmals in der Elfer-Historie verbaute McPherson-Vorderachse wie eine Raubkatze in den Asphalt und ermöglicht geradezu begeisterungswürdige Verzögerungsarien.

BEIM PRAXISNUTZEN HAT DER 944 KLAR DIE NASE VORN

Lassen wir den Image-Faktor aber mal beiseite, kann der 944 Turbo weitere Pluspunkte im Sinne von Entspanntheit und Alltagstauglichkeit für sich verbuchen. Bietet seine Einzelsitzanlage im Fond wie auch diejenige im Elfer zwar bestenfalls Kindern im Grundschulalter so etwas wie angenehmen Platz, so entpuppt sich der 44er spätestens beim Öffnen der riesigen gläsernen Heckklappe doch als wahres Raumwunder. Rund 15.000 Mark trennten den 97.175 Mark teuren 944 Turbo im Jahr 1991 vom neu 112.420 Mark kostenden 911 (964) Carrera 2. Ein erheblicher Preisunterschied, der sich heute aber noch sehr viel deutlicher zeigt: Bekommt man für rund 20.000 Euro einen wunderschönen, scheckheftgepflegten 944 Turbo wie den auf diesen Seiten abgebildeten, muss für einen vergleichbar guten 964 Carrera 2 aktuell rund das Doppelte veranschlagt werden. Das ist ein Unterschied, den nackte Tatsachen in keiner Weise rechtfertigen, sondern der lediglich vom Image getragen wird. Aber auch das spielt – gerade in der Porsche-Welt – ja bekanntermaßen eine nicht unwichtige Rolle.

Unser Fazit

Den Mythos eines 911 wird der 944 Turbo wohl nie erreichen. Setzt man die Elfer-Brille aber ab und lässt sich unvoreingenommen auf die technische Faszination Porsche ein, entpuppt sich gerade der 944 Turbo als echtes Schmankerl aus Zuffenhausen. Er geht wie die Hölle, ist dem Carrera 2 fahrdynamisch leicht berlegen, bietet ein gutmütigeres Fahrverhalten und mehr Nutzwert. Hinzu kommt mit den Klappscheinwerfern und den weit ausgestellten Kotflügeln ein einzigartiges Design, das ihn zu einem echten Hingucker unter den Klassikern macht. Dagegen wirkt der Elfer fast schon normal, jedoch nie langweilig. Dafür sorgt spätestens bei forscher Gangart das Heckmotorprinzip. Echte Porsche-Faszination verströmen beide.

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