Ford Mustang GT & Corvette Stingray im Vergleich Born in the USA

16.07.2015

Jahrzehntelang traute sich der Ford Mustang nicht über den Atlantik. Mit der jüngsten Generation ändert sich alles: Der neue, sportliche Mustang kommt offiziell nach Deutschland. Und trifft dort auf eine andere US-Legende, die Corvette Stingray. Vergleich

Die flache Haifisch-Schnauze der weißen Corvette im Rückspiegel schiebt sich rasant näher – gerade so, als ob sich die US-amerikanische Sportwagen-Legende ganz aus der Nähe besehen müsste, was ihr hier mitten in Bayern vor die Nase gerollt ist: ein feuerroter Ford Mustang, fabrikneu, die ganz aktuelle Modellgeneration. Die Neugierde ist verständlich: Bisher hatte es das legendäre Muscle-Car nie offiziell nach Europa geschafft, die Ford-Manager in Detroit befürchteten wohl eine Entzauberung der Marken-Ikone auf europäischen Kurven-Straßen und bei deutschem Autobahn-Tempo.

 

Ford Mustag GT & Corvette Stingray: US-Sportwagen-Ikonen

Wer also einen Mustang fahren wollte, musste immer den Umweg über private Importeure wählen. Das hat nun ein Ende: Die aktuelle Mustang-Generation wird ganz offiziell im deutschen Ford-Modellprogramm angeboten. Gute 70 Prozent der begeisterten Vorbesteller haben dabei anscheinend den Ford Mustang GT mit 421 PS starkem Fünfliter-V8 geordert, nur 30 Prozent wählen den 314 PS kräftigen EcoBoost-Vierzylinder mit 2,3 Liter Hubraum.

Wer einen Mustang kauft, lebt eben seinen inneren Steve McQueen aus – das Hämmern des V8 beim Anflug auf die Sprungschanzen der Hügelstraßen San Franciscos spielt in diesem Lebensgefühl eine deutlich größere Rolle als moderne Effizienz- und Wirtschaftlichkeitsüberlegung. Dabei ist der Turbo-Four rein rational betrachtet keine üble Wahl: Sein Leistungspotenzial taugt für souveräne Fortbewegung, scharfe Gangart und zornige Ampel-Sprints. Und gemessen daran verbraucht  er verblüffend wenig Kraftstoff. Nur eben die blechern trommelnde Vierzylinder-Akustik wirkt als Untermalung zum innerlich  ablaufenden Muscle-Car-Film ein wenig deplatziert.

Gut also, dass es sich bei unserem Mustang um die GT-Version mit V8 handelt. Hier gesellt sich zum druckvollen Antritt in beinahe jeder Lebenslage entsprechend sattes Donnergrollen: Kernige Attacke im Drehzahlkeller, heftiges Voranschmettern im mittleren Drehzahlbereich – lediglich bei höheren Drehzahlen spielt der großvolumige Saugmotor entspannten Rhythm’n Blues statt blutenden Speed Metals.

Langsam flaut jetzt die Leistung ab, über das knackig zu schaltende Sechsgang-Getriebe wird der nächsthöhere Gang nachgeschubst, der muskulöse Ritt kann weitergehen. Bei 250 km/h regelt die Motorelektronik ab, Höchstgeschwindigkeits-Exzesse gehören für den Mustang aber sowieso nicht zur artgerechten Haltung: Bei diesem Tempo wird das Auto laut, auch der Wind ist dann unüberhörbar. Und selbst wenn der Geradeauslauf des großen Coupés unerschütterlich stabil bleibt, wirkt das Wildpferd beim deftigen Straßenräubern in mittleren Geschwindigkeitsbereichen deutlich authentischer.

Die Chevrolet Corvette Stingray lässt sich an dieser Stelle bereits anmerken, dass sie einer anderen Leistungsklasse entstammt: Ihr 6,2 Liter großer Zweiventil-V8  drängt auch weit jenseits der 250-km/h-Marke mit gefühlt-endloser Leistungsbereitschaft voran, wie ein Projektil stürmt der US-Sportwagen gierig über die Autobahn. Auch hier ist ein Automatik-Getriebe statt des serienmäßigen Siebengang-Getriebes nur optional erhältlich – irgendwie herrlich gefühlsecht, dass diese beiden Legenden nach wie vor auf präzise bedienbare Handschaltungen setzen.

Die Abfahrt ins Kurvenparadies wird auf der letzten Rille angebremst, souverän verdampft die für den V8-Mustang serienmäßige Brembo-Sportbremse die dynamische  Energie des  1,7-Tonnen-Coupés. Bremse lösen und beherzt einlenken – beinahe saugend und ohne jede Unsicherheit stürmt der Mustang um den Radius. Die Kompetenz des völlig neu entwickelten Fahrwerks wirkt auch viele Kilometer später noch ungeheuer ansteckend. Während wir über Kehren, Kuppen und kleine Landstraßen stürmen, löst sich die Sehnsucht nach US-Highways beinahe restlos auf.

 

Mustang GT & Corvette: Herzschlag im V8-Rhythmus

Die Corvette hat dafür volles Verständnis, schließlich fühlt sich das radikale Sportwagen-Konzept schon seit einiger Zeit in Europa wohl: Helden wie der Münchner US-Autospezialist Geiger haben die Corvette schon lange im Angebot und sind mittlerweile wahre Epizentren der V8-Leidenschaft. Bei aller Emotionalität unterscheiden sich die US-Ikonen aber doch gewaltig: Der Mustang GT ist wesentlich zugänglicher als die kompromisslos auf Sportlichkeit zugeschnittene Corvette.

Obwohl er nur 45 PS weniger leistet und bei moderatem Landstraßen-Tempo ein ähnliches Fahrspaß-Potenzial bietet, kostet der Mustang GT lediglich die Hälfte und bietet als viersitziges Coupé den wesentlich höheren Alltagsnutzen. Erst auf Rennstrecken kann die Corvette ihr überlegenes Potenzial ausspielen, bis dahin ist der charismatische Mustang König.

TECHNIK
   

Chevrolet Corvette Stingray
Ford Mustang GT Fastback
Motor V8-Zylinder, 2-Ventiler, Direkteinspritzung, Zylinderabschaltung V8-Zylinder, 4-Ventiler
Hubraum 6192 cm3 4951 cm3
Leistung 343 kW/466 PS bei 6000 /min 308 kW/418 PS bei 6500 /min
Max. Drehmoment 630 Nm bei 4600 /min 524 Nm bei 4250 /min
Getriebe 7-Gang, manuell 6-Gang, manuell
Antrieb Hinterrad Hinterrad
L/B/H 4493/1877/1239 mm 4784/1916/1381 mm
Radstand 2710 mm 2720 mm
Leergewicht 1539 kg 1720 kg
Kofferraum 287 l 408 l
Beschleunigung1 0-100 km/h in 4,2 s 0-100 km/h in 4,9 s
Höchstgeschwindigkeit1 290 km/h 250 km/h
EU-Verbrauch1 12,0 l/S 100 km 13,5 l/S 100 km
CO2-Ausstoß1 279 g/km 299 g/km
Grundpreis 79.500 Euro 40.000 Euro
1 Werksangabe

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