Fisker Karma: E-Sportler im Fahrbericht Fisker Karma

29.08.2011

Als erster ausgewachsener Sportwagen mit Elektro-Antrieb und Range Extender läutet der Fisker Karma die Geburtsstunde eines neuen Autoherstellers ein. Fahrbericht

Eckdaten
PS-kW260 PS (191 kW)
AntriebHinterrad, einstufig
0-100 km/h5.9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit201 km/h
Preis101.800,00€

Wo beginnt man, wenn man ein völlig neues Auto konstruieren will? Am besten beim Design. Und davon versteht Henrik Fisker eine Menge. Der gebürtige Däne kann auf eine produktive Karriere zurückblicken, war unter anderem bei BMW für die Form des Z8 und bei Aston Martin für den DB9 verantwortlich. Das erste Auto, das nun seinen Namen trägt, sollte aber mehr als nur ein Design-Objekt sein. Der Karma, den Fisker 2008 als Studie in Detroit vorstellte, treibt seine Hinterräder ausschließlich elektrisch an, versteckt eine Lithium-Ionen-Batterie tief in der Fahrzeugmitte und einen potenten Benzinmotor samt Generator für die Stromerzeugung unter der Fronthaube. Doch das Interessanteste: Ab September kann man den Fisker Karma kaufen – schon jetzt gibt es acht zertifizierte Händler in Deutschland. Für 101.800 Euro ist er die grüne, voll ausgestattete Antithese zu Porsche Panamera und Mercedes CLS.

E-SPORTLER IM PANAMERA-FORMAT
„Form vor Funktion“ heißt das Credo von Fisker, was Großgewachsene schon beim ersten Kennenlernen feststellen. Sitzt man auf den vorderen, gut einstellbaren und superedlen Sitzen noch sehr bequem mit viel Bewegungsfreiraum, wird es auf den zwei von einer Mittelkonsole getrennten Rücksitzen eng. Wer größer als 1,85 Meter ist, muss den Kopf einziehen. Auch praktische Ablagen sucht man vergebens, und das Ladevolumen liegt mit 195 Litern weit unter Limousinen-Niveau. Wegen der Liebe zum Design sollten bei Fisker andere Maßstäbe angelegt werden. Denn welches Auto steht sonst schon serienmäßig auf 22-Zöllern?

Die Fahrwerksingenieure müssen fleißig experimentiert haben, denn bereits auf den ersten Metern überrascht das fünf Meter lange Dickschiff mit ausgewogenem Komfort. Sicher könnten kurze Impulse wie Autobahnfugen noch sanfter geschluckt werden, doch angesichts der gewaltigen Raddimensionen und fehlender adaptiver Dämpfer geht der straffe Federungskomfort absolut in Ordnung. Geradeauslauf und Spurtreue zeigen sich dank des ultralangen Radstands von 3,16 Metern absolut souverän. Das gilt auch für die Verarbeitung der Aluminium-Karosserie, die während der gesamten Testfahrt kein Geräusch von sich gibt.

UNTERWEGS MIT 1330 NEWTONMETERN
Im Fisker Karma stehen zwei Fahrprogramme zur Auswahl, die über Schaltpaddel hinter dem Lenkrad aktiviert werden. Im Stealth-Modus wird ausschließlich die Energie aus dem 20-Kilowattstunden-Akku genutzt, der nach fünfeinhalb Stunden an einer 230-Volt-Haushaltssteckdose vollgeladen ist. Zusätzliche Energie wird beim Bremsen zurückgewonnen und durch das Solardach ins System gespeist. So rollt man zwar ohne Emissionen durch Stadt und Land, allerdings nicht ganz geräuschlos. Denn im Gegensatz zu anderen Elektrofahrzeugen warnt der Fisker Karma Passanten dezent mit einem futuristischen Batmobil-Sound, der aus kleinen Lautsprechern in den Stoßfängern kommt. Kraft gibt es genügend – jederzeit ohne die Verzögerung eines Wandlers und ohne Schaltvorgänge, denn die beiden je 150 Kilowatt starken E-Motoren (zusammen: 403 PS) vor und hinter dem Hinterachsdifferenzial greifen ohne Getriebe direkt auf die Hinterräder zu.

Trotz eines Leergewichts von etwa zweieinhalb Tonnen schieben sie den Viertürer im Stealth-Modus in 7,9 Sekunden auf Tempo 100. Bei 153 km/h ist Schluss mit der rein elektrischen Beschleunigung. Erst wenn die Batterie entladen ist, springt der mit Benzin betriebene Range Extender hörbar an, um den Akku zu laden. Das passiert je nach Fahrweise nach etwa 80 Kilometern rein elektrischer Fahrt. Ein Zug am Schaltpaddel, und der Sport-Modus wird aktiviert. Jetzt mischt sich der Verbrennungsmotor häufiger in das Geschehen ein und lädt die Batterie stets mindestens bis zur Hälfte auf. Der 260 PS starke Zweiliter-Turbobenziner stammt von General Motors und ist bei uns aus dem Opel GT Roadster bekannt.

IM SPORTMODUS AUF PORSCHE-NIVEAU
Im Karma treibt er einen mächtigen Generator an (175 kW), der die Batterie laden soll und parallel zusätzliche elektrische Leistung für die beiden Antriebsmaschinen zur Verfügung stellt. So drückt es einen bei Vollgas noch kräftiger in die Sitze. In nur 5,9 Sekunden schießt man auf Landstraßentempo, erst bei gut 200 km/h erreicht der Karma seine Höchstgeschwindigkeit. Allerdings wird der Vollgasrausch vom heiser dröhnenden Sound des Turbomotors begleitet, der seine Drehzahlen frei und unabhängig von der Gaspedalstellung variiert. Weil die Auspuff-Endrohre direkt vor den Türen sitzen, hätte man hier eine ansprechendere Geräuschkulisse entwickeln können. Die Fahrleistungen des Antriebs überzeugen aber voll und ganz – auch auf dem Handlingsparcours. Weil die schweren Antriebskomponenten (Batterie, Generator, Antriebsmotoren) weit unten und mittig im Fahrzeug untergebracht sind, merkt man dem Fisker Karma sein hohes Gewicht nicht an. Er lenkt willig ein, gibt gute Rückmeldung in der Lenkung, erzielt überraschend hohe Kurvengeschwindigkeiten und gibt sich im Grenzbereich neutral. Das liegt vor allem an den breiten Reifen (255 mm vorn, 285 mm hinten), die zusammen mit Goodyear extra entwickelt wurden.

Mehr Tests & Fahrberichte: Der kostenlose Newsletter der AUTO ZEITUNG

GUT VIER JAHRE SORGLOS-GARANTIE
Auch sonst haben Henrik Fisker und sein 350-köpfiges Team stark auf die Kompetenz der Zulieferer vertraut. Wie die großen Hersteller setzt er auf Bosch, ZF oder A123 aus Amerika, hat in München extra ein Ingenieursteam für gemeinsam entwickelte Komponenten beschäftigt. Der Karma wird nicht das einzige Auto der Marke bleiben. Es folgen zunächst zwei weitere Karosserievarianten mit gleicher Antriebstechnik – darunter auch ein Cabriolet mit klappbarem Blechdach –, die auf der IAA gezeigt werden. Und schon jetzt wird fleißig an einer zweiten Modellreihe gearbeitet. Hinter dem Projekt „Nina“ versteckt sich ein ebenso ökologischer Familienwagen, der in der 50.000-Euro-Klasse angesiedelt ist. Soll der Nina in Amerika gebaut werden, so erblickt jeder Karma bei Valmet Automotive in Finnland das Licht der Welt. Vom gleichen Band laufen auch Porsche Boxster und Cayman. Bis zu 15.000 Stück will Henrik Fisker davon im Jahr produzieren, und jeder von ihnen erhält eine 50-monatige Komplettgarantie, die einem den Umstieg erleichtern soll.
Markus Schönfeld

Technische Daten
Motor 
ZylinderVierzylinder.Benzinmotor, Direkteinspritzer, Turbo
Hubraum1998
Leistung
kW/PS
1/Min

191/260
k.A.
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
null
k.A.
Kraftübertragung 
Getriebeeinstufig
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete Scheiben
h: innenbelüftete Scheiben
Bereifungv: 255/35 WR 22
h: 285/35 WR 22
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)2539
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)5.9
Höchstgeschwindigkeit (km/h)201
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch2.4l/100km (Super)
Reichweite80
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)83

Tags:
Zmarta Autokredit
Autokredit

Jetzt den günstigsten Autokredit finden

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.