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Opel Rekord C/Ford 20M TS: Classic Cars

Rekord C und 20M TS auf Tour

Die Cabrios des Karosseriebauers Karl Deutsch waren schon als Neuwagen höchst exklusiv. Heute hüten Sammler sie als kostbare Raritäten. 60 Jahre nach seiner Einführung bringen wir ein offenes Exemplar des Opel Rekord C mit einem Ford 20M TS zusammen.

Die sind unverwechselbare Charakterköpfe, der Opel Rekord C 1700 L und der Ford 20 M TS P5, einprägsame Gesichter, Typen. Und dennoch: So manches Stilelement wie etwa die Stoßstangen mit den hochgezogenen Ecken, die von den Blinkern gekrönt werden, oder die gestreckte Gürtellinie wirken wie zwei Seiten derselben Medaille. Beide außergewöhnliche Testkandidaten sprechen dieselbe Formensprache – die der späten 60er-Jahre. Sie kündet vom neuen Selbstbewusstsein der Mittelklasse: Man war wieder wer, man leistete sich was. Ford und Opel boten dafür die perfekten Automobile: groß, repräsentativ, gern mal mit sechs Zylindern, mit verlässlicher Technik und zu bezahlbaren Preisen. Zwei Türen, vier Türen, Coupé – alles hatten die großen Firmen in Köln und Rüsselsheim im Angebot. Nur an eine Cabrio-Version ihrer Verkaufsschlager trauten sie sich nicht heran. Hier sprang die Firma Karl Deutsch GmbH in die Bresche und nahm sich der aufwändigen Arbeit an.

Karl Deutsch GmbH Pionier unter den Karosseriebetrieben

Der Betrieb, der einst als J. W. Utermöhle GmbH bekannt war und seit 1901 auch Automobile mit neuen Karosserien versah, firmierte in Köln-Braunsfeld 1916 um. Der bisherige technische Kaufmann Karl Deutsch hatte Utermöhle übernommen und hob nun den eigenen Namen aufs Firmenschild. Die räumliche Nähe zu Ford führte dazu, dass schon bald rege Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Unternehmen entstanden. Deutsch hatte aber auch Verbindungen zu anderen Herstellern und arbeitete für Citroën, Borgward – sowie später für Opel. Auch als die Autos schon lange keine Plattformrahmen mehr hatten, sondern als selbsttragende Karosserien einen Teil ihrer Steifigkeit über das Blechdach erhielten, wagte sich Deutsch noch an recht gekonnte Cabriolet-Varianten von Isabella, Taunus oder Rekord. Die von uns gefahrenen offenen Testwagen Opel Rekord C und Ford 20M TS gelten als Spätwerke des Spezialisten aus Köln, der einst so groß war. Mitte der 60er lebte Deutsch in einer Nische, die immer kleiner wurde – 1971 war das Ende der Firma besiegelt. Den späten Deutsch-Autos sagt man nach, dass die Aufschneider mit teilweise recht einfachen Mitteln das offene Fahren ermöglicht haben sollen.

Bildergalerie: Opel Rekord C und Ford 20M TS

Und tatsächlich: Durchgesägte Türrahmen und die Weiterverwendung der Limousinen-Heckklappen künden vom Rotstift. Eigene Teile produzierte man eher ungern. Und gerade im Fall der beiden roten Brüder auf diesen Seiten wäre zum Beispiel die Anfertigung von eigenen Presswerkzeugen kaum rentabel gewesen: Vom Deutsch-Ford P5 entstanden nur rund 150 Exemplare, vom offenen Opel Rekord C sogar nur 46 Stück. Da klopfte man lieber nach alter Väter Sitte Bleche über den Holzklotz und versuchte, die Verdecke möglichst ähnlich zu bauen, um Teile von Cabrio zu Cabrio übernehmen zu können. Wer heute in den Opel Rekord C von Deutsch einsteigt, der achtet freilich nicht auf Sägespuren oder Gleichteile, sondern genießt einfach diese Freiheit, die nur ein in einem flachen Fahrzeugheck voll versenktes Stoffverdeck bieten kann – kein Vergleich zu den gewaltigen Klappdachcabrio-Konstruktionen unserer Tage. Das C führt er stolz im Namen – es weist ihn als Drittgeborenen der Baureihe aus. Der Wagen mit dem kessen Hüftschwung, der ab 1966 die Kunden reihenweise in die Verkaufsräume der freundlichen Opel-Händler lockte, gehört wie der P5 von Ford zu den gelungenen deutschen Auto-Kreationen der 60er-Jahre. Er wirkt auf Anhieb moderner – trotz der zahlreichen Parallelen zum etwas älteren Ford.

Wie ein Zwilling parkt der Opel neben dem Ford 20M (P5)

Die modische Linienführung macht unseren Test-Opel unverkennbar zu einem Auto jener Zeit, als die Röcke kürzer wurden und die Koteletten langsam länger. Millionen C-Rekord bevölkerten schnell die Straßen. Doch nur 46 von ihnen waren Cabriolets von Deutsch. Der Kölner Spezialist war einfach zu teuer. Und so blieben die Rekord C mit freiem Blick zum Himmel seltene Preziosen. Leider. Man kann es nicht oft genug sagen, wenn man einsteigt und den satten Sound der zufallenden Tür hört, der irgendwie noch voller nachklingt als beim Ford. 1964 kam der Kölner auf den Markt, 1966 der Rüsselsheimer. Nur zwei Jahre, und doch ein großer Unterschied: weniger Blech, mehr schwarzer Kunststoff und schwarzes Kunstleder im Innenraum. Es ist schon seltsam, wie verschieden die beiden deutsch-amerikanischen Firmen dann doch wieder in der Ausrichtung ihrer Produkte waren und wie sie trotz gleicher Käuferschichten ihre eigenen Philosophien verfolgten. Egal, ob Schalteranordnung oder sonstige Anmutung: Der Opel Rekord wirkt europäischer. Gegenüber dem Test-Partner Ford 20M TS hat er den Nachteil des schwächeren Motors. Das bringt auch Nachteile bei der Ausstattung mit sich – die Mittelschaltung mit vier Gängen musste der Kunde extra bezahlen. Und bei der Beschleunigung kann der 15 PS schwächere Rekord C nicht mithalten: Gut 24 Sekunden vergehen, bis die 100 km/h-Marke erreicht ist, also fast doppelt so lang wie beim 20 M TS. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit etwa 150 km/h dann jedoch wieder gleich.

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Zwei Cabrio-Schmuckstücke für jeden Oldtimer-Liebhaber

Aber wer wollte ernsthaft auch diesen roten Bruder bis in solche Regionen prügeln? Der recht behäbige Reihenvierzylinder ist zwar ebenfalls laufruhig, aber der V6 des Ford ist doch noch mal eine andere Welt. Das Rekord-Getriebe ist gut abgestuft, die Gänge lassen sich leicht sortieren. Die Lenkung ist deutlich direkter als die des Ford, man muss weniger kurbeln. Das macht vor allem in Kurven Spaß. Das Fahrwerk mit seiner stabilen Vorderachse an Doppelquerlenkern und der hinteren Einzelradaufhängung hat mehr Reserven als das des 20M. Freilich: Auch der Opel lehnt sich nach heutigen Maßstäben ganz schön weit in die Kurve, doch die erzielbaren Geschwindigkeiten sind höher. Ein Übersteuern kündigt er mit kurzem Reifenpfiff an. Kein Problem für jeden Fahrer, der schon mal am Steuer eines Hecktrieblers saß. Schade, dass für den beherzten Gasstoß aus der Kurve heraus dem Motor die Leistung fehlt. Ein 1900 S mit 90 PS oder gar 1900 H mit 106 PS wäre jetzt ideal. Aber dann würde man schön hin und herfliegen im Opel, denn die Einzelsitze sehen nicht nur aus wie eine durchgeschnittene Sitzbank, man rutscht auch darauf herum wie auf einer solchen. Seitenhalt? Das ist nur ein Wort, nicht der Rede wert. Der Rekord C 1700 L gehört sicherlich zu den stilistisch gelungensten Opel überhaupt. Ein Cabriolet dieser Baureihe ist für jeden Oldtimer-Liebhaber ein Schmuckstück. Nur ungern steigt man wieder aus, doch da wartet ja noch jemand am Straßenrand auf seine Fahrt. Ford 20M TS (P5) lautet sein vollständiger Name. Seidenweich nimmt der V6 im Testwagen seine Arbeit auf. Etwas über zwölf Sekunden von null auf Tempo 100 und gut über 150 km/h Höchstgeschwindigkeit waren damals eine recht sportliche Ansage und reichen auch heute noch locker für die Autobahn, doch in seinem Herzen ist der Ford ein Cruiser für Boulevards und Landstraßen. Auch seine Sitze vermitteln wenig Seitenhalt, und das spindeldürre Lenkrad verlangt nach drehfreudigen Händen. Es kommt Oldtimer-Feeling auf, wenn man auf das leicht barocke Armaturenbrett schaut, das sich eine Alu-Blende auf rotem Blech leistet und nur von ein wenig schwarzem Kunststof überspannt wird. Mittelschaltung und vier Gänge waren Serie im 20M TS, während die Käufer des Standard-20M ab Werk mit drei Gängen und Lenkradschaltung auskommen mussten. Die recht langen Schaltwege sind gewöhnungsbedürftig, dafür bekommt man jeden Gang zuverlässig eingelegt. Auch bei den Bremsen zeigt sich der große, alte Kölner untadelig: Die Servo-unterstützte Anlage verzögert den Ford kräftig, wobei die Hinterräder mitunter zum Blockieren neigen.

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Offen ist die Fahrt im Ford ein Genuss, geschlossen nicht

Mit Nachdruck wirft sich der Ford 20M TS in die Kurven. Hier stößt er allerdings recht früh an seine Grenzen. Die an Blattfedern geführte Starrachse geht gern mal auf Block, der Aubau neigt sich stark, die Übersteuertendenz ist klar zu erkennen und gut beherrschbar.
Wir wollen es nicht übertreiben. Viel zu schön sind das Wetter und die Landschaft längs der bergischen Straßen. Es riecht nach Blumen, nach Wald. Solche Eindrücke machen das offene Fahren zum Erlebnis. Im Fall des Ford 20M TS ist dies auch die klar schönere Variante des Cruisens. Denn geschlossen gerät vor allem die zweite Sitzreihe zu einer dunklen Höhle – Seitenfenster gibt es hinten nicht. Das ist schade, denn da der Ford ja als ganz normale Limousine und mit einem imposanten Radstand von 2705 Millimetern vom Band lief, haben die Passagiere hinten ordentlich Platz. Wenigstens können sie sich am roten Interieur erfreuen. Bei geöffnetem Dach zieht es vor allem auf den hinteren Sitzen wie auf einem Ausflugsdampfer in steifer Brise. Wer dieses Deutsch-Cabrio besteigt, der muss Frischluft mögen. Oder besser: Er wird in diesem Cabrio die frische Luft lieben lernen

Modelle Technische Daten
OPEL REKORD C 1700 L R4-Zylinder; Bohrung x Hub: 88,0 x 69,8 mm; Hubraum: 1698 cm3; Leistung: 55 kW/75 PS bei 5200 /min; max. Drehmoment: 128 Nm bei 2500 – 2900 /min; 4-Gang, man. (opt.); selbsttr. Ganzstahlkarosserie mit zwei Türen, nachträglich zum Cabrio umgearbeitet; L/B/H: 4574/1754/1435 mm; 0 – 100 km/h in ca. 22 s, Höchstgeschw.: ca. 150 km/h; Bauzeit: 1966 – 1971; Stückzahl: ca. 46; Preis (1967): ca. 12.500 Mark
FORD 20M TS (P5) V6-Zylinder; Bohrung x Hub: 84,0 x 60,1 mm; Hubraum: 1998 cm3; Leistung: 66 kW/90 PS bei 5000 /min; max. Drehmoment: 155 Nm bei 3000 /min; 4-Gang, manuell; selbsttr. Ganzstahlkarosserie mit zwei Türen, nachträglich zum Cabrio umgearbeitet; L/B/H: 4585/1715/1470 mm; 0 – 100 km/h in ca. 12 s, Höchstgeschw.: ca. 150 km/h; Bauzeit: 1964 – 1967; Stückzahl: ca. 150; Preis (1965): ca. 13.000 Mark
Gerrit Reichel
Fazit

Und welcher Star der Sechziger ist nun der schönere Testwagen? Das Fahrwerk des Opel und den Motor des Ford wünscht man sich auf technischer Seite vereint. Doch wenn es um den Stil der beiden geht, ihre Ausstrahlung – da kann nur das Herz allein entscheiden. Schon die Basis beider Autos ist ein Fest für die Augen. Die klassische Schönheit der zwei aufgeschnittenen Limousinen muss man heute lange suchen. Schade, dass beide schon als Neuwagen so teuer wie selten waren – und deshalb heute Exoten-Status mit Sammlerwert haben.