Mercedes 180 Ponton vs. Opel Olympia Rekord: Vergleich Flosse oder Burg?

10.05.2015

Als Opel den P1 präsentierte, war der Ponton-Benz bereits fünf Jahre auf dem Markt – ein Nachteil? Vergleich

Er war die Sensation der IAA 1957: Der neue Opel Olympia Rekord. Mit Panoramascheibe und Heckflossen traf er stilistisch den Nerv der Zeit und brachte den amerikanischen Traum vom Fahren auf deutsche Straßen – zu Preisen ab 5785 Mark.

Zum Vergleich: Ein Export-Käfer kostete zum selben Zeitpunkt 4600 Mark und war gefühlt halb so groß. Wer auf der modernen Sitzbank des Opel P1 mit Einzelsitzlehnen Platz nimmt, blickt auf ein liebevoll gestaltetes Armaturenbrett im Jukebox-Design.

 

Olympia Rekord: So fühlt sich Freiheit an

Man schaut herum und hat freie Sicht in alle Richtungen. Nur mit den Knien müssen Fahrer und Beifahrer vorsichtig sein, denn die Ausläufer der Panoramascheibe zielen beim Ein- und Aussteigen direkt auf das empfi ndliche Gelenk.

Polster gibt es nicht. Hinten geht es enger zu als vorn. Etwas mehr Bein- und Kopffreiheit wären wünschenswert. Der Einstieg gelingt trotz nicht eben weit öffnender Türen aber gut. Polsterung und Lehne erweisen sich als bequem.

Damit in den Urlaub? Aber gern! Der von Opel Klassik gut gepfl egte Museumswagen springt willig an und zieht ohne Verschlucken hoch. Drei Gänge hält das Schaltmenü am Lenkstock bereit. Das reicht vollkommen aus.

Der 55 PS starke Wagen entwickelt sein bestes Drehmoment von 120 Newtonmetern schon bei 2100 Touren. Die Kraft aus dem Keller hilft, den nur 950 Kilogramm schweren Mittelklässler behände in etwa 20 Sekunden auf 100 km/h zu bringen.

Der 1700er Motor kam erst 1959 auf den Markt, als der Nachfolger Rekord P2 schon am Horizont aufblitzte. Dennoch: Knapp 100.000 Exemplare des 1700er mit zwei oder vier Türen verließen die Rüsselsheimer Werkshallen binnen eines Jahres – ein echter Rekord-Rekord!

In diesem ausgereiften Stadium brillierte er mit gepolstertem Armaturenbrett, elektrischen Scheibenwischern und reichhaltiger Ausstattung. Die vier Trommelbremsen verzögern kraftvoll und halten den P1 in der Spur.

Die Lenkung allerdings will eine starke Hand. Der Rekord segelt eher durch die Kurve, als dass er fährt. Damalige Tester bezeichneten den Wagen als fahrsicher, doch diese Disziplin erledigt der Mercedes wesentlich besser.

Und das, obwohl wir im Vergleich den „Urtyp“ fahren, also einen Ponton der ersten Serie, der noch über die Pendelschwingachse verfügt. Ab Herbst 1955 lieferte Mercedes den W120 dann mit Eingelenk-Pendelachse aus, was die Fahrsicherheit nochmal erhöhte.

Anders als der Opel weist der Mercedes ein Viergang-Getriebe auf, das sich über die Lenkradschaltung ebenfalls bestens bedienen lässt. Der dritte Gang reicht bis knapp über 90 km/h; der nötige Schaltvorgang und der recht große Sprung in der Übersetzung sorgen im Verein mit dem etwas schwächeren Motor und dem höheren Fahrzeuggewicht dafür, dass der Schwabe beim Standardsprint vom Konkurrenten nur die Rücklichter sieht.


Blitz im Emblem ist dem Rüsselsheimer Verpflichtung


Der Ponton-Benz war aber ebenfalls kein langsames Auto und vereinte zudem die Mercedes-Tugenden wie etwa Solidität, Gemütlichkeit der Adenauer-Ära und – unter Oldtimer-Gesichtspunkten auch heute ein Faktor – Wertstabilität.

Das Platzangebot vor allem hinten ist besser als im Opel, dennoch ist das Raumgefühl enger: Die vergleichsweise kleinen Fensterfl ächen fordern ihren Tribut. Bei Fahrleistungen und Design hat also klar der Opel die Nase vorn.

Der Mercedes bietet dafür das ausgereiftere Fahrwerk und mehr Platz. Sein höherer Wert und die bessere Ersatzteilversorgung machen ihn scheinbar zum begehrenswerteren Oldtimer. Aber im Opel wird man auf jedem Treffen umlagert, weil er so selten ist. Das Herz will den Opel, der so den perfekten Schwaben aussticht.

OPEL OLYMPIA REKORD P1 (Bj.: 1957-60): Technische Daten und Fakten
R4-Zylinder, vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; eine seitliche Nockenwelle, Stirnradantrieb; Gemischbildung: ein Opel Fallstromvergaser 30 mm (Carter-Lizenz); Bohrung x Hub: 85,0 x 74,0 mm; Hubraum: 1680 cm3; Verdichtung:
7,5; Leistung: 40 kW/55 PS bei 4000/min; max. Drehmoment: 120 Nm bei 2100/min; Dreigang-Getriebe; Lenkradschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttr. Ganzstahlkar. mit zwei oder vier Türen; Radaufhängung vorn: Doppel-Querlenker, Schraubenf., Stabi.;
hinten: Starrachse (Banjo-Typ), drei Blatt-Halbf.; v./h. Teleskop-Stoßdämpfer; Kugelumlaufl.; Bremsen: v./h. Trommeln; Reifen: 5.90-13; Stahl-Räder: 4 x 13
Eckdaten
L/B/H: 4433/1616/1490 mm; Radstand: 2541 mm; Spurw. v./h.: 1260/1270 mm; Leer-/Gesamtgew.: 950/1340 kg (Limousine, viertür.); Tankinh.: 40 l; Bauzeit P1: 1957 bis 1960; Stückz. (1700, P1, 1959-1960): 98.637; Preis (1959, 1700 viertürig): 7110 Mark
Fahrleistungen1
Beschleun.: 0 auf 100 km/h in 20,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 132 km/h; Verbrauch: 9,5 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2: 13.300 Euro
Zustand 3:    7700 Euro
Zustand 4:    3400 Euro
Wertentwicklung: stagnierend
Definition der Zustandsnoten

MERCEDES 180 W120 (Bj.: 1953-62): Technische Daten und Fakten
R4-Zylinder, vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; eine seitliche Nockenwelle, Kettenantrieb; Gemischbildung: ein Fallstromvergaser Solex 32 PICB; Bohrung x Hub: 75,0 x 100,0 mm; Hubraum: 1767 cm3; Verdichtung: 6,7; Leistung: 38 kW/52 PS bei 4000/min; maximales Drehmoment: 112 Nm bei 1800/min; Viergang-Getriebe; Lenkradschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Rahmen-Boden-Anlage mit selbsttr. Ganzstahlkarosserie, vier Türen; Radaufhängung vorn: Doppel-Querlenker, Stabi.; hinten: Pendel-Schwingachse; v./h. Schraubenfedern, Teleskopstoßd.; Kugelumlauflenkung; Bremsen: v./h. Trommeln; Reifen: 6.40–13; Stahl-Räder: 4,5 x 13
Eckdaten
L/B/H: 4460/1740/1560 mm; Radstand: 2650 mm; Spurw. v./h.: 1420/1450 mm; Leer-/ Gesamtgew.: 1150/1600 kg; Tankinh.: 56 l; Bauzeit W120 I und II: 1953 bis 1962; Stückzahl (180, 1. Serie 1953-1957): 51.907; Preis (1954): 9450 Mark
Fahrleistungen1
Beschleun.: 0 auf 100 km/h in 31,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 126 km/h; Verbrauch: 8,7 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2:  17.900 Euro
Zustand 3:  11.000 Euro
Zustand 4:     3900 Euro
Wertentwicklung: stagnierend
Definition der Zustandsnoten

Thorsten Elbrigmann

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