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Jaguar XF/Audi A6/BMW 5er: Vergleichstest

Wo steh der neue XF 30d?

Mit 300 PS starkem Bi-Turbodiesel will der neue Jaguar XF 30d das hart umkämpfte Segment der sportlichen Business-Limousinen aufmischen. Im ersten Vergleichstest trifft die Raubkatze auf Audi A6 und BMW 5er.

Jaguar schickt ab sofort die zweite Generation seiner Oberklasse-Limousine XF ins Rennen um die Gunst der Kunden. Den ersten Vergleichstest bestreitet der edle Brite mit dem 300 PS starken Biturbodiesel, der maßgeblich dabei helfen soll, den Spagat zwischen souveränem Reisekomfort und gehobener Fahrdynamik zu meistern. Dabei wagt sich der Jaguar allerdings in ein äußerst schwieriges Wettbewerbsumfeld. Mit dem 326 PS starken Audi A6 3.0 TDI competition quattro und dem BMW 535d mit 313 PS warten zwei denkbar harte Brocken auf den Neuling. Alle drei Business-Limousinen knacken die 4,90-Meter-Marke relativ deutlich. Dementsprechend opulent bemessen sind die Innenräume der großen Viertürer. Im Test mit den deutschen Konkurrenten von Audi und BMW fällt der neue Jaguar XF sowohl vorn als auch hinten in Sachen Raumangebot jedoch ein wenig ab. Neben der insgesamt geringeren Innenbreite stört in Reihe eins der dichtere Verlauf der Dachholme an den Köpfen der Fahrgäste, während es in Reihe zwei vor allem an Fußraum fehlt. Die coupéhafte Seitenansicht des noblen Briten mit dem sanft abfallenden Dach lässt zudem bereits erahnen: Auch die Kopffreiheit im Fond des Jaguar XF ist gemessen an der der anderen Wettstreiter nicht die beste. Dafür überzeugt der XF im Test mit dem größten Kofferraumvolumen. 540 Liter fasst sein Gepäckabteil und damit 20 Liter mehr als das des BMW 5er und zehn mehr als das des Audi A6, der seinerseits allerdings die höchste Zuladung verträgt.

Bildergalerie: Jaguar XF gegen Audi A6 und BMW 5er

Testvorteil: Audi A6 und BMW 5er intuitiv zu bedienen

Moderne Oberklasse-Modelle stehen in Sachen technischer Komplexität reinrassigen 
Luxuslimousinen in kaum etwas nach. Umso wichtiger ist deshalb auch – oder gerade in diesem Fahrzeugsegment – eine verständliche Bedienung. In diesem Punkt kann einmal mehr der BMW seine Trümpfe voll ausspielen. Über das iDrive-System lassen sich die zahlreichen Funktionen des Bajuwaren auch ohne langes Studium der Betriebsanleitung relativ einfach erlernen. Ähnliches gilt für den Audi A6, 
dessen MMI-Bedieneinheit im Test ebenfalls recht problemlos zu durchschauen ist. Anders als die Rivalen setzt Jaguar bei seinem neuen Business-Gleiter einzig und allein auf einen großen Touchscreen zur Steuerung der verschiedenen Funktionen. Diese Lösung ist gerade beim Fahren nicht ideal, da das Treffen der einzelnen Menüpunkte mit dem Finger schon bei leichten Karosseriebewegungen erschwert wird. Und auch die Verarbeitung liegt nicht ganz auf dem Niveau der penibelst zusammengesetzten Bajuwaren, wie beispielsweise die relativ grobschlächtig eingebauten Lautsprecher in den Türtafeln beweisen.

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Voll bei der Musik ist der Brite hingegen, was die Sicherheitsausstattung angeht. Zu den verfügbaren Assistenten gehören wie bei den deutschen Konkurrenten Hilfen fürs Spurwechseln und Spurhalten oder eine autonome Vollbremsung. Ferner ist ein adaptiver Tempomat samt Stauassistent verfügbar. Dem 
Audi und dem BMW vorbehalten bleibt hingegen ein Nachtsichtassistent, der in der Dunkelheit vor Gefahren wie Personen oder Tieren auf der Fahrbahn warnt. Trotz der 20 Zoll großen Räder, die serien
mäßig Bestandteil der competition-Ausführung sind, bietet der Audi den souveränsten Federungskomfort. Verantwortlich dafür ist die optionale Luftfederung, die in Kombination mit adaptiven Dämpfern alle Arten von Fahrbahnschäden kompetent glattbügelt. 
Allenfalls Kanten und Querfugen können schon mal als kurze Stöße in den Innenraum gelangen, was den üppigen Niederquerschnittsreifen zuzuschreiben ist. Auf der Autobahn hingegen liegt der extrem spurstabile A6 sehr satt und ruhig. Der neue Jaguar XF fühlt sich, das zeigt unser Test, dort ebenfalls sehr wohl und blendet die meisten Unebenheiten wirkungsvoll aus. Allerdings reagiert die Raubkatze auf kurze Stöße etwas zickig, was wie schon im Fall des Audi A6 sicher auch auf das Konto der großen Räder geht.

Gebrauchter Luxus: Jaguar XJ zum Schnäppchenpreis

Der BMW punktet in diesem Vergleichstest vor allem durch seine großartigen, mit 2260 Euro Aufpreis recht teuren Komfortsitze. Sie lassen sich an wirklich jede Statur anpassen und eignen sich aufgrund der sehr bequemen Polsterung perfekt zum Abspulen großer Distanzen. Aber auch die 
harmonische Fahrwerksabstimmung trägt im Test 
einen großen Teil zur gehobenen Wohlfühlatmosphäre im 535d bei, wenngleich die Komforteinstellung der adaptiven Dämpfer (1300 Euro) auf kurz aufeinanderfolgenden Wellen einen Tick zu schwammig wirkt. Dafür ist der 5er das leiseste Auto im Feld. Alle drei Wettstreiter vertrauen auf moderne, doppelt aufgeladene Sechszylinder-Selbstzünder mit 300 (Jaguar) bis 326 PS (Audi). Sie ermöglichen Fahrleistungen, die vor wenigen Jahren noch Sportwagen vorbehalten waren. Vor allem der Audi A6 beeindruckt mit seinem ungestümen Tatendrang. In jedem Drehzahlbereich packt sein leise und kultiviert arbeitender V6 gnadenlos zu und treibt den 1974 Kilogramm schweren Viertürer mit Nachdruck voran. Für einen aufgela-denen Motor schlicht sensationell ist das Ansprechverhalten, dessen Spontaneität zumindest in diesem Vergleichstest unerreicht bleibt. 
Die Messwerte belegen das subjektiv Erlebte: So erledigt der serienmäßig allradgetriebene A6 den Standardsprint aus dem Stand auf Landstraßentempo in nur 5,1 Sekunden und ist damit der Schnellste in diesem Trio.

Laufkultur par excellence im A6, 5er und Jaguar XF

Dicht auf den Fersen folgt dem Audi sein 
bayerischer Konkurrent von BMW. Der 535d durchbricht in 5,7 Sekunden die 100-km/h-
Marke und schafft es bis 200 km/h sogar, einen kleinen Vorsprung auf den Audi herauszufahren. Dennoch fehlt seinem 313 PS starken 
Reihensechszylinder die Explosivität des Audi-TDI, was den 5er insgesamt aber gelassener wirken lässt. Die Laufruhe und die gleichmäßige Leistungsabgabe über das gesamte Drehzahlband überzeugen im Test auf ganzer Linie. Der Jaguar gibt sich in diesem Vergleich ebenfalls entspannter als der A6 und lässt sich bei der Beschleunigung stets etwas mehr Zeit. Für den Spurt auf 
Tempo 100 benötigt der Engländer 6,1 Sekunden. Dafür verwöhnt auch der britische V6-
Biturbodiesel mit ausgeprägter Laufkultur und spontanem Ansprechverhalten. Ganz und gar nicht Sportwagen-like sind übrigens die Verbräuche der schweren Limousinen, die allesamt über schnell und treffsicher agierende Achtstufen-Automaten verfügen. Vor allem der Jaguar beweist mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,1 Litern je 100 Kilometer, dass sich Kraft und Effizienz keinesfalls ausschließen müssen.

Dass der Audi gut 100 Kilogramm schwerer als seine Widersacher ist, merkt man ihm auf unseren Testfahrten nicht an. Im Gegenteil: Innerhalb des hier versammelten Trios markiert er die dynamische Spitze. Sei es das zackige Einlenkverhalten oder das leichtfüßige Umsetzen mehrerer aufeinanderfolgender Richtungswechsel – gefühlt wähnt man sich stets in einem 
kleineren und vor allem leichteren Fahrzeug. Einen weiteren gravierenden Vorteil gegenüber den heckgetriebenen Konkurrenten von BMW und Jaguar erarbeitet sich der Ingolstädter im Test durch seinen serienmäßigen quattro-Antrieb. Traktionsverluste kennt die Limousine praktisch nicht. Für einen derart potenten Hecktriebler ist auch die Traktion des BMW hoch entwickelt. Allerdings gibt er sich bei den Handlingprüfungen nicht ganz so leichtfüßig und agil wie der Audi. Daran kann auch die optionale Allradlenkung (1750 Euro) nichts ändern, mit der unser Testwagen bestückt ist. Sie beeinflusst zwar die Spurstabilität beim Kurvenräubern positiv, wirkt aber mitunter synthetisch und etwas entkoppelnd. Der Jaguar wird durch seine Leichtfüßgkeit sowie markentypisch leichtgängige, gleichzeitig aber sehr präzise Lenkung geprägt. Auch wenn er die Kurvengeschwindigkeiten der Wettbewerber nicht ganz mitgehen kann, bereitet der Brite in unserem Test jede Menge Fahrspaß. Außerdem vermittelt er dank des Fehlens jeglicher Nervosität vom ersten Moment an viel Vertrauen. Dazu trägt auch die Bremsanlage bei, die kalt wie warm die besten Verzögerungswerte abliefert.

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Unterm Strich ist der neue Jaguar XF 30d mit der testrelevanten Ausstattung das günstigs-
te Auto in diesem Vergleichstest – ohne frei-lich als echtes Schnäppchen durchzugehen. Schließlich sind 63.810 Euro trotz aller Qualitäten immens viel Geld. Der Audi A6 3.0 TDI competition quattro ist mit 70.500 Euro hin-gegen das teuerste Fahrzeug im Feld. Allerdings gehört zum Auslieferungsumfang des Sportmodells bereits ein komplettes S-Line-Paket inklusive Sportsitzen vorn sowie 20 Zoll großer Räder. Dass der BMW 535d trotz des im Vergleich zum Audi rund 5000 Euro niedrigeren Preises das Schlusslicht im Kostenkapitel bildet, liegt an den mauen Garantieleistungen seitens des Herstellers sowie den ungünstigen Kasko-Einstufungen der Versicherer.

Technische Daten Audi A6 3.0 TDI competition quattro BMW 535d Jaguar XF 30d
Zylinder/Ventile pro Zylin. V6/4; Biturbodiesel R6/4; Biturbodiesel V6/4; Biturbodiesel
Hubraum 2967 cm³ 2993 cm³ 2993 cm³
Leistung
bei
240 kW/326 PS
4000 – 4500 /min
230 kW/313 PS
4400 /min
221 kW/300 PS
4000 /min
Max. Drehmoment
bei
650 Nm
1400 – 2800 /min
630 Nm
1500 – 2500 /min
700 Nm
2000 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik 8-Stufen-Automatik 8-Stufen-Automatik
Antrieb Allrad, permanent Hinterrad Hinterrad
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (abger.) 250 km/h (abger.) 250 km/h (abger.)
Grundpreis 67.500 € 59.100 € 61.510 €
Marcel Kühler
Fazit

Auch wenn es in diesem Vergleichstest lediglich zur Bronzemedaille reicht: Der neue Jaguar XF 30d ist mehr als nur eine Alternative für Individualisten. Der noble Brite beweist mit gutem Fahrkomfort, günstigem Verbrauch und sehr guten Bremsen, dass er mit den Besten im Segment mithalten kann. Der Gesamtsieg geht derweil an den Audi A6 3.0 TDI competition quattro – trotz seines hohen Preises. Vor allem fahrdynamisch ist gegen den Ingolstädter kein Kraut gewachsen. Darüber hinaus stellt sein wuchtig anschiebender V6-Motor einen der größten Kaufanreize dar. Der ausgewogene BMW 535d sortiert sich in die goldene Mitte ein und zeigt, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Im Gegenteil, bei Geräuschkomfort, Bedienung und Connectivity kann er die Konkurrenz hinter sich lassen.