VW Sharan und Ford Galaxy im Vergleichstest VW Sharan und Ford Galaxy

02.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem neuen Sharan meldet sich VW zurück in der Klasse der komfortablen Raumwunder. Im ersten Vergleich trifft der VW auf den Ford Galaxy

Es ist schon erstaunlich, was Autos mit ihrem Fahrer anstellen. Da ist man drei Wochen in einem geräumigen Kombi unterwegs und meint, der sei das Maß der Dinge. Und dann sitzt man plötzlich am Steuer des neuen VW Sharan oder des aufgefrischten Ford Galaxy. Der übrige Verkehr spielt eine halbe Etage weiter unten, und der im Rücken liegende XXL-Innenraum ist ein stummes Versprechen: Komme was wolle, für jeden und alles ist gesorgt.

Gibt es vernünftigere Fahrzeuge, um mit Freunden oder Familie komfortabel und stressfrei von A nach B zu kommen? Man denkt kurz an die Erste-Klasse-Wagen des ICE, doch sofort ploppen Bilder von quäkenden Dauer-Telefonierern und überforderten Klimaanlagen hoch. Ach ne, dann doch lieber Van fahren, ist ja auch praktischer für den Einkauf. Nur welcher der getesteten 140-PS-Diesel soll es denn sein?

 

Karosserie

Gefällig kommen beide daher mit ihrem burschikosen Karosseriekörper und der steil ansteigenden Nase, die die Übersicht allerdings beeinträchtigt. Auch die Kofferraumvolumina ähneln sich. 830 (Galaxy) und 809 Liter (Sharan) lassen sich bis zur Oberkante der zweiten Sitzreihe stapeln, bei umgelegten Rücksitzen sind es hier wie da rund 2,3 Kubikmeter, die mit auf Reisen können.

Eine umklappbare Beifahrersitzlehne bietet zwar nur der Sharan (serienmäßig ab Comfortline). Dennoch zeigt sich der Ford Galaxy variabler, weil der 140-PS-Diesel schon in der Basisausstattung Trend als Siebensitzer aufläuft. VW lässt dem Sharan-Käufer die Wahl zwischen der Fünfsitzer-Basis oder – gegen 1535 Euro Aufpreis – sechs oder sieben Sitzen. So oder so. Platz gibt es in Hülle und Fülle, wobei der Ford dank wahrhaft fürstlicher Kopffreiheit und der größeren Innenbreite vorn einen Tick luftiger wirkt als der gewiss nicht schlechte VW. In Führung geht der Sharan erst beim Blick auf vermeintliche Details. So darf er 400 Kilogramm mehr an den Anhängehaken nehmen und rund 50 Kilogramm mehr zuladen. Hinzu kommen die eingängigere Menüführung von Navigation, Radio und Bordcomputer, die elegantere, auch von zierlichen Frauen bedienbare Umklapp-Mimik der hintersten Sitzreihe und nicht zuletzt der Vorteil der hinteren Schiebetüren. Wenn sich die Karosserie rund 1,90 Meter breit macht, lassen sich konventionelle Türen in vielen Parklücken kaum noch öffnen. Da wirkt die von VW gewählte Lösung der leicht und leise gleitenden Schiebetüren fast täglich besonders sympathisch.

Zum knappen Sieg des VW Sharan im Karosserie-Kapitel tragen auch die serienmäßigen Notlaufreifen samt Pannen-Warnung bei. Innovativer ist trotzdem der Galaxy, denn die Modellpflege brachte ihm eine Fülle von Assistenzsystemen zur Unfallvermeidung, die in Paketen geordert werden können: Es gibt nicht nur Fernlicht-, Müdigkeits- und Spurhalteassistent, sondern auch Toter-Winkel- und Frontalcrash- Warner sowie einen Abstandregeltempomaten. VW ist da erheblich schlechter aufgestellt, erwägt aber, im nächsten Jahr mit einem Spurhalteassistenten nachzulegen.

KarosserieMax. PunkteVW Sharan 2.0 TDI DSGFord Galaxy 2.0 TDCi Powershift
Raumangebot vorn1008688
Raumangebot hinten1009596
Übersichtlichkeit703637
Bedienung/ Funktion1009284
Kofferraumvolumen1009699
Variabilität1005865
Zuladung/ Anhängelast805547
Sicherheit15010598
Qualität/ Verarbeitung200174174
Kapitelbewertung1000797788

 

Fahrkomfort

Nicht nur in Sachen Raumangebot sind die zwei ganz groß, sie sind es auch beim Komfort. Die 140-PS-Turbodiesel sind zwar bei geringerem Tempo und wechselnden Drehzahlen gut zu hören, doch störend ist ihr Laufgeräusch nicht – im Sharan noch weniger als im Galaxy.

Einmal auf Tempo gibt ohnehin nur noch der Wind den Ton an, wenn er leise um die Karosserien strömt, während der Blick durch die großen Seitenscheiben auf die vorübergleitende Landschaft fällt – das kann kein ICE besser. Guter Sitzkomfort (im Ford vorn mit mehr Seitenhalt, im Sechssitzer-Sharan hinten mit kommoden Einzelsitzen samt Armlehnen) ist ein weiterer Pluspunkte dieser Big Boys. Sogar beim Federn lassen sie nichts anbrennen. Der Galaxy, kommt zwar beim Anfedern und auch beim Ausbalancieren grober Schlaglöcher nicht an das hohe Niveau des Sharan heran, denn bei Beladung wirkt die Hinterachse gelegentlich trampelig und lässt mehr von sich hören als die des Sharan. Doch der VW-Testwagen verfügt ja auch über die adaptive Fahrwerksregelung DCC mit einstellbarer Dämpfer-Charakteristik (1055 Euro), während Ford den Galaxy ohne das ähnlich agierende IVDC-System (im Paket mit Fahrerassistenz- Systemen, 3500 Euro) an den Start gebracht hat.

FahrkomfortMax. PunkteVW Sharan 2.0 TDI DSGFord Galaxy 2.0 TDCi Powershift
Sitzkomfort vorn150124126
Sitzkomfort hinten1007775
Ergonomie150120116
Innengeräusche504141
Geräuscheindruck1007672
Klimatisierung503540
Federung leer200146136
Federung beladen200144132
Kapitelbewertung1000763738

 

Motor und Getriebe

Beide Testwagen sind mit 140 PS starken Turbodieseln und Sechsgang-Doppelkupplungsgetrieben ausgestattet. Ford bietet dies seit der Modellpflege an, VW kombiniert es sogar mit einer gut funktionierenden Start-Stopp-Automatik. Sie trägt sicher zum Verbrauchsvorteil des Sharan (7,6 zu 8,6 Liter) bei. Die Getriebesteuerung des VW wirkt ausgefeilter, denn bei ihm lassen sich per Gaspedal sehr viel besser Gangwechsel einleiten als beim Ford. Im direkten Vergleich zeigt der Ford-Motor im mittleren Drehzahlbereich etwas stärkere Schwingungen und bei – in der Praxis allerdings unüblichen – Drehzahlen jenseits der 4500 Touren unwilliges Brummen. Genug Kraft haben beide Motoren, die mehr als 1,8 Tonnen schweren Kerle sind vollwertig motorisiert.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Sharan 2.0 TDI DSGFord Galaxy 2.0 TDCi Powershift
Beschleunigung1509388
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1504646
Getriebeabstufung1008683
Kraftentfaltung503431
Laufkultur1007170
Verbrauch325237218
Reichweite251915
Kapitelbewertung1000586551

 

Fahrdynamik

Auch die Fahreigenschaften leiden nicht zu sehr unter den großen bewegten Massen. Die hohen Karosserien wanken zwar in schnellen Kurven, und die Reifen pfeifen – speziell beim VW – recht früh. Doch aktive Fahrer fühlen sich nicht gegängelt, und die gemessenen Bremswege liegen mit rund 37 Metern fast auf dem Niveau von Mittelklasselimousinen. Die sichere Beherrschbarkeit im Grenzbereich (betont neutral der VW, leichtes Eindrehen beim Ford mit deaktiviertem ESP) zeigt, mit wieviel Knowhow die Fahrwerke abgestimmt wurden.

FahrdynamikMax. PunkteVW Sharan 2.0 TDI DSGFord Galaxy 2.0 TDCi Powershift
Handling1504645
Slalom1004642
Lenkung1007874
Geradeauslauf503837
Bremsdosierung301919
Bremsweg kalt1508175
Bremsweg warm1508683
Traktion1004341
Fahrsicherheit150133130
Wendekreis2046
Kapitelbewertung1000574552

 

Umwelt und Kosten

Mit 35.050 Euro kostet der Galaxy 2050 Euro mehr als der Sharan, hat dafür aber auch sieben Sitze und eine Klimaautomatik an Bord, für die bei VW zusammen 2255 Euro fällig sind. Ist der Kaufpreis erst einmal verdaut, prägen Fest- und Unterhaltskosten die Wirtschaftlichkeit. Und da hat der VW in allen Belangen die Nase vorn. Die DAT-Gebrauchtwagen-Experten attestieren ihm einen geringeren Wertverlust, und der ADAC bescheinigt ihm niedrigere Wartungskosten. Und nicht zuletzt muss der Sharan-Eigner auch weniger Geld für Vollkasko und Spritkosten einkalkulieren. Bei den Garantien macht VW darüber hinaus das bessere Angebot mit unbegrenzter Mobilität. Ford bietet diese ab dem dritten Jahr nur gegen Aufpreis an.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Sharan 2.0 TDI DSGFord Galaxy 2.0 TDCi Powershift
Bewerteter Preis675172163
Wertverlust501815
Ausstattung25129
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502818
Werkstattkosten201613
Steuer1087
Versicherung403230
Kraftstoff553937
Emissionswerte258386
Kapitelbewertung1000408378

 

Fazit

Der neue VW Sharan gibt sich keine Blöße. Fünf Kapitelsiege gegen den überarbeiteten Ford Galaxy zeigen, dass die Entwickler in Wolfsburg einen exzellenten Job gemacht haben. Da bleibt ein klarer Gesamtsieg nicht aus. Der Sharan, so viel ist sicher, ist der ausgewogenste Van seiner Klasse. Und der Galaxy? Er geht erhobenen Hauptes vom Platz. Denn er ist in allen Belangen sehr dicht dran am Sharan und zementiert damit seinen Ruf als rundum gelungener Van.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Sharan 2.0 TDI DSGFord Galaxy 2.0 TDCi Powershift
Summe500031283007
Platzierung12

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