Kompaktklasse-Neuheiten bis 2018: BMW 1er bis VW Golf VIII Neue Stars im Anmarsch

22.05.2014

Die Nachfolger der Kompakt-Bestseller kommen. Für VW Golf VIII, Audi A3, BMW 1er, Ford Focus und Renault Mégane gibt es hinter den Kulissen schon konkrete Designvorschläge, tolle Technik-Ideen – und heiße Diskussionen um viele Details

Diese Autos sind zum Siegen verpflichtet. Wenn hier mit einer Modellgeneration etwas schieflaufen sollte, würde im schlimmsten Fall das ganze Unternehmen wackeln. Nehmen wir nur den VW Golf. Jeder Neue muss sitzen, die Kunden müssen ihn genauso lieben wie alle seine Vorgänger. Sonst haben die Wolfsburger ein Problem, das zeigt ein einfaches Zahlenspiel: Von den 5,9 Millionen Autos, die VW im letzten Jahr verkaufte, waren 824.629 Golf-Modelle – weitere 871.413 Exemplare steuerte der Golf-Ableger Jetta bei.  Allein in Deutschland wurden 2013 vom Golf 244.249 Exemplare abgesetzt.


Kompakte Neuheiten von Audi, BMW, Ford, Renault und VW


Wichtig fürs Geschäft der jeweiligen Autohersteller – wenn auch in kleineren Dimensionen – sind auch unsere anderen Kompaktklasse-Kandidaten. Das betrifft zum Beispiel den A3 bei Audi, der bei uns im letzten Jahr mit 60.978 Zulassungen immerhin auf Platz fünf lag (weltweit 202.300 Einheiten). Oder den 1er von BMW, der auf 53.214 Exemplare kam. Erst recht den Ford Focus, der mit rund 1,1 Millionen auch 2013 wieder das meistverkaufte Auto der Welt war (Deutschland: 45.485). Selbst der aktuelle Renault Mégane, bei uns mit 20.313 Exemplaren etwas abgeschlagen, war 2013 international mit 277.442 Verkäufen ordentlich unterwegs.

VW Golf VIII: Klassisch, aber deutlich verschärft

Der aktuelle Golf ist noch nicht mal zwei Jahre auf dem Markt, aber schon gibt es erste Ideen für den Nachfolger, der bereits 2017 starten dürfte. Fest steht, auch dieses Modell wird auf Anhieb als Golf zu erkennen sein: eine optisch breite Front mit weit außen sitzenden Scheinwerfern und vertikalen Verbindungslinien, dazu diese stämmige C-Säule in der Seitenansicht. Aber VW wird beim Golf-Gesicht diesmal mutiger – mehr Angriffslust, mehr Ausstrahlung, flachere Voll-LED-Hauptscheinwerfer.

Technisch gibt es keine Revolution, das Chassis nutzt die nächste Evolutionsstufe des modularen Querbaukastens (MQB). Die Eckmaße – 4,26 Meter Länge, 4,28 m Breite und 1,44 m Höhe – werden sich kaum ändern. Voraussichtlich wird der Neue aber noch einen Tick breiter und noch etwas flacher. Und diesmal ist auch der vollelektrische e-Golf gleich mit von der Partie. Seine Reichweite soll sich dank neuer Batterie- und Regelungstechnik deutlich erhöhen. Aktuell sind es 190 km (nach EU-Norm), der Neue soll flüsterleise mindestens 225 Kilometer schaffen. Auch der neue Plug-in-Hybrid GTE fährt im Elektromodus dann noch weiter: voraussichtlich 75 statt 50 km. Erstmals halten die neuen, sparsamen Dreizylinder-Benzinmotoren des Hauses Einzug in  den Golf. So löst der direkteinspritzende Einliter-Turbo mit 90 PS den aktuellen 1,2-Liter-Vierzylinder ab. Hier steht auch schon eine 110-PS-Variante parat, die den amtierenden 1.2 TSI (105 PS) ersetzen wird.

Bei den Dieseln kann es künftig ebenfalls ein kleiner Motor besser und sparsamer. Denn hier kommt als Basistriebwerk ein 1,4 Liter großer, drehfreudiger Alu-Dreizylinderturbo zum Einsatz – voraussichtlich in den Leistungsstufen mit 90 und 110 PS. Denn Ziel der Wolfsburger ist es, den Golf mit diesem Motor zum echten Dreiliter-Auto zu machen. Der aktuelle 1,6-Liter-TDI erhält auch ein Alu-Gehäuse, seine Leistung steigt von 105 auf bis zu 130 PS. Und beim Diesel-Sportler GTD dürfte die Leistung von 184 auf 190 PS zulegen. Eine mögliche noch schärfere RD-Sportversion mit etwa 225 TDI-PS und 500 Nm Drehmoment (nur mit DSG-Getriebe) des quasi serienreifen neuen Zweiliter-Biturbos steht als Premiere offenbar ebenfalls auf dem Golf-Fahrplan.

Überraschendes auch im Cockpit. Für den Golf wird der neue Super-Navi-Info-Multimedia-Bildschirm diskutiert, der jetzt im Audi TT Premiere hat. In die große Navigations-Totale können Tacho und Drehzahlmesser eingeblendet werden. Apropos: Den Golf VIII gibt’s gegen Aufpreis dann mit Head-up-Display. Zudem starten neue Fahrerassistenzsysteme. Zum Beispiel der Blind Spot-Sensor, der beim Zurücksetzen seitliche Gefahren bemerkt, die der Fahrer noch nicht sehen kann. Oder die City-Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung. Dito der Notfall-Assistent, der das Auto sicher und spurtreu zum Stehen bringt, falls der Fahrer ein gesundheitliches Problem hat oder einschläft. Auf Wunsch auch der Trailer-Assistent als Helfer beim sonst so nervenaufreibenden Einparken mit Anhänger. Schöne Ausssichten.

Audi A3: neues Gesicht und mehr Multimedia-Highlights

In den letzten Jahren gab es zunehmend Kritik am etwas festgefahrenen Audi-Design, doch nun weht hier ein frischer Wind. Der neue Chef Marc Lichte, 44, hat „viele spannende Ideen für einen ganz neuen Ansatz zum Audi-Gesicht“. Alles noch streng geheim, aber an der Singleframe-Front soll sich einiges ändern, wie erste Vorstellungen und unser Bild für den Nachfolger des A3 zeigen, der 2018 bei uns starten soll. Mit von der Partie sind nun auch die Designer Andreas Mint, 45, und Philipp Römers, 34, die Lichte von VW mitgenommen hat. Erste Zielrichtung: Audi A3, A4 und A6 sollen sich künftig viel stärker unterscheiden.

Auch für den Innenraum gibt es neue Ideen. So dürfte das schon erwähnte volldigitale Kombiinstrument des neuen TT hier garantiert zum Einsatz kommen. Es offeriert auf dem 12,3 Zoll großen TFT-Monitor alle Informationen im direkten Blickfeld des Fahrers, der zentrale, auf dem Cockpit ausfahrende MMI-Monitor des A3 wäre gar nicht mehr notwendig. Und mit MMI touch auf der Mittelkonsole kann der Fahrer sogar in Listen oder Karten scrollen – vorausgesetzt, er hat nebenbei noch einen Blick für die Straße übrig. Richtig, auch der A3 dürfte künftig mit Head-up-Display fahren.

News zudem bei den elektronischen Fahrerassistenten. Totale Rundum-Verkehrsbeobachtung, vollautomatische Stop-and-go-Führung in Staus, automatische Spurführung in engen Autobahn-Baustellen – alles ist gegen Aufpreis dann garantiert zu haben. Und voraussichtlich auch das automatische Einparken per Fernbedienung via Smartphone-App, also inklusive der Steuerung  der  Doppelkupplungsautomatik (DSG) und der elektronischen Parkbremse.

Motorisch könnte im Audi als Benziner-Basismotorisierung ebenfalls ein aufgeladener Einliter-Dreizylinder zum Einsatz kommen – mit dann bis zu 125 PS. Dito der 1,4-Liter-Dreizylinder-TDI (110 PS), und auch hier wächst die Leistung des 1,6-Liter-Selbstzünders auf bis zu 130 PS. À la VW Golf GTE erhält der heute 204 PS starke Plug-in-Hybrid A3 e-tron dann deutlich mehr als 50 km Elektro-Reichweite. Das ganze Auto wird zudem noch leichter werden, schon durch die neuen Aluminium-Diesel. Insgesamt sollen noch einmal bis zu 50 kg raus – natürlich mit positiven Einflüssen auf den Verbrauch. Dabei setzt Audi auf die neue Hybrid-Leichtbauweise, die höchstfeste Stähle mit Aluminium-Anbauteilen kombiniert. Der Einsatz von Kohlefasermaterialien ist beim A3 aber nur fürs extreme RS-Modell vorgesehen.

BMW 1er: Frontantrieb und geballte Dreizylinder-Power

Beim neuen 1er, der 2017 in die deutschen BMW-Showräume rollt, wird alles anders. Denn der Nachfolger nutzt die neue UKL-Basis (Untere Klasse), gemeinsam mit dem gerade vorgestellten BMW-Van 2er Active Tourer und der komplett neuen Mini-Generation. Ergo: Front- statt Heckantrieb. Die Münchener versprechen für den Edel-Kompakten dennoch eine verschärfte Fahrdynamik mit zackigem Einlenkverhalten – beim neuen Mini funktioniert das jedenfalls schon bestens. Zudem hat der neue 1er ja auch die Option auf den BMW-Allradantrieb xDrive. Und grundsätzlich bringt die Frontantriebsarchitektur systemtypisch endlich spürbar mehr Kniefreiheit in der zweiten Sitzreihe – und ganz hinten bis zu 50 Liter mehr Ladevolumen.

Auf zum nächsten Tabubruch. Der neue 1er BMW startet erstmals mit 1,5 Liter großen Dreizylinder-Turbomotoren (B38): Benzin-Direkteinspritzung, variable Nockenwellensteuerung und vollvariable Einlass-Ventilhubsteuerung. Der quirlige Einstiegsbenziner dieser Truppe, der schon im neuen Mini begeistert, hat 136 PS (220 Nm), darüber dürfte noch eine Version mit gut 170 PS rangieren. Und  womöglich holt BMW hier sogar die Topvariante an Bord, die derzeit mit rund 231 PS bereits im BMW i8 arbeitet.

Bei den Dieseln ist ebenfalls mit aufgeladener 1,5-Liter-Dreizylindertechnik (B37) zu rechnen, deren Leistungsbereich derzeit zwischen 95 PS und 160 PS liegt. Wobei im 1er zum Verkaufsstart auch parallel zunächst Vertreter der neuen Zweiliter-Dieselgeneration (B47, Einspritzdruck bis 2000 bar) des Hauses auftreten können – mit 150 und rund 190 PS. Ob der sportliche M135i nochmal einen Reihensechszylinder bekommt? Eher nicht, wir tippen auf einen Zweiliter-Vierzylinderturbo mit mindestens 350 PS. Aber einen Plug-in-Hybrid wird es vom neuen 1er garantiert geben – mit gut 50 km Elektroreichweite und der Technik der alternativen BMW i-Modelle.

Das gilt auch für die komplette Smartphone-Vernetzung für alle möglichen Anwendungen. Dazu gesellt sich eine navigationsgestützte Getriebesteuerung: Die Automatik schaltet hier per Vorausschau-Assistent immer optimal zumavisierten Streckenprofil oder gerade geltenden Tempolimits. Vor Kurven, Kreisverkehren oder Autobahnausfahrten wird dann rechtzeitig heruntergeschaltet.

Neuer Ford Focus: optische Evolution in zwei Stufen

Wer einen Blick auf die Zukunft des Ford Focus richtet, bekommt es, wie schon gesagt, mit dem Nachfolger des weltweit meistverkauften Autos zu tun. Hier geht es also um Großes. Das Design muss auf exakt 140 Märkten der Welt gefallen, die Technik fortschrittlich sein – aber auch bezahlbar. Um den künftigen Erfolg des Focus abzusichern, geht Ford deshalb zweistufig vor. Zunächst wird der aktuelle Bestseller gründlich überarbeitet. Erst Anfang 2018 erwarten wir dann den komplett neuen Focus.

Der Kölner Kompakte der Gegenwart trägt die Nummer III und rollt in der aufgewerteten Form im November zu den Händlern. Auffälligste Erkennungsmerkmale des neuen Jahrgangs sind der inzwischen markentypische Trapezgrill und die schlitzförmigen Scheinwerfer. Neues auch im Innenraum: Als wirksame Maßnahme gegen den grassierenden Knopfsalat offerieren die Ford-Designer eine Mittelkonsole, deren Oberteil ein acht Zoll großer Touchscreen belegt, der zahlreiche Funktionen steuert. Mit dem Multimedia-Konnektivitätssystem SYNC 2 können Mobilfunk-, Klima- und Audiofunktionen bequem per Sprachbefehl aktiviert werden. Ebenfalls neu: ein Parkassistent und das verbesserte Notbremssystem City Stop, das demnächst bis Tempo 50 (bislang 30 km/h) Auffahrunfälle verhindern soll.

Die wichtigsten Motorvarianten des künftigen Focus IV kommen ab November bereits im gelifteten Focus III zum Einsatz. Dazu zählt eine komplett neue Generation verbrauchsoptimierter Turbodiesel und aufgeladener Benzin-Direkteinspritzer mit 1,5 Liter Hubraum und vier Zylindern. Sie ersetzt die bislang angebotenen 1,6-Liter-Vierzylinder. Die neuen EcoBoost-Benziner  (150/180  PS) und Turbodiesel (95/105/120 PS) erfüllen alle die künftige Abgasnorm Euro 6. Auch die extrem kompakten Dreizylinder-Benziner (100/125/140 PS) sind noch jung und werden mit angepasster Leistung im Focus IV ihren sparsamen Dienst verrichten. Zudem wird dann mindestens eine Elektroversion am Start sein.

Stilistisch führt der Zukunfts-Focus die mit der Designstudie S-MAX Concept auf der IAA 2013 eingeläutete Neuausrichtung des Ford-Designs weiter, das verstärkt auf ausbalancierte Proportionen setzt und auf Details, die mehr Qualität und Wertigkeit vermitteln sollen. Dazu gehören der repräsentative Trapezgrill und wenige, dafür scharf gezogene Sicken und der dezente Einsatz von – je nach Ausstattungslinie – glänzendem und gebürstetem Chrom. LED-Leuchtenbänder kennzeichnen die Scheinwerfer und Rückleuchten. An den Abmessungen von zur Zeit 4,36 Meter Länge, 1,82 m Höhe und 1,48 m Breite wird sich nicht viel ändern – schon heute gehört der Focus zu den Geräumigen seiner Klasse. Die Zeichen stehen also auf Evolution, nicht auf Revolution. Denn es gilt ja, ein Millionenerbe zu bewahren.

Renault Mégane-Nachfolger: Wieder ein „Auto zum Leben

Der französische Golf-Rivale hat optisch einige Kapriolen hinter sich. Das aktuelle Modell wirkt etwas farblos – schon der krass gestylte Vorgänger mit dem herausgestreckten Hinterteil hatte etliche Stammkunden abgeschreckt. Aber mit dem kreativen Designchef Laurens van den Acker, der bereits bei Bugatti, Audi, Ford und Mazda für Stimmung sorgte, soll auch der Mégane wieder ein Hingucker werden – ganz wie der neue Clio und der gerade gezeigte charmante Nachfolger des Twingo.

Spürbar ist: Van den Acker will unbedingt zurück zur früher erfolgreichen Renault-Philosophie: „Autos zum Leben“. Die Kunden sollen sich in die neuen Modelle „sofort verlieben“, und nebenbei sollen die Newcomer auch mit hoher Alltagstauglichkeit glänzen. Ergo erhält der Mégane-Nachfolger, der im Herbst 2016 nach der Frühjahrspremiere auf dem Genfer Salon starten dürfte, das neue Familiengesicht und mehr Pep. Mit fließenden, sinnlichen Linien, im Gegensatz zu Golf und A3, geht es hier auch ohne scharfe Kanten und Ecken.

Voraussichtlich wird es das neue Modell wieder als klassischen Fünftürer, coupéhaften Dreitürer und Kombi Grandtour (ab 2017) geben. Auch ein sportliches R.S.-Modell mit rund 300 Turbo-PS (aktuell 265 PS) ist geplant. Als Einstiegsbenziner dürfte der 0,9-Liter-Dreizylinderturbo mit 90 PS aus dem Clio fungieren, der derzeit noch mit Multipointeinspritzung arbeitet. Ebenfalls dabei: der 1,2-Liter-Turbo mit 115 und 130 PS (TCe 130) sowie Direkteinspritzung. Bei den Dieseln erwarten wir den neuen 1.6 dCi mit 130 PS, der dann auch in einer 160 PS starken Biturboversion erscheinen wird. Diesel mit mehr Hubraum soll es nicht mehr geben. Und zunächst keine Hybridversion, denn den Stromer-Part übernehmen bei Renault die vollelektrischen Z.E.-Modelle.

Neue Annehmlichkeiten darüber hinaus im Innenraum: edlere Materialien, angenehmere Kunststoffe – ein großer Touchscreen macht viele Schalter überflüssig. Zudem soll sich das Platzangebot im Fond verbessern. Gute Aussichten für eine neue Karriere des kompakten Franzosen.

Wolfgang Eschment / Stefan Miete

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