Tesla Model S P85D: Elektroauto im Fahrbericht E-Rakete mit vier Türen

21.01.2015

Zwei Motoren und Allradantrieb verwandeln das Tesla Model S P85D in einen echten Supersportler. Fahrbericht

Wir Motorjournalisten übertreiben manchmal in der Beschreibung der Auswirkung, die die Beschleunigung eines Autos auf die Insassen hat. Beispiel gefällig: „Der brachiale Anzug treibt den Puls des Fahrers in ungeahnte Höhen.“ Doch beim Tesla Model S P85D, das ganz unbescheiden den Titel des am schnellsten spurtenden Viertürers für sich beansprucht, hat die Beschleunigung tatsächlich einen deutlichen Effekt auf den menschlichen Körper.

 

Tesla Model S P85D: schneller auf 100 km/h als ein 911 GT3

Und dabei ist es egal, ob Sie am Steuer sitzen oder einen der bis zu sieben Plätze im Tesla belegen. Denn auch der P85D kann mit zwei Sitzen im Kofferraum ausgerüstet werden, die jedoch nur für Kinder taugen. Wenn die amerikanische Sportlimousine losspurtet, ist die Beschleunigung gefühlt stärker als im Bugatti Veyron.

Der Schub kommt beim Elektroauto so direkt, so unmittelbar und im Vergleich zum heiseren Brüllen starker Benzinmotoren beinahe lautlos. Einen vergleichbaren Antriebskomfort bietet kein anderes Auto. Es ist dieser Unterschied zwischen akustischem Stillstand und unglaublicher Beschleunigung, der die Passagiere verändert. Man fühlt sich, als ob das ganze Blut aus den Beinen weicht und sich im Torso sammelt.

Doch auch die Fakten sprechen für den Tesla: Der P85D beschleunigt mit 3,4 Sekunden bis Tempo 100 (Werksangabe) schneller als ein Porsche 911 GT3. Und dabei muss die Limousine noch nicht einmal die Gänge wechseln – sie verfügt nur über eine Fahrstufe. Das einzige, wofür der Fahrer noch gebraucht wird, ist, das Gaspedal durchzutreten.

Die beiden Elektromotoren, einer im Heck, der zusätzliche an der Vorderachse, erledigen mit ihren 700 PS Gesamtleistung den Rest. Insgesamt erzeugen sie ein Drehmoment von unglaublichen 930 Newtonmetern. Das Model S ist schon eine Kurve weiter, da haben die meisten Supersportler gerade einmal ihre Gänge sortiert und den Ladedruck aufgebaut. Während das normale Model S bei Tempo 210 eingebremst wird, darf der stärkere Bruder bis 250 km/h rennen.

Die Reichweite soll unter der höheren Leistung jedoch nicht leiden. Im Gegenteil: Zwar steigt das Fahrzeuggewicht durch den Zusatzmotor und das Allradsystem. Doch nun hilft auch das vordere Triebwerk beim Laden der Batterien im Rekuperationsmodus. Der Hersteller verspricht eine Reichweite von 460 km. Es scheint so, als käme Tesla-Chef Elon Musk mit dem P85D seinem Ziel näher zu beweisen, dass Elektroautos alles besser können.

 

Tesla Model S P85D: neue Antriebsvariante mit Allrad

Von Beginn an hatte er eine Allrad-Variante des Model S geplant. Der Antrieb wird auch für die Versionen mit schwächerer Batterie (60 statt 85 kW) verfügbar sein. Musk hat mit dem Allrad auch die Premiumkunden im Auge, die bisher einen Vierradantrieb gewohnt waren. Das für Ende 2015 geplante SUV Model X bekommt ebenfalls den Vierradantrieb. Tesla rechnet beim Model S mit einer Ausrüstungsquote von 70 Prozent.

Gleichzeitig mit dem Verkaufsstart des P85D werden alle Model S einer leichten Modellpflege unterzogen. So wurden etwa die Sportsitze verbessert. Wichtigste Neuerung: die vorinstallierte Hardware für das Autopilot-System. Dieses soll automatische Spurwechsel ermöglichen, die nur durch den Blinker ausgelöst werden. Zudem erkennt der Tesla das erlaubte Tempo und bremst selbst auf die geltende Geschwindigkeit herab.

In wenigen Monaten soll der Tesla-Autopilot durch ein Update per Funk aktiviert werden. Dafür muss der Tesla-Fahrer nicht einmal die Werkstatt aufsuchen. Eine siebensitzige Limousine mit 700 PS, die in 3,4 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und sich bei Bedarf selbst einbremst. Kein Wunder, dass Firmengründer Elon Musk auf drei Fahreinstellungen bestand: „Normal“, „Sport“ und „Insane“ (engl. verrückt).

Unser Fazit

Tesla zeigt einmal mehr, wozu Elektroautos fähig sind. Das Model S P85D spielt die Vorteile der Antriebstechnik gnadenlos aus: Leistung, Drehmoment und Beschleunigung liegen auf dem Niveau eines Supersportlers. Und das bei einer Limousine mit bis zu sieben Sitzen, die zudem lokal noch emissionsfrei fährt.

Markus Bach/Ben Oliver

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