Blitzerwarner im Navi kostet Punkte in Flensburg

Bis zu 75 Euro Bußgeld

Kurz unachtsam sein oder ein zu lockerer Gaßfuß kann teuer werden, wenn ein Blitzer am Straßenrand lauert. Moderne Navigationsgeräte oder auch Apps für Smartphones bieten Warnfunktionen an, die in Deutschland allerdings von der Polizei bestraft werden können

In Deutschland sind technische Hilfsmittel zur Erkennung und Warnung vor Blitzern nicht erlaubt. Allerdings ist in einigen modernen Navigationsgeräten bereits ein sogenannter Blitzerwarner vorinstalliert.

Blitzerwarner sind in Deutschland nicht erlaubt

Der ADAC-Verkehrsrechtsexperte Markus Schäpe rät jedoch, "diese Funktion nach dem Kauf dauerhaft abzuschalten." Es gibt außerdem Smartphone-Apps sowie Spezialgeräte mit entsprechender Funktion. Bislang verbietet die Straßenverkehrsordnung (StVO) nämlich die Benutzung solcher Warnfunktionen. Dieses Verbot wollen Verkehrspolitiker von Union und FDP laut der Saarbrücker Zeitung teilweise kippen. Demnach sollen Navis oder Handy-Apps künftig verraten dürfen, wo Autofahrer mit sogenannten Starenkästen - Boxen mit Blitzautomaten - rechnen müssen.

Noch untersagt die StVO motorisierten Verkehrsteilnehmern, „ein technisches Gerät zu betreiben oder betriebsbereit mitzuführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören“ (§ 23 Abs. 1b StVO). Betriebsbereit bedeute, dass ein Blitzerwarner während der Fahrt problemlos eingeschaltet werden könne, erklärt ADAC-Experte Schäpe. Wer mit einem betriebsbereiten oder aktivierten Blitzerwarner im Wagen erwischt wird, für den sieht der Bußgeldkatalog 75 Euro Strafe und vier Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei vor.

Wie sich der Blitzerwarner in Navigationsgeräten abschalten lässt, stehe in der Bedienungsanleitung oder könne beim Hersteller erfragt werden, erläutert Schäpe. Nach der Deaktivierung geraten Autofahrer bei einer Polizeikontrolle gar nicht erst in den Verdacht, dass sie die elektronische Knöllchenbremse nutzen.

Spezialgeräte zum Aufspüren von Starenkästen und Radarpistolen darf die Polizei sogar beschlagnahmen und vernichten, sagt Schäpe. „Bei Smartphones oder Navigationsgeräten mit entsprechender Funktion wäre das aber unverhältnismäßig, weil diese vorrangig einen anderen Zweck erfüllen. Da bleibt es in der Regel bei Bußgeld und Punkten.“

Guten Gewissens können sich Autofahrer bei der Routenplanung zu Hause über Standorte für Tempokontrollen schlaumachen, denn das ist erlaubt. Solche Informationen dürfen auch ausgedruckt und mit auf die Reise genommen werden. Entscheidend sei immer, dass ein Fahrer nicht gezielt kurz vor dem Erreichen einer Messstelle automatisch gewarnt wird oder werden könnte, erläutert Schäpe. In vielen Straßenkarten sind daher fest installierte Blitzer eingezeichnet.

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Legalen Schutz vor Punkten in Flensburg bieten laut Schäpe auch Hinweise auf Geschwindigkeitsmessungen im Radio, da sie unabhängig vom Standort des Hörers gegeben werden. Autofahrer dürfen sich außerdem gegenseitig per Handzeichen auf Tempokontrollen aufmerksam machen - aber nicht mit der Lichthupe. Mit kurzem Aufblenden der Scheinwerfer dürfen andere Verkehrsteilnehmer nur vor Gefahrenstellen gewarnt werden. Der Missbrauch der Lichthupe kann 10 Euro Bußgeld kosten.
dpa/az