Fahrbericht Renault Kadjar: Kompakt-SUV aus Frankreich Spät dran, aber schön

29.05.2015

Fahrbericht Renault Kadjar 2015: Das Kompakt-SUV aus Frankreich kommt spät, hat aber mehr als nur ein schönes Design zu bieten

Na, auch schon aufgewacht! Alle Welt schreit nach kompakten Geländewagen. Doch Renault hat diesen Trend bislang tapfer verschlafen: Der halbherzig aus Korea übernommene Koleos war erstens zu groß und zweitens zu unförmig und deshalb ein Flop, der zuletzt in Deutschland auf nicht einmal mehr 1.000 Zulassungen kam. Und der Captur ist zwar ein Schmuckstück, doch bei allem Charme ist er zu klein für den großen Erfolg und wird obendrein nicht mit Allradantrieb angeboten.

 

Fahrbericht Renault Kadjar: Spät dran, aber schön

Aber jetzt sind die Franzosen offenbar aufgewacht und hecheln mit dem neuen Kadjar dem Trend hinterher. Ende Juni kommt der Abenteurer in den Handel und die Preise beginnen bei 19.990 Euro. Zwar weiss auch Designchef Laurens van den Acker, dass seine Firma damit reichlich spät dran ist. Aber der Niederländer in Paris macht aus der Not eine Tugend und hat aus den Fehlern der anderen gelernt.

„Wenn wir schon nicht bei den ersten waren, dann wollen wir wenigsten bei den schönsten sein“, sagt der Designchef und streichelt seine Skulptur mit verliebten Blicken: Ein ausdruckstarkes Gesicht, eine ungewöhnlich flache Silhouette und muskulöse Flanken mit der kräftigen Sehne als Bauchbinde, die seit dem Clio das Markenzeichen der Franzosen ist, stehen für eine in dieser Klasse tatsächlich seltene Leidenschaft. Nur die etwas speckigen Hüften und das Heck mit den vielen Kanten im Blech lassen den Kadjar unangenehm austauschbar wirken.

Aber es ist auch schwer eine Form zu finden, die in dieser Klasse nicht schon ausprobiert worden wäre, so groß wie das Heer der SUV mittlerweile ist. Außerdem hat van den Acker wenigstens ein paar schmucke LED-Leuchten durchgeboxt, die für etwas Eigenständigkeit sorgen – selbst wenn darin für die Blinker dann doch wieder Glühbirnchen stecken, als solle der Kadjar ein Retro-Auto sein. Vorne klasse, von der Seite knackig und hinten konventionell: Dass der 4,45 Meter lange Nachzügler unter dem Blech eigentlich ein Nissan Qashqai ist, sieht man ihm dabei jedenfalls nicht an.

Das gilt mehr noch für den Innenraum, den van den Acker so hübsch möbliert hat, wie es beim Kostendruck der Klasse eben möglich ist. Die großen Kunststofflandschaften hätten vielleicht nicht sein müssen und die Gepäckraumabdeckung ist etwas labberig geraten. Doch der große Touchscreen und die digitalen Instrumente sind ausgesprochen liebevoll programmiert und lassen sich in zahlreichen Farb- und Designwelten darstellen. Der hohe Mitteltunnel ist eine praktische Ablage, an der man sich gemütlich anlehnen kann. Mit der Beifahrerin kuscheln muss man dann halt daheim. Außerdem gibt es vorne sehr bequeme Sitze und im Kofferraum viel Platz sowie zwei praktische Bodenplatten, die man als pfiffigen Raumteiler nutzen kann.  Nur auf der Rückbank reicht es bei 2,65 Metern Radstand allenfalls für eine durchschnittliche Kniefreiheit.

Auftritt und Ambiente sind eigenständig. Was man dagegen vom Nissan kennt, das sind die vielen Assistenzsysteme:  Zwei Kameras, ein Radar- und zwölf Ultraschallsensoren helfen bei der Regelung von Abstand und Tempo, erfassen Verkehrszeichen, halten den Kadjar in der Spur und rangieren ihn fast alleine in die Parklücke. Und genau wie sein japanischer Bruder strahlt auch der Kadjar mit LED-Scheinwerfern in die Nacht.

Selbst die eigenwillige Auswahl der Motoren klingt verdächtig nach der Strategie der Japaner. Denn wo bei VW & Co. tapfer hochgerüstet wird, ist beim Kadjar Downsizing angesagt. Es gibt deshalb nur einen bescheidenen 1,2-Liter-Benziner mit 130 PS, einen 1,5-Liter-Diesel mit 110 PS und einen 1,6 Liter großen Selbstzünder mit ebenfalls 130 PS. Insbesondere der stärkere Diesel macht dabei noch eine ganz ordentliche Figur, nicht umsonst wirft er bis zu 320 Nm in die Waagschale. Und mit 10,5 Sekunden von 0 auf 100 oder 190 km/h Spitze muss man sich nüchtern betrachtet auch nicht schämen.

Aber zumindest die gefühlte Souveränität leidet, wenn der Vierzylinder an jeder Steigung all zu kräftig arbeiten muss, wenn es beim Überholen mit der ansonsten vorzüglichen Ruhe vorbei ist und wenn man sich ausmalt, wie der Kadjar im Familieneinsatz voll besetzt und mit Urlaubsgepäck beladen den Weg in die Alpen schaffen soll. Immerhin tröstet dann der Blick auf die Verbrauchstabelle. Denn selbst in der ungünstigsten Kombination braucht der feine Franzose fürs Grobe nur 5,6 Liter Benzin, in der sparsamsten Version ist er mit 3,8 Litern Diesel zufrieden.

Anders als sein kleiner Bruder Captur ist der Kadjar übrigens kein Blender: Bei dem Auto, das zumindest bei den Franzosen die Vier phonetisch schon im Namen trägt und die Idee von Exotik und Abenteuer transportieren soll, gibt es tatsächlich auch einen Allradantrieb. Zumindest für den starken Diesel und für 2.000 Euro Aufpreis.

Der Captur für die modebewusste Stadtbevölkerung und der Kadjar für Familien mit erweitertem Aktionsradius – eigentlich wäre Renault damit jetzt ganz gut aufgestellt im Boom-Segment der SUV. Doch nachdem die Franzosen erst einmal auf den Geschmack gekommen sind, wollen sie es bei zwei Geländewagen nicht belassen, kündigt ein Firmensprecher an. Auch für den Koleos soll es deshalb bald einen Nachfolger geben.

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