Porsche Cayenne GTS gegen Mercedes ML und Touareg R50 Kraftpakete

22.01.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem 405 PS starken Cayenne GTS will Porsche den Markt für sportliche, teure SUV erobern. Wie gut ist er im Vergleich?

Trotz aller Debatten über Schadstoffgrenzen und Umweltzonen hält die Nachfrage nach SUV ungebrochen an. Dabei lautet das Motto offenbar: je größer, desto besser. Zwar sicherte sich der kompakte BMW X3 nach 2006 auch 2007 wieder den ersten Platz in der deutschen Zulassungsstatistik (Stand November 2007), aber der zweite Rang ging letztes Jahr nicht mehr an den Toyota RAV4, sondern an den deutlich teureren und größeren Mercedes ML.
Auch Volkswagen will das Geschäft mit den großen SUV beleben und schickt den R50 mit dem leistungsgesteigerten V10 TDI (850 Nm Drehmoment) ins Rennen.

In Zuffenhausen wiederum vertraut man auf die typischen Porsche-Gene und will mit dem extrem dynamischen Cayenne GTS weitere SUV-Fans ins eigene Lager locken. Welcher der drei Kandidaten hat die besten Argumente?

 

Karosserie

Die große Beliebtheit für hochbeinige SUV liegt zum einen an ihrer Variabilität und zum anderen an der erhöhten Sitzposition. ML, GTS und Touareg erfüllen diese Ansprüche überzeugend. Dennoch gibt es Unterschiede. Touareg und Cayenne teilen sich die gleiche Basis und liegen so auf einem Niveau. Das Platzangebot ist großzügig, die Übersichtlichkeit in Ordnung und das Kofferraumvolumen recht üppig.

Allerdings ist der Mercedes in nahezu allen Punkten ein Quäntchen besser und größer. Vorn wie hinten bietet er seinen Insassen in alle Richtungen mehr Bewegungsfreiheit. Das zwar nüchterne, aber klar strukturierte Cockpit lässt sich intuitiv bedienen. Beim Porsche hingegen versteckt sich der Hebel des Tempomats, der zudem 440 Euro Aufpreis kostet, hinter dem großen Lenkradkranz des GTS. Auch beim VW benötigt die große Anzahl von Schaltern und Hebeln mehr Eingewöhnungszeit, als es das Bedienkonzept des ML verlangt. Lobenswert ist jedoch das Navigationssystem des Touareg, das der Fahrer einfach über den Touchscreen-Monitor steuern kann.

Sehr umfangreich und bereits ab Werk nahezu vollständig fällt die Sicherheitsausstattung des R50 aus. Bi-Xenonlicht zählt bei ihm – im Gegensatz zur Konkurrenz – bereits zur Serienausstattung. Vor allem beim Porsche kosten Kleinigkeiten wie abblendbare Spiegel stolze Aufpreise. Auch beim ML muss der Kunde für eine umfangreiche Sicherheitsausstattung tief in die Tasche greifen. Dafür bietet nur der Mercedes gegen Aufpreis hintere Airbags, Notlaufreifen, Presafe und aktive Kopfstützen.

Die gute Verarbeitung des Mercedes ist Standard. Lediglich die großen Kunststoffflächen kosten den ML im Vergleich mit Cayenne und Touareg Punkte. Sowohl der Porsche als auch der VW sind serienmäßig mit exzellent verarbeitetem Leder und Alcantara ausgeschlagen.

KarosserieMax. PunkteMercedes ML 500Porsche Cayenne GTSVW Touareg R50
Raumangebot vorn100908484
Raumangebot hinten100898484
Übersichtlichkeit70545252
Bedienung/ Funktion100888183
Kofferraumvolumen100635851
Variabilität100454545
Zuladung/ Anhängelast80566156
Sicherheit15011289108
Qualität/ Verarbeitung200170175175
Kapitelbewertung1000767729738

 

Fahrkomfort

Fahrkomfort und Fahrdynamik sind zwei Ziele, die in vielen Fällen nur schwer miteinander vereinbar sind. Anders bei den beiden sportlichen SUV-Boliden von Porsche und VW. Trotz seiner mächtigen 21-Zöller zeigt der GTS einen passablen Federungskomfort. Grund dafür ist die im Gegensatz zur Konkurrenz aufpreispflichtige Luftfederung mit Niveauregulierung (1892 Euro). Damit gleitet der Cayenne genauso gut über schlecht gepflegte Pisten wie der mit 20-Zoll-Rädern bestückte Touareg.

Dennoch spielt der nicht auf Fahrdynamik abgerichtete ML 500 gerade hier seine Stärken aus. Insbesondere kleinere Kanten oder Querfugen filtert er bereits über die höheren Reifenflanken – der auch nicht gerade mickrigen 255/50 R 19-Bereifung – deutlich gelassener heraus.
Auch bei den Sitzen zeigt sich, dass Mercedes ganz auf Komfort setzt. Neben der sehr angenehmen Polsterung gefällt vor allem die gute Kontur der Vordersitze. Mit den im Testwagen verbauten vorderen Multikontursitzen (584 Euro), die sich individuell anpassen lassen, erfährt der Sitzkomfort nochmals eine Steigerung.

Auf gleichem Niveau präsentiert sich die Sportsitz-Anlage im Cayenne GTS: hervorragend ausgeformte Polster mit viel Seitenhalt, ohne einzuengen – vorbildlich. Nicht ganz so optimal sitzt man im R50. Vor allem die von harten Seitenflanken begrenzte Sitzfläche ist etwas schmal geraten. Das fördert zwar den Seitenhalt, nervt allerdings auf langen Reisen. Erfreulich gering ist der Geräuschpegel aller drei SUV. Allerdings hat auch hier der Mercedes die Nase vorn. In diesem Kapitel gewinnt der ausgewogene ML 500 ohnehin in jeder Einzelwertung und unterstreicht, dass er sich – sehr überzeugend – dem Komfort verschrieben hat.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes ML 500Porsche Cayenne GTSVW Touareg R50
Sitzkomfort vorn150122122119
Sitzkomfort hinten100777676
Ergonomie150120116116
Innengeräusche50413536
Geräuscheindruck100696563
Klimatisierung50444343
Federung leer200148138138
Federung beladen200150140140
Kapitelbewertung1000771735731

 

Motor und Getriebe

Über Leistungsmangel kann man sich weder bei den Benzinern des ML 500 und des Cayenne GTS noch beim Turbodiesel des Touareg R50 beklagen. Dabei ist vor allem das unglaubliche maximale Drehmoment von 850 Newtonmetern bei 2000 Umdrehungen des V10 TDI-Motors im R50 eine Welt für sich.

Egal wann der Fahrer das Gaspedal auch nur kitzelt, der V10 schiebt in Richtung Horizont wie ein Jumbo beim Start. Abhängen kann er seine Rivalen aber nicht. Bereits beim Sprint auf 100 km/h liegen Mercedes und Porsche vorn. Bis Tempo 180 summiert sich die Differenz auf über vier Sekunden. ML 500 und Porsche Cayenne liegen dabei extrem dicht beieinander. Im Vergleich zum bulligen Charakter des V10 TDI agieren die beiden V8-Benziner geradezu aggressiv.

Der neue, 405 PS starke Direkteinspritzer des Porsche ist regelrecht drehzahlverliebt. Auch der über fünf Liter große V8 des ML 500 (388 PS) scheut sich nicht vor Drehzahlen, schiebt aber schon von unten heraus hemmungsloser an als das Sportwagentriebwerk im Cayenne. Und so hat der ML 500 den GTS bei den Fahrleistungen bis 160 km/h fest im Griff.

Auch der gut ein Liter günstigere Verbrauch zeichnet das V8-Triebwerk des ML 500 aus. Dennoch sichert sich der VW mit seinem zwangsbeatmeten Zehnzylinder-Diesel die Kapitelwertung, weil er mit einem Durchschnittsverbrauch von 14,2 Liter Diesel hier den Maßstab setzt.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes ML 500Porsche Cayenne GTSVW Touareg R50
Beschleunigung150173171169
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120121105
Getriebeabstufung100868682
Kraftentfaltung50403945
Laufkultur100848077
Verbrauch3258468110
Reichweite2510913
Kapitelbewertung1000597574601

 

Fahrdynamik

Fahrdynamik war und ist die Kernkompetenz des Hauses Porsche. Da verwundert es auch nicht, dass der neue Cayenne GTS seine Klassenkameraden beim Handling düpiert. Obwohl der Mercedes ML 500 über 100 Kilogramm weniger auf die Waage bringt als der GTS, wirkt der mit einem Leergewicht von 2440 Kilogramm nicht unbedingt federleichte Porsche auf kurvigen Strecken, als hätte er eine Tonne weniger zu tragen. Nur wenige auf Sport getrimmte Limousinen lassen sich so präzise und zielgenau einlenken wie der GTS.

Unter den SUV findet sich derzeit wohl kein ernsthafter Konkurrent, wenn es auf den Handlingpar-cours geht. Hier fährt der Porsche seinen Gegenern spielerisch davon. Der Touareg müht sich zwar redlich, den Abstand nicht zu groß werden zu lassen, fordert dabei aber deutlich mehr Fingerspitzengefühl von seinem Fahrer, wenn dieser den 2,7-Tonner zwischen nachhaltigem Untersteuern und vehementem Übersteuern zügig über die Ideallinie dirigieren will.

Wie gut der Porsche abgestimmt ist, der neben der Luftfederung (1892 Euro) auch mit den aktiven Stabilisatoren (PDCC, 3213 Euro), die die Seitenneigung erfolgreich minimieren, ausgestattet ist, zeigt eine Runde mit eingeschaltetem PSM (ESP). Regelintervalle bleiben nahezu vollständig aus, und der Cayenne zieht jederzeit sicher seine Bahn. Deutlich früher verhindert das ESP des stark untersteuernden VW einen nicht angemessenen Umgang mit dem R50.

Das ist auch beim Mercedes der Fall. Bei ihm wird überschüssige Energie beim Einlenken durch starkes Untersteuern und einen souveränen Eingriff des ESP reduziert. Schon der Versuch, dem flinken GTS auf verwinkelten Straßen zu folgen, wird bereits im Ansatz erstickt. Dass liegt natürlich auch an den schmaleren und kleineren Reifen des ML 500. Die Bremsleistung leidet jedoch nicht darunter. Lediglich die fein dosierbare Anlage des Porsche verzögert besser.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes ML 500Porsche Cayenne GTSVW Touareg R50
Handling150618973
Slalom100356545
Lenkung100829578
Geradeauslauf50444842
Bremsdosierung30182118
Bremsweg kalt150808377
Bremsweg warm150839283
Traktion100939595
Fahrsicherheit150126133126
Wendekreis208811
Kapitelbewertung1000630729648

 

Umwelt und Kosten

In einem Vergleichstest mit einem Mercedes, einem Porsche und einem Volkswagen geht im Kostenkapitel nur selten ein Mercedes als Sieger hervor. Doch der ML 500 ist fast 10.000 Euro billiger als der Cayenne GTS mit Automatik (2642 Euro) und gut 20.000 Euro günstiger als der VW Touareg R50. Dass der VW aufgrund der serienmäßigen Metalliclackierung bei der Normausstattung die volle Punktzahl erzielt, ist da nicht von Bedeutung. Schlecht ausstaffiert ist auch ein ML 500 ab Werk nicht. Günstige Versicherungseinstufungen, ein im Verhältnis zu den beiden Konkurrenten recht niedriger Wertverlust und die guten Garantiebedingungen verhelfen dem Stuttgarter zu seiner guten Umwelt/Kosten-Bilanz.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes ML 500Porsche Cayenne GTSVW Touareg R50
Bewerteter Preis675786754
Wertverlust50976
Ausstattung25151625
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5027728
Werkstattkosten20101012
Steuer10672
Versicherung4024821
Kraftstoff55161127
Emissionswerte25837968
Kapitelbewertung1000268212243

 

Fazit

Porsche Cayenne GTS und VW Touareg R50 sind zu radikal auf Sport getrimmt, um den ausgeglichenen und komfortbewussten Mercedes ML 500 aus der Bahn zu werfen. Das beliebte Mercedes-SUV punktet vor allem mit seiner großen und zweckmäßigen Karosserie. Auch die Qualitäten beim Fahrkomfort bringen dem ML 500 unterm Strich mehr Zähler auf sein Konto, als die – bei SUV ohnehin nicht wirklich notwendige – Fahrdynamik auf Sportwagenniveau.

Dennoch ist es sehr beachtlich, wie leicht und sicher sich der Cayenne GTS über winklige Landstraßen dirigieren lässt. Allerdings ist der Porsche deutlich der Durstigste in diesem Trio. Auch der VW Touareg R50 fasziniert – besonders sein Motor. Denn das atemberaubende Drehmoment des V10-Turbodiesels von 850 Nm bei 2000 Touren macht diesen Volkswagen einzigartig. Dabei verbraucht er noch mit Abstand am wenigsten.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes ML 500Porsche Cayenne GTSVW Touareg R50
Summe5000303329792961
Platzierung123

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