McLaren 650S Spider: Fahrbericht zum britischen Sportwagen Reise ins Glück

18.05.2014

McLaren präsentiert den neuen 650S. Satte 650 PS und 678 Newtonmeter schüren hohe Erwartungen an den flachen, offenen Engländer. Erste Testfahrt mit dem Spider auf dem Ascari Race Resort in Spanien

Die Form folgt der Funktion. Eine von vielen Industriedesignern stark strapazierte Floskel. Beim neuen McLaren 650S wird sie jedoch mit handfesten Fakten untermauert. Zumindest sieht man das im Rückspiegel des McLaren 650S. Beim Anbremsen der Spitzkehre steht der hintere Spoiler, die Airbrake, nahezu senkrecht im Wind. Maximaler Anpressdruck und Stabilität für die anstehende enge Kehre. Während das hintere Luftleitwerk beim 12C lediglich in der Verzögerungsphase eingesetzt wurde, kommt es jetzt auch auf Kuppen und in engen Kurvenradien zum Einsatz.


McLaren 650S 2014: McLarens neuer Sportler im Fahrbericht


Es geht unter Volllast auf die lange Gerade mit ihren zwei leichten Rechtsbögen. Vierter Gang jenseits der 6500 Touren, der McLaren liegt wie das sprichwörtliche Brett auf dem Asphalt. Die Airbrake legt sich flach aufs Heck. Minimaler Luftwiderstand, maximale Geschwindigkeit – das bedeutet „Form follows function!“ Das neu entwickelte stufenlos agierende System ist nur ein Feature, das den McLaren 650S Spider vom 12C Spider unterscheidet und laut McLaren ein neues Fahrzeug definiert.

Keine Frage, der 12 C ist bereits ein Stück feinster Automobilbaukunst. Ein Fahrzeug, das vor drei Jahren aus dem Nichts kam und die etablierte Konkurrenz in Zugzwang brachte. Ein Produkt aus 50 Jahren Rennsporterfahrung. Für die Straße zugelassen, aber für die Rennstrecke konstruiert. Balsam für die von C0 2-Debatten, Elektromobilität und Geschwindigkeitsbeschränkungen traumatisierte automobile Seele. Und vor allem ein Auto, das den Puls in Fahrt bringt, in seinen Bann zieht, alle Sinne fordert. Der neue 650S allerdings macht süchtig.

Ein harter Tritt auf die Bremse, zwei leichte Züge an den Schaltwippen, und der Supersportler ist bereit für die schnelle Schikane. Filigrane Lenkimpulse reichen aus, um den Briten wie auf Schienen an den Curbs vorbeizuzirkeln. Die verbesserte Aerodynamik der neu gestalteten Front mit größerem integrierten Frontspoiler sorgt für mehr Anpressdruck bereits bei niedrigen Geschwindigkeiten. Insgesamt generiert der 650S bis zu 24 Prozent (bei 241 km/h) mehr Abtrieb als der 12C.

Cheftestfahrer Chris Goodwin, unser Instruktor auf dem Beifahrersitz, schwärmt vom herausragenden Lenkverhalten und der fantastischen Berechenbarkeit, während uns die 650 PS und 678 Nm den kurvigen Anstieg der Rennstrecke auf dem Ascari Race Resort hinaufkatapultieren. Da stimmt man ohne Wenn und Aber zu. Denn der McLaren folgt den Richtungsvorgaben mit bedingungslosen Gehorsam. Er lässt sich spielerisch durch Wechselkurven dirigieren. Hektik ist ihm fremd. Mit gerade einmal 1370 kg Leergewicht drückt kein überflüssiges Gramm störend nach außen. Seine Leistung gibt er zudem ausgesprochen feinfühlig ab. Jede einzelne Pferdestärke scheint sich separat abrufen zu lassen. Eine ideale Gabe, um die Kraft sicher und effektiv auf den Asphalt zu bringen.

Um die  Leistung  zu steigern bei  gleichzeitig feinfühliger Gasannahme, veränderte McLaren zahlreiche Parameter am in England produzierten V8-Bi-Turbo. Und bei der Aerodynamik ließen sich die Ingenieure von ihren Erfahrungen mit dem ausverkauften Topmodell McLaren P1 inspirieren. Ziel war es, statt einer plötzlichen Steigerung des Turbo-Drehmoments eine progressive, gefühlvollere Reaktion des Bi-Turbos zu realisieren. Zwischen 3000 und 7000 Umdrehungen  steigt  die  Drehmomentkurve  nun kontinuierlich an. Ein Turboantrieb, der wie ein rassiger Saugmotor mit überschäumender Leistung reagiert. Neu entwickelte Kolben und Zylinderköpfe, veränderte Steuerzeiten und eine optimierte Auspuffanlage heben die Leistung auf 650 PS sowie 678 Nm an.

Wir überqueren eine Kuppe und drücken den McLaren  in  den  überhöhten  Linksbogen  mit atemberaubendem  Speed. Das neue Fahrwerks-Set-up mit härteren Federn und darauf abgestimmten adaptiven Dämpfern passt. Denn obwohl der McLaren auf der Landstraße einen noch feineren Fahrkomfort als der 12C bietet, beeindruckt er vor allem im Renntempo.

Der 650S tanzt durch Schikanen und Wechselkurven, presst sich in langen Radien regelrecht auf die Bahn. Aerodynamik, Fahrwerk und die von Pirelli optimierten P-Zero Corsa-Reifen generieren einen fantastischen Grip. Jedes Bauteil wurde auf den Prüfstand gestellt. Allein die neu konstruierten Felgen sparen insgesamt sechs Kilogramm Gewicht, und  das genau an der richtigen Stelle. Jede Kurskorrektur setzt der Brite sauber um. Der 650S liegt fantastisch in der Hand und kommuniziert dabei derart intensiv wie kaum ein anderer Supersportwagen mit seinem Fahrer. Der Ritt am Limit wird in diesem McLaren wirklich zur Reise ins Glück.

Unser Fazit

Der neue McLaren 650S ist ein Volltreffer. Das Handling ist atemberaubend, die Leistungsentfaltung des Motors ein Beleg automobiler Schaffenskunst. Da wird selbst der hohe Preis zu Nebensache.

Michael Godde

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