Marc Lichte im Porträt: Ein privater Besuch beim Audi-Designchef Da ist Pfeffer drin!

03.05.2015

Marc Lichte, der neue Designchef bei Audi, schärft das Design kräftig nach. AUTO ZEITUNG-Chefredakteur Volker Koerdt traf den Mann, der den Audi-Geschmack prägt, privat

Die Hand mit dem Zeichenstift fliegt förmlich über das Papier. Zuerst ein paar Striche nur, plötzlich zwei Kreise, Räder, Leuchten – und das Auto nimmt Gestalt an. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Marc Lichte grinst: „Ich liebe das Zeichnen. Ich zeichne fast ständig.“ Der baumlange Westfale ist seit einigen Monaten Leiter des Audi-Designs. Schnell hat er den Überblick in Ingolstadt gefunden. Mit den Studien „Prologue“ und „Prologue Avant“ verlieh er dem Audi-Design in Kürze neue Würze. Der gebürtige Arnsberger ist ein geselliger Mensch, temperamentvoll.

 

Marc Lichte: Audi-Designchef im Porträt

Wir haben uns bei einem Audi-Kollegen zum Essen getroffen, um bei einem guten Glas Rotwein in Ruhe über die Zukunft des Audi-Designs zu philosophieren. Den ersten Appetithappen, quasi die Vorspeise auf das, was in Ingolstadt demnächst folgt, hat Lichte bereits mit dem Prologue gezeigt. „A6, A7 und A8 haben wir auch bereits verabschiedet. Der Avant, den wir in Genf vorgestellt haben, verbindet die besten Gene von den Dreien.

Der Trick dabei: das ganz gerade Dach und die extrem angestellte D-Säule. Das gibt Dynamik und erhöht das Raumangebot im Inneren.“ Liebevoll streichelt der lange, blonde Schlacks mit den schütteren Haaren über sein Skizzenbuch. „Ich zeichne immer. Ich höre aber auch zu.“ Vor allem bei dem, was Entwicklungschef Ulrich Hackenberg zu ihm sagt. „Das Verhältnis Designer und Entwicklungschef ist ganz wichtig.“

Heute ist Marc Lichte genau dort angekommen, wo er hinwollte. Doch als Kind waren die Eltern oft in Sorge. „Ich muss mich ständig bewegen, wenn ich nicht zeichne.“ Als junger Kerl war er immer mit einer Jolle auf der Möhnetalsperre unterwegs, die quasi um die Ecke von seinem Geburtsort Arnsberg im Sauerland liegt. „Meine Eltern waren schier am Verzweifeln.“ So wurde aus Lichte ein ausgezeichneter Segler. Inzwischen hat er dreimal die Kieler Woche gewonnen – und sein Hobby ist seine Yacht.

Stolz präsentiert er mir das Boot auf seinem iPad. Auch dieses zeigt einen Charakterzug von ihm: Alles, was er anpackt, möchte er perfektionieren. „Die Yacht ist zehn Meter lang, hat ein offenes Heck und  Platz für sechs Personen. Das Besondere sind die Karbon-Segel, dadurch fährt sie sehr sportlich. Ich habe lange gebraucht, um die Farbe des Rumpfs an die Farbe der Segel anzupassen.“ Aber nicht nur auf dem  Wasser, auch im Schnee fühlt sich der drahtige Sauerländer in seinem Element: „Ich fahre leidenschaftlich gern Ski.“

Schon in seiner Kindheit hat Marc Lichte früh die Autos aus den Automobilzeitschriften nachgezeichnet. Sein Opa war Künstler, lehrte ihn das Kohlezeichnen, der Vater war Autofreak. Die Weichen für eine Karriere in der Automobilbranche wurden also früh gestellt. Dann gewann er 1991 den Designpreis der AUTO ZEITUNG, gerade einmal 21 Jahre alt. „Dieser Sieg war für meine Karriere ganz wichtig. Ich habe danach bei General Motors ein Praktikum bekommen, dann direkt bei Opel im Anschluss mehrere Monate hospitieren dürfen und am Tigra mitgearbeitet.“

Anschließend besuchte er die Kaderschmiede der Designer: die Designhochschule in Pforzheim. Dann folgten „17 Jahre ‚Umweg‘  zu VW, bis ich jetzt endlich bei Audi angekommen bin“.

„Mich begeistern Produkte, die zeitlos sind. Nur so funktioniert Design“. Dabei ist die Zeit die große Herausforderung für einen Designer, denn die ersten Skizzen entstehen lange vor dem Serienanlauf eines Automobils. „Wenn ich ins Studio gehe, stelle ich die Uhr vier Jahre vor“, erklärt der Westfale, während er mit mir zusammen den Kochlöffel schwingt und wir mit einem Glas Zweigelt, seinem Lieblingswein, anstoßen. „Kochen ist an sich nicht so mein Ding, der Stefan kann das viel besser“, lacht Lichte.

Garant dafür, dass das Essen heute schmeckt, ist Stefan Moser, Leiter Produktkommunikation bei Audi und routiniert wie ein Profikoch. „Wie geht es weiter mit dem Design bei Audi?“, frage ich den großen Blonden. Lichtes Augen leuchten. „Ah, wir haben so viel Tolles schon in der Schublade, aber ich kann es noch nicht zeigen. Aber so viel: Die Markenwerte Sportlichkeit, Hochwertigkeit und Progressivität werden wir bei Audi weiter forcieren. Die Fahrzeuge werden  sportlicher, das Interieur wird sich stark verändern, wir betonen die Horizontale, was ein gutes Raumgefühl ergibt. Und die SUV, also die Q-Autos, werden sich im Gesicht deutlich von den Limousinen unterscheiden.“

Der Singleframe-Grill, die Scheinwerfer und die Lufteinlässe sind künftig die Hauptunterscheidungsmerkmale der Baureihen. Der Clou aber und absoluter Hingucker sind die zwei Arten völlig unterschiedlich gezeichneter C-Säulen. Es wird eine abgerundete und eine kantige Interpretation geben. Außerdem werden die Körper der Autos progressiver. „Ich mag starke Schultern und optisch kleine Kabinen.“ Beim Dessert verrät mir der sympathische Design-Chef schließlich: „Der nächste A6 wird ein Hammer. An dem Auto sieht man sofort, wie viel Spaß es hier macht. Die Arbeit bei Audi ist ein Traumjob.“

Volker Koerdt

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