Luxusklasse: Jaguar XJ gegen BMW 7er im Vergleichstest Jaguar XJ 3.0 V6 Diesel S gegen BMW 740d

05.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der neue XJ soll optisch und technisch für frischen Wind in der Luxusklasse sorgen. Wie gut ist der neue Brite im Vergleich mit dem 7er-BMW?

Für viele Anhänger des britischen Automobilherstellers Jaguar kommt der neue XJ dem Ende der Monarchie gleich. Die Briten mögen Konstanz. Und der große Jaguar gab ihnen dieses Gefühl. Denn seit 1968 blieb das Design den Grundlinien der ersten Serie treu. Mit dem neuen Mark IV beendet Jaguar jetzt die seit über 40 Jahren beibehaltene Designsprache – der XJ wagt den Schritt in die Moderne.

Er will nun auch auf dem europäischen Festland im Reich der Luxusklasse ein Wörtchen mitreden. Widersacher auf dem Weg an die Spitze sind da schnell gefunden. Wie gut schneidet das neue Flaggschiff der Briten mit 275-PS-Diesel gegen den BMW 740d mit 306 PS ab?

 

Karosserie

Opulenter Luxus gehört bei Jaguar XJ und BMW 7er zur Serienausstattung. Dennoch fallen die mit Leder bespannten und mit Holz verkleideten Oberflächen im Briten eine Spur feiner aus. Dass sowohl bei Jaguar als auch bei BMW mit jedem Cent gerechnet wird, zeigen Motor- und Kofferraum. Hier wurde an Klarlack gespart und die Technik unter lieblosen Plastikabdeckungen versteckt. Die Innenräume sind da ansehnlicher. Jaguar verwöhnt seine künftigen XJ-Kunden sogar mit einem serienmäßigen Panorama-Glasdach. Allerdings beansprucht dessen Mechanik viel Platz. Sitzriesen stoßen daher frühzeitig ans Dach. Deutlich wohlwollender begrüßt der 7er seine Insassen. Fast zehn Zentimeter mehr Luft verbleiben über den Scheiteln von Fahrer und Beifahrer.

Da der Aufbau des XJ zudem stark nach hinten abfällt, ist auch die Bewegungsfreiheit der Fondpassagiere eingeschränkt. Wirklich eng ist der Abstimmungsfahrt mit dem Jaguar XJ nicht, doch im Vergleich mit dem auch in der Breite überlegenen 7er ist er knapper geschnitten. Verfechtern klassischer Rundinstrumente dürfte beim Anblick des neuen TFT-Monitors mit digitalen Rundinstrumenten im XJ das Herz stehen bleiben. Aber das neue Cockpitsystem hat seine Vorzüge. So lässt es sich in zahlreichen Funktionen dem persönlichen Geschmack des Fahrers anpassen. Die Bedienung gestaltet sich zumindest wesentlich einfacher als in den bisherigen Jaguar-Modellen.

Zwar sind einige Felder auf dem großen Touchscreen in der Mittelkonsole einen Hauch zu klein geraten, aber die Menüführung ist weitgehend logisch aufgebaut. Mit dem über einen Drehregler zu steuernden iDrive-Bediensystem des BMW kommen jedoch auch unerfahrene Neulinge schneller zurecht. Größer sind die Unterschiede zwischen XJ und 7er bei der Sicherheitsausstattung: BMW verbaut bereits serienmäßig mehr sicherheitsrelevante Details als Jaguar und bietet außerdem gegen Aufpreis nahezu alle derzeit erhältlichen Features – vom Headup-Display bis hin zum Nachtsichtassistenten. Der Kapitelsieg ist dem 740d nicht zu nehmen. Die letzten Punkte sichert er sich bei der Anhängelast. Während Jaguar gänzlich darauf verzichtet, nimmt der BMW bei Bedarf bis zu 2100 Kilogramm an den Haken.

KarosserieMax. PunkteBMW 740dJaguar XJ 3.0 V6 Diesel S
Raumangebot vorn1009489
Raumangebot hinten1009390
Übersichtlichkeit703734
Bedienung/ Funktion1008377
Kofferraumvolumen1004143
Variabilität10030
Zuladung/ Anhängelast804122
Sicherheit15011498
Qualität/ Verarbeitung200185187
Kapitelbewertung1000691640

 

Fahrkomfort

Jaguar und gediegener Komfort gehören zusammen wie England und die Königsfamilie. Diese These bringt auch der neue XJ nicht ins Wanken. Er weiß, was sich in der Luxusklasse gehört: ein guter Ton. Und besonders den beherrscht der neue Dieselmotor des Jaguar wie kein anderer in seiner Klasse.

Der Dreiliter-V6 säuselt stets leise vor sich hin und wird selbst unter Last niemals aufdringlich. Auch der Reihensechszylinder des BMW spielt eine gefällige Melodie, er ist allerdings vor allem bei Sprinteinlagen hörbar knurriger unterwegs. Beim 7er sind jedoch Fahrwerks- und Windgeräusche besser gedämmt, was sich auch in den Messwerten widerspiegelt. Eng beieinander liegen die beiden Luxuslimousinen auf der Komfortstrecke.

So reagiert der Brite feinfühliger auf Kanten und andere Unebenheiten als der teilweise störrisch agierende BMW. Dafür kommt die Karosserie des Bayern schneller wieder zur Ruhe, während die des Engländers stets leicht in Bewegung ist – Gleichstand. Erst mit voller Zuladung kann der Jaguar seine serienmäßige Luftfederung mit Niveauregulierung ausspielen. Auch auf übelsten Verwerfungen zwingt den XJ nichts in die Knie. Der 7er hingegen stößt trotz einstellbarer Dämpfer hier deutlich früher an sein Limit. 

FahrkomfortMax. PunkteBMW 740dJaguar XJ 3.0 V6 Diesel S
Sitzkomfort vorn150140128
Sitzkomfort hinten1009693
Ergonomie150124120
Innengeräusche504139
Geräuscheindruck1008784
Klimatisierung504646
Federung leer200185185
Federung beladen200165178
Kapitelbewertung1000884873

 

Motor und Getriebe

BMW und Jaguar setzen beim Antrieb auf die gleiche Größe. Das gilt zumindest für den Hubraum (2993 cm3). Nur die Leistungsdaten der mittels eines großen und eines kleinen Turboladers unter Druck gesetzten Selbstzünder unterscheiden sich. Der BMW tritt mit gut 30 PS mehr an und überspielt damit sein Mehrgewicht von 100 Kilogramm im Vergleich zur Aluminium-Limousine aus England. Schon beim Sprint auf Tempo 100 hat der Bayer die Nase deutlich vorn.

Ohne Fehl und Tadel arbeiten die beiden sechsstufigen Automatikgetriebe. Allerdings hat Jaguar bei der Abstimmung den besseren Kompromiss zwischen Antritt und effi zientem Umgang mit dem Kraftstoff gefunden. Dem vornehmen Briten reichen 8,4 Liter Diesel, um 100 Kilometer Strecke abzuspulen. Der kräftigere und schwerere Münchner benötigt dafür 1,7 Liter mehr.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 740dJaguar XJ 3.0 V6 Diesel S
Beschleunigung150128122
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1509090
Getriebeabstufung1009697
Kraftentfaltung504035
Laufkultur1008288
Verbrauch325190222
Reichweite251519
Kapitelbewertung1000641673

 

Fahrdynamik

Dass der neue Jaguar auch bei der technischen Basis mit der Vergangenheit abschließt, zeigt der Fahrdynamiktest. Im Gegensatz zum eher bedächtig agierenden Vorgänger schließt der neue XJ zur europäischen Konkurrenz auf.

Trotz geringfügig schlechterer Fahrleistungen verliert er auf dem Handlingparcours nur eine knappe Sekunde auf den 740d. Dennoch ist der BMW für den Jaguar nicht zu erreichen. Während der 7er dank aktiver Stabilisatoren (Dynamic Drive, 2670 Euro) nahezu ohne Seitenneigung den Kurs umrundet, neigt sich der Jaguar deutlich stärker. Die Folge sind im Gegensatz zum sehr spurstabilen BMW teilweise ausgeprägte Lastwechselreaktionen. Vor allem in Wechselkurven drängt das lange Heck des Engländers gern mal nach außen.

Der BMW 7er ist ausgewogener. Er kündigt sein Limit im sehr hoch angesiedelten und problemlosen Grenzbereich lediglich mit einem leichten Schieben über die Vorderräder an. Auch beim Durcheilen der Slalomgasse hat der 740d aufgrund der besseren Fahrwerksabstimmung und nicht zuletzt wegen der sehr gefühlvollen, direkten sowie präzisen Lenkung die Nase vorn. Sehr gut sind die Bremsen der beiden großen Luxuslimousinen. Die Verzögerungswerte, die Dosierbarkeit und die Standfestigkeit der Systeme in BMW und Jaguar beeindrucken – und das nicht nur für Limousinen ihrer Klasse.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 740dJaguar XJ 3.0 V6 Diesel S
Handling1508078
Slalom1006857
Lenkung1008581
Geradeauslauf504441
Bremsdosierung302221
Bremsweg kalt15010098
Bremsweg warm150103106
Traktion1005247
Fahrsicherheit150140130
Wendekreis2066
Kapitelbewertung1000700665

 

Umwelt und Kosten


Dass der Jaguar knapp 3500 Euro günstiger ist, spielt in dieser Liga keine sehr große Rolle. Daher kann sich der XJ trotz geringerer Kraftstoffkosten keinen Vorteil in diesem Kapitel erarbeiten. Der 7er punktet mit den günstigeren Versicherungseinstufungen und den im Kaufpreis enthaltenen Inspektionskosten – mit Ausnahme der Verschleißteile.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 740dJaguar XJ 3.0 V6 Diesel S
Bewerteter Preis6758367
Wertverlust5056
Ausstattung251414
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502017
Werkstattkosten201712
Steuer1066
Versicherung4095
Kraftstoff553237
Emissionswerte256279
Kapitelbewertung1000248243

 

Fazit

Der neue Jaguar XJ ist nicht nur mit seiner modernen Karosserie aus dem Schatten seines Vorgängers getreten. Deutlich dynamischer, erreicht er nun auch die Kundschaft deutscher Luxuskarossen. Vor allem sein kultivierter und sparsamer Diesel beeindruckt. Aber auch BMW versteht etwas vom Bau großer Limousinen: Der 740d ist dem Briten überlegen. Das Duell könnte mit schwächerer Motorisierung im BMW allerdings anders ausfallen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 740dJaguar XJ 3.0 V6 Diesel S
Summe500031643094
Platzierung12

Tags:

Wirkaufendeinauto

So verkauft man Autos heute!

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.