Ford Focus RS/Ford Mustang GT: Vergleich Ford Focus RS trifft Mustang GT

Mit dem Ford Mustang GT V8 und der Allradkanone Ford Focus RS hat die Marke gleich zwei ganz heiße, aber dennoch bezahlbare Fahrspaßeisen im Feuer. Beide begeistern im Vergleichstest mit völlig eigenen Konzepten auf ganzer Linie.

Ford Focus RS und Ford Mustang GT lassen sich am besten auf gleichermaßen kurvigen wie verlassenen Landstraßen erleben. Zum Beispiel frühmorgens im hohen Venn, einem an die Ardennen angrenzenden Hochmoorgebiet, dessen größter Teil sich über das belgische Königreich erstreckt. Bedrohliches Motorengebrüll zerschlägt mit der Wucht eines Presslufthammers die morgendliche Stille. Anwohner erleben ein wahres Spektakel, dessen Protagonisten mit zu den derzeit charismatischsten Typen im Autokosmos zählen. Vornweg wütet der neue, ekstatisch aufgeladene Ford Focus RS. Gejagt wird der wie von der Tarantel gestochene Kompaktsportler vom gleichfalls muskelbepackten Ford Mustang GT Fastback Coupé, dessen motorische Gewalt durch armdicke Auspuffendrohre stets auch akustisch erlebbar wird. Wir treiben die zwei ikonischen Ford-Typen durch die idyllische Landschaft und lassen uns vom hochverdichteten Fahrspaß verführen, den beide ihren Dompteuren auf ganz unterschiedliche Weise vermitteln. Im neuen Focus RS lässt Ford die Tradition seiner Rallye-Boliden fortleben, die 2006 und 2007 jeweils die Teamwertung der Weltmeisterschaft für sich entscheiden konnten und deren domestizierte Straßenableger es längst zum Kult gebracht haben.

 

Ford-Modellpalette im Video:

 


 

 

 

 

Der Ford Focus RS ist so ungestüm wie traktionsstark

Äußerlich wirkt der RS anno 2016 eher unaufdringlich. Allenfalls die leicht zerklüftete Frontschürze, der Heckdiffusor und der über der Heckscheibe thronende Flügel lassen einen konkreten Rückschluss darauf zu, womit man es eigentlich zu tun hat: einem 350 PS starken Kompaktsportler reinsten Wassers, der sich vor allem im Antriebsstrang grundlegend von den herkömmlichen Focus-Derivaten unterscheidet. Allein schon der beinahe bösartig vor sich hinfauchende Vierzylinder-Turbo: Das 2,3-Liter-Triebwerk hängt bissig am Gas und schiebt den mit 1454 Kilogramm Leergewicht gar nicht mal so schweren Kompaktsportler bereits aus dem Drehzahlkeller heraus vehement an. Das hohe Drehmoment von 440 Newtonmetern, das bereits bei 2000 Umdrehungen vollständig anliegt, ist jederzeit präsent und begünstigt dadurch ein schaltfaules Fahren – obgleich der Griff zum knackig präzise geführten Schaltknauf eher Lust als Last ist. Die gnadenlose Traktion sorgt in Verbindung mit der gebotenen Power für Fahrleistungen auf absolutem Spitzenniveau: Voll durchbeschleunigt reißt der Fünftürer die 100-km/h-Marke in lediglich 4,7 Sekunden. Doch der Ford Focus RS kann beileibe nicht nur geradeaus. Der Über-Focus ist mit einem hecklastig ausgelegten Allradantrieb bestückt, der sich dramatisch auf das Fahrverhalten auswirkt. So halten sich nicht nur die Antriebseinflüsse in der Lenkung vornehm zurück, auch das Einlenkverhalten der Fuhre erinnert in seiner Spontaneität an das potenter Hecktriebler – inklusive eines jederzeit abrufbaren Leistungsübersteuerns bei hartem Gaspedaleinsatz.

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Ford Mustang GT auf der Rennstrecke – Video:

 

 


Ford Focus RS mit scharfem Drift-Mode

Den kontrollierten instabilen Fahrzustand kultiviert der RS übrigens auch mit einem netten elektronischen Gimmick: dem Drift-Mode. Dieser ermöglicht es selbst Nicht-Profis, sich wie ein echter Rallye-Pilot zu fühlen. Das Prozedere bei aktiviertem Quertreiber-Programm ist denkbar einfach: Einlenken, das Gaspedal voll durchtreten, sanft gegenlenken – und schon pfeilt der Focus RS im herrlichsten Drift quer ums Eck. Gut, dass sich Fahrer und Beifahrer bei solchen Manövern auf den gnadenlosen Seitenhalt der RS-exklusiven Recaros verlassen können – wenngleich die eng anliegenden Sportsitze einen gern daran erinnern, doch etwas besser auf die eigene Linie zu achten. Ansonsten präsentiert sich der Ford Focus RS beinahe genauso alltagstauglich wie ein 1.0 EcoBoost mit 100 PS. Seine Komforteigenschaften verdienen trotz der leidenschaftlich dynamischen Ausrichtung des Gesamtkonzepts das Prädikat ausgewogen. Weder malträtiert das Fahrwerk die Insassen mit übertriebener Härte, noch treibt der RS seinem Fahrer durch einen nervösen Geradeauslauf den Schweiß auf die Stirn. Im Gegenteil, selbst bei Höchstgeschwindigkeit, die bei rasanten 266 km/h liegt, folgt der aerodynamisch wohl austarierte Kompaktrenner unbeirrbar der vorgegebenen Richtung.

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Ford Focus RS im Video:

 

 

Der Ford Mustang GT V8 gibt sich wild, laut und verwegen

Umstieg in die zweite Legende, den Ford Mustang GT. Weiche, aber dennoch genügend Seitenhalt bietende Sitze, der Armaturenträger im Retro-Look inklusive uriger Kippschalter, dazu liebevolle Details wie der Schriftzug "Ground Speed" im Tachometer – wir erliegen umgehend dem uramerikanischen Charme dieser vor über 50 Jahren geborenen Ikone, die es in die Neuzeit geschafft hat, ohne wie eine Karikatur ihrer selbst zu wirken. Dazu tragen sicherlich auch die Fahrleistungen einen großen Teil bei, die an der Ernsthaftigkeit aller dynamischen Ambitionen des Fastback Coupés keinerlei Zweifel aufkommen lassen. Durch die gekonnte Fahrwerksabstimmung, die präzise wie rückmeldungsfreudige Lenkung und die verlässliche Bremsanlage erreicht der aktuelle Mustang einen fahrdynamischen Reifegrad, von dem sämtliche Vorgänger nur hätten träumen können. Schnelle, gleichmäßig zu fahrende Kurven sind durchaus das Metier des Mustang GT. Enge, verwinkelte Asphaltbänder hingegen nicht unbedingt. Neben der schieren Größe seiner Karosserie vereitelt auch das recht propere Gewicht von 1651 Kilogramm, dass der bildschöne Zweitürer Haken schlägt wie ein flüchtiger Feldhase.

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Fünfliter-V8 im Ford Mustang GT

Noch mehr fasziniert der Ford Mustang indes durch seinen schier unbändigen Vorwärtsdrang. In nur 4,8 Sekunden pulverisiert der Fastback das Landstraßen-Tempolimit, nur um darüber hinaus weiterhin mit spielerischer Leichtigkeit voranzupreschen. Der 5,0 Liter große, mit hartem Bass hämmernde V8 hängt in jedem Drehzahlbereich bissig am Gas und setzt jedes noch so kleine Zucken im rechten Fuß des Fahrers gnadenlos in Vortrieb um. Deshalb sollte sich der Mustang-Jockey stets darüber im Klaren sein, welche Kraft über die Hinterräder herfällt – jedenfalls wenn er vermeiden will, dass das Heck des großen Coupés in Kurven ein Eigenleben entwickelt. Überhaupt gilt: Mehr noch als das hektische Entlangreiten am Grenzbereich oder das permanente Ausreizen der elektronisch auf 250 km/h begrenzten Höchstgeschwindigkeit macht das genussvolle Cruisen Spaß im wohl lässigsten aller Ford-Modelle.  Dann bleibt genügend Zeit, die vorbeiziehende Landschaft zu genießen, während der dicke V8 zufrieden vor sich herblubbert und die Karosserie sanft über lange Bodenwellen wogt.

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Focus RS und Mustang GT begeistern auf jeweils eigene Art

Was am Ende des Tages bleibt, ist die Frage: welchen nehmen? Die V8-befeuerte US-Ikone, der selbst die Traumfabrik Hollywoods mit Blockbustern wie Steve McQueens "Bullitt" oder "Nur noch 60 Sekunden" mit Nicholas Cage Denkmäler setzte? Oder den heißen, technisch filigranen Steilheck-Sportler Focus RS, an dem sicherlich auch ein Colin McRae seine helle Freude gehabt hätte? So oder so: Am Geld sollte die Entscheidung nicht hängen. Mit Grundpreisen im Gegenwert einer edel ausgestatteten Mittelklasse-Limo zeigen sich beide Sportler durchaus volksnah. Danke dafür, Ford!

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Technische DatenFord Focus RSFord Mustang GT
Zylinder/Ventile pro Zylin.R4/4; TurboV8/4
Hubraum2261 cm³4951 cm³
Leistung
bei
257 kW/350 PS
6000 /min
310 kW/421 PS
6500 /min
Max. Drehmoment
bei
440 Nm
2000 - 4500 /min
530 Nm
4250 /min
Getriebe6-Gang,
manuell
6-Stufen-
Automatik
AntriebAllradHinterrad
0 - 100 km/h4,7 s4,8 s
Höchstgeschw.266 km/h250 km/h
L/B/H in mm4390/1858/14704784/1916/1381
EU-Verbrauch7,7 l S / 100km12,0 l S / 100 km
Grundpreis40.000 Euro45.000 Euro

 

 

 

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