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Porsche 911 Carrera RS 2.7 am Nürburgring

Durch die Grüne Hölle

Gibt es ein besseres Auto, um die Umgebung des Nürburgrings zu erkunden, als einen Porsche 911 Carrera RS 2.7 von 1973? Wir denken nicht

Der Tag beginnt mit Eifelwetter, schon in Köln. Das Grau der tiefhängenden Wolken über der Kölner Bucht wird auf unserem Weg nach Südwesten immer dunkler. Eifelwetter, Caracciola-Wetter, Schumacher-Wetter, jetzt vielleicht Vettel-Wetter. Die Rennhelden des Nürburgrings waren immer schon Regengötter. Rudolf Caracciola gewann das erste Rennen auf der neuen Strecke vor ziemlich genau 83 Jahren bei ähnlich widrigem Wetter, wenn man zeitgenössischen Fotos glauben will.

Mit Tempo 100 zischen wir, der Porsche 911 Carrera RS 2.7 und ich, durch den Regen über die A1 Richtung Eifel. Der Motor ist bei diesem Tempo lauter als Regen und Windgeräusche. Das Lüfterrad im Heck, der Auspuff dröhnt, und beim Gasgeben hämmert der luftgekühlte Boxer im Parterre hinter mir ungenierter als in einem normalen alten Elfer.

Der RS 2.7 des Modelljahrs 1973, gebaut ab Oktober 1972, ist schließlich nicht irgendein 911, sondern die Ikone der Zuffenhausener Sportwagenschmiede. Nur 1580 RS entstanden bis zu den Werksferien 1973, aber seine Seltenheit ist nur einer der Gründe, aus denen heute Elfer-Fans gern eine Viertelmillion Euro für einen guten, echten Carrera RS ausgeben.

Das Geheimnis des RS kann man auf einer kurzen Regenfahrt nach Südwesten wahrscheinlich nicht ergründen, auf einer ausgiebigen Runde um Deutschlands legendenumwobenen Nürburgring dagegen möglicherweise schon. Dem Eifel-Neuling empfiehlt sich die A1 bis Ausbauende als schnellste und sicherste Einflugsschneise zum Ring.

Der im Rheinland aufgewachsene Experte kennt eine Vielzahl von Routen, weswegen wir die Autobahn kurz hinter Euskirchen verlassen. Der Regen lässt nach, wir lassen uns treiben, passieren Ortschilder mit seltsamen Namen und Gasthöfen, die so aussehen, als seien schon lange keine Gäste mehr vorbeigekommen.

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Der Fotograf im weißen Cayman ist vorausgefahren, wartet bestimmt schon im Fahrerlager am Ring auf RS und Fahrer. Weil die Straßen trockener werden – und die zehn Liter Öl, die zwischen Ölkühler im Frontflügel sowie Boxermotor und Trockensumpf-Tank im Heck zirkulieren, inzwischen Wohlfühltemperatur erreicht haben –, bekommt der RS endlich ein wenig Feuer. Das Lüfterrauschen wird intensiver, der Auspuff lauter, bei 6300 Umdrehungen leistet der Sechszylinder-Boxer 210 PS.

Früher sagte man gern, Porsche-PS zählten doppelt. Auf einmal verstehst du warum. Nur 210? Dieser RS fühlt sich nach mindestens 300 an. So energisch springt der Porsche aus den Kurven auf die kurzen Geraden, schnupft sie in Sekunden auf und biegt am nächsten Einlenkpunkt schon wieder ein.

Das Auto fühlt sich 38 Jahre nach seiner Präsentation noch sauschnell an. Wie es sich 1972 gefahren haben mag, kann man heute nur erahnen. Und in Testberichten von damals nachlesen. „Der Carrera RS fasziniert mit seiner Leistung und auch PS-Gewohnte – und ist deshalb für eine kleine Gruppe engagierter Autofahrer erstrebenswert“, resümierte Jürgen Stockmar seinen Test in der AUTO ZEITUNG.

Und die AZ-Tester ließen sich noch etwas ganz Besonderes einfallen: Sie montierten versuchsweise eine normale 911-Motorhaube am Heck des Testwagens, um die Effizienz des Spoilers zu prüfen. Das Resultat war übrigens eindeutig: Mit Bürzel lief der gelbe Test-RS mit dem Kennzeichen LB-P220 bei winterlichem Wetter sieben km/h schneller als ohne (241 zu 234 km/h). Die Werksangabe von 245 km/h verfehlte er dagegen knapp. Zudem erwies sich der beflügelte RS als deutlich richtungsstabiler, weniger seitenwindempfindlich und insgesamt fahrsicherer.