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DKW F12 Roadster und Skoda Felicia

DKW F12 Roadster und Skoda Felicia

Der DKW F12 aus deutschen Landen und der Skoda Felicia aus der ehemaligen Tschechoslowakei waren sich ähnlich, aber fremd. Damals. Heute sind sie unter VW-Regie vereint

Die schönsten Geschichten schreibt die Geschichte selbst. Wer hätte vor knapp fünf Jahrzehnten darauf gewettet, dass sich die traditionsreichen Automobilmarken Skoda und DKW einmal unter einem gemeinsamen Konzerndach wiederfinden würden? Mit ähnlich hoher Wahrscheinlichkeit hätte man annehmen dürfen, dass man sich in Pilsen auf die Abfüllung von Karottensaft verlegt.

DKW, die letzte noch aktive Marke aus dem Auto-Union-Verbund, stand Anfang der 60er Jahre vor dem Aus. Immer mehr Zeitgenossen rümpften über die knatternden und stinkenden Zweitaktmotoren die Nase. Und bei Skoda im tschechischen Mlada Boleslav verwaltete man den staatlich organisierten Mangel so gut es ging.

Die Gründe, aus denen die vier Ringe heute strahlend glänzen und der geflügelte Skoda-Pfeil ins Schwarze getroffen hat, sind bekannt. Auf dem Umweg über Mercedes-Benz kam DKW als Teil der Auto Union zu Volkswagen und hieß fortan Audi. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs griff VW in Tschechien zu. Seit 1991 ist Skoda Teil der Wolfsburger Markenwelt und – dem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis sei Dank – einer der erfolgreichsten Importeure in Deutschland.

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Zwei ausgezeichnet gut erhaltene Modelle aus der Vorzeit treffen sich zum Paarlauf im Bergischen Land. Es sind rollende Zeitzeugen, die eindrucksvoll belegen, wie Techniker in Ost und West mit geringem Materialeinsatz für jedermann erschwingliche Automobile auf die Räder stellen konnten, die Begehrlichkeiten weckten.

EINE FRAGE DES TAKTES
Muntere 45 PS entwickelt der 889 Kubikzentimeter kleine Dreizylinder-Zweitakter des DKW F12 Roadster von 1964, dessen zweitürige Cabrio-Karosserie fest mit einem stabilen Kastenrahmen verschraubt ist. Im zwei Jahre älteren Skoda Felicia des Typs 994 werkelt ein Alu-Vierzylinder alter Schule: Grauguss-Zylinderkopf, dreifach gelagerte Kurbelwelle, eine via Dreifach-Rollenkette angetriebene seitliche Nockenwelle. Die hängenden Ventile werden über Stößelstangen und Kipphebel betätigt. Apropos Ventile: Der auf Gemischbetrieb ausgelegte Dreizylinder des DKW hat keine, denn beim Zweitakter übernehmen Schlitze in Kolben und Zylindern die Ein- und Auslasssteuerung.

Der Skoda Octavia – vor 50 Jahren eingeführte fünftürige Limousinen-Basis des Felicia – galt seinerzeit als unkaputtbar. Entsprechend rustikal fährt sich auch die davon abgeleitete Cabrio-Version. Die Schaltung will mit kräftiger Hand geführt werden, um die vier Gänge zu sortieren. Mitdenken lohnt sich dabei, denn der erste liegt vorn rechts. Das spindeldürre Lenkrad wirkt beinahe zerbrechlich.

VOM LENKEN UND HANDELN
Ein glatter Trugschluss, denn um die dünnen 15-Zoll-Räder in die gewünschte Richtung zu bewegen, sollte selbst ein Arnie Schwarzenegger gut gefrühstückt haben. Der Begriff Lenkwinkel wird dabei ganz großgeschrieben. Es braucht eine Weile Übung und Geschick, um mit dem Felicia einen sauberen Strich zu fahren. Die in einen leicht gepolsterten Armaturenträger eingefügten Anzeigen liegen erfreulich gut im Blickfeld und liefern die nötigsten Grundinformationen. Ein zuverlässiger Quell der Freude ist der kräftige und drehmomentstarke 1,2-Liter-Vierzylinder.

55 PS waren seinerzeit in der Klasse ein Wort. Er schickt ein maximales Drehmoment von 86,2 Nm an die Kurbelwelle. Der positive Sturz der an einer blattgefederten Pendelachse montierten Hinterräder mahnt schon im Stand zur Mäßigung. In Fahrt werden Erinnerungen wach: Kurven sind gebogene Straßen, die es in sich haben können. Wer nicht mit dem Heck voran nebendem Weg einschlagen will, geht besonders auf welligem Grund rechtzeitig vom Gas und fährt schön friedlich ums Eck.

Die historische Technik des exakt 14 863 Mal gebauten Felicia verlangt also nach fahrdynamischen Kompromissen, die allerdings von der konsequenten Offenheit der Cabrio-Karosserie kompensiert werden. Man sitzt buchstäblich unter freiem Himmel. Die steil stehende Windschutzscheibe schützt vor dem Wind und nicht, wie bei neuzeitlichen Blechklappdach-Konstruktionen mit ihren weit nachhinten reichenden Frontverglasungen, zusätzlich vor Regen.

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Auf den ersten Blick wirkt das Design der beiden Volks-Roadster erstaunlich ähnlich. Rund vier Meter messen die Aufbauten in der Länge, gestreckt sind die Heckpartien und unsichtbar darin verborgen die leichten Stoffkapuzen. Dazu kommen noch die zeitgenössischen Heckflossen – ein stilistischer Gruß aus den USA, wo vor Menschengedenken noch Autotrends geboren wurden. Die Unterschiede offenbaren sich auf den zweiten Blick. Die rundlicheren Formen des Felicia sind vom Geschmacksempfinden der 50er Jahre geprägt. Der DKW ist insgesamt geradliniger, moderner, aber alles andere als westlich pompös. Das Armaturenbrett macht seinem Namen alle Ehre. Jeder Quadratzentimeter atmet knochentrockene deutsche Sachlichkeit – allerdings auf höchst angenehme Weise.

DIE RICHTIGE MISCHUNG
Bequeme Sitze und ein fürstlicher, topfebener Fußraum machen Lust auf Extratouren im Zweiertakt, die, so steht zu vermuten, von einem heiseren „Räng-täng-täng“ und einer azurblauen Rauchwolke begleitet werden. „Die Frischölautomatik habe ich gleich zu Anfang rausgeschmissen“, sagt Albrecht Mecklenbrauck aus Unna in das charakteristische Arbeitsgeräusch des kleinen Dreizylinders hinein. Der gelernte Drucker, der gleich mehrere DKW besitzt, hat seinen F12 Roadster sechs Jahre lang in penibler Handarbeit aufgebaut.

Das strahlend-blau lackierte Ergebnis dürfte selbst die Qualitätsfanatiker bei Audi beeindrucken. Die für die Gemischaufbereitung vorgesehene Frischölautomatik hat ihre Tücken. Mecklenbrauck: „Man konnte nie sicher sein, dass das Mischungsverhältnis stimmt. Stimmt es nicht, droht ein Kolbenfresser.“ Also schmeckt der DKW-Kenner den Brennstoff nach alter Väter Sitte im Verhältnis 1: 50 von Hand ab. Resultat: Ein „Räng-tängtäng“ vom Feinsten und nicht ein Ölbrandwölkchen am Heck.

Das Fahrgefühl unterscheidet sich diametral von dem des Skoda Felicia. Die Lenkung arbeitet direkter und leichtgängiger. Drehwillig hängt das 45-PS-Maschinchen am Gas und hat mit dem Leergewicht von 745 kg keine Mühe. In der Beschleuingung fährt er dem Skoda locker davon. Man kann den DKW gefahrlos in Kurven hineinwerfen, aus denen manch ein VW Käfer-Dompteur nicht wieder herauskommen würde. Auch die Bremsanlage mit innenliegenden Scheiben vorn überzeugt.

Mecklenbrauck, der seine Führerscheinkarriere 1966 mit einem DKW Junior Deluxe begann, schwört auf die leichten Zweitaktmodelle im Zeichen der Ringe: „Es war 1968, als ich nach der Tanzstunde auf die Straße trat und einen roten F12 Roadster sah. Ich wusste, den musste ich haben.“ Exakt 3150 Mark hat er dafür bezahlt – und keinen Pfennig bereut. Er hofft, dass auch Nachgeborene den DKW ins Herz schließen, damit es künftig weiterhin heißt: „Räng-täng-täng.“
Volker Koerdt, Stefan Miete

Inhaltsübersicht

Autos im Test

DKW F12 Roadster

PS/KW 45/33

0-100 km/h in 19.00s

Vorderrad, 4 Gang manuell

Spitze 128 km/h

Preis k.A.

Skoda Felicia

PS/KW 60/44

0-100 km/h in 25.00s

Hinterrad, 4 Gang manuell

Spitze 130 km/h

Preis k.A.