Sportliche Mittelklasse: Opel Commodore 2500 S, Ford 17M RS 2300 S, BMW 2000 TII

Drei Showtalente

Mitten im tristen Schwarz-Weiß der späten Sechziger schickten Ford, Opel und BMW diese frechen Mittelklasse-Nachwuchsstars auf die Bildfläche. Der Vergleich - MAZ ab!

Der eine war frech, der andere elegant, der Dritte liebenswürdig, aber auch ein bisschen brav. Alle zusammen begeisterten sie die Nation, jeder auf seine Weise: Die Rede ist von den Fernsehlieblingen der Sechziger. Peter Frankenfeld, Hans-Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal. Und dann war da noch Heinz Schenk, der ewig babbelnde Äppelwoi-Kellner. So sympathisch die Idee auch war, eine hessische Gaststätte als Bühnenbild nachzubauen – irgendwann konnte man seinen Bembel-Barock im Blauen Bock einfach nicht mehr sehen.

Mit dem VW Käfer war es genauso. Ein tolles Auto, erschwinglich und deshalb weit verbreitet. Aber nach 30 Jahren lockte es niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Wer etwas auf sich hielt und das nötige Kleingeld besaß, schaltete auf einen anderen Kanal und kaufte sich in die obere Mittelklasse ein. Typischerweise waren das Männer um die Fünfzig. Und entsprechend der Hitliste der beliebtesten Namen von 1918 hießen sie Karl, Hans oder Werner. Diesen Wirtschaftswunder-Deutschen boten Marken wie Opel, Ford und BMW viel wohlgeformtes Blech für die Mark.

Zeit, drei luxuriöse Gefährten der Generation 1968-Plus wieder auf die Mattscheibe zu holen, aber bitte in Farbe: Gut 40 Jahre nach ihrem Erscheinen lassen wir BMW 2000 tii, Opel Commodore A 2500 S Coupé und Ford 17M RS Hardtop noch einmal zu einer Runde Vergissmeinnicht antreten.

Drei Autos, die damals die neue Lust an der Leistung verkörperten. Man konnte die Reifen qualmen lassen und zeigte gerne, was man hat. BMW hatte für diesen Trend eigens den Begriff "Neue Klasse" kreiert, als Schublade für alles zwischen Isetta und Barockengel. Große BMW gehörten allerdings noch zu den Exoten auf der Straße. Im Falle des 2000 tii lag das einerseits am stattlichen Preis von 14.290 Mark. Andererseits wurden auch nur 1.752 Exemplare gebaut von der 130 PS starken Version mit Kugelfischer-Einspritzanlage. Diese Kraftstoffpumpe mit Raumnocken-Technik war ein Schmankerl, das nur wenige zu bieten hatten. Der Zweiliter-Vierzylinder des 2000 tii hängt gut am Gas und lässt sich problemlos bis ans Ende des zur Verfügung stehenden Drehzahlbandes jubeln. Wobei mehr als 4500 Touren für das Maximaldrehmoment von 178 Newtonmeter genügen.

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Fazit

Darf es ein bisschen Sportlichkeit im Anzug der späten Sechziger sein? Der BMW 2000 tii ist zwar kein Kurvenräuber, vermittelt aber ein aktives Fahrgefühl und marschiert mit seinem 130 PS starken Zweiliter munter voran. Gemütlicher wirkt der Ford 17M RS. Zumindest im kurz übersetzten ersten Gang bietet aber auch er knackigen Punch. Leider kann er nicht halten, was sein dynamisches Äußeres mit Rallyestreifen und feinen Alu-Felgen verspricht. Die damals schon angejahrte Fahrwerkskonstruktion mit Starrachse und Blattfedern beschert ihm am Ende den letzten Platz in diesem Vergleich. Der V6 mit feinem Timbre und ordentlicher Kraftentfaltung ist allerdings ein Genuss. Ein toller Tourer ist der Opel Commodore 2500 S. Sein Reihensechszylinder besticht durch die beste Laufkultur. Ohne die behäbig agierende Wandlerautomatik hätte aus ihm ein Temperamentsbolzen werden können. So aber geht der Siegerpokal an den BMW. Er vermittelt als einziger Fahrfreude durch seine Präzision.

Patrick Broich