Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Ford Mustang 1. Serie kaufen: Classic Cars

Im Alter von 50 ein Tipp?

Der Ford Mustang der ersten Serie ist nach wie vor heiß begehrt. Vor einem Kauf sollte unbedingt genau hingesehen werden. Wir haben Cabrio, Fastback und Coupé gecheckt.

Ganz ohne Zweifel gehört der Ford Mustang zu den Leckerbissen unter den US-amerikanischen Klassikern, und nicht umsonst erfreut sich gerade die erste Version des von 1964 bis 1973 gebauten Mustang 1 bei den Oldtimer-Enthusiasten heutzutage großer Beliebtheit – ganz gleich, ob als Coupé, Cabriolet oder Fastback. Doch der Reihe nach. Kaum ein US-Car wurde im Rahmen der Markteinführung derart ins Rampenlicht gestellt wie der Ford Mustang, als er am 17. April 1964 im Rahmen der New Yorker Weltausstellung seinen Verkaufsstart feierte. Für Ford war der Mustang von eminenter Wichtigkeit, versprach man sich doch erkleckliche Verkaufszahlen und damit wirtschaftlichen Erfolg. Entsprechend wurde die PR-Maschine auf Höchstdrehzahl gebracht, und gleich in zwei Filmen durfte der Mustang als Cabrio-Version über die Leinwandflimmern, einmal in "Der Gendarme von Saint Tropez" sowie ein weiteres Mal im James-Bond-Streifen mit dem Titel "Goldfinger". Nach dem Motto leichter, kompakter, aber trotzdem kraftvoll motorisiert hatte Ford mit dem Mustang – angelehnt an das galoppierende Pferd als Modellsymbol – praktisch die neue Fahrzeugklasse der "Pony Cars" geschaffen. Mit dem Debüt des Mustang als Coupé sowie als Cabriolet im Jahr 1964 einher gingen zwei Motorisierungen. Es waren ein Reihensechszylinder sowie ein typisch amerikanischer V8 verfügbar. Ein Jahr später, 1965, folgte dann mit dem Fastback eine bildschöne und äußerst sportiv gezeichnete Fließheck-Karosserie. Diese erste, im Rahmen dieser Kaufberatung beleuchtete Mustang-Version reichte bis ins Jahr 1966, bevor die Jahre 1967 und 1968 mit einer geänderten zweiten Variante in Angriff genommen wurden.

Bildergalerie: Ford Mustang 1. Serie kaufen

Ford Mustang mit starkem V8-Motor

Eine Besonderheit stellen die vor September 1964 gebauten Mustang-Modelle dar, die in Szenekreisen kurz als "Modelljahr 1964 ½" bezeichnet werden. Optisch sind sie an einem etwas kleineren Kühlergrill zu erkennen, und statt des später verbauten 4,7-Liter-V8 mit Leistungen von 203, 225 und 271 PS besitzt deren V8-Motor lediglich 4,3 Liter Hubvolumen und 165 PS Leistung. Für die Basisversion des "1964 ½" kam zudem ein 2,8-Liter- Reihensechszylinder mit 101 PS Leistung zum Einsatz, der bereits nach drei Monaten Bauzeit durch ein Pendant mit 3,3 Liter Hubraum und 122 PS Leistung ersetzt wurde. Für das Modelljahr 1966 erhielt der Mustang ein Emblem für den Kühlergrill ohne senkrechte Chromstäbe. Vor den hinteren Radläufen sorgten Chromeinsätze für noch mehr Attraktivität, und der bis dahin verwendete Breitband-Tachometer wurde durch Rundinstrumente ersetzt. Die Philosophie, die sich hinter dem Mustang verbarg, nämlich eine kleines, leichtes Auto mit einem vergleichsweise starken V8-Motor zu kombinieren, resultierte zwar nicht in einem reinrassigen Sportwagen, wohl aber in einem fahraktiven Auto, das sich sogar auf den Rennpisten beweisen sollte.

HANDVERLESENER SHELBY GT350 ALS SPEERSPITZE

Hinter den sportlichen bis renntauglichen Mustangs stand vor allem Carroll Shelby, Ex-Rennfahrer und Schöpfer der legendären Cobra, mit Sitz im kalifornischen Venice. Der Mustang war kaum richtig auf dem Markt, da widmete Shelby sich schon einem intensiven Performance-Upgrade, insbesondere beim Fastback, und ermöglichte es dem Mustang, auf Rennkursen um Platz und Pokal zu fahren. Schließlich entstand so der berühmte Shelby GT350 mit 306 PS starkem 4,7-Liter-V8-Motor. Während die erste Version des Mustang 1 insgesamt gigantische 1,29 Millionen Mal gebaut wurde, entstanden vom Shelby GT350 lediglich handverlesene 562 Einheiten. Kein Wunder also, dass der Shelby GT350 heute zu den begehrtesten US-Cars überhaupt zählt. Doch wer sich heute mit dem Gedanken trägt, einen dieser frühen Mustangs der Baujahre 1964 bis 1966 zuzulegen, sollte sich das Objekt seiner Begierde ganz genau anschauen.

Am Mythos kratzen: Ford Mustang GT fordert BMW 435i

Die Autos sind ein halbes Jahrhundert alt und hatten zumeist junge, fahrdynamisch oft recht optimistisch veranlagte Erstbesitzer. Dementsprechend wurde so mancher Mustang heftig gescheucht und geritten, und penible Pflege war eher zweitrangig. Insbesondere was die Karosserie betrifft, kön- nen gerade aus den USA importierte Fahrzeuge böse Überraschungen parat halten. Der großzügige Einsatz von Polyesterharz, Glasfasermatten und reichlich Spachtel lässt einen Ford Mustang auch mit einer so genannten "Verkaufsdusche" durchaus lecker dastehen, während sich unter dem schönen äußeren Schein jedoch die feinblechnerischen Katastrophen Bahn brechen. Außer für unsachgemäß reparierte Unfallschäden gilt die Korrosionswarnung besonders für die Türböden und Türkanten, für die Stehwände sowie für den Windlauf im Luftkasten. Der Rahmen sowie der Unterboden des Mustang sollten ebenfalls genau inspiziert werden. Die Rahmenlängsträger vorne sind im Bereich des Motorraums gerne rostanfällig, wie der Unterboden überhaupt. Achtern weisen die Rahmenlängsträger ebenfalls häufig Korrosion auf, weshalb hier insbesondere die Aufnahmen für die Blattfedern zu kontrollieren sind. Einen Korrosionsklassiker stellen die Seitentaschen im Kofferraum dar, wo sich im Falle einer undichten Heckscheibendichtung gerne Wasser ansammelt und die braune Pest prächtig blühen lässt. Eher übliche Verschleiß- und Pflegenotstände zeigen sich mitunter bei den Bremsen, die festgegangen sein können, oder auch bei der Servolenkung, die Spiel aufweisen und Hydrauliköl verlieren kann.

ROSTBEFALL IST DIE GRÖSSTE SCHWÄCHE DES MUSTANG

Antriebstechnisch hantiert der Mustang hingegen mit keinen spezifischen Krankheiten, sondern vielmehr mit üblichem Verschleiß. So ist etwa das Kreuzgelenk der Kardanwelle genau zu inspizieren, das im Laufe der Jahrzehnte im Kampf gegen das Drehmoment meistens unterliegt und sich gegebenenfalls mit einem gut hörbaren Klackern zu Wort meldet. Gemeinhin übliche Checkpunkte sind auch beim Mustang Motor und Getriebe, wo nach Ölundichtigkeiten gefahndet werden muss. Die Peripherie des Antriebsaggregats, etwa Abgasanlage, Lichtmaschine oder Wasserpumpe, ist im Regelfall nicht auffälliger als bei anderen alten Autos auch, und einmal mehr gilt auch beim Mustang das Credo von guter, regelmäßiger Wartung. Lässt sich dies nachvollziehen, winken keine unüberschaubaren Probleme und damit Folgekosten, stattdessen aber stilvoller Fahrspaß in jeder der drei jeweils für sich sehr leckeren Karosserievarianten. Last but not least sollte der geneigte Mustang-Interessent sich auch das Interieur seines Schätzchens genau ansehen. Ausgeblichene Farben und gegebenenfalls sogar gerissene Instrumentenbretter resultieren zumeist aus intensiver UV-Einstrahlung. Hier im Nachhinein wieder einen guten oder sogar sehr guten Zustand herzustellen, ist zwar möglich, geht aber kräftig ins Geld. Im Zweifel ist hier das teurere Auto das bessere Angebot.

Kaufberatung Ford Mustang Serie 1, Baujahr 1964-1966
Karosserie Vorsicht bei aus den USA importierten "Spachtelbombern". Unter dem Blech kann hier ebenso böse der Rost blühen wie auch an Türböden, Türkanten, Stehwänden sowie im Windlauf des Luftkastens. Zu kontrollieren sind auch der Unterboden sowie die Seitentaschen im Kofferraum, wo im Falle einer defekten Heckscheibendichtung eindringendes Wasser eine formidable Brutstätte für die braune Pest bilden kann. Ebenso sind die Rahmenlängsträger vorne sowie hinten an den Aufnahmen für die Blattfedern zu begutachten.
Technik Ölundichtigkeiten an Motor und Getriebe gehören zum Standardcheck, ebenso wie beim Differential sowie bei der Servolenkung, die zudem kein zu hohes Spiel aufweisen darf. Beim Hin- und Herrollen auf mögliche Klackergeräusche vom Kreuzgelenk der Kardanwelle achten. Ebenso standardmäßig sind die Bremsen zu kontrollieren und ist die Radaufhängung vorne auf ausgeschlagene Buchsen und Gelenke zu prüfen.
Ersatzteile Die Ersatzteilsituation für die frühen Mustangs ist prinzipiell gut, insbesondere existiert ein reichhaltiger Fundus an hochwertigen Optimierungsteilen. Das gilt sowohl für die Fahrwerks- als auch für die Motorentechnik.

Jürgen Gassebner
Fazit

Ich gebe zu, ich habe schon öfter mit einem Mustang Cabriolet geliebäugelt, doch was mir zu vermeintlich guten Kursen unterkam, entpuppte sich durchweg als optimierungsbedürftig. Das liegt nun nicht am Mustang, sondern an der Pflege. Richtig begeistert war ich indes von einem perfekt restaurierten Cabriolet sowie von einem gekonnt aufgebauten Fastback. Es gilt also genau hinzuschauen und beim Fahren zu erspüren, was man kauft. Gutes ist wie immer nur einmal teuer, und hat man sich ein schönes Exemplar an Land gezogen, belohnt einen der Mustang mit Stil, Fahrspaß und einem für US-Car-Verhältnisse guten Maß an Agilität.