50 Jahre Muscle Cars: Die besten 20 Modelle Muskelspiele

22.05.2013

Bärenkräfte und wilde Streifen kennzeichneten die Muscle Cars, mit denen sich die US-Jugend vor 50 Jahren von den Boulevard-Cruisern der Eltern lossagte. Wir baten 20 der PS-Monster zum Touchdown

Er wurde zum Kult-Car der Baby-Boomer, der leistungshungrigen ersten amerikanischen Nachkriegsgeneration, die mit preiswerten Power-Coupés gegen die langweiligen Straßenkreuzer der Eltern rebellierte.

Pontiac-Präsident John DeLorean persönlich legte dieses Feuer, als er den biederen Tempest zum brandgefährlichen GTO transformierte. Mit bis zu 348 PS aus drei Doppelvergasern wurde der GTO schnellstes Geschoss bei den populären Viertelmeilen-Sprints. In dieser Disziplin gelang es dem Gran Turismo Omologato (GTO) sogar, das gleichnamige Vorbild von Ferrari zu schlagen, wie die verblüffte Fachpresse in einem spektakulären Vergleich feststellen musste.

 

ERSTES DREHMOMENT-MONSTER FÜR MUSCLE-MANIACS

Eigentlich sollten die roten Streifen auf den Reifen alle Rennrivalen warnen - wenn die nicht gerade durch Wolken verbrannten Gummis eingenebelt wurden. Ein Tritt auf das Gaspedal genügte, schon glühten die von einem Big-Block-V8 mit der Wucht von fast 600 Newtonmeter Drehmoment angetriebenen Hinterräder Beschleunigungssignaturen in den Asphalt: der Auftakt zum Leistungs-Wettrüsten, das Amerikas Jugend fast ein Jahrzehnt in Atem hielt. Der Performance-Pontiac holte die erste Poleposition als Urvater aller Muscle Cars.

Unter den Top Ten der spektakulärsten Muscle Cars aller Zeiten befindet sich ein AMC. Heute verbinden die meisten Autofans mit der American Motors Corporation (AMC) nur noch glücklose Außenseiter wie den Pacer. 1970 war das noch anders. Da landete der Javelin ("Wurfspeer“) weit vorn als Titelfavorit bei der Trans-Am-Rennserie und rettete als Streetracer AMC vorläufig vor dem Untergang. Möglich machte das Mark Donohue: Der mehrfache Trans-Am-Champion transferierte seinen Namenszug und sein Image als Kurvenkiller auf den Javelin SST.

Das war ein Marketing-Geniestreich, galt für Muscle Cars mit simpler Fahrwerksarchitektur doch bis dahin: "Die Gerade vergöttern und Kurven hassen.“ Bodenhaftung sichern sollte dem Javelin der von Mark Donohue gestaltete und signierte Heckspoiler. Freie Bahn bewirkten dagegen böse schreiende Farben wie "Big Bad Orange“ und die Ram-Air-Hutze auf der Haube. Für so manchen Speed-Freak war die schnelle Optik wichtiger als ein nicht ganz so rasanter Sprintwert von 15,1 Sekunden über die Viertelmeile. Blitzschnell ausverkauft und sofort ein Sammlerstück war der auf 2501 Einheiten limitierte Donohue Special dennoch.

 

Der sieger: Giftiger und schneller als viele Ferrari und Porsche

Was Enzo Ferrari den Italienern, war Carroll Shelby den Amerikanern. Seit der legendären Cobra galt der texanische  Schlangenbeschwörer als größter PS-Magier. Kein Wunder deshalb, dass Mustang-Erfinder Lee Iacocca auf Shelbys Talente vertraute, als es darum ging, aus dem Ponycar ein Rennpferd zu züchten. Also schärfte Shelby den Mustang durch eine gezielte Dosis Cobra-Gift, das er unter die Motorhaube des Fastbackcoupés injizierte. Heraus kam der auf bis zu 375 PS erstarkte Shelby GT 350, der Schrecken aller Corvette Sting Ray und Pontiac GTO.
 
Mehr als das: Erstmals stürmten jetzt die Fahrer europäischer Supersportwagen die Showrooms der Ford-Händler, denn im Zeichen des Cobra zeigte der Mustang bei Beschleunigungsrennen sogar den Superstars von Ferrari oder Porsche seine giftigen Zähne. Ganz neu in der Automobilgeschichte war die Aktion "Rent a Racer“ des Autovermieters Hertz. Rund 1000 schwarz lackierte und mit goldenen Streifen dekorierte Sondermodelle GT 350 H wurden nach obligatorischem Fahrertraining den Mietkunden überlassen - die sie nach Renneinsätzen oft demoliert zurückbrachten, was für Carroll Shelby den Werbewert aber nicht minderte.

Fotos: Hersteller, Ebener, Faber, Fets, Schönmetzler, Magee, McNeil, Vaughn, iStock

Wolfram Nickel / Patrick Freiwah

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