BMW 640i Gran Coupé und Mercedes CLS 350 im Test BMW 640i Gran Coupé | Mercedes CLS 350 BlueEFFICIENCY

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

2004 schenkte Mercedes der Welt das viertürige Coupé. Nun ist auch BMW im Spiel und bringt das 6er Gran Coupé. Vergleich der 300 PS-Benziner

Der ältere Herr an der Tankstelle entsteigt seinem Passat Variant, guckt freundlich und sagt dann: „Ein sehr schönes Auto haben Sie. Mein Neid ist Ihnen sicher.“ Er meint den Mercedes CLS 350 CDI 4MATIC, der auf dem Weg ins Contidrom schnell noch Super 95 gefasst hat. Was hätte er wohl zum BMW 640i Gran Coupé gesagt, das wenig später eintrifft?

Wahrscheinlich Ähnliches, denn wie der 2011 gestartete neue CLS ist das Gran Coupé eine beeindruckende Erscheinung – nach Art des Hauses jedoch dynamischer geformt und mit jenem Haifisch-Lächeln um die eckiger gewordenen Scheinwerferaugen versehen, das auch die Studie BMW i8 trägt.

Beide schlagen die formale Brücke zwischen Viertürer-Limousine und Zweitürer-Coupé, zielen auf den Goldenen Schnitt zwischen konventionellem Nutzwert und lebensfroher Leichtigkeit. Was kann der BMW, der immerhin acht Jahre nach dem ersten Mercedes CLS auf den Markt kommt, besser?

 

Karosserie

Obwohl das Münchener Gran Coupé ein wenig flacher daherkommt als der CLS und über eine betont breite Mittelkonsole verfügt, bietet es in der ersten Reihe mehr Platz. Die Sitze lassen sich, anders als im Mercedes, sehr tief absenken, sodass genügend Raum bis zum Dach bleibt. Im CLS-Testwagen beeinträchtigt nicht nur das Glasschiebedach (1.380 Euro) die Innenhöhe, sondern auch die sehr hoch montierten Sitze.

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Im Fond, den BMW der breiten Mittelkonsole zum Trotz als dreisitzig ausgibt, sieht die Sache anders aus: Mehr Platz für die Beine und auch für die Füße gibt es im CLS, der mit zwei Einzelsitzen konsequent als Viersitzer ausgelegt ist. Die Kopffreiheit ist hier wie da jedoch knapp, wenn die Mitfahrer deutlich größer als 1,75 Meter sind. Gut zu wissen: 460 (BMW, durch geteilt klappbare Rücksitzlehnen und Durchladeluke serienmäßig variable) Liter Kofferraumvolumen und gar 520 Liter beim Mercedes (asymmetrisch geteilte Lehnen: 518 Euro) stehen zur Verfügung.

Da sind Einschränkungen beim Gepäck meist überflüssig. Wer den 5er und die E-Klasse kennt, kommt in beiden Autos ohne Einweisung zurecht, wobei das große BMW 6er-Coupé ein wenig unübersichtlicher ist als der CLS. Dessen Bedienlogik fehlt es dafür im Vergleich an der letzten Brillanz, denn im BMW lassen sich die zahlreichen Assistenzsysteme zum Beispiel ohne Eintauchen in Menüs zu- oder abschalten.

Triumph für Mercedes: Bei der Sicherheitsausstattung liegt er dank Aufmerksamkeitsassistent und optional angebotener Seitenairbags im Fond vor dem BMW. Der überzeugt zudem bei der Verarbeitungsgüte nicht ganz: Ungenaue Übergänge im Armaturenbrett und große Spaltmaße im Sichtbereich der Sitzverkleidungen zeigen, wo es mit zunehmender Fertigungsroutine noch besser werden kann.

KarosserieMax. PunkteMercedes CLS 350 BlueEFFICIENCYBMW 640i Gran Coupé
Raumangebot vorn1008285
Raumangebot hinten1007571
Übersichtlichkeit705049
Bedienung/ Funktion1008588
Kofferraumvolumen1004336
Variabilität1001025
Zuladung/ Anhängelast802021
Sicherheit150122115
Qualität/ Verarbeitung200186181
Kapitelbewertung1000673671

 

Fahrkomfort

Der Sommer kann kommen: Die serienmäßigen Zwei-Zonen-Klimaautomaten kühlen verlässlich und zugfrei, auf Wunsch lassen sich auch die Vordersitze kühlen. Für die kältere Jahreszeit können BMW-Käufer auf die serienmäßige Sitzheizung vertrauen; im Mercedes gibt es die nur gegen Zuzahlung – wie beim Gran Coupé natürlich auch für die Fondsitze.

Wer sich etwas Gutes tun will, ordert für den Mercedes CLS Shooting Brake: Edel-Kombi die pneumatisch verstellbaren Multikontursitze mit wunderbar weich gepolsterten Kopfstützen für günstige 619 Euro; bei BMW heißen die Pendants dazu Komfortsitz und kosten im Doppelpack 2.200 Euro. Auch auf dem Fahrwerkssektor lassen sich die zwei aufrüsten.

Der CLS rollt dank Luftfederung Airmatic (2.023 Euro) sehr sanft ab, schluckt auch tiefe Wellen souverän und nervt nicht mit Fahrwerksgeräuschen: ein Komfortcoupé, das selbst bei hohem Tempo mit sehr wirksamer Geräuschdämmung glänzt. Die können wir dem getesteten Gran Coupé nicht attestieren: Im Bereich der A-Säulen rauscht es jenseits der 150 km/h sehr vernehmlich, und das mit aktiven Stabilisatoren und verstellbaren Dämpfern (Adaptive Drive, 2.670 Euro) aufgerüstete Fahrwerk poltert hörbar, wenn es auf Querrinnen oder sehr welligen Straßen Schwerstarbeit leisten muss.

Egal, welche Dämpfercharakteristik gewählt ist: Auf schlechtem Belag gibt der BMW deutlichere Stöße in den Innenraum weiter und wippt stärker an der Hinterachse als der Mercedes. Bei Ausnutzung der maximalen Zuladung sind dann auch irgendwann die Federwegreserven aufgebraucht. Das klingt dramatischer, als es bei normaler Fahrt ist. Denn das Gran Coupé ist mit Augenmaß und ohne Härte abgestimmt. Doch an die Komfortqualitäten des mit Airmatic ausgerüsteten Mercedes reicht der BMW nicht heran.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes CLS 350 BlueEFFICIENCYBMW 640i Gran Coupé
Sitzkomfort vorn150133134
Sitzkomfort hinten1008076
Ergonomie150118115
Innengeräusche504140
Geräuscheindruck1008075
Klimatisierung504748
Federung leer200173168
Federung beladen200171163
Kapitelbewertung1000843819

 

Motor und Getriebe

Das gilt auch für die Längsdynamik. Der 306 PS starke, moderat sportlich klingende 3,5-Liter-Direkteinspritzer tritt aus dem Stand mit schönem Bums an, dreht frei und locker hoch und realisiert im Verein mit der Sieben-Stufen-Automatik souveräne Fahrleistungen.

Nur jenseits der 200 km/h tut er sich etwas schwerer, auf die versprochene Spitze von 250 km/h zu kommen. Und bei energisch durchgedrücktem Gaspedal zeigt das Getriebe mit unsanften Gangwechseln, dass es sehr wohl noch besser geht. So wie im BMW etwa. Der Dreiliter-Turbo mit der leicht rauchigen Stimme verhilft dem BMW 6er zu Fahrleistungenm, die eine Klasse über denen des CLS 350 liegen.

Bis 100 km/h nimmt ihm der 320 PS starke und mit 450 zu 370 Newtonmeter beim Drehmoment klar überlegene BMW fast eine Sekunde ab, bis 200 km/h fast vier. Dabei läuft der Reihen-Sechser noch geschmeidiger als der V6 des Mercedes und genehmigt sich auf der genormten Teststrecke mit 10,9 Liter Super lediglich 0,6 Liter mehr.

Da kann man nicht meckern, oder? Doch. Im Automatik-Modus schaltet die Acht-Stufen-Automatik hin und wieder voreilig zurück, auch wenn nur sanftes Beschleunigen gewünscht ist. Immerhin kann man dies durch Wechsel in den manuellen Modus dauerhaft verhindern; im Mercedes ist dies nicht möglich.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes CLS 350 BlueEFFICIENCYBMW 640i Gran Coupé
Beschleunigung150127134
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1509090
Getriebeabstufung1008592
Kraftentfaltung503743
Laufkultur1008588
Verbrauch325186174
Reichweite251411
Kapitelbewertung1000624632

 

Fahrdynamik

Auch in Sachen Fahrdynamik präsentierte sich der BMW-Testwagen in Vollausstattung, denn die Allrad-Integrallenkung für 1.950 Euro war ebenfalls an Bord. Sie verhilft dem 640i Gran Coupé zu einer Agilität, die angesichts des Testwagen-Leergewichts von 1922 Kilogramm (Mercedes: 1.792 kg) überrascht.

Zum hochpräzisen Einlenken gesellen sich leichtes, gut beherrschbares Übersteuern bei deaktiviertem ESP und hohe Stabilität im Grenzbereich. Doch der Mercedes CLS 350 fährt auf Augenhöhe mit, lenkt ebenfalls freudvoll und exakt ein ohne nennenswertes Untersteuern und verliert so auf dem Handlingkurs nur 0,7 Sekunden.

Der bessere Kaltbremswert (33,4 zu 35,3 Meter) ist dafür nicht wirklich eine Erklärung und die leicht bessere Traktion auch nicht. Dieser CLS ist schlicht und einfach ein sehr gut ausbalanciertes, mit viel Know-how konstruiertes Auto.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes CLS 350 BlueEFFICIENCYBMW 640i Gran Coupé
Handling1507981
Slalom1007274
Lenkung1008386
Geradeauslauf504343
Bremsdosierung301822
Bremsweg kalt15011697
Bremsweg warm150109109
Traktion1004240
Fahrsicherheit150130134
Wendekreis20128
Kapitelbewertung1000704694

 

Umwelt und Kosten

Mit 79.500 Euro kostet das BMW 640i Gran Coupé gut 14.500 Euro mehr als der Mercedes CLS 350. Auch wenn Käufer dieser Autos nicht jeden Euro umdrehen, ist dies eine Hausnummer, die sich nicht damit verargumentieren lässt, dass im BMW Leder und Sitzheizung vorn serienmäßig an Bord sind.

Der höhere Werverlust des BMW sowie etwas höhere Werkstatt- und Kraftstoffkosten tun ein Übriges, den Mercedes in diesem Kapitel zum klaren Sieger zu machen. Erfreulich und nicht zu vergessen: Für ihr Gewicht und ihr Temperament sind diese Autos erstaunlich sparsam, auch die Abgasqualität ist sehr gut – viel besser jedenfalls als zu der Zeit, als es noch keine viertürigen Coupés gab.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes CLS 350 BlueEFFICIENCYBMW 640i Gran Coupé
Bewerteter Preis6758564
Wertverlust5096
Ausstattung251414
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502720
Werkstattkosten201314
Steuer1088
Versicherung402626
Kraftstoff552928
Emissionswerte258886
Kapitelbewertung1000299266

 

Fazit

Die zweite Generation des Mercedes CLS zeigt sich in diesem Vergleich als rundum gelungen. Der CLS 350 trumpft mit viel Komfort und Fahrdynamik auf und hält den neuen Herausforderer aus München erstaunlich klar in Schach. Das BMW 640i Gran Coupé gewinnt nur das Motor/ Getriebe-Kapitel und zeigt in diesem Test unerwartete Komfortschwächen. Die Preisgestaltung ist vor diesem Hintergrund sehr ambitioniert.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes CLS 350 BlueEFFICIENCYBMW 640i Gran Coupé
Summe500031433082
Platzierung12

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