Bentley Continental GT Speed - Luxus-Coupé im Fahrbericht Fracksausen für Fortgeschrittene

29.08.2017

Der Continental GT Speed ist der schnellste Serien-Bentley aller Zeiten. Seinen Smoking zieht er beim Sport trotzdem nicht aus

Ein Sportwagen von 2,3 Tonnen? Das ist ja, als würde ein Sumo-Ringer plötzlich als 100-Meter-Sprinter antreten. Bei Olympia wäre das allenfalls eine Lachnummer. Doch auf der Straße bleibt den üblichen Verdächtigen im Lamborghini oder Ferrari das Lachen schnell im Halse stecken, wenn sich im Rückspiegel der dunkle Wabengrill eines Bentley Continental GT Speed breit macht und mit Nachdruck die Pole Position auf der linken Spur einfordert. Denn das Schwergewicht ist gedopt bis unter die Haarspitzen: Ein sechs Liter großer Zwölfzylinder mit mittlerweile 635 PS und 820 Nm lässt alles Pfunde vergessen und den Luxusliner davon stürmen wie einen Leichtathleten nach einem Anabolika-Cocktail. Nicht umsonst ist er mit 331 km/h das aktuell schnellste Serienmodell in der Bentley-Geschichte.

 

Bentley Continental GT Speed - Luxus-Coupé mit W12-Motor

Schon der normale Continental GT ist keine Spaßbremse. Selbst die beiden Achtzylinder leisten 507 oder 528 PS und schaffen mindestens 303 km/h. Und die Grundversion des W12-Motors kommt nach der dezenten Modellpflege neuerdings auf 590 PS und ist dank Zylinderanschaltung sogar mit fünf Prozent weniger Kraftsoff zufrieden. Aber mit zusätzlich 45 PS und 100 Nm bieten die Briten dem Earl in Eile mit dem „Speed“ eine Kombination aus einer Luxuslimousine mit fast schon barocker Opulenz und einem Supersportwagen mit Rennstreckensehnsucht, die weithin ihres Gleichen sucht: Lange Autobahnetappen mit Reisegeschwindigkeiten weit jenseits von 200 km/h nimmt man mit diesem Gran Tourismo auf die leichte Schulter, und kurvigen Landstraßen sieht man mit einem breiten Lächeln entgegen.
 
Natürlich lässt sich die Physik nicht vollends überlisten. Aber ein etwas hecklastig ausgelegter Allradantrieb, ein tiefergelegtes Fahrwerk mit Dämpfern, die ihre Leistung in wenigen Sekundenbruchteilen den Gegebenheiten anpassen, Bremsen, bissig wie der Hund von Baskerville und natürlich 635 wilde Pferde mit dem Dampf zweier Turbos im Nacken tun ihr Bestes, um das Gesetz von der Trägheit der Masse Lügen zu strafen – und das machen sie richtig gut: Nicht wie ein Luxusdampfer in schwerer See, sondern sauber und präzise wie eine Rennyacht beim Admirals Cup schneidet der Bentley durch die Kurven und wirft sich wacker der Fliehkraft entgegen. Klar quietschen dabei mal die fetten Reifen auf den imposanten 21-Zoll-Rädern, und das vornehme Grummeln des Zwölfzylinders ist im Sportmodus längst einem wütenden Grollen gewichen. Doch wirkt der Continental beim heißen Ritt durchs Hinterland so distinguiert und kultiviert wie James Bond, der selbst im übelsten Gemetzel noch den Smoking trägt.

Der Luxusliner fliegt mit über 300 km/h über den Asphalt

So viel Spaß die eilige Landpartie mit dem Luxusliner auch macht. Nichts geht über den Kick beim Kickdown auf einer langen Geraden: Schneller als ein Jumbojet beim Start wirft der Bentley dann seine ganze Masse nach vorn und hat schon nach 4,2 Sekunden Tempo 100 auf der Uhr. Nach neun Sekunden steht der Tacho bei 160 und danach wischen die Zahlen nur noch so vor dem Auge vorbei. Viel zu fest hat man den Blick da schon an den Horizont geheftet, damit man nur ja keine Kurve übersieht. Erst weit jenseits von 300 km/h bewegt sich der Zeiger wieder so langsam, dass ihm das Auge wirklich folgen kann. 310, 315, 320, 331 km/h – wer weit genug schauen kann und lang genug die Nerven behält, fährt so selbst italienischen Tieffliegern davon. Und wem das an Adrenalin noch nicht reicht, dem empfiehlt sich danach ein beherzter Tritt auf die Bremse. Die packt nämlich so fest zu, dass man beinahe den Fliegen an der Scheibe von innen Gesellschaft leistet. Es ist der nackte Wahnsinn, mit welchem Biss die riesigen Keramikscheiben die Fuhre zum Stehen bringen.
 
Natürlich kann man solche Erfahrungen auch in einem Mercedes S 65 AMG Coupé oder einem Audi S8 machen Doch für Bentley ist der GT Speed nicht nur eine sportliche Sonderserie. „Sondern beim Vorgänger kam diese Variante auf einen Verkaufsanteil von 50 Prozent. Da kann man kaum mehr von einem Nischenmodell sprechen“, freuen sich die Briten und wollen die Top-Version nicht als Nischenmodell verstanden wissen. Der Zuspruch freut Bentley gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen, weil er den Ruf der Briten als mittlerweile weltweit größter Hersteller von Zwölfzylindern mehrt. Und zum anderen, weil der Speed gleich noch einmal 20.000 Euro teurer ist als der herkömmliche GT und den Preis so auf stattliche 216.104 Euro treibt. Aber dafür gibt es ja schließlich auch zwei Autos in einem.

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