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VW Golf, Nissan Leaf, Ford Focus & Toyota Auris: Test

Auf dem Weg in die Zukunft

Fahrdynamik

Auch ein Elektroauto muss sich auf dem Handlingparcours beweisen. Dort fällt auf, dass die Leaf-Lenkung zu wenig Fahrbahnkontakt vermittelt. Die Aufbaubewegungen in Wechselkurven gehen ebenfalls zu Lasten der Lenkpräzision. An der Reifenhaftgrenze beginnt der Nissan Leaf deutlich zu untersteuern. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass er sich bei der Fahrsicherheit keine Blöße gibt. Simulierte Ausweichmanöver mit deaktiviertem Schleuderschutz beantwortet er mit einem moderat ausschwenkenden Heck, fängt sich aber aufgrund des vergleichsweise tiefen Schwerpunkts schnell wieder. Verbesserungspotenzial besitzt die Bremse. Einerseits erschwert ihr giftiges Ansprechen die Dosierbarkeit, andererseits ist es mit der Bremsleistung nicht allzu weit her. Ein Warmbremswert (100 auf null km/h) von 39,5 Metern wird von den Rivalen deutlich unterboten.

Der Toyota Auris Hybrid agiert gegenüber dem Leaf deutlich dynamischer. Er setzt Lenkbefehle spontaner um und wirkt deshalb spürbar handlicher. Seine Lenkung fühlt sich aber eine Spur zu leichtgängig an. Im Grenzbereich liegt er wesentlich neutraler als seinjapanischer Konkurrent. Schnell gewinnt man den Eindruck, dass das Fahrwerk mehr kann als ihm der Schleuderschutz VSC (ESP) erlaubt. Abrupte Lenkmanöver rufen diesen elektronischen Helfer umgehend auf den Plan, der dann heftiger eingreift als eigentlich nötig. Da hält sich der Golf stärker zurück. Sein ESC (ESP) regelt spürbar später und auch feinfühliger. Dadurch wirkt der Golf deutlich fahraktiver und ist letztlich auch schneller. Ein weiteres Plus des Wolfsburgers zeigt sich in der gekonnt abgestimmten Lenkung. Eine konstant gute Bremsleistung rundet das positive Bild ab. Die Sportskanone im Testfeld kommt aus Köln. Der Focus beweist einmal mehr, das man sich am Rhein auf die Konstruktion äußerst knackiger Fahrwerke versteht. Leichtfüßig wie kein Zweiter fegt er über die Handlingstrecke. Ein neutrales Eigenlenkverhalten zählt ebenso zu seinem Markenzeichen wie ein leicht eindrehendes Heck beim Gaslupfen. Das hilft ihm vortrefflich durch enge Ecken. Zugleich stanzt er mit 35,9 Metern den besten Warmbremswert in den Asphalt. Und seine Bremse lässt sich von allen Testkandidaten auch am besten dosieren.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf 1.6 TDI BlueMotionFord Focus 1.0 EcoBoostToyota Auris 1.8 VVT-i HybridNissan Leaf
Handling15058664443
Slalom10068685750
Lenkung10086827975
Geradeauslauf5043404240
Bremsdosierung3020211815
Bremsweg kalt15081747582
Bremsweg warm15086918356
Traktion10048474648
Fahrsicherheit150135128128125
Wendekreis201213129
Kapitelbewertung1000637630584543
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Umwelt & Kosten

Moderne Umwelttechnik hat ihren Preis. So verlangt Nissan für den Leaf samt Batterie immerhin satte 29.690 Euro. Der Fairness halber sei aber darauf hingewiesen, dass auch die Möglichkeit besteht, den Energiespeicher zu leasen. Dann kostet das Auto in der günstigsten Ausstattungsvariante Visia 23.790 Euro. Je nach Jahresfahrleistung und Haltedauer werden für die Batterie zwischen 79 und 142 Euro pro Monat fällig. Bezogen auf eine vierjährige Haltedauer ist der Leaf dann in der Summe immer noch deutlich teurer als die Konkurrenten. Mit dem hohen Anschaffungspreis geht der nominal höchste Wertverlust einher. Binnen vier Jahren und 80.000 Kilometern müssen laut Deutscher Automobil Treuhand (DAT) 18.794 Euro abgeschrieben werden. Da ist die gegenwärtige Steuerfreiheit für Elektroautos nur ein schwacher Trost. Punkten kann der umweltfreundliche Japaner bei den Stromkosten. Legt man den Teststromverbrauch zugrunde, kosten 20.000 Kilometer pro Jahr bei einem angenommenen Kilowattstundenpreis von 24 Cent nicht mal 1000 Euro. Das ist in diesem Test konkurrenzlos günstig. Keine Furcht müssen Kunden vor Werkstattbesuchen haben, denn laut ADAC liegt der Leaf mit 493 Euro Jahreskosten für Wartung und übliche Verschleißreparaturen auf dem Niveau der Konkurrenz. Zusätzliche Sicherheit vor hohen Reparaturkosten bietet der Japaner mit seiner fünfjährigen Garantie auf die Komponenten des E-Antriebs.

Am anderen Ende der Kostenskala liegt der Ford Focus. Mit 20.420 Euro ist er der Günstigste im Testfeld. Das gilt auch für den Wertverlust in Höhe von 12.967 Euro. Bei den Versicherungseinstufungen meinen es die Assekuranzen ebenfalls gut mit dem Kölner und verlangen für Haftpflicht und Vollkasko den niedrigsten Tarif innerhalb des Testquartetts. Da kann man als Besitzer die höchsten Kraftstoffkosten genauso gut verschmerzen wie die höchsten Werkstattkosten.

Erfreulich ist, dass Toyota die aufwändige und teure Hybridtechnik im Auris kaum teurer verkauft als VW seinen Golf TDI BlueMotion. Im Grundpreis trennen ihn mit 23.200 Euro gerade mal 125 Euro von einem fünftürigen Golf. So wird die Entscheidung zwischen einem Diesel und einem Hybrid nicht mehr zur Geld-, sondern zur Glaubensfrage.

Im Unterhalt schneidet der Wolfsburger dagegen mit niedrigeren Versicherungsprämien und weniger Wertverlust besser ab. VW-Kunden müssen sich dafür aber auch mit einer kürzeren Garantie auf die Technik zufrieden geben. Dieseltypisch ist der VW Golf auf der Kostenseite auch durch eine höhere jährliche Kfz-Steuer in Höhe von 152 Euro gehandicapt, die er aber durch die niedrigeren Kraftstoffkosten wieder ausgleicht. Was die Emissionen angeht, holt der Nissan Leaf in diesem Kapitel die Höchstpunktzahl, da bei seinem Betrieb lokal keinerlei Abgase anfallen.

Kosten / umweltMax. PunkteVW Golf 1.6 TDI BlueMotionFord Focus 1.0 EcoBoostToyota Auris 1.8 VVT-i HybridNissan Leaf
Bewerteter Preis675246264243176
Wertverlust5025252418
Ausstattung2520172218
Multimedia5019232522
Garantie/Gewährleistung5028272529
Werkstattkosten2016141515
Steuer108101010
Versicherung4036373335
Kraftstoff5547434551
Emissionswerte2522222325
Kapitelbewertung1000467482465399
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Inhaltsübersicht

Autos im Test

VW Golf 1.6 TDI BlueMotion

PS/KW 110/81

0-100 km/h in 9.80s

Vorderrad, 6 Gang manuell

Spitze 200 km/h

Preis 23.700,00 €

Ford Focus 1.0 EcoBoost

PS/KW 125/92

0-100 km/h in 10.90s

Vorderrad, 6 Gang manuell

Spitze 193 km/h

Preis 21.095,00 €

Toyota Auris 1.8 VVT-i Hybrid

PS/KW 99/73

0-100 km/h in 10.80s

Vorderrad, Planetensätze, stufenlos

Spitze 180 km/h

Preis 23.500,00 €

Nissan Leaf

PS/KW 109/80

0-100 km/h in 10.80s

Vorderrad, Konstant-Übersetzung

Spitze 144 km/h

Preis 35.090,00 €