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Rote Ampel überfahren: Fahrverbot abwenden

Rechenaufgabe hat Erfolg

Mit simpler Mathematik konnte eine Frau das Fahrverbot für das Überfahren einer roten Ampel abwenden. Wir verraten, wie das nützliche Rechen-Exempel vor Gericht funktioniert hat.

Wer von Polizisten beim Überfahren einer roten Ampel erwischt wird, kann unter Umständen mit Hilfe einer mathematischen Rechnung ein Fahrverbot umgehen. Das gilt, wenn sich der Vorwurf rein rechnerisch ausschließen und somit nachweisen lässt, dass die Ampel keinesfalls schon länger als eine Sekunde Rot zeigen konnte. Das ergibt sich aus einem Urteil des Amtsgerichts Köln, auf das der Deutsche Anwaltverein (DAV) hinweist (Az.: 815 OWi-982 Js 5076/15). Im konkreten Fall hatte eine Frau ein Bußgeld und einen Monat Fahrverbot bekommen, nachdem zwei Polizisten sie beim Überfahren einer roten Ampel beobachtet hatten. Der Vorwurf: Sie habe die Ampel nach über einer Sekunde Rot überquert. Mit einer Rechenformel konnte sie dem Gericht jedoch das Gegenteil nachweisen. So war die Dame laut Aussage der Polizisten zwei Fahrzeuglängen von der Haltelinie entfernt, als die Ampel umsprang. Das Tempolimit lag an der fraglichen Stelle bei 70 km/h. Dieser Wert wurde für die Berechnung angenommen.

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Rote Ampel überfahren, aber Fahrverbot abgewendet

Mit diesen Angaben lässt sich relativ leicht ermitteln, dass die Ampel beim Überfahren der Linie maximal eine halbe Sekunde Rot gezeigt haben konnte. Die genaue Zeit ergibt sich aus dem Verhältnis vom Abstand zur Linie und der gefahrenen beziehungsweise in diesem Fall angenommenen Geschwindigkeit von 70 km/h. Die kurze Strecke von zwei Fahrzeuglängen legt das Auto in so kurzer Zeit zurück, dass die von den Polizisten angegebene Dauer von über einer Sekunde unmöglich stimmen kann. Die Frau konnte mit ihrer mathematisch fundierten Argumentation das drohende Fahrverbot abwenden. Um ein Bußgeld von 90 Euro und einen Punkt in Flensburg kam sie aber nicht herum, denn der Rotlicht-Verstoß selbst war unstrittig. Übrigens: Auch wenn die Ampel weniger als eine Sekunde rot ist, kann der Autofahrer mit einem Monat Fahrverbot bestraft werden: Wenn eine Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer entsteht, erhöht sich das Bußgeld außerdem auf 200 Euro. Die höchste Strafe verursacht das Überfahren einer roten Ampel, wenn diese schon länger als eine Sekunde Rot zeigt und in der Folge eine Sachbeschädigung durch einen Unfall stattfindet. In diesem Fall drohen mindestens 360 Euro Geldstrafe, 2 Punkte in Flensburg, 1 Monat Fahrverbot und je nach Schwere des Falls sogar Führerscheinentzug und bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe.

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dpa/az