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Ford Ranger Facelift (2016): Vorstellung

Ford Ranger bleibt Männer-Auto

Auch nach dem großen Facelift bleibt der Ford Ranger (2016) ein rustikaler Pickup, obwohl das frische Design und viele moderne Assistenzsysteme zunächst etwas anderes vermuten lassen.

Der neue Ford Ranger steht auch nach seinem Facelift 2016 für eine Fahrzeugklasse, die sich hartnäckig gegen das Fortschreiten der Emanzipation behauptet. Natürlich dürfen Frauen nicht nur Kleinwagen fahren, doch selbst wenn sie die Kinder im SUV zur Schule kutschieren, mit Vans die Raumfahrt auf die Straße holen und zur Not sogar mal in einen Sportwagen steigen, bleiben Pickup-Trucks eine Nische, die bis heute den Männern vorbehalten ist. Denn kein Auto riecht so sehr nach dem Schweiß körperlicher Arbeit, nach Freiheit und Abenteuer und nach all den anderen Idealen, die man für gemeinhin als männlich bezeichnet, wie der moderne Pick-Up. Nirgendwo wissen sie das besser als bei Ford – schließlich verkauft der Konzern daheim in Amerika Jahr für Jahr viele Hunderttausend Exemplare des F-150 und steht damit seit Jahrzehnten an der Spitze der Zulassungstabelle. Ganz so weit ist es in Europa noch nicht, und kleiner sind die Autos bei uns natürlich obendrein. Doch auch hier wächst der Markt und mit dem neuen Ford Ranger fahren die Amerikaner ganz vorne mit. Damit das auch so bleibt, wenn jetzt zahlreiche Konkurrenten von Fiat bis Mercedes neu in die Ein-Tonnen-Klasse stürmen, haben die Amerikaner ihre Euro-Pritsche zur Mitte der Laufzeit gründlich überarbeitet. Zu Preisen ab 27.846 Euro gibt es den kultigen Kleinlaser deshalb ab sofort mit frisch geschminkter Front, aufgemöbelten Innenraum, mehr Elektronik und optimierten Motoren.

Bildergalerie: Der neue Ford Ranger (2016)

Neuer Ford Ranger bleibt rustikaler Pickup

Auf den ersten Blick nimmt der neue Ford Ranger damit ein wenig Abschied vom Abenteuerleben und rückt näher an die Zivilisation. Nicht nur die Optik wirkt moderner, auch Ausstattung und Assistenzsysteme zielen auf Weicheier und Großstadtcowboys: Tempomat mit Abstandsregelung, Helfer für Spurwechsel und Spurführung, eine elektrische Servolenkung mit viel Unterstützung beim Rangieren und mehr Präzision bei hohen Geschwindigkeiten oder die Parksensoren und die Rückfahrkamera – mit fast so viel Technik wie der Kuga kann den Ford Ranger bald jedes Kind durch enge Gassen zirkeln. Und mit der aktuellen Ausbaustufe des Infotainmentsystems Sync findet man nicht nur bis in den hintersten Winkel der Wildnis, sondern surft dort auch noch auf dem kinderleicht integrierten Smartphone: So wird Ranger Jim plötzlich zum Space Cowboy. Doch der Eindruck vom modernen Auto für moderne Menschen ist vorschnell – und falsch. Man darf sich nicht von Glanz und Gloria des Designs oder der vielen Elektronik täuschen lassen. Denn sobald man mal ein paar Meter gefahren ist, erlebt man auch den neuen Ford Ranger als rustikalen Kumpeltyp, der einen mit reichlich Platz für Leute und Ladung durch dick und dünn begleitet.

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Kräftige Motoren treiben den Ford Ranger (2016) nach vorn

Dabei helfen dem Pickup Motoren, die zwar ein bisschen kerniger klingen als in Kuga & Co und den Ranger bisweilen so kräftig durchschütteln, dass man den Termin beim Chiropraktiker gleich wieder stornieren kann. Doch dafür haben sie jede Menge Kraft und dank Start-Stopp-Automatik sowie neuer Achsübersetzungen bis zu 17 Prozent weniger Durst. Schon der Basis-Diesel kommt bei 2,2 Litern Hubraum jetzt auf 130 PS und vor allem auf 330 Newtonmeter Drehmoment. In der zweiten Ausbaustufe stehen für diesen Motor bereits 160 PS und 385 Nm im Datenblatt und wer es wirklich wissen will, fährt am besten mit einem 3,2 Liter großen und 200 PS starken Fünfzylinder, der 470 Newtonmeter auf die großen Räder wuchtet. Klar, mit einem Sprintwert weit jenseits der zehn Sekunden wird man kaum ein Ampelduell gewinnen. Doch wenn der neue Ford Ranger mit bis zu 175 km/h über die Autobahn rennt, fühlt man sich selbst auf der linken Spur nicht fremd und freut sich zum Schutz des Punktekontos plötzlich auch über die Verkehrszeichen-Erkennung.

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Zuschaltbarer Allradantrieb hilft dem Ranger im Gelände

Beim Arbeitseinsatz abseits des Asphalts hilft der zuschaltbare Allradantrieb, der bei den beiden stärkeren Motoren Standard ist. Ein kleiner Dreh auf der Mittelkonsole, schon schließt sich die Kupplung zur Vorderachse und der Ranger wühlt sich auf allen Vieren durch das Unterholz, dass es eine wahre Freude ist – zur Not sogar mit einer Getriebeuntersetzung. Dass dabei der Wendekreis deutlich größer wird und sich das Auto in engen Kurven ordentlich verspannt, muss einen nicht weiter stören. Im Gelände ist das kein Problem und in der Stadt kann man ja wieder auf Heckantrieb wechseln und den mit drei unterschiedlichen Kabinen für zwei bis Fünf Personen angebotenen Koloss schon etwas handlicher bewegen. Schließlich warten dort ganz andere Abenteuer auf den rustikalen Arbeiter. Apropos Abenteuer: Die erste abenteuerliche Reise hat der Ranger schon hinter sich, wenn er beim deutschen Händler steht. Denn gebaut wird der Pick-Up nicht in Köln oder Detroit, sondern bei Pretoria in Südafrika. Auch die Selbstabholung im Werk ist da nur etwas für echte Männer.

Thomas Geiger