Fahrbericht: Ford Focus ST 2012 mit Vierzylinder-Turbo

GTI-Schreck

Der Fünfzylinder ist Geschichte. Im neuen Ford Focus ST macht ein 250 PS starker Vierzylinder-Turbo die Musik – und die klingt richtig gut

Alle Fans des Ford Focus ST, die dem bis 2010 gebauten Fünfzylinder-Turbo nachtrauern, können jetzt tief durchatmen: Auch der Nachfolger ist ein gut klingendes Sportpaket. Und das, obwohl dem aktuell stärksten Focus ein aufgeladener Zweiliter-Vierzylinder den Marsch bläst. Die Neuauflage tönt zwar nicht ganz so charakterstark wie der Vorgänger mit seiner 1-2-4-5-3-Zündfolge, kann sich aber trotzdem hören lassen – ein Sound-Symposer überträgt das Ansauggeräusch gezielt in den Innenraum.

Doch nicht nur soundmäßig lässt das aus anderen Ford-Modellen bekannte und für den Focus ST weiterentwickelte EcoBoost-Triebwerk (unter anderem mit wassergekühltem Turbo plus spezieller Motorelektronik) kaum Wünsche offen, sondern auch in Sachen Leistung: Das Aluminium-Aggregat leistet 250 Pferdestärken und stemmt zwischen 2000 und 4500 Touren stramme 360 Newtonmeter auf die Kurbelwelle.

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Genug Power, um den knapp 1,3 Tonnen schweren Kompaktsportler mit Hilfe seines präzisen Sechsgang-Getriebes in nur 6,5 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen und mit 248 km/h an der 250er-Marke zu kratzen. Dabei gibt der Kölner die Leistung angenehm gleichmäßig und gut dosierbar ab, der schlagartig einsetzende Turbo-Punch à la Audi S3 oder Mazda3 MPS ist dem Kölner fremd. 7,2 Liter vom teuren Super Plus soll der ST verbrauchen, auf unserer ersten Ausfahrt zeigte der Bordcomputer allerdings realistischer wirkende 11,2 Liter Spritkonsum an.

STARKE TRAKTION
Für einen Fronttriebler dieser Leistungsklasse bringt der Ford Focus ST seine Kraft überaus wirkungsvoll auf den Asphalt – und das trotz des Verzichts auf die Revo-Vorderachse aus dem Über-Focus RS. Allerdings sind bei vollem Leistungseinsatz trotz TSC (Torque Steer Compensation) und elektronischer Differenzialsperre leichte Antriebseinflüsse in der mitteilsamen und erstmals variabel übersetzten Lenkung (wird mit zunehmendem Einschlag direkter) zu spüren.

Den Vorteil der geringeren Kurbelarbeit am Steuer bezahlt der Fahrer freilich mit einem extrem großen Wendekreis. Dass man es bei Ford versteht, überzeugende Fahrwerke zu bauen, ist hinlänglich bekannt. Der Focus ST macht da keine Ausnahme. Er lenkt leichtfüßig ein, untersteuert erst sehr spät und belohnt kundige Fahrer – falls gewünscht – mit einem sanft eindrehenden Heck.

Das dreistufige ESP lässt sich komplett abschalten, die Bremse sehr feinfühlig dosieren. Auf welliger Fahrbahn dürfte das straffe Fahrwerk allerdings etwas nachgiebiger sein. Adaptive Dämpfer wie bei der Konkurrenz könnten Abhilfe schaffen, sind allerdings nicht zu haben. Alles in allem ist der Focus ST ein gut ausgestatteter Kompaktsportler für 27.950 Euro, der dem Altmeister Golf GTI (210 PS für 28.485 Euro) sicher ordentlich einheizen wird.
Alexander Lidl

SPORTSKANONE ALS KOMBI
Der Dreitürer musste weichen, doch dafür ist der Focus ST nun wieder als praktischer Turnier zu haben. Nach Einschätzung der Produktstrategen wird jeder zweite Käufer diese Variante bestellen. Für 950 Euro Aufpreis gegenüber dem Fünftürer bekommt man den derzeit schnellsten Kombi der Kompaktklasse. Einziger Konkurrent ist aktuell der Skoda Octavia Combi RS mit 200 PS. Das variable Gepäckabteil des Focus Turnier fasst 476 bis 1516 Liter, die Fahrleistungs- und Verbrauchswerte entsprechen denen der Limousine.

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