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Dacia Sandero 1.2 16V 2012 im Test

Dacia Sandero 1.2 16V

Deutschlands preiswertester Neuwagen – nur ein Notbehelf für EU-Randgebiete oder vollwertiges Automobil? Das 75 PS starke Basismodell im Test

Eckdaten
PS-kW75 PS (55 kW)
AntriebVorderrad, 5 Gang manuell
0-100 km/h13.30 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit161 km/h
Preis6.790,00 €

Manchmal tut der Volksmund ja mit großer Gelassenheit tiefe Wahrheiten kund. Wie etwa in jener rumänischen Weisheit, derzufolge ein ausgeruhter Esel besser sei als ein müdes Pferd. Auf automobile Verhältnisse übertragen, beschreibt es sehr genau, warum vielen ein neuer Dacia lieber ist als ein gebrauchter Premium-Kompaktwagen.

Und gleichzeitig schmerzt der Vergleich mit dem langohrigen Nutztier uns mehr als den Dacia Sandero. Denn dass er mehr kann als nur wenig kosten, hat er etwa im AUTO ZEITUNG-Dauertest bewiesen. Ein knarzendes Kupplungspedal und ausgebrannte Glühlampen waren so ungefähr die schlimmsten Defekte, die den Sandero – allerdings in der 87-PS-Variante – über 100.000 Kilometer plagten. Das schafft Vertrauen, auch in die 6.790 teure Basisversion mit dem zwölf PS schwächeren 1,2-Liter-Triebwerk.

DAS PHÄNOMEN SANDERO
Doch selbst das sagt nur einen Teil der Wahrheit über das Phänomen Sandero. Auch wenn sich kaum ein Käufer hierzulande für die nackte Basis entscheidet, räumt die Fahrt mit dem Nullausstattungs-Dacia mit einigen lieb gewonnenen Selbstverständlichkeiten auf. Mit der etwa, dass es zum Versenken der Seitenscheiben eines elektrischen Antriebs bedarf.

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Oder der, dass nur ein höheneinstellbares Lenkrad ein gutes Lenkrad ist. Dafür lenkt der Dacia den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge im automobilen Leben: Er hat einen Motor, ein Dach und viel Platz. Alles weitere sind für ein Auto, wenn man es ganz genau nimmt, Sekundärtugenden: Nice to have, aber es geht auch ohne.

Ohne prestigeträchtigen Markennamen, ohne Klimaanlage, ohne Alu-Räder, ja sogar ohne Metalliclack. Wobei das immerhin eine der beiden Möglichkeiten wäre, den Preis über die beworbenen 6.790 Euro zu hieven, er kostet 450 Euro. Für weitere 60 Euro gibt es ein vollwertiges Ersatzrad, alle anderen lieferbaren Extras sind beim Händler zu montierendes Zubehör.

Doch selbst mit Vollausstattung, falls der Begriff hier zulässig ist, ist der Dacia Sandero immer noch einige tausend Euro billiger als die Vierstellig-Konkurrenz. Kia Picanto, Toyota Aygo oder VW Up zum Beispiel, die es auch alle für weniger als 10.000 Euro gibt. Und er hat erheblich mehr zu bieten. Raum zum Beispiel. Mit knapp über vier Meter Länge und 2,60 Meter Radstand hat er ausreichend Platz für vier bis fünf Personen und einen ordentlichen Kofferraum.

Ebenso praxisfreundlich ist die Zuladung von rund 550 kg. Der Topspeed von 161 km/h und etwas mehr als 13 Sekunden auf Tempo 100 sind nicht berauschend, aber auch nicht ärmlich. Selbst der Treibstoffkonsum fällt nicht aus dem Rahmen: 6,7 Liter Super auf der Testrunde, 0,7 mehr als Normverbrauch. Von gestern sind die Bremswege, rund 40 Meter sind ein paar zu viel. Sogar für einen frischen Esel.
Heinrich Lingner

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Dacia Sandero 1.2 16V

PS/KW 75/55

0-100 km/h in 13.30s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 161 km/h

Preis 6.790,00 €