Offroad-Reifen: Sechs Reifen für SUV & Geländewagen im Test Durch Dick und Dünn

06.09.2011

Geländewagen wie der VW Touareg vereinen ein hohes Maß an Fahrdynamik auf der Straße mit erstaunlichen Kletterkünsten im Gelände. Doch jedes Auto ist nur so gut wie seine Reifen. Darum testeten wir, welcher 4x4-Pneu Traktion und Fahrsicherheit am besten unter einen Hut bringt

Reine Traktionsprofile finden sich nur noch selten in den Radhäusern moderner Geländewagen. Weit häufiger rollen die soften Vertreter der Offroad-Fraktion auf Reifen, die für den Einsatz auf befestigten Straßen ausgelegt sind. Kann man sich auf solchen feinstolligen Pneus überhaupt noch abseits geteerter Pfade wagen? Um zu erkunden, wie weit diese Gummi-Füße im Gelände tatsächlich tragen, haben wir einen 310 PS starken VW Touareg V8 mit sechs vollgasfesten Profilen bestückt, die zwischen 240 km/h (Speedindex V) und 300 km/h (Y) verkraften. Neben Klettertugenden verlangen wir von einem 4x4-Pneu aber auch, dass er unter allen Bedingungen ein Maximum an Fahrsicherheit gewährleistet.

Im Gelände ist Zugkraft gefragt

Zunächst die Offroad-Disziplinen. Prinzipiell fällt es grobstollig profilierten Reifen leichter, sich selbst zu reinigen. Das heißt, sie schleudern den aufgesammelten Schlamm, Sand oder Schotter während der Rotation besser von sich und können sich somit beim nächsten Kontakt mit dem Untergrund umso tiefer mit dem Boden vereinen. Aber auch die Mikroverzahnung von Gummioberfläche und Fahrbahn sowie die Größe der kraftübertragenden Kontaktfläche und die Anzahl der so genannten Griffkanten beeinflussen das Ergebnis. Zu den Vertretern der grobstollige Profile zählt der Kumho Ecsta STX, der sich erwartungsgemäß wacker durchbeißt und die höchste Punktzahl im Offroad-Kapitel verbucht. Dabei gefällt er einerseits mit der absolut größten Zugkraft von 5680 Newton und überzeugt andererseits mit durchweg guten Resultaten. Dieser Reifen fühlt sich im schweren Schlamm ebenso wohl wie auf feinem Sand.

Schotterprüfung

Auch Pirelli und Hankook setzen auf ein grobschlächtiges Profil-Design, doch erreichen beide nicht die Wühler-Qualitäten des Kumho. Der Conti 4x4 Contact hingegen kommt dem Traktions-Primus dank seiner vielen Griffkanten sehr nahe. Außerdem brilliert er mit einem sicheren Fahrverhalten selbst auf Pisten mit lockerer Schotterauflage. Er überrascht seinen Fahrer nie mit giftigen Reaktionen und gestattet selbst abseits befestigter Wege ein beachtliches Maß an Lenkpräzision. Die augenscheinlichen Straßen-Spezialisten Bridgestone Turanza ER 30 und Conti 4x4 Sport Contact bringen dank der großen Aufstandsfläche auf festem Sand sehr gute Messwerte. Doch die vergleichsweise geringe Anzahl an Griffkanten lässt sie auf feuchten Wiesen rasch durchdrehen.

Rallye-Sohle

Was den Japaner jedoch weit hinter den Deutschen zurückwirft, ist die Tatsache, dass der Sport Contact über die Schotterpiste stürmt, als ginge es um die Entscheidung in der Rallye-WM, während der Turanza stoisch untersteuernd in die Ecken drängt und erheblich weniger Seitenführung aufbaut. Wo sich der Conti-bereifte VW spielerisch exakt dirigieren lässt, hat der mit den Bridgestone-Pneus besohlte Touareg Probleme, der gewählten Linie zu folgen.

Wichtig im Alltag: Fahrverhalten bei Nässe

Bei den Offroad-Versuchen liegt das gesamte Testfeld noch recht eng beieinander. Das ändert sich jedoch schlagartig, sobald es auf regennasse Fahrbahn geht. Unsere Bremsversuche aus 100 km/h fördern erhebliche Unterschiede an den Tag. Mit dem Conti 4x4 Contact ausgerüstet, steht der Touareg im Schnitt nach 72 Metern. Zweitbester Kandidat ist mit 75,7 Metern der Pirelli. Der drittbeste Reifen, der 300-km/h-Conti, braucht schon 79,3 Meter. Verglichen mit seinem Markenkollegen entspricht dies einer Restgeschwindigkeit von noch rund 30 km/h. Bridgestone (87,8 m) und Kumho (80 m) rutschen ebenfalls weit übers Ziel hinaus, doch der Hankook stellt mit 93,1 Metern einen Negativ-Rekord auf: Er passiert den Touareg mit Conti 4x4 Contact mit einer Restgeschwindigkeit von 47,6 km/h. Selbst wenn die Teststrecke einen relativ glatten Belag aufwies - solche Beschaffenheiten finden sich durchaus auch auf öffentlichen Straßen.

Immense Unterschiede beim Aquaplaning

Immense Unterschiede offenbaren sich zudem beim Aquaplaning. Hier dominiert der Bridgestone eindeutig seine Rivalen. Diese Überlegenheit kann er aber nur bedingt in Fahrsicherheit umsetzen. Erneut plagt sich der VW mit Turanza-Bereifung mit stark ausgeprägtem Untersteuern, dem mitunter giftige Lastwechselreaktionen folgen. Noch unangenehmer benimmt sich der Hankook, der sehr früh die Seitenführung einbüßt und mal unter-, mal übersteuernd über den Kurs fährt. Nässe verträgt der Ventus ST offensichtlich gar nicht gut. Wie es besser geht, demonstrieren erneut die Contis, die beide mit gutmütigen Reaktionen auf die Wünsche des Piloten antworten. Auch der Kumho und der Pirelli hinterlassen einen ordentlichen Eindruck, wobei auffällt, dass der Koreaner Lenkimpulse sehr präzise umsetzt. Bei trockenen Bedingungen rückt das Testfeld wieder enger zusammen.

Eine Wagenlänge Unterschied beim Bremsen

Den besten Bremser (4x4 Sport Contact; 38,0 m) und den schlechtesten (Scorpion Zero; 42,9 m) trennt eine volle Wagenlänge, was einer Restgeschwindigkeit von 33,8 km/h entspricht. Die Rundenzeiten auf dem Handling-Kurs liegen dafür aber auf durchweg ähnlichem Niveau. In dieser Speed-Disziplin drehen der Bridgestone und der Sport-Conti voll auf. An ihre Präzision und Fahrsicherheit reichen die Rivalen nicht heran.

Fazit: Kletterfähig

Als Fazit aus diesem Test ergibt sich, dass die vermeintlichen Straßenreifen im Gelände mehr leisten, als man ihnen zutraut. Allerdings sollte man sie dennoch nur mit Vorsicht zum Klettern nutzen. Denn ihre Konstruktion verzeiht derbe Behandlung lange nicht so gut wie ein reiner Offroad-Reifen. Wer nicht bereits im Gelände mit einem Plattfuß gestrandet ist, sollte deshalb vor der nächsten Vollgasfahrt auf der Autobahn den Reifen penibel auf eventuelle Schäden prüfen.

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