Kurzarbeit bei VW: Rechtsstreit mit Zulieferern VW droht mit Gerichtsvollzieher

19.08.2016

Kurzarbeit bei Volkswagen. Für voraussichtlich neun Tage werden die Montagebänder in mehreren Werken stillstehen. Der Grund ist ein Rechtsstreit mit zwei Zulieferern. VW erwägt, die fehlenden Teile zu beschlagnahmen.

Bei VW herrscht für voraussichtlich neun Tage Kurzarbeit, weil zwei Zulieferer aufgrund eines Rechtsstreits mit dem Autobauer ihre Komponenten zurückhalten. Etwa 20.000 Mitarbeiter könnten in den Werken Wolfsburg, Kassel, Braunschweig, Emden und Zwickau betroffen sein. Im Stammwerk ist das benötigte Material für noch etwa eine Woche vorrätig, allerdings ist der angesetzte Gerichtstermin erst Ende August. Die fehlenden Teile werden für die wichtigen Modelle Golf und Passat benötigt. Zu schaffen machen Volkswagen die beiden sächsischen Zulieferer ES Guss aus  Schönheide und Car Trim aus Plauen. Erstere produzieren sogenannte Ausgleichgetriebegehäuse für VW, Car Trim stellt Sitzbezüge her. Die beiden Betriebe gehören zum Mutterkonzern mit dem in diesem Zusammenhang unheilvollen Namen Prevent (dt. "verhindern"). Jetzt denkt der Autobauer darüber nach, die fehlenden Teile notfalls zu beschlagnahmen und bekommt dafür juristische Rückendeckung, zumindest teilweise. Gegen den Sitzbezüge-Hersteller hat der Autobauer bereits einen wirksamen Vollstreckungstitel, die Getriebeteile von ES Guss, die gegen Volkswagens einstweilige Verfügung Widerspruch eingelegt haben, werden aber wohl bis zum ersten Treffen vor Gericht nicht mehr ausgeliefert. Damit ist die "Just in Sequence"-Lieferkette natürlich nicht mehr aufrecht zu erhalten – ein Fiasko für jeden Autobauer. Mehr zum Thema: Alles zum VW-Skandal

 

VW will fehlende Teile notfalls beschlagnahmen

Es kommt jetzt darauf an, wie schnell Volkswagen Ersatz beschaffen kann, falls das überhaupt möglich ist. Wie es zu einer solchen Situation kommen konnte, ist ebenfalls unklar, die beiden VW-Zulieferer haben sich bis jetzt noch nicht zur Sache geäußert. Druckmittel, wie zum Beispiel Vertragsstrafen, die VW geltend machen könnte, scheinen sie zumindest nicht zu schrecken. Der VW-Betriebsrat spricht sogar von einem Wirtschaftskrimi, der "auf dem Rücken der Belegschaft" inszeniert würde. Möglicherweise wurde die Lage seitens des Zulieferer-Mutterkonzerns bewusst zugespitzt, da man sich mit Volkswagen bezüglich eines künftigen Entwicklungs- und Lieferprojektes nicht einigen konnte. Volkswagen pocht nun gegenüber seinen Zulieferern auf die Einhaltung der Verträge, die auch durch den Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung völlige Gültigkeit hätten. Als Konsequenz daraus könnte sich ein ziemlich einmaliges Bild in der deutschen Wirtschaftslandschaft abzeichnen: VW könnte tatsächlich unter Federführung eines Gerichtsvollziehers mit einer Armada von Lastkraftwagen auf den Hof der Zulieferer rollen und die vertraglich zugesicherten Komponenten abholen, sprich, beschlagnahmen. Was der eskalierte Streit für die VW-Kunden bedeutet, ist momentan noch nicht abzusehen.

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