Fahrbericht VW T6: Lifestyle-Limousine in XXL Zwischen Luxus und Laderampe

22.06.2015

Fahrbericht VW T6: Die Neuauflage des Alleskönners präsentiert sich auf den ersten Blick als überarbeitete Variante des T5, macht aber trotzdem vieles besser

Was der Golf für die Pkw-Welt ist, das ist der VW Transporter für die Nutzfahrzeug-Branche: Ein klassenloser Dauerbrenner, der über die Grenzen seiner Gattung hinaus gewachsen ist. Denn in mittlerweile fünf Generationen und 65 Jahren hat sich der weltweit über zwölf Millionen mal verkaufte Dauerbrenner längst vom rustikalen Kastenwagen zu einer Luxus- oder Lifestyle-Limousine im Format XXL entwickelt, die schnell auch mal sechsstellige Preise erzielt.

 

Fahrbericht VW T6: Lifestyle-Limousine in XXL

Egal ob Anstreicher oder Angeber, Frachtkurier, Fußballtrainer, Familienvater oder Firmenchef, Weltenbummler oder Werkstattmeister – sie alle warten deshalb gespannt darauf, wenn VW nach einer gefühlten Ewigkeit von zwölf Jahren Ende Juni zur T-Time bittet und endlich den T6 in den Handel bringt. Die erste Überraschung erleben sie dabei vielleicht schon beim Blick in die Preisliste. Denn mit einer neuen Modellstruktur und Einsparungen im gesamten Prozess wird zumindest der Einstieg etwas günstiger und beginnt nun bei 29.952 Euro.

Ein richtig neues Auto sehen sie dabei nicht. Zwar haben die Niedersachsen das Blech frisch aufgebügelt, die Kanten betont und den Charakter gestärkt. Und in Hannover reden sie beständig von der neuen Generation und wiederholen die Sechs im Typenkürzel, als wäre es ihr ganz persönliches Mantra. Doch während die Mercedes V-Klasse als einziger ernstzunehmender Konkurrent gerade einen riesigen Satz gemacht hat, ist der Generationswechsel beim Transporter nur ein kleiner Hüpfer.

Das Format bleibt unverändert, die Grundkonstruktion wird übernommen und am Gewicht ändert sich deshalb auch nichts. Auch die üppige Modellpalette kennt man schon. Aber was sollten die Niedersachsen auch noch Neues bringen, wenn sie mit den drei Grundvarianten Transporter, Caravelle und Multivan sowie dem Camping-Ausbau California, zwei Radständen, drei Dachhöhen und Bauformen vom Kasten- bis zum Pritschenwagen, mit Front- oder Allradantrieb sowie mit Schaltung oder DSG-Automatik schon bislang fast alles abgedeckt haben? Über 500 Varianten lassen schließlich wenig Raum für neue Spielarten.

Am deutlichsten spürt man die unterschiedliche Schrittweite von T6 und V-Klasse jedoch bei der Ausstattung. Denn selbst wenn die Nutzfahrzeugsparte die Regale in Wolfsburg ordentlich geräubert hat und neben überfälligen Selbstverständlichkeiten wie den elektrisch verstellbaren Sitzen, der elektrischen Heckklappe oder der beheizten Frontscheibe jetzt auch ein paar moderne Extras wie die LED-Scheinwerfer oder den Tempomat mit Abstandsregelung eingebaut hat, ist die Liste deutlich kürzer als bei den Schwaben: Aktive Spurführung, Einparkautomatik, ein Touchpad fürs Navi und ein Ambiente wie in der S-Klasse – das kann der T6 nicht bieten.

Natürlich wären ein paar dieser Extras nicht schlecht. Doch im Grunde ist es ein Segen, dass auch der neue Transporter ganz der Alte ist. Schließlich kann eine Idee, die so alt und bewährt ist und weltweit so gut ankommt, nicht ganz schlecht sein. Und spätestens wenn man beim Blick ins ordentlich aufgemöbelte Cockpit erkennt, dass sich doch einiges geändert hat und man sich trotzdem vertraut fühlt wie an seinem Stammplatz, dann ist die Welt wieder ganz in Ordnung.

Erst recht, wenn man sie wie vom Hochsitz sieht und von jedem Platz aus mitleidig hinab auf die anderen Autofahrer schaut. Aus der ersten Reihe, weil man sich fühlt wie der König der Straße, weil Aus- und Übersicht mustergültig sind und man sich bequem recken und strecken kann. Und aus dem Fond, weil man in kaum einem anderen Auto so viel Platz und so viele Möglichkeiten hat wie im T6. Selbst ein Sharan ist eine enge Büchse gegen diese Einraum-Wohnung auf Rädern, in der bis zu sechs Passagiere dank der variablen Sitzlandschaft regelmäßig Reise nach Jerusalem spielen können. Nur zum Ausbauen der Sitze oder Bänke braucht man noch immer arg viel Kraft und einen großen Keller.

So vertraut sich der VW T6 deshalb anfühlt, ist das Fahrerlebnis trotzdem überraschend neu. Weniger, weil die zwei Benziner und vier Diesel von 84 bis 204 PS im Schnitt einen Liter weniger brauchen. Die Prüfstandswerte lassen sich in der Praxis mit diesem Auto nicht einmal Ansatzweise erreichen und zumindest den Privatkunden ist der Verbrauch dieses Riesen auch herzlich egal. Sondern vor allem, weil der Transporter ein ganz neues Niveau an Fahrkultur erreicht: Die neuen Diesel sind flüsterleise, mit der optionalen Verstelldämpfung bügelt der Bulli endlich die Straße und in tausenden grummelnden Kindermägen kehrt Ruhe ein. Und wenn man sich den Luxus des famosen 204 PS-Spitzendiesels leistet, kann man mit den soliden 450 Nm nicht nur in 9,8 Sekunden von 0 auf 100 sprinten, sondern zum ersten Mal mit einem VW Bus ab Werk auch die 200 km/h-Marke knacken. Denn mit genügend Anlauf schafft es der starke TDI immerhin auf 203 Sachen.

Das Design vertraut, die Motoren zumindest aus anderen Baureihen bekannt und bei den Assistenzsystemen allenfalls zweiter Sieger: Natürlich hätte man nach mehr als zehn Jahren ein paar größere Sprünge erwarten können. Aber vielleicht ist es auch einfach so, dass VW seine Kunden besonders gut kennt und weiß, wie treu die Transporter-Käufer sind und wie wenig sie Lust auf Veränderungen haben. Nicht umsonst hat der T5 in seinem letzten Jahr sogar noch einmal um 20 Prozent zugelegt.

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