VW Passat Variant 2.0 TDI (B7): Dauertest Passat-B7 im 100.000-km-Test

von Marcel Kühler 20.06.2017
Inhalt
  1. Passat Variant (B7) im Dauertest
  2. Federungskomfort nicht überzeugend
  3. Dauertest-Kosten für Passat Variant
  4. TECHNIK
  5. PREISE / UNTERHALT
  6. TESTBETRIEBSKOSTEN

Geschafft – der VW Passat Variant 2.0 TDI (B7) hat den stressigen AUTO ZEITUNG-Dauertest hinter sich gebracht. Dabei erwies sich das Erfolgsmodell aus Wolfsburg als Musterschüler.

Neben dem Golf ist der Passat das wichtigste Fahrzeug der Marke Volkswagen. Seit vielen Jahren zählt das nach einem Tropenwind benannte Erfolgsmodell zu den meistverkauften Fahrzeugen der Mittelklasse – auch international. Ein Status, den sich die Wolfsburger mit großer Akribie erarbeitet haben. Von Generation zu Generation wurde der Passat reifer, geräumiger, praktikabler und auch edler. Die aktuelle Ausbaustufe vom Typ B7, die seit November des Jahres 2010 auf dem Markt ist, überzeugt seit jeher durch das üppige Raumangebot, den kultivierten Fahrkomfort, die zahlreichen Sicherheitssysteme und das vielfältige Motorenangebot. Dank seiner ausgewogenen Eigenschaften hat der Bestseller bereits etliche Vergleichstests in der AUTO ZEITUNG für sich entscheiden können. Doch wie ist es um die Langzeitqualität des großen VW bestellt? Die Antwort darauf liefert einmal mehr der 100.000-Kilometer-Dauertest, dem sich ein tornadoroter Passat Variant 2.0 TDI BlueMotion Technology mit Doppelkupplungsgetriebe DSG, Highline-Ausstattung und allerlei weiteren Extras stellen musste.

Neuheiten VW Passat B8 (2014)
VW Passat B8 (2014): Preis & Ausstattung  

Alle Preise für den B8 Passat

Fakten zum VW Passat im Video:

 
 

Passat Variant (B7) im Dauertest

Dass der Passat längst nicht mehr zu den Sonderangeboten in der Mittelklasse zählt, ist kein Geheimnis. 2011, zu Beginn des Dauertests, betrug der Grundpreis für den Passat Variant 2.0 TDI Highline bereits 37.875 Euro. Unser Testwagen toppte dies mit einem saftigen Gesamtpreis von 53.429 Euro allerdings deutlich. Verantwortlich für den gewaltigen Aufschlag auf den Basispreis waren die zahlreichen Extras, mit denen der Marathonläufer ab Werk bestückt worden war. Zu den gebotenen Annehmlichkeiten zählten unter anderem die Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht (1430 Euro), die adaptiven Dämpfer DCC (1085 Euro), eine Standheizung (1500 Euro), die automatische Distanzregelung mit City-Notbremsfunktion (1210 Euro) und das Navigationssystem RNS 510 (2055 Euro) mit klangstarken Dynaudio-Lautsprechern (1200 Euro). Kein Wunder also, dass sich der top ausgestattete Kombi schnell zum Redaktionsliebling entwickelte, wenn es darum ging, weite Distanzen zu überbrücken. Das lag jedoch nicht nur an den zahlreichen erwähnten Komfortmerkmalen. Auch das üppige Platzangebot trug einen großen Teil zu seiner Beliebtheit bei. So lernte beispielsweise unser Fotografen-Team – stets mit schwerem und sperrigem Gepäck unterwegs – die Vorzüge des riesigen Kofferraums und der hohen Zuladung von 613 Kilogramm schnell zu schätzen. So notierte Fotografin Daniela Loof im Fahrtenbuch stellvertretend für alle Vielbepackten: „Super, was da alles reingeht. Selbst sperrigste Koffer sind kein Problem für den Passat. Toll ist zudem die niedrige Ladekante.“ In Sachen Sitzkomfort stellte der Wolfsburger dagegen nicht alle restlos zufrieden. Redakteur Gerrit Reichel hielt fest: „Die vorderen Sitze sind sehr bequem, doch der Seitenhalt könnte etwas besser sein.“ Dagegen befand der hochgewachsene geschäftsführende Redakteur Karsten Rehmann: „Mir ist der Fahrersitz zu weich gepolstert. Außerdem passt die Lehnenkontur nicht wirklich für meine Größe.“

 

Federungskomfort nicht überzeugend

Keinen Anlass zur Kritik gab die Material und Verarbeitungsqualität im Interieur. Sämtliche Oberflächen entsprechen Premium-Standards und somit auch dem aufgerufenen Preis. Einzig eine dezente Dröhnfrequenz aus dem Armaturenträger beim Beschleunigen aus sehr niedrigen Motordrehzahlen trübte im Test das Bild von der nahezu burgähnlichen Solidität des Innenraums etwas. Darüber hinaus offenbarte der Passat beim Fahren ein paar kleinere Schwachpunkte. Zwar erhielten das niedrige Geräuschniveau und der sparsame sowie kräftige Motor durchweg gute Noten, doch der Federungskomfort ließ einige Wünsche offen. Testredakteur Elmar Siepen brachte es auf den Punkt: „Die Federungseigenschaften sind selbst im Comfort-Modus der adaptiven Dämpfer nicht optimal. Kurze Stöße werden relativ schlecht absorbiert.“ Dieser Meinung schloss sich Karsten Rehmann an: „Selbst auf topfebener Landstraße sind stets leichte Karosseriebewegungen festzustellen.“ Als störender empfanden wir jedoch die relativ rustikale Arbeitsweise des Doppelkupplungsgetriebes beim Start. Der Kraftschluss erfolgte vor allem im kalten Zustand des DSG beim Anfahren nahezu digital und stets begleitet von einem unschönen Rucken. Online-Redakteur Benny Hiltscher: „Beim Ein- und Ausparken nervt das DSG, weil sanftes Anrollen nur sehr schwer möglich ist.“ Testredakteur Paul Englert missfiel zudem die Start-Stopp-Automatik: „Das System ist nicht gut abgestimmt und funktioniert nicht im Auto-Hold-Modus. Es braucht relativ lange, bis Motor und Getriebe wieder betriebsbereit sind. Zügig von der Ampel wegfahren, nachdem der Motor kurz Pause hatte, ist ohne starkes Rucken fast nicht möglich.“

Dauertest VW Passat 2.0 TDI
VW Passat 2.0 TDI: Test  

100.000 Kilometer im VW Passat (Zwischenbericht)

 

Dauertest-Kosten für Passat Variant

100.000 Kilometer sind auch für ein modernes Fahrzeug kein Pappenstiel. Im AUTO ZEITUNG-Dauertest kommt erschwerend hinzu, dass die Distanz zweieinhalb Mal um die Erde quasi im Zeitraffer abgespult wird und der Testaspirant vielen verschiedenen Fahrern mit unterschiedlichen Fahrstilen „ausgeliefert“ ist. Umso bemerkenswerter ist das gesamte Erscheinungsbild, das unser Passat nach den Strapazen immer noch abgibt. Der rote Lack glänzt beinahe wie am ersten Tag, und das Interieur weist so gut wie keine Verschleißerscheinungen auf. Die Alcantara-Leder-Kombination präsentiert sich makellos, und Klapper- oder Knistergeräusche kennt der solide Passat nach der hohen Laufleistung ebenfalls nicht. Selbst neuralgische Stellen wie das Lenkrad, der Handbremshebel oder der Schaltknauf zeigen sich gänzlich unbeeindruckt von den zahlreichen Berührungen und befinden sich immer noch in einem annähernd neuwertigen Zustand. Am Fahrwerk ging der harte Langzeittest indes nicht ganz so spurlos vorbei. Von der Hinterachse gelangt beim Überfahren kleinerer Asphaltunebenheiten mittlerweile ein leichtes Poltern in die Fahrgastzelle. Und auch die Dämpfer haben scheinbar den Spätherbst ihres Lebenszyklus erreicht, wie das im Vergleich zum Neuzustand leicht schwammige Fahrgefühl – gerade im gern genutzten Comfort-Modus – zeigt. Zu den Kosten: Außer den notwendigen Betriebsmitteln wie Kraftstoff und Öl sowie den normalen Wartungen benötigte der Passat keinerlei Zuwendungen. Sprich: Die 100.000 Kilometer absolvierte unser Dauerläufer ohne einen einzigen Defekt – chapeau! Der kräftige Motor begnügte sich trotz vieler Vollgas-Etappen auf diversen Autobahnen während der gesamten Testdauer durchschnittlich mit 7,7 Litern je 100 Kilometer, was das Budget ebenso schonte wie die relativ günstigen Versicherungseinstufungen. Allerdings ist der Wertverlust heftig. Nach DAT-Schätzung liegt der Händlereinkaufspreis des einst 53.429 Euro teuren Variant bei 18.575 Euro, was einem Wertverlust von satten 65 Prozent, was allerdings auch auf den hohen Ausrüstungsgrad mit teuren Extras zurückzuführen ist.

 

TECHNIK

 
 VW PASSAT VARIANT 2.0 TDI
Motor4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel,
Partikelfilter
NockenwellenantriebZahnriemen
Hubraum1968 cm³
Leistung
bei
125 kW / 170 PS
4200 /min
Max. Drehmoment
bei
350 Nm
1750 – 2500 /min
Getriebe6-Gang, Doppelkupplung
AntriebVorderrad
Fahrwerkvorn:
McPherson-Federbeine,
Querlenker, Stabi.;
hinten:
Mehrfachlenkerachse,
Federn, Stabi;
rundum:
adaptive Dämpfer (Opt.); ESP
Bremsenvorn:
innenbelüftete Scheiben;
hinten:
Scheiben;
ABS, Bremsassistent
Bereifungrundum:
235 / 45 R 17 W
Felgenrundum:
7,5 x 17
L / B / H4771/1820/1516 mm
Radstand2712 mm
Leergewicht / Zuladung²1597/613 kg
Kofferraumvol.603 – 1721 Liter
AbgasnormEuro 5
Typklassen16 HP/22 VK/25 TK
FAHRLEISTUNG /
VERBRAUCH
 
0-100 km/h²8,6 s
Höchstgeschwindigkeit¹223 km/h
EU-Verbrauch¹5,2 l D/100 km
AZ-Normrunde²6,7 l D/100 km
Dauertest-Verbrauch²7,7 l D/100 km
KOSTEN 
Grundpreis37.875 €

¹ Werksangaben; ² Messwert

 

PREISE / UNTERHALT

 
 NEUPREIS / RESTWERT
Neupreis Testwagen ¹53.429 €
Schätzpreis nach 100.000 km ²18.575 €
Neuwagenpreis heute55.165 €
 FIXKOSTEN PRO JAHR
Steuer226 €
Haftpflichtversicherung HP 16368 €
Vollkasko VK 22695 €
Teilkasko TK 25249 €
  

TESTBETRIEBSKOSTEN

Kraftstoff: 7654,96 Liter Diesel
Preis: 1,47 € / Liter
11.252,79 €
Ölverbrauch 2,5 Liter
Preis ca: 25,50 €
63,75 €
Wartung, Ölservice,
Verschleißteile
3092,01 €
Reparaturen-
Wertverlust34.854 €
Kosten pro km ohne Wertverlust0,14 €
Kosten pro km mit Wertverlust0,49 €

¹ inklusive Sonderausstattung; ² Händler-Einkaufspreis nach DAT-Schätzung

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Dass der VW Passat einer der erfolgreichsten Mittelklässler ist, kann niemanden verwundern. In unserem Dauertest offenbarte er eine Langzeitqualität auf Top-Niveau. Kein Defekt konnte den VW stoppen. Dazu ist er sehr praktisch und genügsam beim Kraftstoffkonsum. Lediglich einige kleinere Störfaktoren wie das schroffe Doppelkupplungsgetriebe und das merklich gealterte Fahrwerk trüben das Bild ein wenig. Und: Ein billiges Vergnügen ist der Passat nicht. Die Extras gehen ins Geld.

Tags:
Severin Elektrische Kühlbox
UVP: EUR 123,99
Preis: EUR 77,19
Sie sparen: 46,80 EUR (38%)
Nulaxy FM Transmitter
 
Preis: EUR 23,89 Prime-Versand
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.