Opel Tigra Twintop und Peugeot 206 CC im Test Kleine Cabrios im Vergleich - Luft geholt

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Goldene Herbsttage sind Cabrio-Tage die letzte Gelegenheit, bei Open-Air-Touren noch einmal tief durchzuatmen. Opel Tigra TwinTop und Peugeot 206 CC verwandeln sich anschließend dank festem Klappdach vom Cabrio in wintertaugliche Coupés. Neu beim Peugeot: der sparsame und saubere 1,6-Liter-Diesel

Nachdem Peugeot schon vor fünf Jahren die Kleinwagen-Klasse mit einem Cabriolet mit versenkbarem Festdach bereichert hat, zog Opel 2004 mit dem Tigra TwinTop nach. Nun sind die Franzosen wieder einen Schritt voraus: Der 206 CC 1.6 HDi ist das erste kleine Cabrio mit Dieselmotor. Die Idee vom sparsamen Selbstzünder im offenen Auto ist nichts grundlegend Neues. Audi wagte diesen Schritt in seinem Cabrio bereits 1995 mit dem 1,9-Liter-TDI. Doch erst Peugeot entdeckte den Kleinwagen dafür.

 

Karosserie

Böse Zungen behaupten, dass Cabriolets vom Schlage eines Opel Tigra TwinTop oder Peugeot 206 CC vor allem für zierliche Frauen konstruiert worden sind. Diese Behauptung ist nicht nur auf das knuffige Aussehen der kleinen Open-Air-Verwandlungskünstler zurückzuführen: Innen geht es vor allem beim 206 CC so beengt zu, dass groß gewachsene Zeitgenossen in eine Sitzposition gezwungen werden, die mit entspanntem Offenfahren wenig zu tun hat. Auch die flach stehenden Windschutzscheiben tragen nicht zu einem luftigen Raumgefühl bei. Zwar verfügt der Peugeot noch über zwei Notsitze, doch die taugen lediglich für Kleinkinder oder als Gepäckablage. Dieser zusätzliche Stauraum ist auch dringend nötig, denn der zerklüftete Kofferraum des 206 CC fasst bei geöffnetem Dach gerade mal 150 Liter. Im Tigra stehen offen immerhin noch 250 Liter zur Verfügung; hinter den Sitzen nimmt ein Staufach Kleinkram wie Taschen oder Jacken auf. Ist das Dach geschlossen, fühlt man sich im Tigra aufgrund der stark eingezogenen Dachholme in seiner Bewegungsfreiheit beschränkt. Die Verwindungssteifigkeit ist bei beiden Cabrios gut. Offen fahren bringt die Freiheit, die CC- und TwinTop-Käufer meinen. Während sich der Tigra auf Knopfdruck in knapp 20 Sekunden vom Coupé zum Cabriolet verwandelt, lässt sich der 206 CC für diese elementare Übung rund acht Sekunden mehr Zeit. Beide Autos haben je zwei Verriegelungsbügel.

KarosserieMax. PunkteOpel Tigra TwinTop 1.8Peugeot 206 CC 1.6 HDI FAP
Raumangebot vorn1004146
Raumangebot hinten1006
Übersichtlichkeit704249
Bedienung/ Funktion1008271
Kofferraumvolumen1002718
Variabilität10055
Zuladung/ Anhängelast80721
Sicherheit1505868
Qualität/ Verarbeitung200150133
Kapitelbewertung1000412417

 

Fahrkomfort

Beide Cabrio-Coupés sind keine Komfort-Kavaliere. Der Peugeot reagiert vor allem auf Querfugen bockig und gibt Fahrbahnunebenheiten über seine Drehstabfederung an der Hinterachse knackig an die Passagiere weiter. Der Tigra ist zwar weicher gefedert, was sich auch in einer größeren Seitenneigung in Kurven bemerkbar macht, agiert aber ebenfalls sportlich-straff. Beladen lässt der Federungskomfort jeweils noch einmal nach. Die Sitze sind bei beiden Konkurrenten ausreichend bequem. Da sich die Lenkräder nicht axial verstellen lassen, ist es besonders beim Peugeot schwierig, eine entspannte Sitzpostion zu finden. Die Lordosenunterstützung ist beim Franzosen zu gering. Dass der 206 CC 1.6 HDi von einem Diesel angetrieben wird, bleibt den Passagieren nie verborgen. Statt gepflegter Orchestermusik dringt volkstümlicher Selbstzünder-Klang an ihre Ohren; das kann auf die Dauer nerven und kostet den Peugeot in diesem Kapitel einiges an Punkten. Die Innengeräuschmessungen bestätigen den subjektiven Eindruck.

FahrkomfortMax. PunkteOpel Tigra TwinTop 1.8Peugeot 206 CC 1.6 HDI FAP
Sitzkomfort vorn1508084
Sitzkomfort hinten1006
Ergonomie1508870
Innengeräusche50236
Geräuscheindruck1002821
Klimatisierung501820
Federung leer200110105
Federung beladen20010393
Kapitelbewertung1000450405

 

Motor und Getriebe

Der kleine HDi-Diesel hat aber auch handfeste Vorteile. Da ist zuallererst der Verbrauch zu nennen: 6,8 Liter pro 100 km ergeben nicht nur fast 700 Kilometer Reichweite, sondern schonen vor allem den Geldbeutel. Der Opel verbraucht mit durchschnittlich 9,2 Liter Super pro 100 km für einen Kleinwagen zu viel; seine Reichweite liegt bei knapp 500 Kilometer. Mit seiner hohen Durchzugskraft aus niedrigen Drehzahlen erlaubt der serienmäßig mit einem Rußpartikelfilter (FAP) ausgestattete 206 HDi schaltfaules Fahren. Der Selbstzünder hält gegenüber dem zwar etwas brummigen, aber drehfreudigen 1,8-Liter-Benziner im Tigra bei der Beschleunigung noch mit, fällt aber bei der Höchstgeschwindigkeit um 14 km/h zurück. Da machen sich die 16 PS weniger bemerkbar. Bei beiden Open-air-Autos ist die Fünfgang-Schaltung etwas zu hakelig, um wahre Freude zu bereiten.

Motor und GetriebeMax. PunkteOpel Tigra TwinTop 1.8Peugeot 206 CC 1.6 HDI FAP
Beschleunigung150133125
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1507460
Getriebeabstufung1006066
Kraftentfaltung503338
Laufkultur1004844
Verbrauch325148172
Reichweite251425
Kapitelbewertung1000510530

 

Fahrdynamik

Kleine Cabriolets sollen Freude am Fahren vermitteln - und das nicht nur dadurch, dass der Wind in den Haaren spielt. Für Peugeot bedeutet Fahrspaß im Kleinwagen-Segment nicht zuletzt seit den Zeiten des seligen 205 GTI eine neutrale Fahrwerksauslegung und eine direkte Lenkung. Auf dem Handlingparcours äußert sich dieser Charakter beim 206 CC mit einer etwas nervösen Heckpartie. Ausgesprochen fahraktive Naturen können das serienmäßige ESP zwar abschalten, müssen sich dann aber auf starke Lastwechselreaktionen mit einem ausbrechenden Heck gefasst machen. Die spät eingreifende Fahrdynamikregelung sollte also stets aktiviert bleiben. Der Opel Tigra ist dagegen konsequent leicht untersteuernd ausgelegt. Seine exakt arbeitende Lenkung erfordert deshalb etwa beim Slalom größere Lenkwinkel. Das nicht abschaltbare elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) hält den TwinTop stets sicher in der Spur. Das Fahrverhalten des Opel ist zwar weniger sportlich als beim Peugeot, aber Sportwagen wollen die Kleinen ja auch nicht sein. Die Bremsen zeigen sich bei beiden Klappdach-Cabriolets gut dimensioniert und standfest. Die gemessenen Bremswege aus 100 auf null km/h sind mit 37,8/36,9 Meter kalt/warm (Opel) respektive 37,0/36,8 Meter (Peugeot) durchaus zeitgemäße Werte.

FahrdynamikMax. PunkteOpel Tigra TwinTop 1.8Peugeot 206 CC 1.6 HDI FAP
Handling1507570
Slalom1004840
Lenkung1005961
Geradeauslauf504040
Bremsdosierung303841
Bremsweg kalt150112120
Bremsweg warm150121122
Traktion1003129
Fahrsicherheit15010796
Wendekreis201113
Kapitelbewertung1000642632

 

Umwelt und Kosten

Dank serienmäßigem Partikelfilter erreicht der Peugeot die Abgas-Norm EU 4, was die Steuer niedrig hält. Seine laufenden Kosten liegen insgesamt auf dem Niveau des Opel. Wer viel unterwegs ist, kann beim 206 HDi jedoch einiges am Kraftstoff sparen. Zwar ist der Peugeot in der Anschaffung mit der AZ-Normausstattung etwas teurer, doch dafür sind bei ihm die Leichtmetallräder bereits im Preis enthalten. Beide Cabrio-Coupés sind moderne, im Unterhalt günstige Spaßmobile, die Genuss ohne finanzielle Reue versprechen.

Kosten/UmweltMax. PunkteOpel Tigra TwinTop 1.8Peugeot 206 CC 1.6 HDI FAP
Bewerteter Preis675377374
Wertverlust508382
Ausstattung254344
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501819
Werkstattkosten204142
Steuer104433
Versicherung403736
Kraftstoff553642
Emissionswerte258584
Kapitelbewertung1000764756

 

Fazit

Ein kleines Cabriolet mit Dieselmotor - macht das Sinn? Ja und nein. Niedriger Verbrauch ist die eine Seite der Medaille, ein auf die Dauer nerviges Motorgeräusch vor allem beim Offenfahren die Kehrseite. Bedenken, dass Dieselabgas-Schwaden in den Innenraum ziehen wie der Rauch vom Holzkohlengrill des Nachbarn auf den eigenen Balkon, muss man indes nicht haben: Dank serienmäßigem Partikelfilter FAP ist der Peugeot HDi so sauber wie es ein moderner Diesel sein soll. Nicht ganz so zeitgemäß ist die Fahrwerksauslegung des 206 CC: übersteuern ist bei Fronttrieblern out, auch wenn so ein Fahrverhalten dem Geübten durchaus Spaß machen kann. Der Opel Tigra gibt sich da als Musterknabe. Er punktet zudem mit seiner komfortableren Federung und dem größeren Stauraum. Unterm Strich ist die Kaufentscheidung also reine Geschmackssache.

Gesamtbewertung

Max. PunkteOpel Tigra TwinTop 1.8Peugeot 206 CC 1.6 HDI FAP
Summe500027782740
Platzierung12

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