Opel Karl im Fahrbericht: So fährt der kleine Rüsselsheimer Karl statt cool

04.06.2015

Jetzt stellt Opel dem stylischen Adam einen praktischen Spießer zur Seite. Macht er auf der Straße eine gute Figur? Die Antwort liefert der Fahrbericht

Der Opel Adam bekommt einen Bruder: Am 20. Juni bringen die Hessen für einen Kampfpreis von 9.500 Euro ihr neues Einstiegsmodell Karl an den Start. Benannt nach dem ältesten Sohn des Firmengründers Adam Opel, aber entwickelt in Kooperation mit Chevrolet und gebaut in Korea,  soll er all jene Kunden ansprechen, denen der Preis wichtiger ist als der Charme und für die das Platzangebot mehr zählt als die Palette der Farben.

 

Fahrbericht Opel Karl: So fährt der kleine Rüsselsheimer

Deshalb ist der 3,68 Meter lange Karl vielleicht nicht ganz so bunt und flippig wie der Adam, gibt dafür aber den praktischen Spießer. Nicht nur, dass er im Gegensatz zu seinem coolen Bruder vier Türen hat. Sondern vorn ist die Kopffreiheit deutlich größer und hinten kann man tatsächlich sitzen – auch wenn man dann natürlich in der ersten Reihe ein bisschen Rücksicht nehmen muss. Selbst der Kofferraum macht seinem Namen alle Ehre und schluckt zur Not zumindest zwei Bord-Trolleys.

Aber man muss den Opel Karl weniger mit dem Adam und erst recht nicht mit dem Corsa vergleichen, sondern vor allem mit Autos wie dem VW Up, dem Ford Ka oder dem Renault Twingo. Stilistisch gehört er unter den Stadtzwergen eher zu den konservativeren, man könnte auch sagen, langweiligeren Autos. Denn eine lächelnde Spange im Kühler und eine Sicke in der Seite machen aus einem Kleinwagen noch keinen Herzensbrecher. Doch sein Platzangebot ist überdurchschnittlich, der Preis ist mehr konkurrenzfähig und Details wie ein tatsächlich geschlossenes Handschuhfach oder die hinteren Seitenscheiben machen durchaus einen Unterschied. Denn wo in anderen Autos der Kleinkram offen liegt, kann man ihn hier Blickdicht wegpacken. Und während man die Fenster im Fond bei Up & Co nur ausstellen kann, lassen sie sich beim Karl – auf Wunsch sogar elektrisch – versenken. Von Extras wie dem beheizten Lenkrad, der Spurführungshilfe, der Option auf Apple Carplay und demnächst sogar OnStar ganz zu schweigen.

Allerdings gibt es all das nicht zum Nulltarif. Denn auch wenn die 9500 Euro ein Kampfpreis sind, der Karl 2 500 Euro billiger ist als der Adam und Konkurrenten wie der VW Up oder der Hyundai i10 durch die Bank mehr kosten, kommt man so günstig natürlich kaum davon. Außer Pflegediensten und Pizzaflitzern wird niemand mit einem derart nackten Auto Vorlieb nehmen. Und wenn man all die Errungenschaft mit bestellt, auf die Opel zurecht stolz ist bei einem Kleinwagen, dann macht man für 850 Euro ein Kreuz beim Cool & Sound-Paket mit Klima und Radio, für bestellt für 500 Euro Sitz- und Lenkradheizung, für 250 Euro die Parkpiepser und für 850 Euro das Schiebedach und hat am Ende doch ganz schnell 1 2000 Euro oder mehr zusammen.

Wenigstens beim Antrieb sind keine Entscheidungen gefordert. Denn bei den Motoren herrscht bei Opel zumindest am Anfang noch Monokultur. Es gibt lediglich einen Dreizylinder von einem Liter Hubraum, der auf 75 PS kommt und mit 96 Nm zur Sache geht. Das reicht nicht zum Rasen, und mit dem hakeligen Fünfgang-Getriebe muss man auch erst einmal einen geruhsamen Start hinbekommen. Doch wenn der Karl mal läuft, dann läuft er. Von 0 auf 100 in 15,5 Sekunden sind zwar eine arge Geduldsprobe, aber mit 170 km/h fühlt man sich auch auf der Autobahn nicht untermotorisiert. An das typische Brummen des Dreizylinders kann man sich dabei schon gewöhnen, die Vibrationen spürt man irgendwann gar nicht mehr und wenn man nur lang genug mit der Bestellung wartet, haben die Hessen vielleicht auch noch die Start- Stopp-Automatik fertig entwickelt, die dem Karl bislang noch fehlt. Dann sollen sogar Verbrauchswerte unter vier Litern statt aktuell bestenfalls 4,3 Liter drin sein, stellt ein Entwickler in Aussicht.

Opel Karl - Einstiegsmodell mit leichten Schwächen

Zwar spricht Opel vom smarten Einstiegsmodell und legt Wert auf die attraktive Positionierung. Doch merkt man dem Kleinwagen den Kampf um den günstigen Preis dafür auch an. Dass er es nicht so bunt treibt wie der Adam ist ja ok, zehn Farbtöne sich schließlich besser als nichts. Und das unterschiedlich abgesetzte Grau im Innenraum haben uns die Asiaten jahrzehntelang schmackhaft gemacht. Doch auch bei einem 10 000 Euro-Auto muss das Cockpit heute nicht mehr allein aus glänzendem Hartplastik bestehen, eine Längsverstellung fürs Lenkrad ist kein Hexenwerk und unverkleidete Gurtpeitschen kann man sich einfach nicht schön schauen. Da hilft es auch nicht, wenn die Drehknöpfe für die Klimaregelung echte Kleinode sind und zwischen einigen Schaltern tatsächlich ein paar Chromeinleger funkeln. Doch die Kunden scheint das offenbar nicht zu stören. Noch bevor der Wagen zu den Händlern kommt, hat Opel bereits 25 000 Bestellungen in den Büchern und fühlt sich in seiner Kleinwagen Strategie damit vollauf bestätigt.

Allerdings ist diese große Flut an kleinen Autos mit dem Karl erst einmal durch. Aber die Modelloffensive bei Opel geht damit nur n die nächste Runde, und mit ihr die Neugier auf neue Namen. Der nächste neue Opel ist der Astra, und dessen Name wird sich ganz sicher nicht ändern. Doch haben die Hessen sehr wohl auch ein paar neue Segmente im Auge, in denen sie sich mit phonetischen Altlasten nicht abgeben mpssen. Stattdessen können sie einfach in Adams Stammbaum schauen. Denn der Firmenchef hatte neben Karl noch vier weitere Söhne. Und Wilhelm, Fritz, Ludwig, Heinrich sind auch keine schlechten Namen.

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