Neuer Hyundai i30 N (2017): Erste Testfahrt Hyundais GTI-Gegner läuft sich warm

von Thomas Geiger 13.07.2017

Der neue Hyundai i30 N soll am Herbst 2017 frischen Wind in die Liga der Kompaktsportler bringen. Bei der ersten Testfahrt über den Straßen am Nürburgring hinterlässt der Prototyp einen gewaltigen Eindruck!

Bei Hyundai wird plötzlich der Weg zum Ziel: Wenn die Koreaner im Herbst den neuen Hyundai i30 N (2017) als First Edition zu einem Preis von 30.900 Euro an den Start bringen, dann wird das Fahren zum Selbstzweck und das Grinsen ist garantiert. "N" soll schließlich die koreanische Antwort auf AMG, M GmbH oder Audi Sport sein. Und während man sich für alle anderen Hyundai-Modelle aus dem Kopf heraus entscheidet, soll nun auch der Bauch ein Wörtchen mitreden. Für ihren Erstling haben sich die Entwickler besonders viel Mühe gegeben und hat laut Klaus Köster, der die Entwicklung der High-Performance-Modelle verantwortet, beim i30 kaum eine relevante Schraube unberührt gelassen. Es gibt deshalb nicht nur eine bulligere Karosserie, die sich bei der ersten Begegnung allerdings noch unter einem Tarnkleid versteckt, und einen zwei Liter großen Turbobenziner, der in der Standardversion 250 und mit dem Performance Pack 275 PS leisten wird. Nein, es gibt auch breite Reifen, die auf bis zu 19 Zoll großen Felgen stecken und ein völlig neues Fahrwerk. Die Lenkung ist nicht einfach anders kalibriert, sondern wurde neu entwickelt. Das manuelle Getriebe hat kürzere Schaltwege und gleicht beim Gangwechsel automatisch die Drehzahl an. Zudem beschleunigt ein elektronisches Differential die Kurvenfahrt. Statt die Sitze des neuen Hyundai i30 N (2017) nur neu zu polstern, wurden die Sportschalen gleich komplett neu konstruiert. Dazu gibt es ein adaptives Fahrwerk, bissigere Bremsen, einen brüllenden Klappenauspuff, ein variables Leuchtband im Drehzahlmesser, einen Schaltindikator mit LED-Blitzen und vier Fahrmodi, die man mit zwei zusätzlichen Tasten direkt aus dem Lenkrad heraus schalten kann.

Neuer Hyundai i30 N (2017) im Video:

 

 

Neuer Hyundai i30 N (2017) auf Testfahrt am Ring

Fertig ist ein kompakter Kraftmeier, der den Golf GTI zu einem lustlosen Langweiler stempelt. "N" – das steht laut Köster nicht nur für die Entwicklungszentren in Namjang in Korea und in Meuspath am Nürburgring, der Buchstabe soll auch an eine Schikane erinnern. Und genau dafür ist der neue i30 N (2017) gemacht. "Wir wollen gar nicht die stärksten oder die schnellsten sein. Erst recht nicht auf der Geraden. Aber wir wollen das Auto bauen, das den meisten Spaß bietet", sagt der Ingenieur und bittet zum ersten Ausritt rund um den Ring. Auf den engen, verwunden Sträßchen der Eifel merkt man schnell, dass sich der Aufwand von über drei Jahren Entwicklungsarbeit gelohnt hat. Der Kompaktsportler von Hyundai klebt förmlich auf der Straße und rasiert durch die Radien, dass es eine wahre Freude ist. Sein Turbo spricht ohne nennenswerte Verzögerung an und dreht munter bis auf 6000 Touren. Solange der Asphalt hübsch trocken und die Reifen schön warm sind, bringt er seine Kraft so sauber auf die Straße, dass die Schutzengel des ESP eine ruhige Kugel schieben können. Erst recht, wenn man in den Sport-Modus wechselt, die Toleranzschwelle der Sicherheitsfanatiker spürbar anhebt und der neue Hyundai i30 N (2017) seine Muskeln spannt. Das Fahrwerk versteift sich, der Auspuff spielt sich in den Vordergrund, der Puls schlägt schneller und der GTI aus Korea wird zu einer führerscheinfressenden Asphaltfräse. Am meisten Spaß macht aber der N-Drive-Modus, der sich über die Taste mit der Rennflagge aktivieren lässt. Dann wird der Kraftmeier gar vollends zum Kämpfer, der ohne Rücksicht auf Verluste die Knochen schüttelt und um jede Zehntelsekunde kämpft. Die Gänge fliegen nur so durchs kurze Getriebe, die Elektronik reduziert die Drehzahlsprünge und die Schalthinweise im Cockpit flackern wie in der Disco.

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Neuer Hyundai i30 N (2017) tritt gegen den GTI an

All das nimmt man allerdings nur aus den Augenwinkeln wahr. Denn so leicht sich der neue Hyundai i30 N (2017) jetzt auch auf der Straße halten lässt, muss man den Blick schon fest an die Ideallinie heften, wenn man hier keinen Abflug machen will. Die exakten Daten will Projektleiter Köster noch nicht verraten. Doch die Ausschläge auf der Drehmoment-Grafik des aufwändigen Infotainmentsystems reichen bis fast 400 Newtonmeter, viel länger als 6,4 Sekunden wird der Spurt von 0 auf 100 km/h nicht gedauert haben. Und so viel Dampf, wie bei 180 bis 200 km/h noch auf dem Kessel ist, dürften 250 Sachen keine ernsthafte Prüfung für den Hyundai sein – vorrausgesetzt, die die Bedenkenträger in Korea verstehen ein wenig Spaß! Obwohl der i30 ein überraschend kompromissloser "Hothatch" wird, der einem Focus RS oder einem Civic Type R in Sachen Fahrfreude sehr viel näher ist als einem Golf GTI, können die Koreaner natürlich nicht ganz aus ihrer Haut und wahren einen Rest von Vernunft. Das gilt für die Standfestigkeit der Komponenten, die ihre Durchhaltekraft beim problemlos absolvierten 24h-Rennen am Nürburgring bewiesen haben, genauso wie für den vernünftigen Alltagskomfort. Sobald das Sport- oder Rennprogramm aus ist, wird der neue Hyundai i30 N (2017) so zahm, das man mit ihm auch ins Büro oder zum Kindergarten fahren kann. So selbstbewusst sich die Koreaner am und auf dem Ring geben, wissen die Entwickler doch, wo sie und ihre Kunden herkommen. "Die wenigsten Hyundai-Käufer werden sich den Luxus leisten, dieses Auto nur zum Spaß zu fahren", räumt Köster ein. Selbst wenn man in keinem anderen Hyundai bislang so viel Spaß haben konnte. Als der Erlkönig nach einer Stunde wieder hinter das blickdichte Schiebetor am Ring rollt, klebt das Hemd zwar am Rücken, die Arme sind müde, die Handflächen brennen und vom Nacken bis zum Steiß spürt man ein feines Ziehen, doch der Blick in den Spiegel zeigt eine weitere Veränderung. Und die ist nach der Fahrt in einem Auto aus Korea neu: das breite Grinsen im Gesicht.

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