Mitsubishi L200 - Pick-up im Fahrbericht Für Arbeit und Abenteuer

09.06.2015

Mitsubishi präsentiert die neueste Generation seines Pick-ups. Bei der ersten Fahrt stellten wir fest: Der Mitsubishi L200 bleibt ein ehrlicher Kumpel für kernige Typen

Da sollen sie nur gucken in ihren Porsche Cayennes und BMW X5. Auf der Autobahn mögen sie ihm davon fahren und vor dem Grand Hotel machen sie natürlich ebenfalls eine bessere Figur. Aber spätestens auf dem Parkplatz des Baumarkts sieht die Sache schon ganz anders aus: Wo die Schickeria mit spitzen Fingern zwei Säckchen Blumenerde auf die vorher eilig ausgebreitete Plane im Kofferraum ihres Designer-Dickschiffs lupft, schultert dieses Auto tapfer alle Lasten, die man ihm aufbürden möchte und ist sich auf für den gröbsten Dreck nicht zu fein. Wozu gibt es schließlich einen Gartenschlauch oder zur Not einen Dampfstrahler? Denn wo alle Welt den Geländewagen in einen Freizeitanzug oder einen Smoking steckt und als SUV verkauft, legt ihm Mitsubishi den Blaumann an und hält dem Pick-Up tapfer die Treue – und das bald 60 Jahre und über vier Millionen Autos lang.

 

Mitsubishi L200 - Pick-up im Fahrbericht

Trotzdem feiern es die Japaner als kleine Revolution, wenn sie Ende September zu einem kaum veränderten Grundpreis um die 27.000 Euro die fünfte Auflage des Pritschenwagens an den Start bringen. Im Grunde seines Herzens und angesichts rund 90 Prozent gewerblicher Zulassungen noch immer ein Arbeiter und Abenteurer, wird er nämlich nicht nur sparsamer, sondern auch ein bisschen komfortabler. „Wir haben uns diesmal eher an Geländewagen als an Nutzfahrzeugen orientiert“, sagt einer der Projektingenieure und lenkt den Blick in einen tatsächlich etwas wohnlicheren Innenraum mit hübsch gestalteten Konsolen, Sitzen mit etwas mehr Langstreckenkomfort und Sicherheitsfeatures wie sieben Airbags oder eine elektronischen Spurführungshilfe.
 
Weil es aller Finesse zum Trotz natürlich vor allem um Nutzen und Kosten geht, haben die Japaner zugleich die Nehmerqualitäten erhöht und den Durst gesenkt. Die Kabine – es gibt eine klassische Double-Cab mit vier Türen und eine etwas schmalere Club Cab mit gegenläufig angeschlagenen Behelfstüren – ist etwas geräumiger geworden, die Pritsche wächst ein paar Millimeter in Länge und Höhe und die Anhängelast legt um 100 Kilo auf bis zu 3,1 Tonnen zu.
 
Dazu gibt es einen neuen 2,4-Liter-Diesel mit wahlweise 154 oder 181 PS und 380 oder 430 Nm, der gegenüber dem Vorgänger maximal 1,1 Liter gutmacht und im besten Fall mit 6,4 Litern zufrieden ist – und das, obwohl der Allradantrieb auch künftig immer Standard ist.

Wie fährt sich der Mitsubishi L200?

So sehr Mitsubishi Wert legt auf den Aufstieg des L200 vom schnöden Pritschenwagen zum Laster mit einer Prise Lifestyle, so rustikal ist und bleibt das Fahrverhalten. Der Motor knurrt laut und vernehmlich und schüttelt das Stahlgebirge beim Kaltstart ordentlich durch, der lange Schalthebel will mit fester Hand durch die etwas verwundenen Gassen des neuen Sechsgang-Getriebes geführt werden und von Starrachsen mit Blattfedern darf man keine Komfort-Wunder erwarten.
 
Dafür ist der L200 ein ebenso klagloses wie kerniges Gefährt, das sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen lässt – weder von hohen Bordsteinkanten oder fiesen Temposchwellen, noch von Flussläufen, Felsbrocken oder Matschpfaden. Mit etwas Geduld und noch mehr Anlauf schafft er auf der Autobahn im besten Fall 179 km/h, irgendwann findet man selbst mit dem Pritschenwagen eine ausreichend lange Gerade zum Überholen und wenn einem die Fuhre auch mit dem kleinsten Wendekreis im Segment bei einer Irrfahrt durch die Altstadt noch ziemlich unhandlich erscheint, findet man Trost auf der Preisliste: Schließlich gibt es jetzt neben der Zwei-Zonen-Klimaautomatik und den Bi-Xenon-Scheinwerfern zum Beispiel auch eine Rückfahrkamera, mit der das Rangieren spürbar leichter wird.
 
Zwar hat man die Japaner lange Jahre belächelt, dass sie die in weniger entwickelten Regionen der Welt höchst erfolgreichen und gleichermaßen einträglichen Pick-Ups auch bei uns anbieten. Zumal der Marktanteil der Pritschenwagen in Europa mittlerweile sogar unter ein Prozent gefallen ist. Doch so ganz uninteressant kann das Segment offenbar nicht sein. Denn nachdem VW und Ford bereits kräftig mitmischen, machen sich jetzt die nächsten Europäer bereit: 2016 kommt der L200 auch als Fiat, 2017 bringt Renault auf Nissan-Basis seine ersten Pick-Up und zum Ende des Jahrzehnts wird die Pritsche als Mercedes Pick-Up sogar Premium. Mal gespannt, wie sie dann gucken, in ihren Porsche Cayenne und BMW X5.

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