Mercedes Concept Ocean Drive Daimlers Gloria

12.04.2011

Ein viertüriges Cabrio gab es schon lange nicht mehr. Mercedes interpretiert das herrschafltiche Reisen mit dem Ocean Drive neu

Eckdaten
PS-kW517 PS (380 kW)
AntriebHinterrad, 5 Gang Automatik
0-100 km/hk.A.
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Preis5.000.000,00€

Wer schon einmal nach Miami im schönen Staate Florida gereist ist, kennt das: An Bord einer fliegenden Gefriertruhe der Marke Boeing zehn Stunden lang auf ebenso wenige Grad heruntergekühlt, wuselt man nach der Ankunft durch eine weitläufige Eishalle, in der das Gepäck vom Band plumpst. Anschließend tritt man ins Freie und dehydriert dort so lange unter sengender Sonne, bis ein Taxi vom Schlage eines gut abgehangenen Ford Crown Victoria vorfährt, in dem man dann aufs Neue schockgefrostet wird. Es liegen Berichte vor, wonach jemand das Temperaturzonen-Pingpong überlebt haben soll. Anlass der Reise in den südöstlichsten Zipfel der Vereinigten Staaten ist eine außerordentliche Begegnung: Die erste Ausfahrt mit einem Cabriolet der Superlative. Schon auf der Detroit Auto Show im Januar dieses Jahres hat der Luxusliner Mercedes Concept Ocean Drive den Amerikanern gehörig den Kopf verdreht. Er ist ein Schaustück, mit dem Mercedes die Stimmungslage des Publikums sondieren will. Wenn alle aus dem Häuschen geraten, ist das schließlich das stärkste Kaufmotiv für die wenigen Glücklichen, die sich ein solches Prachtmobil leisten können. Wir rechnen mit spontanen unmoralischen Angeboten. Die technische Basis des 5,29 Meter langen Ozeanfahrers ist der S 600. Also die fürstliche Langversion der "Sonderklasse" von Mercedes mit jenem 517 PS starken, 5,5 Liter großen V12-Biturbo im Bug, der leistungsmäßig zu allem im Stande wäre, was – entsprechendes Ungeschick des Fahrers vorausgesetzt – den in mühevoller Handarbeit aufgebauten und mit schlanken fünf Millionen Euro versicherten Ausnahme-Daimler im Nu pulverisieren könnte: die viertürige Karbon-Karosserie, den mit edlem Leder ausgeschlagenen Innenraum, die großen Edelholzflächen aus Vogelaugenahorn, das von einem ausgeklügelten Mechanismus bewegte, 2,22 Meter lange Stoffverdeck, die formidable Luftfederung, die 36-speichigen 21-Zoll-Räder und die mit allen erdenklichen Feinheiten gespickte Luxusausstattung. Der entscheidende Unterschied zwischen der ersten Begegnung mit dem Ocean Drive und irgendeinem anderen Auto besteht darin, dass man sich zur Beschreibung einen Haufen neuer Verben zurechtlegen muss: Der Ocean Drive hält nicht einfach an, er arriviert. Man setzt sich keinesfalls hinein, sondern betritt ihn. Im Gegensatz zu gängigen Cabriolets ist auch der geräumige Fond herrschaftlich zu erreichen. Zwei weit öffnende Türen ermöglichen bequemen Zutritt. Er fährt auch nicht durch die Gegend. Vielmehr gibt er der Landschaft Gelegenheit, ihn als Kulisse flankieren zu dürfen. Und wer nun meint, das vollautomatische Verdeck würde zurückklappen oder dergleichen, darf auf der Stelle wegtreten. Nicht weniger als 3,2 Quadratmeter feinsten Tuches falten sich nämlich wie von Geisterhand bewegt spektakulär in einen Aufbewahrungsschacht hinein, der sogleich von einer Abdeckung aus edlem Holz behütet wird und stilistisch an ein Bootsdeck erinnert. Hier in Miami haben die dicken Pötte von Carnival Cruise Lines und Royal Caribbean festgemacht, mit denen fidele Veteranen aus aller Welt Richtung Karibik in See stechen. Das ist toll, weil man an Bord mit ein paar tausend Gleichgesinnten 14 Tage lang lecker essen oder Shows anschauen kann oder alternativ Shows anschaut und lecker isst. Man kann natürlich auch zwischen den Shows einen Happen einwerfen. Weiter hinten ankert die "Freedom of the Seas", 60500 Tonnen schwimmender Stahl, 339 Meter lang, fein säuberlich parzelliert in 1817 Kabinen und damit das größte Passagierschiff der Welt. Von seinem säuselnden Zwölfzylinder mühelos beschleunigt, nimmt der Ocean Drive die Parade der längsseits liegenden Schlemmer-Schiffe ab. Von den unzähligen Balkon-Kabinen zucken Blitzlichter herüber. Das elegante Design überzeugt also auch aus der Ferne. Die Szene erzeugt ein ganz besonderes Gefühl. Ein paar tausend Härchen stellen sich auf. Das unten abgeflachte, zweifarbige Lenkrad in Händen, vor sich das Plateau der großflächigen, nach vorn vom Stern begrenzten Motorhaube, die Blicke der Seefahrer im Nacken und die Florida-Sonne über dem Kopf – in solchen Momenten weiß man, welche Feinheiten das Leben bereithalten kann. Wir ändern den Kurs und biegen ab auf die Brücke nach Palm Island, wo die Dichte der Kaufkräftigen enorm groß ist. Einer von ihnen verdient bei hohen Kraftstoffpreisen besonders gut und hat die Vorfahrt seiner Villa mit Modellen von Aston Martin, Bugatti, Maybach, Maserati und Mercedes zugeparkt. Jetzt kullert er zwecks Geschäftsanbahnung mit einem nagelneuen Hummer zum nahen Fotoplatz. Keine Frage, der Mann meint es ernst. Ölmenschen als solche sind ja chronisch liquide. Wenn aber die Wucht des Dollars an der Unverkäuflichkeit der Sache abperlt, steigt beim Scheich im Handumdrehen der Blutdruck. Der Gute trollt sich erst, als wir ihm sagen, dass das Objekt der Begierde zumindest theoretisch einst in Serie gebaut werden könnte. Gut möglich, dass er jetzt Daimler-Aktien aufkauft, um die Entscheidung zu beeinflussen. Wie gesagt, noch ist der Ocean Drive eine Fingerübung. Sollte die verehrte Kundschaft ungeduldig nach ihren Platinum-Kreditkarten fingern, wird Mercedes eine Antwort finden. Wenn der Erfinder des Automobils künftig wieder allein seinen Weg geht, muss der Stern heller strahlen denn je. Ein offener Luxusliner in dieser Klasse könnte dabei ausgesprochen hilfreich sein. Ob mit vier oder zwei Türen, ob mit Stern oder dem Doppel-M der Edelmarke Maybach auf der Haube, ist dabei letztlich egal. Hauptsache, das unnachahmlich elegante Design bleibt, wie es ist. Daimlers Gloria eben. Stefan Miete

Technische Daten
Motor 
ZylinderV12 Biturbo
Hubraum5514
Leistung
kW/PS
1/Min

380/517
5000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
830
1900 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe5 Gang Automatik
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: innenbel. Scheiben
Bereifungv: 245/35 ZR 21
h: 245/35 ZR 21
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)k.A.
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)250
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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