Land Rover Defender TD4 110 SW: Test des Geländewagens mit 122-PS-Diesel Finaler Jahrgang

14.02.2015

In seinem 68. und letzten Dienstjahr erhält der Land Rover Defender erstmals eine Fahrdynamikregelung – sogar serienmäßig! Test

Ende des Jahres läuft die Produktion der Offroad-Ikone unwiderruflich aus. Damit endet zugleich eine 68-jährige Regentschaft, wenn der ungekrönte Herrscher der Offroad-Dynastie abdankt und den Thron für einen komplett neu konstruierten Nachfolger räumt – auch wenn dieser noch mindestens bis Ende 2017 auf sich warten lässt. Quasi als Abschiedsgeschenk spendierten die Verantwortlichen in Solihull dem altehrwürdigen Landy für den finalen Jahrgang neben diversen Ausstattungsoptionen sogar eine elektronische Fahrdynamikregelung, besser bekannt als ESP. Wer hätte das gedacht.

 

Land Rover Defender: charakterstarker Klassiker

Das DSC-System  funktioniert, wie man es erwartet, und hält den Defender im Ernstfall per Bremseneingriff in der Spur. Das System lässt sich konsequenterweise nicht abschalten, nur die Traktionskontrolle kann per Tastendruck deaktiviert werden. An den grundlegenden Unzulänglichkeiten der inzwischen historischen Konstruktion ändert aber auch der elektronische Schleuderschutz nur wenig. Die Lenkung arbeitet weiterhin extrem indirekt, das Einlenkverhalten der ab 80 km/h laut singenden Allterrain-Reifen ist abenteuerlich und die Bremswege von beinahe 50 Metern passen absolut nicht mehr in die Zeit.

Airbags gibt es an Bord des Allrad-Klassikers ebenso wenig wie moderne Assistenz-Systeme. Auch die weit nach außen gerückte Sitzposition und die stellenweise schrullige Bedienung sowie der mit einfachen Kunststoffen verkleidete Innenraum bezeugen, dass der Zahn der Zeit schon seit Längerem am Defender nagt.

Andererseits sind es genau diese Dinge, die ihn so nachhaltig von allen anderen Geländewagen abgrenzen und ihm sein einzigartiges, beinahe trotziges Charisma verleihen, dem nach wie vor eine treue Schar von Individualisten erliegt. Außerdem erweist sich die Antriebstechnik als durchaus zeitgemäß. Motor, Getriebe und die Allradtechnik bieten wenig Anlass zu Kritik, zumindest, wenn man auf den rauen Charme des kultigen Kastens steht.

Er ist und bleibt eben eine ehrliche Haut: Absolut ungeschönt, aber unverwüstlich und frei von unnötigem Komfort überzeugt er mit Nehmerqualitäten, bis zu sieben Sitzplätzen, immenser Zuladung (924 kg) sowie 3,5 Tonnen Anhängelast – und einer nach all den Jahren immer noch verblüffenden Geländegängigkeit.

TECHNIK
 

Land Rover Defender TD4 110 SW
Motor 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel
Hubraum 2198 cm3
Leistung 90 kW/122 PS bei 3500/min
Max. Drehmoment 360 Nm bei 2000/min
Getriebe 6-Gang, manuell (Reduktion)
Antrieb Allrad, permanent; Mittendifferenzial-Sperre
Fahrwerk v.: Starrachse, Schrabenfedern, Dämpfer, Panhardstab, Stabi.; h.: Starrachse, Längs- und Dreieckslenker, Schraubenfedern, Dämfer, Stabi.; DSC (ESP)
Bremsen v.: innenbelüftete Scheiben; h.: Scheiben; ABS
Bereifung 235/85 R 16 Q,
Goodyear Wrangler MT/R
Felge 5,5 x 16
L/B/H 4785/1992/2181 mm
Radstand 2794 mm
Leergewicht/Zuladung 2126/924 kg
Anhängerlast gebr./ungebr. 3500/750 kg
Kofferraumvolumen ca. 1000 - 2450 l
Abgasnorm Euro 5
Typklassen HP 23/VK 17/TK 18
Messwerte 0-100 km/h in 15,6 s
Elastizität 60-100 km/h in 11,3 s (5. Gang),
80-120 km/h in 17,8 s (6. Gang)
Höchstgeschwindigkeit1 145 km/h
Bremsweg 100-0 km/h kalt/warm 47,2/48,7 m
Verbrauch 12,3 l D/100 km
EU-Verbrauch1 11,1 l D/100 km
CO2-Ausstoß1 295 g/km
Grundpreis 34.690 Euro
¹ Werksangaben

Unser Fazit

Die Stabilitätskontrolle macht den Defender sicherer, nicht moderner. Auch wenn mit ihm ein Stück Zeitgeschichte endet – es wird Zeit für den Neuen!

Martin Urbanke

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