Isolde Holderied im Toyota Corolla WRC Quer durch den Garten

300 PS, Allradantrieb und ein enger, nasser Kurs: Mitfahrt bei Rallye-Ass Isolde Holderied im Toyota Corolla WRC von 1999

Eckdaten
PS-kW301 PS (221 kW)
AntriebAllrad, 6 Gang sequentiell
0-100 km/hk.A.
Höchstgeschwindigkeitk.A.
Preisk.A.

Die Frau am Steuer zeigt auf den nassen Asphalt: Es regnet und wir haben Slicks drauf. Wahrscheinlich runzelt sie dazu die Stirn. Sehen kann man das nicht, denn Isolde Holderied trägt einen Helm. Das fängt ja toll an. Festgezurrt im Schalensitz eines 300 PS starken Toyota Corolla WRC, am Steuer eine der schnellsten Frauen Deutschlands. Holderied, war zwischen 1994 und 1997 zwei Mal Damen-Weltmeisterin, vier Mal gewann sie die Damen-Europameisterschaft. Von 1992 bis 1999 holte sie sechs Mal den Coupe des Dames bei der Rallye Monte Carlo. Heute arbeitet die 41jährige unter anderem als Instruktorin auf Rennstrecken und fährt für Toyota Demonstrationsrunden in Serienautos und im Corolla WRC.

Nasse Strecke, Bäume rechts und links, kein ABS
Gleich soll es rausgehen auf die Strecke: 2,8 Kilometer lang, vier Kurven. Keine Auslaufzonen, nur Bäume am Straßenrand. Einzige Sicherheitsmaßnahmen sind ein Helm, der Vierpunktgurt und ein Überrollbügel. Keine Regenreifen, aber Regen. Isolde Holderied gibt Gas, dreht am Steuer. Der Corolla wechselt von einem mechanischen Rasseln, Röcheln und Brummen in ein Röhren und Dröhnen. Die Karosserie vibriert, als ob der Motor fest damit verschraubt wäre. Die Reifen federn offenbar nicht einmal die Kieselsteine weg, die vereinzelt auf dem Asphalt des Fahrerlagers liegen. Mit dem serienmäßigen Corolla hat dieses World Rallye Car von 1999 die Form und den Namen gemeinsam, mehr nicht. Ein zwei Liter großer Vierzylinder-Turbo treibt über ein sequenzielles Sechsgang-Getriebe alle vier Räder an. Für Kraftschluss sorgt eine Carbon-Rennkupplung von AP. Vorder-, Mitten und Hinterachsdifferenzial sind elektronisch steuerbar, ABS gibt es nicht.
 
Angst? Nein, Vorfreude
Dieser Corolla ist ungefähr so laut und unkomfortabel wie die Vorfreude groß ist. Jetzt hilft nur noch das Vertrauen in die Fahrerin, Aussteigen gilt nicht mehr. Gelbe Flagge, Start! Holderied gibt Gas, lässt die Carbon-Kupplung kommen und lenkt auf die Strecke. Zwei, drei Mal tritt sie aufs Gas, bremst wieder, der Corolla schlingert die Allee entlang. Es ist offenbar rutschig hier. Die erste Kurve nimmt sie langsam, beschleunigt danach nicht voll. Trotzdem geht das Ding jetzt schon richtig vorwärts. Mit dem kurzen Schalthebel rechts neben dem Lenkrad schaltet die Rallyemeisterin mehrmals hoch. Bei jedem Gangwechsel krachen die Zahnräder fühlbar aufeinander, das Wastegate des Turboladers zwitschert.
 

Ständig zuckt der Corolla WRC nach links und rechts
Geradeaus geht es mit diesem Auto fast gar nicht, ständig zuckt der Corolla nach links und rechts. Die Räder haben eine Sturzeinstellung, die das Auto handlicher macht, erklärt Isolde Holderied das zappelige Fahrverhalten. Die erste Runde  geht die Rallye-Dame noch langsam an, um die Strecke kennenzulernen und die Reifen aufzuwärmen. Seit fünf Jahren sitzt sie zum ersten Mal wieder in dem Auto, sie arbeitet sehr konzentriert und macht sich schnell wieder mit ihrem Arbeitsgerät vertraut.
 

Erst ein Gasstoß stabilisiert das Auto
In der ersten Runde schiebt der Corolla kräftig über die noch kalten Vorderräder. Erst ein Gasstoß stabilisiert das Auto wieder. In der zweiten Runde sind die Reifen warm. Jetzt geht die mehrfache Rallyemeisterin die Kurven schneller an, gibt früh wieder Gas und überredet das Heck zu einem kleinen Drift. Unglaublich, wie schnell der Allradler dann wieder gerade steht und geradeaus schießt. Die drei Geraden auf der  Strecke sind sehr kurz und schnell vorbei. Auf der Geraden nach dem Start-Ziel-Tor scheinen die Zuschauer nur so vorbeizufliegen und zum guten Schluss jeder Runde wischen dicke Ahornbäume links und rechts am Seitenfenster vorbei. Bis zur nächsten Kurve, die Ecken sind ziemlich eng und die Straßen sehr schmal. In der dritten Runde nutzt Holderied fast jeden Zentimeter Strecke aus, der Toyota tanzt wie eine Billardkugel über die Strecke. Nach jeder Start-Ziel-Durchfahrt möchte man Toor rufen, denn das Tor, das dort steht, sieht doch sehr eng aus. Doch wir kommen jedes Mal ohne Kontakt durch, danach die schnelle Linkskurve und Sekunden später ist die nächste Kurve da.
 

Im Sekundentakt knallt das Getriebe, dazu zwitschert das Wastegate
Einen Gang nach dem anderen schaltet Holderied herunter, drei Mal knallt das Getriebe, dazu zischt im Sekundentakt das Wastegate. Zwitschernd und dröhnend erreichen wir die Kurve, es riecht nach Benzin und Öl im Cockpit. Wer bei diesem Tempo als Rallye-Copilot dem Fahrer Anweisungen geben soll, muss das Roadbook wirklich schnell lesen können. Denn bei einem Wettbewerb wäre der Fahrer deutlich schneller unterwegs. In der vierten Runde werden wir schon wieder abgewunken und rollen zurück ins Fahrerlager. Der bollernde Zweiliter-Turbo unter der vorderen Haube hat den Innenraum ordentlich aufgeheizt, der Beifahrer grinst. Es ist nicht nur gut gegangen, diese Achterbahnfahrt hat richtig Spaß gemacht.
 Andreas Of

VITA
Isolde Holderied, Jahrgang 1966, kam 1987 durch eine Fahrersichtung zum Rallyesport und ist seit 1993 als Rallye-Profi unterwegs. Ihre erste Rallye fuhr sie 1986 mit dem Opel Corsa eines Bekannten. Die gelernte Anwaltsgehilfin und Fahrsicherheitsinstruktorin wurde 1994 und `95   Damen-Weltmeisterin im Gruppe-N-Mitsubishi. Den Titel der Damen-Europameisterin holte sie 1992, 1993, 1996 und 1997, den "Coupe des Dames" bei der Rallye Monte Carlo gewann sie sechs Mal (1992, 1993, 1994, 1995, 1997, 1999). Von 1996 bis 2001 startete Holderied als erste Werksfahrerin bei Toyota in der Gruppe A. Ihre letzte Rallye fuhr sie 2001, heute arbeitet sie weiter für Toyota als Instruktorin, ist Markenbotschafterin eines Reifenherstellers.

Fazit

Technische Daten
Motor 
ZylinderR4 Turbo
Hubraum1972
Leistung
kW/PS
1/Min

221/301
5700 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
null
k.A.
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang sequentiell
AntriebAllrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: innenbelüftete Scheiben
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1230
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)k.A.
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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