Honda Jazz 2015 - dritte Generation im Fahrbericht Kleines Raumwunder

20.07.2015

Neue Musik bei den Minis: So bringt der Honda Jazz 2015 dem VW Polo die Flötentöne bei. Seine Größe überrascht im ersten Fahrbericht

Honda schlägt im Kampf gegen Polo & Co neue Töne an. Wenn die Japaner im September zu Preisen ab 15.900 Euro endlich die dritte Generation des Jazz an den Start bringen, wollen sie den konventionellen Kleinwagen mal wieder die Schau stehlen. Denn auch wenn der Herausforderer aus dem Fernen Osten mit einem flacheren Dach, einer entschlosseneren Front und den markanten Sicken auf der Seite jetzt mehr denn je nach einem lebenslustigen Stadtflitzer aussieht, bleibt er innen ein Raumwunder, in dem man die Möblierung schneller ändert als in jeder Studentenbude.

 

Honda Jazz 2015: Geräumiger Kleinwagen im Fahrbericht

War der Jazz schon bislang der vielleicht variabelste Vertreter seiner Klasse, legen die Japaner jetzt noch einmal nach: Mit zehn Zentimeter mehr Länge und drei Zentimetern mehr Radstand bietet die dritte Jazz-Auflage künftig mehr Innenraum als eine aktuelle S-Klasse. Und weil es zu den Magic Seats mit den wie im Kino aufstellbaren Sitzkissen künftig auch noch komplett umklappbare Lehnen für die Sessel in der ersten Reihe gibt, kann man nicht nur den Kofferraum von 354 auf bis zu 1314 Liter erweitern oder Platz für fast 1,30 Meter hohe Ladung schaffen. Sondern wenn einem der Stau mal zu lange dauert, lässt sich die Sitzlandschaft im Jazz mit wenigen Handgriffen in eine kuschelige Liegewiese verwandeln. „Was sie damit anfangen, überlasse ich ihrer Phantasie“, sagt Projektleiter Makato Konishi mit einem charmanten Schulterzucken.
 
Diese Liegewiese haben die Ingenieure auch während der Entwicklung  offenbar etwas häufiger frequentiert. Anders lässt sich das verschlafene Cockpit des neuen Jazz kaum erklären. Denn während sie das frische Blech in poppige Farben getaucht haben, gibt es innen viel graues Hartplastik mit schlecht imitierten Ziernähten und ein so grob verpixeltes Display im Bordcomputer, als stamme es noch aus der Ära der Arcade-Spiele. Dabei ist der Jazz sonst ein überraschend modernes Auto. Die Klima-Zentrale hat ein schmuckes Apple-Design, das große Online-Navigationssystem sieht aus wie ein Tablet-Computer und auf der Ausstattungsliste finden sich immerhin Extras wie ein City-Notbremssystem oder ein Tempomat, der sich Automatisch ans Tempolimit hält.

Der neue Honda Jazz kommt ohne Hybriedantrieb

Aufgeweckter als das Ambiente ist dagegen der Motor. Das 1,3 Liter-Triebwerk ist komplett neu und ersetzt die bisherigen 1,2- und 1,4 Liter-Aggregate. Dabei ist der neue Vierzylinder mit einem Normverbrauch von 5,1 Litern für die Version mit Schaltgetriebe und 4,9 Litern für das CVT-Modell etwas sparsamer als das kleinere Triebwerk im Vorgänger und fährt mit 190 km/h schneller als frühere der größere, sagt Projektleiter Konishi und spricht stolz von einer Win-Win-Situation. In der Stadt passt das.

Dort fährt der Jazz komfortabel, ist spritzig und erweist sich vor allem als handlich, agil und beim Parken übersichtlich. Aber über Land wirkt er schnell ein wenig angestrengt, das Fahrwerk ist dann vergleichsweise nervös und so laut der Motor auch knurrt und so oft man das lang übersetzte Sechsganggetriebe auch bemüht, will partout nicht die gesamte Leistung auf der Straße ankommen. Stünden nur 75 PS im Fahrzeugschein, man würde es den Japanern auch glauben.
 
Kein Wunder, dass der deutsche Vertrieb zwar einen Diesel ausschließt, sich aber schon auf einen stärkeren Benziner freut, der im nächsten Jahr kommen könnte. Dann wären auch mehr als die mageren 11,2 Sekunden von 0 auf 100 drin und man müsste sich nicht so plagen, bis man tatsächlich die versprochenen 190 km/h auf der Uhr hat.
 
Davon unbenommen bleibt der Jazz der Pfiffikus unter den Kleinwagen und lässt die Europäer mit seinem Innenleben ganz schön alt aussehen. Zumal ein Polo oder ein Corsa in der nackten Basisversion zwar 20 Prozent billiger sind, dafür aber auch nicht gerade vor Fahrdynamik und Lebensfreude sprühen. Trotzdem ist es irritierend, dass Honda ein Alleinstellungsmerkmal freiwillig aufgibt: Denn anders als daheim in Japan nehmen die Asiaten in Deutschland den Hybridantrieb mangels Nachfrage aus dem Programm.

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